Schwarze Weißweste

Rand hat keine Figuren in ihrem Roman, es sind lediglich Lautsprecher. Metallisch krächzen sie die wenig auf Stichhaltigkeit geprüfte Perspektive der Autorin hinaus. Francisco d’Anconia ist so einer, der bedeutungsschwanger immer wieder die wahre Philosophie und die ehrliche Moral – die Wahrheit – andeuten darf. Sie wird kommen, hörst Du es nicht. Eine Schwangerschaft, die schon so lange währt, dass das Fruchtwasser säuerte, die Geburt aber noch immer hinausgezögert wird. Weiterlesen

Chronik eines angekündigten Rants

Über die Feiertage muss etwas geschehen, sonst drehe ich durch. ‚Atlas Shrugged‘ liest sich wie ein Krampf; der objektivistische Wahn scheint Rand wohl auch darin zu rechtfertigen, krude und vorhersagbar zu schreiben. Selbst wenn man dazu übergeht, nur noch Absätze zu überfliegen, deckt sich die Wahrnehmung mit dem bereits dutzende Male angekündigten. Rand hat nicht nur wenig zu erzählen, sondern streckt diese kurzen Gedanken durch ausufernde Wiederholung. Weiterlesen

Die Schaffnerin

Allmählich zermürbt mich Ayn Rand. Zunächst hatte ich noch die Hoffnung, die flüchtigen und konturlosen Figuren könnten im Laufe der Zeit an Form annehmen. Und auch der Plot, so dachte ich, könnte unvorhersehbare Bahnen beschreiten. Das Gegenteil ist der Fall, das muss ich nun nach einem Viertel des Buches feststellen.

Es ist eine Enttäuschung. Kraftraubend obendrein. Rand macht es einfach, viel zu einfach. Es ist kaum zu ertragen, wie wenig Reflexion in diesem Buch zu erkennen ist. Um in Worte zu fassen, die dem Inhalt des Buches entnommen sind: Rand verlegte Gleise, die ihre Geschichte ans Ziel bringen sollen. Auf diese Gleise setzt sie eine Dampflok, die sie ‚Vernunft‘ nennt. Die Zündmittel, die im Ofen der Lok verbrennen, nennt sie ‚Wahrheit‘. Das Ziel ist Perfektion, es ist vorgegeben. Die Gleise enden dort. Stellt sich der ‚Vernunft‘ etwas in den Weg, ist es ein Hindernis, ein illegitimes, denn wer kann der Vernunft schon widersprechen.

Es geht munter so weiter, wie bisher von Rand skizziert: Die Guten kennen die Wahrheit und tun Gutes; die Bösen, die sind böse. Es führt kein Weg herum, es anders auszudrücken. Es ist so plump. Ich wollte nicht wahrhaben, dass Rand jegliche Erkenntnistheorie ins Abseits stellt. Das Problem ist doch nicht, dass es sinnloses gibt. Sie hat vollkommen Recht und ich kann ihre Frustration über politische Schachzüge nachvollziehen, doch werden die Methoden des Verrats, der Erpressung, des Filzes und der Schmiererei nicht nur von Sozialisten begangen. Aber um so etwas zu erfassen braucht es mehr als die Dichotomie, die Rand beschreibt. Das Buch wäre schon interessanter, wenn die Figuren nicht so eindimensional wären. Was ist denn, wenn ein Macher ein Produkt schafft, das keinen Nutzen hat? Was ist, wenn ein Sozialist eine produktive Leistung erbringt, aber nicht gegen Geld? Sind das alles unrealistische Fragen? Aus Rands Sicht sicherlich, aber ich vermute, sie will Komplexität wegdefinieren. Wenn dem so ist, ist es lächerlich. Was wäre denn, wenn tatsächlich mal zwei Gleiche aus unterschiedlichen Motiven, aber mit denselben Fähigkeiten, Kompetenzen und Kräften, um dasselbe konkurrieren. Hier deutet sie nur an, dass dies das Ideal sei. Aber ist sie so hoffnungslos optimistisch, dass in solchen Situationen keine irrationalen Konflikte aufkämen? Ihre vorbildlichen Heldenfiguren – und das ist skurril – leben aber in einem Zustand der Sozialität, den Rand nicht wahrhaben will: Auch die Ehrbarkeit und Ritterlichkeit des Wettbewerbs, den sie ihnen andichtet, ist eine Form der Sozialität.

Rand wäre gerne eine Macherin, die Wertvolles schafft; bislang ist sie Schaffnerin eines imaginierten Zuges, die sich eine eigene Welt macht.

Achtung: Gleich kommt ein Symbol. Ich wiederhole: Ayn Symbol!

Rands ‚Atlas Shrugged‘ ist voller brachialer Symbolik, die man meilenweit voraus erkennt. Rand besteht aber darauf, sie einzusetzen, damit sichergestellt ist, dass alle verstehen, wie wichtig ihre Botschaft vom Egoismus der Macher in der Welt ist. Aber nicht nur der Symbolismus stößt übel auf, auch die Charaktere bleiben konturlos in ihrer Einfalt oder Brillanz. Weiterlesen

Am Rand des Wahnsinns

Atlas von John Singer SargentMal sehen, ob ich meine Artikel zu Atlas Shrugged allesamt mit Wortspielen versehen kann. Hier also der angekündigte nächste Teil des egomanischen Lesezirkels, in dem ich mich dem besagten Wälzer von Ayn Rand widme. Es sollte, das verspricht ja die widerbelebte Rezeption in den USA, eigentlich doch ein gesellschaftlich relevantes Buch sein, vielmehr eines dessen gesellschaftliche Relevanz daraus entsteht, dass in ihm anscheinend alles Soziale negiert wird. Ich weiß nicht viel über Ayn Rand. Was ich weiß, habe ich aus zweiter Hand, also aus Artikeln zur Tea-Party-Bewegung und ähnlichen libertären Bewegungen. Diese scheinen sich sehr an Rands Roman abarbeiten zu können. Da ich mich nun durch die ersten 50 Seiten gekämpft habe, will ich mal die ersten Eindrücke teilen. Wir beginnen mit den ersten drei Kapiteln aus dem ersten Teil, der den deskriptiven Titel ‚Non-Contradiction‘1 trägt. Die Kapitel selbst sind ebenso nüchtern benannt: ‚The Theme‘, ‚The Chain‘ und ‚The Top and the Bottom‘. Weiterlesen

Koios griff sich an den Kopf

Diese beschissen lahme Internetverbindung hat meinen schönen Artikel gefressen. So ein dreckiger Dreck von einem Misthaufen. Und es tut sich nichts, damit es mit der Verbindung besser wird. In Kurzfassung heißt das also: Ich werde nach der nächsten Woche meine Posts zur Tierethik im Rahmen des Egomanischen Lesezirkels einstellen. Ich schließe dann direkt mit Ayn Rands ‚Atlas Shrugged‘ an. Das Buch gehört anscheinend zur Bibliothek der Libertarianer und der Tea-Party-Bewegung. Ich komme als im Grunde ex negativo an dieses Buch heran. Ich hatte so schön meine Gründe und mein Interesse aufgelistet und dann kackt der Upload ab. Sicherung, ausgerechnet mal nicht gemacht. Dreck!