Amtsflucht

Ich lebe zwischen Regen und Traufe der asozialen Marktwirtschaft, zur einen Seite der Klotz der Agentur für Arbeit, auf der anderen eine identitätsgestörte Einrichtung. Sie wirkt immerhin etwas im Unklaren über das eigene Dasein. Selbst in der kurzen Zeit, die ich hier lebe, hat sie die großen Lettern über dem Haupteingang mehrmals gewechselt. Derzeit nennt sich das Gebäude Jobcenter, ganz unabhängig von seinem eigentlichen Zweck, der wohl schon seit jeher die Schikane ist.

Zu jeder Tageszeit strömen allerlei Menschen zu den Gebäuden. Manche von ihnen tragen seltsame Jogginganzüge, für die nicht einmal die Achtziger anrufen würden, um sie zurückzuverlangen. Andere werfen sich in Schale, anscheinend wollen sie einen möglichst guten Eindruck hinterlassen. Doch betreten sie die Gebäude durch ihre gläsernen Mäuler, werden sie zu Nummern zermahlen. Gleichwohl sie Kunden genannt werden, sollen sie nur dem gesellschaftlichen Verdauungssystem zugeführt werden.

Kein Wunder also, dass sich ein Schauspiel nun häufiger bestaunen ließ, das ich nur als Zeichen interpretieren kann, wie wenig Menschen mit diesen institutionellen Verachtungsmaschinen zu tun haben wollen. Vor dem Jobcenter ist eine Bushaltestelle, die Briefkästen des Amtes sind bloß zehn, vielleicht fünfzehn Schritte entfernt. Hält ein Bus, bricht manchmal Hektik aus. Kaum haben sich die Türen geöffnet, springt ein Mensch hinaus. In den Händen einige Umschläge, sprinten sie zu den Briefkästen. Die Luke quietscht, doch bevor sie metallisch krachend ihre Arbeit wieder einstellt, hat der Mensch schon wieder den Bus erreicht. Die Bustüren schließen sich.

Der Wulff, der Rücktritt

Die Suche nach einer Nachfolgerin oder einem Nachfolger wird ja nun wieder zur Geduldsprobe stilisiert, sodass es ja nicht schadet, dass ich nun doch meine Ansichten zu Wulffs Rücktritt noch während des präsidialen Vakuums – manche nennen es Horst Seehofer – loswerden will. Es ist nicht mehr als ein leichtes Bedauern – nicht über den Rücktritt, sondern über die Art und Umstände dessen. Weiterlesen

Präsidenten-Würde

© Raimond Spekking / CC-BY-SA-3.

Da sitzt er nun, der Christian Wulff, der Bundespräsident, der Mann, der einst Ministerpräsident war. Und nun muss er Buße tun. Für das Verhalten gegenüber – ausgerechnet – Kai Dieckmann. Das allein ist schon eine Leistung, sich bei Dieckmann persönlich entschuldigen zu müssen, aber auch bei der Presse allgemein und der Öffentlichkeit. Ich will gar nicht vorweg alles in Grund und Boden schreiben, was Wulff im Interview mit den Öffentlich-Rechtlichen von sich gegeben hat. Ich habe noch keine ordentliche Mitschrift. Ein Satz aber, der hat es mir angetan: Weiterlesen