Letterpress: Sirenenrufe für Cheater

Es war ja klar, es würde nicht lange dauern, bis die Solver durch den Approval-Prozess im AppStore gelangen. Webseiten tummelten sich ohnehin recht schnell mit dem kompletten Arsenal schneller Lösungen. Letterpress ist so simpel, gerade deswegen in enormem Maß reizvoll und auch langfristig motivierend, es lädt zum Cheaten ein. Es bedarf keines großen Aufwandes, um die Grundlagen für einen Solver zu schaffen: Ein ordentliches Lexikon*, schon sind die längsten Wörter gefunden, obendrauf ein wenig Kombinatorik, dann fallen schon die effizientesten Begriffe unten raus, abschließend machen einige Apps es den Denkfaulen richtig einfach, wenn mit simpler Bildanalyse mal eben aktuelle Screenshots ausgewertet werden. Das müsste sich alles sogar schon in anständigen Bibliotheken finden und gegebenenfalls nur erweitern lassen. Da habe die Cheater dann nur noch eine Aufgabe: Zwei Tasten gleichzeitig drücken.

Und nun überschwemmen die Hilfsprogramme den Store, womit atebits gefordert sein dürfte, die Balance nicht aus den Fugen geraten zu lassen. Es wird geeignete Maßnahmen geben, um die Lage in den Griff zu kriegen. Mir sind zwar noch nicht viele Spielerinnen oder Spieler – manchmal weiß man das ja auch nicht so genau – untergekommen, bei denen mich ein merkwürdiges Gefühl beschlich, auf lange Sicht können Cheater aber zum spielerischen Siechtum führen, weshalb nicht nur darauf gesetzt werden sollte, die Cheater könnten durch die fehlende Herausforderung, schließlich müssen sie nur noch redundante Fleißarbeit bei Screenshots leisten, schnell wieder abspringen. Sicher hilft hier noch immer, dass es keine Rangliste gibt, die Anreiz für anhaltendes Cheaten ist, doch eine Garantie gegen die abschreckende Wirkung von Spielverderbern ist es nicht. Es muss eine Lösung her, um die Solver in ihre Schranken zu verweisen.

* Auf den einfachsten Weg kam ich ja eben erst: Das Wörterbuch muss ja irgendwo im ipa-Container liegen. Hürde Nummer eins schrumpft in ihrer Höhe also auf ein Niveau knapp über der Grasnarbe zusammen. EDIT: Ich bin ja ein Holzkopf, das liegt da ja schön zum Parsen vorbereitet im Container. Also fällt es mal schön flach, was ich da geschrieben habe zu den Wörterbüchern. Es ist davon auszugehen, dass alle Cheater-Apps das komplette Lexikon von Letterpress kennen. Also keine Kunst.

Bessere Wortgefechte in Letterpress

Mit der stark ausgeprägten taktischen Note ist Letterpress unter den Buchstabensalatspielen das Spiel, von dem ich einfach nicht lassen kann. Was für ein ungünstiger Tausch, heilte es doch meine Lost Cities-Abhängigkeit. Trotzdem bleiben nach mehreren Wochen in der überragend schlicht gehaltenen Umgebung des Wortpuzzles noch Wünsche offen.

1. Sofern sich nicht aus den Buchstaben im Spiel selbst kleine ambivalente Botschaften stricken lassen, ist die Möglichkeit zur Kommunikation mit dem Gegenüber aus der Spielumgebung selbst abgeschnitten. In Anbetracht der grottenschlechten Gesprächskultur in Onlinespielen ist das nicht völlig verkehrt. Ich bin ja teilweise schon froh, wenn die harschen Beleidigungen in sprachlich ansprechender Form serviert werden.
Aber ich komme vom eigentlichen Weg ab. Jede wie auch immer geartete Möglichkeiten zum Gedankenaustausch im Spiel selbst würde ich mich freuen wie über den Fund eines Wortes mit zweistelliger Länge. Zur Not reichen schon einige Emoticons wie in Lost Cities, das wäre schon was. Jetzt bleibt nur, auf andere Kanäle auszuweichen. Doch mit dem Suchen und Finden der Opponenten auf Twitter ist das auch so eine Sache. Es stört aber auf jeden Fall den Spielfluss.

2. Habe ich da was von Spielfluss gehört? Jedes Spiel hat seine eigene Dynamik, das ist bei einem rundenbasierten Spiel nicht zu ändern – es macht bis zu einem gewissen Punkt sogar den Reiz aus. Dennoch fluktuieren die Partien zu stark. In manchen Runden schlagen die Worte nur über mir ein, die Gegner schütten die Lettern über mir aus. Andere entscheiden sich erst in einem quälend bedächtigen Tempo, jedes Wort, das bei mit aufschlägt, gähnt mich an.
Letterpress braucht bestimmt keine Änderung, die in das Spieltempo eingreift. Das ursprüngliche Spiel sollte bleiben wie es ist. Eine Ergänzung um eine Blitzpartie wäre hervorragend. Mir schwebt da etwa ein Zeitkontingent wie beim Schach vor, das die maximale Spieldauer begrenzt. Ein Limit für die Zugdauer wäre bei der Spielmechanik abträglich, eine Berechenbarkeit der Spieldauer eigentlich nur von Vorteil.

3. Als wortbasiertes Spiel ist Letterpress, ich hatte es schon kurz beschrieben, sehr anfällig für allerlei Trickserei. Ein Wörterbuch, ob hölzern oder in Bits, reicht aus. Es dauert halt, aber das hält nicht auf. Außerdem ist ja nichts so, als gäbe es keine Solver oder Generatoren, um Sinn aus Buchstabensalat zu machen.

Der Verdacht ist der dritte Spieler, die Fehleranfällihkeit des Verdachts aber auch enorm hoch. Langfristig bräuchte Letterpress doch ein Verfahren, auffälliges Verhalten zu erkennen. Vielleicht wäre ein Index in den beispielsweise die Wortlänge, die Worthäufigkeit und -geläufigkeit, die Reaktionszeit und andere Indikatoren im Hintergrund einfließen. Ein solcher Indikator wäre nie stichhaltig genug für Ausschlüsse, die bräuchte es ja auch nicht. Wenn auffälliges Spielverhalten zu einem hohen Index führte, könnten – sofern die Game-Center-API mitmacht – könnten Spielerinnen und Spieler mit hohem Index einander zugeteilt werden. Die Cheater werden von den ehrlichen Häuten getrennt, alle könnten aber noch den Spaß aus dem Spiel ziehen, den sie suchen.

Letterpress ist auch ohne Änderungen in die eine oder andere von mir vorgestellte Richtung ein toller Zeitvertreib. Dass es noch reichlich Luft nach oben gibt spricht umso mehr für das Spiel.