Wo ist meine Zeit?

Jetzt dürfen alle wieder aufheulen, denn meine Zeiten als Coregamer sind wohl vorüber. Ich zocke ja nur noch casual. Und warum ich zu Wo ist mein Wasser? überhaupt noch Worte verliere?

Ganz richtig. Eigentlich ist dazu nicht viel zu sagen. Außer vielleicht, dass Wo ist mein Wasser? eines der Spiele ist, das ein organisches Leveldesign hat, das beeindruckend ist. Ich staune manchmal immer noch, wie sich Anspruch und Innovation die Waage halten, der Reiz des Spiels gerade darin liegt, immer neues Wissen über die Mechanik zu erlangen. Nahezu jeder Level führt Varianten des Physikpuzzles ein, die die eigenen Grenzen erweitern. Die Lösung lässt sich dann aber intuitiv erschließen, selbst wenn es nicht so leicht fällt, das Wasser so zu lenken, wie es sollte. Alles ergibt sich aus der Spielwelt. Wie etwa der Zeitdruck, der aus der Physik der Spielwelt heraus entsteht, wenn sich beispielsweise Säure ihren Weg durch das Erdreich bahnt. Nichts ist mit künstlichen aufgepfropften Timern. Da muss ich das Wasser eben vorher ans Ziel bringen, sonst ist der Lösungsweg verätzt.

Das Leveldesign, wenn es so gut ist wie in Wo ist mein Wasser?, stellt Herausforderungen in den Weg, aber nicht außer Sichtweite. So viel Spieldesign basiert auf dem Hintergehen der Spielerperspektive. Informationen werden zurückgehalten oder Gegner sterben nur gescriptete Tode, sind bis dahin nicht besiegbar. Da lobe ich mir ein so rundes Spiel wie Wo ist mein Wasser?, bei dem mir das Design auf Augenhöhe begegnet. Für mich wie für das Spiel gelten dieselben Regeln, an die wir uns halten müssen. Alles, was ich wissen muss liegt vor mir. Deshalb versenke ich so viel Zeit in diesem kleinen Spiel.

Battle of the Markdown-Editors for Android

Seit Kurzem nenne ich ein kleines Tablet mein eigen, das auf Android läuft. In dieser Umgebung kenne ich mich nicht wirklich aus. Alles ist neu, ich forste mich also durch eine Masse von Apps. Zu den wichtigsten Apps, die ich auf jedem Gerät brauche, gehört ein anständiger Markdown-Editor mit gescheiter Dropbox-Synchronisation, um schnell mal Texte runterschreiben zu können. So sieht es nun bei mir aus.

LightPaper Pro

Mit LightPaper Pro hatte ich mir ein gehöriges Ei ins Nest gelegt. Geschlüpft ist hier ein hässlicher Vogel. Diese App repräsentiert alles, woran Android noch krankt. Da wäre erst einmal, dass ein glorifiziertes Kommandozeilenprogramm mit Behelfsoberfläche noch lange keine App macht. Funktionstüchtigkeit ist auch nicht mit User Experience gleichzusetzen, aber das ist ein blinder Fleck in weiten Teilen der Linux-Welt. So kommt LightPaper Pro so aufgeräumt daher wie meine Wohnung zum Besuch meiner Mutter. Sieht auf den ersten Blick sauber aus, wenn die Sonne richtig steht und niemand an die Schränke geht.

In LightPaper Pro ist schon alles da, irgendwo. Ich muss mir nur merken, wo genau die Entwickler es hineingestopft haben. Aufgeräumt und handlich geht aber anders. Dafür kommt LightPaper Pro aber mit WordPress- und Tumblr-Integration. Und mit der Dropbox synchronisiert Lightpaper Pro auch grundsätzlich. Ich stieß aber immer an irgendeine Ecke. Und hatte ich weiter oben nicht von Funktionalität gesprochen? Die war auch eher eingeschränkt, wenn ich in der App schrieb. Denn die eigentlich nützliche Zusatz Tastatur, mit der ich durch den Text navigieren konnte oder auch eine weitere Zusatzleiste für Markdown-Syntax einblendete, verstotterte sich ständig. Da scheint die UI Probleme zu haben mit den Absätzen im Fließtext.

Vergebene Liebesmüh, so will ich es mal bezeichnen, wenn ich LightPaper Pro wohlwollend einschätze. Viele Funktionen werden versprochen, werden auch eigentlich geliefert. Die Schwachstellen summieren sich dann aber in einer solchen Zahl, dass die Funktionalität kaum gewährleistet ist. Vor einem Kauf sollte die kostenlose Version getestet werden.

Draft

Draft ist von ganz anderer Qualität als der frickelige Konkurrent. Schon optisch macht Draft vor meinen iOS-verwöhnten Augen etwas mehr her. Und auch sonst ist die App bestechend designt und durchdacht. Ecken und Kanten gibt es auch hier, doch sind sie vernachlässigbar. Draft macht das Verfassen von schnellen Notizen sowie längeren Texten schmerzlos. Die Ordnerverwaltung ist praktisch, die Synchronisation mit meiner Dropbox schnurrt und hört über mehrere Einstellungen auf Kommando.

Eine zusätzliche Tastaturleiste für gängige Markdown-Syntax hat auch Draft. Mich überzeugt aber besonders die konsequente Vorschau des gerenderten Markdowns innerhalb der App. Überschüssiges Fett hat Draft nicht, alles ist auf die Kernkompetenz eines schicken Markdown-Editors zugeschnitten. Da bleibt kaum Raum für Makel, so schön kann eben Design auch unter Android sein. Draft ist aim jetzigen Zustand ein überlegener Gegner, der einige Ligen oberhalb von LightPaper Pro spielt.

Kostenlose Alternativen: MarkDrop, Notal, Denote

Viel Zeit habe ich mit MarkDrop nicht verbracht und ein Schmuckstück ist es sicher nicht. Tut aber seinen Dienst mit der Dropbox ordentlich. Eine tiefer gehender Dateiverwaltung gibt es nicht, da die App wohl eher für Notizen gemacht scheint. Kostenlos ist das beste Argument. Überraschend gut ist Notal, ist aber für meine Zwecke wegen der fehlenden Synchronisation mit Dropbox kaum geeignet. Das ist mir zu viel Arbeit, Dateien manuell zu verschieben. Ansonsten sah Notal sehr gelungen aus. Also die Funktionen. Optisch ist die App nun eher Geschmackssache. Sogar die Werbung kann aber abgestellt werden, dabei bittet die App nur um eine Spende. Geht aber auch ohne. Bei Denote kann ich mich kurz fassen: Stürzte bei mir immer ab.

TL;DR: Dieser Artikel wurde mit viel Freude und keiner Spur von Ärgernissen mit Draft geschrieben.

Mighty Dungeons: Helden-Queste

Ein inoffizielles HeroQuest ist es, dieses Mighty Dungeons. Womit schon wieder einmal die Nostalgie zum Antrieb wurde, das Spiel anzugehen. Tage dürften es sein, die ich in meiner Jugend in dem Brettspiel versenkt habe. Das Prinzip der denkbar einfachsten Variante von D&D: Figur durch einen auf dem Spielbrett dargestellten Dungeon jagen, alles vernichten, dann Schätze bergen.

So spielt sich das Spiel auch. Durch unzählige Quests geht es nur mit Waffengewalt. Wegen einer für Mobilspiele vergleichsweise großen Vielzahl von Ausrüstungsgegenständen macht das richtig Spaß. Ein ausgereiftes Kampfsystem oder mehr als die allernötigsten Rollenspielelemente sind nicht zu erwarten. Dennoch, Mighty Dungeon macht auf seine stumpfe Weise Spaß. Wie das Brettspiel, so der inoffizielle Verwandte. Wäre da nicht ein monströser Crash gewesen, der alle meine Spielstände vernichtete, würde ich es heute noch spielen.

Game Dev Story – Meta, meta, meta, Mate.

Über die Jahre wuchs aus meiner kleine Klitsche ein Software-Gigant gewachsen. Wir machen nur noch in AAA-Titeln, meine Aufregung müsste sich doch in Grenzen halten, denn bald bringt mein Developerteam die Fortsetzung unseres größten Hits heraus. Doch die Kassen sind mittlerweile leer, denn ich hatte die Entwicklung des Sequels für eine neue Konsole vorgesehen. Während aber die Bugs erst Löcher in den Zeitplan, dann ins Budget fraßen, wuchsen mir auch die Lizenzgebühren für die neue Konsole über den Kopf. Über Wohl und Wehe entscheiden aber die Verkaufszahlen. Und da habe ich einige Bedenken, denn auch bei der Marketingstrategie ist viel Geld versenkt worden, ein richtiger Hype entstand nicht. Nach Jahren steht das Game Studio vor dem Aus. Aber es bringt nichts. Um wenigstens einen Teil der Kosten reinzuholen, muss das Spiel jetzt auf den Markt. Da können die Hyänen von der Presse jaulen, es muss sein.

In Game Dev Story ist die Phase nach der Veröffentlichung eines Spiels der mit Abstand spannendste Moment. Ansonsten bietet die kleine Spieleschmieden-Simulation viel Wiederholung. Der immer gleiche Ablauf des Spiels wird kaum unterbrochen: Ein Spiel geht in Entwicklung, das Team sollte Grafik, Sound, Innovation und Spaß bereitstellen, ein wenig Marketing, Debugging. Und wieder von vorne. Dazwischen vielleicht noch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter schulen oder nach neuen Ausschau halten, damit eventuell auch einmal neue Genres angeboten werden.können.

Game Dev Story ist ein kurzlebiges Spiel. Nicht ohne Charme, doch fehlt ihm dauerhaft die Substanz, um lange zu fesseln. Mancher Witz zündet, gerade bei den sporadisch eingestreuten Meldungen der fiktiven Presse. Auch besagtes Spannungsmoment ist reizvoll genug für einige Stunden in einer runden, doch unterkomplexen Simulation. Für mich war dann aber doch nach einer Weile die Eintönigkeit des zugrundeliegenden Mechanismus’ zu viel. Der Wiederspielwert dürfte bei Null liegen.

Zite: Flutet die Filterbubble

Ich bleibe skeptisch. Die algorithmische Unterstützung meiner Tageslektüre wirkt noch immer unfertig. Flipboard hatte ich kurz probiert, das hatte aber etwas von einem Informationsinzest. Überrascht hat mich in den letzten Wochen eindeutig eher Zite, das mir nach vordefinierten Themengebieten eine ordentliche Zahl ansprechender Artikel angibt. Derzeit zwar nur englischsprachige, aber qualitativ ist da einiges dabei.

Dennoch, einige Kinderkrankheiten hat auch Zites Algorithmus noch nicht ausgestanden. Ich muss immer noch Schmunzeln, wenn mir das Schlagwort Python mir Skandal- und Rekordschlagzeilen über Schlangen anbietet. Trotzdem bin ich von dem Dienst angetan. Mich ärgert nur, dass iOS die bei weitem schönere App als Android abbekommen hat. Ansonsten habe ich Spaß in meiner Filterbubble.

Pudding Monsters: Überzuckerte Monotonie

Von Zeptolab kamen bislang Spiele, vor denen die selbsternannten Coregamer davonliefen, trugen die Spiele aus der Reihe Cut the rope doch mit viel gutem Spieldesign zur Casualisierung bei. Vor einigen Monaten veröffentlichte Zeptolab ein Spiel, das nicht mehr mit Om Nom aufwartete.

Auch bei Pudding Monsters übertreiben die Entwickler den grafischen Zuckerguss beinahe schon, vielleicht wollten sie aber auch nur die spielerisch fade Gestaltung übermalen. Das Spiel packt einfach nicht, seine Substanz entspricht der, seiner wackeligen Protagonisten. Über den Küchentisch soll ich sie schieben, sie zu einem großen Ganzen zusammenfügen. Zeptolab belebt damit das Sokoban-Prinzip der Schieberätsel zu einem wenig beeindruckenden Zeitvertreib.

Innovation ist nicht die Sache der meisten Casual Games, doch machten sie alte Konzepte, die schon in den siebziger und achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts kopiert wurden, zu massentauglichen Spielen. Pudding Monsters folgt einem einfachen Mechanismus, der von Level zu zaghaft ergänzt wird. Die Spielidee hat aber bei Pudding Monsters schon eine gewisse Eintönigkeit, der Funke springt aber besonders wegen der ungelenken Umsetzung nicht über. Es wirkt, als hätte Zeptolab die Mechanismen nicht hinlänglich ausgereizt, sodass viele Aufgaben repetitiv wirken oder schlimmstenfalls nur mühselig durch blindes Raten gelöst werden können. Pudding Monsters motiviert mich nicht.

Linkgebliebenes 20

Kickstarter nimmt Stellung zur Blockbusterisierung des Crowdfundings. Mich überzeugt ihr Argument nicht. Sicherlich bringen die populären Projekte mehr Nutzerinnen und Nutzer zur Ülattform, wovon prinzipiell alle profitieren. Die Sichtbarkeit kleiner Projekte wird allerdings nicht gewährleistet.

Es häuft sich Berichterstattung über Fälle, in denen politische Devianz mit psychiatrischen und therapeutischen Mitteln kuriert werden soll. Die von Gerichten angeordneten Therapien wegen diverser "Auffälligkeiten" weichen die Klarheit und Begrenzung der Strafmaße auf.

Und so manches Mal finden sich nicht nur seltsame politische Interessen, missliebige Personen zu psychiatrieren, selbst ökonomische Gründe können in manchen Fällen dahinter stehen.

Die Administratoren des Satiremagazins The Onion haben sich entschlossen, die Phishing-Attacken zu schildern, mit denen ihre Social-Media-Accounts übernommen wurden. Neu ist nicht das vergleichsweise einfache Verfahren des Hacks, als die Offenheit, mit die Angriffe geschildert werden.

Von Bürgerschaft zu sprechen ist eine reichlich große Kanone, um auf das Problem zu schießen. Das Problem selbst ist aber auch kein handelsüblicher Spatz. Wie können Open-Source-Projekte geregelt inklusiver werden?

Nun bin ich auch unter die Androiden geraten, habe also einen wuchernden OS-Garten auf meinen Geräten, da kommt die Frage ganz recht:

Stereotypen sind vielschichtig, verworren und meist unübersichtlich. Dadurch gerade so faszinierend.

Es roch nach eitler, falscher Gewissheit, die einen anderen Menschen auf die falsche Spur führte. Bei näherer Betrachtung fällt auf, dass in der breiten Öffentlichkeit win Bild von Wahrheit besteht, das nicht tragbar ist. Das gilt gerade auch für Sprache, wie ein eigentlich banal erscheinender Vorfall bei Wer wird Millionär in der letzten Woche zeigte.

Von fermentierten Limonaden redet die PR gerne und lenkt in entnervendem Dummsprech von fermentierten Rollenbildern, die ja nicht beleidigend gemeint waren.

Rayman Jungle Run: So flauschig, ich will sterben

So rasant wie Rayman Jungle Run wollte ein Sonic immer sein, war es lange Zeit allerdings nicht. Rayman selbst war bisher nicht mein Fall. In diesem mobilen Spiel kommt der fidele Pixelhaufen wie es wohl seine Art ist ganz ohne Extremitäten aus, nimmt aber trotzdem Fahrt auf.

Das Spiel ist alleine schon eine Empfehlung wert, weil es so wunderbar designt ist. Rayman rauscht durch ein wahres Bilder Meer. Mehr als ein Mal ist es passiert, dass ich den Flitzer im wahrsten Sinne des Wortes über die Klippe springen ließ, als mrin Blick an den fantastischen Kulissen einen Bruchteil einer Sekunde zu lang haftete, als dass ich Rayman noch hätte helfen können. Das Team wirft hier mit Farben um sich, am Ende stimmt alles.

Hinter dem Farbenrausch steckt doch noch mehr erstklassiges Design. Rayman spielt sich als kontextsensitiver One-Touch-Plattformer wie aus einem Guss. Die Level fordern dabei alles ab, die präzise Steuerung last dabei kaum Frust aufkommen. Nach den ersten beiden Welten kam bei mir dann ein Bruch, denn mit einem Mal wurde auch noch eine zweite Touchaktion eingeführt. Das folgende Umdenken bei meiner Spielweise bremste mich merklich aus. Hatte ich mich nach einer halben Stunde an die neuen Bedingungen gewöhnt, stieg der Spaß wieder auf das Höchstniveau an, das Rayman Jungle Run zuvor schon erreicht hatte.

Als Plattformer auf mobilen Geräten ist RAYMAN Jungle Run eine Referenz, die selbst die besten Titel nur schwer erreichen werden. Es ist fordernd, teils einfach unerträglich schwer, fühlt sich aufgrund des perfekten Designs nie unfair an. Die Entwickler speisen das Spiel auch noch mit ebenso gelungenen Zusatzleveln, die kostenlos zur Verfügung stehen, dass hier ein rundum großes Paket abgeliefert wird

Super Monsters Ate My Condo: Irgendetwas haben die ins Leitungswasser gemischt

Subtil ist wirklich anders. Super Monsters Ate My Condo macht beispielsweise den Kolloquialismus It ain’t over until the fat lady sings lebendig, wenn die Walküre Game Over brüllt. Und überhaupt, Super MAMC ist so ein Spiel, das masochistischen Spielernaturen sehr gefallen wird, denn dieses Spiel schreit uns an. Mit grellen Farben, den Blitzlichteffekten und falschem Japanisch – vermute ich. Das Spiel ist laut und hektisch wie ein aufgestachelter Ameisenhaufen.

Mir bluten nach wenigen Runden schnell mal die Augen, ansonsten kann ich aber nicht viel gegen das Spiel sagen. Es ist, was es sein will. Ein hyperaktives Match-3-Jenga bei dem Apartements eines Hochhauses gepaart werden müssen, wobei die unliebsamen Wohnungen an riesige Monster verfüttert werden. Reichlich beknackt kommt Super MAMC daher, einzig erklärtes Ziel scheint zu sein, mit Dampfhammer-Humor Panik zu verbreiten. Da laufen dann gerne auch schon mal drei oder vier Countdowns gleichzeitig, wobei die Monster sich über falsche Futter beschweren, indem sie an unserem Hochhaus rütteln.

Bei all dem Stress, denn das Spiel mir bereitet hat, vergesse ich dann ab und an, warum ich es überhaupt spiele. Dann fällt irgendwann wieder auf, es macht manchmal richtig Spaß, sich diesem Wahnsinn hinzugeben.

Granny Smith: Omi, schnapp sie dir!

Das hatte ich nicht erwartet. Eine rüstige alte Dame auf Rollschuhen jagt einem Bengel hinterher, der ihr die Äpfel aus dem Vorgarten stiehlt. Dabei zieht die erstaunlich agile Granny Smith eine Schneise der Verwüstung durch die Gärten. Und die Gewächshäuser. Und die Wohnsiedlung. Durch die Stadt. Über Berg und Tal führt sie die Rettung der Apfelernte, sie macht dabei wirklich keine Gefangenen. Es braucht eine Weile, bis die Augen sich daran gewöhnt haben, die blitzschnelle Alte durch Hausdächer Salti schlagen zu sehen. Granny Smith klingt nach Ruhestand, Schnabeltasse, Bingo-Abenden oder Rollatoren, die alten Knochen dieser Frau sind aber noch lange nicht müde. Im Gegenteil ist es eines der rasantesten Physik-Rennspiele unter iOS, das mir bisher untergekommen ist.

Schon etwas länger ist das Spiel erhältlich, hat es mich aber erst jetzt voll erwischt. Es ist schnell, spannend und wahnwitzig turbulent. Jeder Level ist eine wilde Achterbahnfahrt, die anfänglich übersichtlichen Level werden deutlich komplexer, verlieren aber gerade nie das Tempo aus den Augen. Denn die Geschwindigkeit und die präzise Physik sind Kernstück von Granny Smith, es ist eine thematisch eigenwillige Melange aus einer fordernderen Tiny Wings-Variante und den legendären 2D-Sonic-Titeln aus seligen Master System-Zeiten. Der Apfeldieb ist dabei eine hervorragende Herausforderung als Konkurrent im Rennen um die Äpfel., der ein wenig mehr Zeitdruck ausübt, aber weit natürlicher wirkt als sinnlose Zeitlimits. Außerdem macht es Spaß, dem Lausbub bei voller Fahrt eins mit dem Gehstock überziehen zu können.

Granny Smith ist kein Quell innovativer Spielelemente, kann für mich aber als mustergültiges Beispiel für geschliffene Indie-Spiele herhalten, die bekannte Konzepte aufpeppen. Zwar ist das nicht nur mir allein verhasste Schema der drei Sammelgegenstände vorhanden, das auf Mobilgeräten zur Plage wurde, um künstlich etwas mehr Spielzeit herauszuholen, ohne noch mehr Level designen zu müssen. Störend ist dies aber doch nur dann, wenn die Massenware eintönige Level damit in die Länge zieht. Aber Granny Smith ist genau das Gegenteil dessen. Pfiffige Level, eine anständige Präsentation und eine grundsympathische, unvermutete Heldin. Ich kann einfach nicht anders, ich feuere die Gute an, sie ist einfach zu lustig. Ein reinstes Wohlfühlspiel.