TickTick: Auf der Suche nach Alleinstellungsmerkmalen

Vergeht in dieser Welt auch ein Tag, an dem keine Todo-Anwendung erscheint? Gibt es da irgendeinen mir unbekannten Erlass, der eine Todo-Schwemme verlangt? Vorschrift oder nicht, TickTick ist auch so ein Dienst, der angespült wurde.

Mir ist es besonders wichtig, flexibel und unabhängig zu sein, daher sollte ein Todo-Manager eine große Breite an Plattformen abdecken und zuverlässig zwischen ihnen synchronisieren. TickTick ist diesbezüglich überaus zuverlässig und bietet neben der webbasierten Anwendung noch Apps für Android und iOS. Zwischen diesen konnte ich ohne jede Probleme wechseln, ich war auf dem aktuellen Stand, allerhöchstens musste ich das Synchronisieren von Hand abrufen. Damit ließ sich aber gut auskommen.

Die kostenlose Anmeldung und Mitgliedschaft bringt darüber hinaus alle erwartbaren Features eines Todo-Managers. Die Aufgaben werden in Listen geordnet, sie können selbst wieder in Listen mit Teilaufgaben unterteilt werden. Alles bekannte und notwendige Features für eine solche Anwendung. Erinnerungen und wiederkehrende Aufgaben werden als selbstverständlich vorausgesetzt und sind dementsprechend auch in dieser App da.

Es ist schwer, ein Alleinstellungsmerkmal TickTicks herauszustellen. Womöglich ist es die Zuverlässigkeit. Alles ist auf die effiziente Todo-Verwaltung ausgerichtet. Die Menüs sind schlank, TickTick hat kaum Kanten. Es läuft über alle Geräte hinweg einfach wie versprochen.

Bildquelle: iTunes App Store

EpicWin: Mein Alltag als Abenteuer

Ich wünsche es mir ja anders, das schreibt sich so leicht, es ist nun aber mal so, dass ich meinen Allerwertesten für alltägliche Erledigungen nicht in Bewegung setzen kann. Ich kann kein Einzelfall sein, denn seit Jahrzehnten feilt die Spieleindustrie an den neuronalen Belohnungssystemen ganzer Generationen der Menschheit. Zumindest in den Teilen unserer Erde, die wir als industrialisiert bezeichnen, wird die Zufriedenheit in digitalen Trophies und Badges, kleinen Fleißpunkten im mentalen Klassenbuch gemessen. So auch ich. Mein Hirn folgt nur noch dem Versprechen der Belohnung, dieser zerebrale Esel. Ist es nun gut oder schlecht? Ich weiß es nicht, nur dass es ohne Helferlein wie EpicWin bei mir nicht mehr geht.

Dabei zeigt EpicWin schon die Perfidie des Denkmusters namens Gamification. Die lästigen, wiederkehrenden Aufgaben des alltäglichen Lebens sind mühselig, sie versprechen auch kaum Genugtuung, was die Währung der Gamifzierten ist. So stülpt EpicWin dem Ganzen ein RPG-Gewand über. Und schon klappt es.

Da verteile ich für meine Aufgaben Erfahrungspunkte auf Fertigkeiten wie ‚Stamina‘, ‚Strength‘ oder ‚Spirit‘, die meinen Avatar prägen. Das hat durchaus den Vorteil, auf einen Blick zu erkennen, dass mein Avatar zwar brav auflevelt, aber beispielsweise in der Fertigkeit ‚Social‘ noch sehr schwach ist. Es wird also Zeit, wieder mehr Kontakte zu knüpfen. Wie verdreht mein Gehirn mittlerweile ist, zeigt schon die eigentlich schwache Belohnung, die EpicWin bei Aufstiegen ausschüttet. Es sind nur skurrile Items mit lustigen Namen. Sie sind aber eigentlich zu nichts zu gebrauchen und doch ist der Akt, eine Erinnerung an den Hausputz zum Klang anschwellender Musik nicht nur zu erledigen, sondern ein Abenteuer zu bestehen, gut genug, um meinem Hirn das Gefühl zu vermitteln, etwas geleistet zu haben.

Eigentlich ist dies also weniger ein Text über EpicWin, als einer über das zwanghafte Verhalten eines Gamifizierten, der von einem mit spielerischen Elementen versetzten Aufgabenplaner halbwegs zur Disziplin angehalten wird. Wenn ich es mir richtig überlege, ist es eine traurige Angelegenheit. Doch so tickt es nun einmal, mein Gamer-Hirn. Aber andere haben ihre Pomodoros oder GTD, ich habe derzeit einen Marginally Decomposed Undead Minion.

Pocket Lists: To-Do-App kostenlos

Gerade gesehen, die doch recht beliebte To-Do-App Pocket Lists liegt kostenlos im App Store. Das kann ja mal angeguckt werden.

Die ersten Schritte in der App zeigen, dass alles vorhanden ist: Hierarchische Aufgabenverwaltung, Synchronisierung, Aufgabenaustausch mit Anderen, Termine und Erinnerungen. Dennoch passt die App nicht gut in mein persönliches Konzept und sieht, auch wenn es im Zweifel nicht wirklich relevant sein sollte, nach sehr alter UI aus.

Task – Etwas mehr als ein Klon

Was ist mit Clear los, habe ich mein Theme umgestellt? Dieser erste Eindruck drängt sich bei dem Aufgabenplaner Task förmlich auf, denn die App muss in denselben Zaubertrank gefallen sein.

Was ist mit Clear los, habe ich mein Theme umgestellt? Dieser erste Eindruck drängt sich bei dem Aufgabenplaner Task förmlich auf, denn die App muss in denselben Zaubertrank gefallen sein.

Wie Task genutzt wird, ist letztlich für alle einfach, die Clear haben. Die App besteht im Kern aus einer endlosen Liste, in der alle Aufgaben und Termine chronologisch angeordnet sind, keine Unterlisten (bis auf eine, dazu komme ich später) oder Menüs, die Verwirrung stiften. Die Aufgaben im Strom der Zeitleiste sind dabei etwas mehr als die Listeneinträge in Clear, sie können mit Erinnerungen versehen und als wichtig markiert werden. Der Unterschied, der wesentliche zumindest, ist also die Kalender- und Erinnerungsfunktion.

Wenn man schon klont, dann wie bei Task mit sinnvollen Ergänzungen und ordentlicher Umsetzung. Wie Clear ist auch Task ein Vorbild an lupenreiner Benutzerführung. Lediglich die Liste für erledigte oder in der Vergangenheit liegende Termine wurde umständlich versteckt, das ist besonders irritierend, scheinen unerledigt verstrichene Aufgaben doch urplötzlich ins Nichts zu wandern, bevor sie in der ominösen, nicht auf Anhieb ersichtlichen Vergangenheitsliste einsehbar sind.

Anfangs dachte ich, mich zwischen beiden Apps entscheiden zu müssen, mittlerweile verwende ich sie ergänzend zueinander. Fraglich bleibt aber, ob sich Task bei mir dauerhaft als To-Do-Liste durchsetzen kann, ich vermisse die Möglichkeit zur Aufgabenwiederholung derzeit zu sehr. Andererseits ist die Anwendung so überzeugend einfach und elegant, ich möchte sie nicht leichtfertig abschreiben.

Turns – Rundenbasierte Aufgabenverwaltung

20121205-112452.jpgWer hat zuletzt den Müll runtergebracht? Habe ich die Fenster geputzt oder der Mitbewohner? Wer hat die letzte Runde ausgegeben? Sollten diese und ähnliche Fragen, wer was wann zuletzt erledigt hat, wichtig sein, geht es also um den WG-Frieden oder gerechte Lastenverteilung innerhalb einer Gruppe, die App Turns verspricht hier, nie wieder den Überblick zu verlieren.

Und nur für diesen eng umrissenen Zweck ist Turns gestrickt. Es gibt also eine zentrale Liste in der Hauptansicht, in der Aufgaben festgelegt werden können. Jeder Aufgabe lassen sich Gruppenmitglieder zuweisen, die sie der Reihe nach erledigen sollen.

Mehr ist Turns nicht, als eine nur für einen einzelnen Zweck entworfene Anwendung. Und als wäre das nicht schon ernüchternd genug, es gibt keine Möglichkeit, die Gruppe von einer Aufgabe zu informieren und auf dem Laufenden zu halten. Es gibt nur die auf dem iOS-Gerät lokal vorhandenen Daten. Gerade hierfür würde sich eine Synchronisierung oder Kommunikationsmöglichkeit anbieten, die quasi ein Miniatur-Social-Network für Erledigungen schafft. Aber genau das liefert die App nicht ab. Für die Aktualisierung muss jeder selbst sorgen, womit Turns zu einer glorifizierten Übersichtstafel wird, auf die noch nicht mal alle Gruppenmitglieder Zugriff haben. Jede simple webbasierte ToDo- oder Kalenderapp kann das besser. Oder ein simpler Wochenplan, im WG-Flur aufgehängt, der würde sinnvoller sein.

any.DO nun endlich für iPhone und mit Webapp

any.DO-App-Logo

Um dem Vorwurf aus der Hauptstadt – ja, der angesprochene Genosse weiß schon, dass er gemeint ist – vorzubeugen: Ich habe die Neuerungen bei any.do mitgekriegt. Nimm das, Berliner Hipstertum, auch in der südlichen Provinz spricht sich so was rum. Aber genug davon, mehr zu den lang ersehnten iPhone- und Webablegern dieser To-Do-App. Nachdem im November des vergangenen Jahres die Android-App startete, mussten meine Wenigkeit und die sonst so verwöhnten und oftmals privilegierten iOS-Anwender in der Warteschlange verharren (Mein Hipster-Radar schlägt immerhin auch bei eigenen Anflügen von Snobismus aus.)

Kaum war die Nachricht eingetroffen, war die App auch schon installiert. Der erste Eindruck war überragend. Beim Design gilt die Maxime ‚Weniger ist mehr‘, so kommt die App mit einer durchdacht simplen Gestaltung daher. Ebenso hat sich das Team auch stark auf eine intuitive Bedienung konzentriert. Von der chronologischen Darstellung der angelegten Aufgaben aus, lässt sich leicht jede Einstellung mit maximal drei Berührungen einstellen. So viel Liebe zum Detail lässt die Konkurrenz doch manchmal vermissen. Im Landscape-Modus wird die App sinnvoll zweigeteilt und damit auch gleich noch spannender. Da haben erfahrene Designer mit Sicherheit lange Zeit dran gefeilt.

Bild 1: any.DO auf dem iPhone in Schwarz und im Landscape-Modus

Die Funktionen sind ansonsten von allen verwandten To-Do-Apps bekannte Standards. Die einzelnen Aufgaben können natürlich mit Datum und Erinnerung versehen werden. Ebenso zu jeder Aufgabe Notizen und damit auch Unteraufgaben anlegen. Die Aufgaben selbst werden in der Regel in chronologischer Reihenfolge in der Hauptansicht dargestellt, können jedoch noch zusätzlich priorisiert und in Ordner abgelegt werden. Hinzu kommen dann noch Spielereien wie das Teilen von Aufgaben mit Freunden sowie die (englische) Spracherkennung für neue Aufgaben. Wer’s braucht, immerhin stören diese Features keineswegs.

Bild 2: any.DO in weißer Oberfläche

Wartet jetzt jemand noch auf das ein ‚Ja, aber‘? Hier ist es: Ein Grund hält mich derzeit noch davon ab, auf any.DO umzusteigen. Die Aufgaben lassen sich nicht wiederholen, allerhöchstens manuell mehrfach anlegen. Das ist nicht in meinem Sinne. Deshalb habe ich mir die Webanwendung auch noch nicht angetan. Das Team von any.DO weiß auch genau, wie sehr dieses Feature vermisst wird – gerade auch deshalb, weil die Android-App anscheinend über Aufgabenwiederholung verfügt. Solange also in diesem Punkt nich nachgebessert wird, kann ich die App auch nicht einsetzen. Doch sobald dies der Fall ist, wird mich wohl kaum etwas davon abhalten können.

Bildquellen: Logo und Bild 2 von any.DO.

Organisation mit Web-Apps: So sieht es aus

Der erste Teil war ja mehr eine Ankündigung. Mittlerweile konnte ich die häufigsten und wichtigsten Tools mal zusammenstellen. Es ist das erste Mal, dass ich mir dessen bewusst werde, was ich da womit mache. Für mich war das schon sehr erhellend. Weiterlesen