Wer glaubt, die Daten bei der Schufa kämen stets nachvollziehbar zustande?

Schnell noch Gemüse kaufen, ich hatte es bei meiner ersten Einkaufsrunde des Tages vergessen. Ich freute mich, vor der Kasse war keine Schlange. Wenn ich schon wegen meiner Vergesslichkeit Zeit verlor, dann immerhin nicht so viel. Durch das Dudeln gefühliger Verkaufsstimmen aus den Lautsprechern im Laden tauchte ich in den kühlen Dunst, der über dem frischen Gemüse lag. Dies noch, das noch – eins, zwei drei, fertig. Und hin zur Kasse.

Auf dem letzten Meter vor der Kasse war noch eine Person, die deutlich langsamer ging als ich. Die Person schien nicht entschlossen auf die Kasse zuzusteuern, ich hätte noch Gelegenheit gehabt, mich vorbeizuschieben. Während ich noch überlegte, ob und wie unhöflich es wohl wäre, hatte ein Automatismus mir die Entscheidung schon abgenommen. Für einen merklichen Bruchteil einer Sekunde muss ich gezögert haben. Die Person hatte mich bemerkt und ging nun zielstrebig auf das Band an der Kasse zu.

So zielstrebig wie es eben ging. Nun erst sah ich, es war eine alte Frau. Ihre Bewegungen waren langsam. Zitternd hievte sie den Einkauf aufs Band. Stück um Stück. Die Butter zitterte sie aus ihrer Rolltasche empor und ließ sie auf das Band fallen. Irritiert blickte sie der Butter hinterher, die im vergleichsweise rasenden Tempo vom Band zum Scanner getragen wurde. Die Kassiererin ließ die Butter vor der Lichtschranke liegen. „Lassen sie sich Zeit. Legen sie alles in Ruhe aufs Band.“

Genau das wollte ich eigentlich nicht hören. Nur beschweren konnte ich mich auch nicht. Die alte Frau braucht halt etwas länger, dafür kann sie nichts. So sah ich ihr bei jeder behäbigen Bewegung zu. Es dürften nur zwanzig Artikel gewesen sein. Für jeden einzelnen brauchte sie doch mindestens fünfzehn Sekunden. Zwischenzeitlich wuchs so doch eine stattliche Warteschlange ungeduldiger Großstädter heran. Eine zweite Kasse wurde aufgemacht, ich konnte gar nicht reagieren, da hatte sich der große Teil der Menschen hinter mir schon dort eingereiht. Also blieb ich hinter der alten Frau stehen, die kurz darauf eine Packung Wurst ablud und ihre Tasche tatsächlich in Richtung Kasse schob.

Als hätte sich eine enorme Spannung auch in ihr angestaut, legte die Kassiererin los. In der Zeit, in der die alte Frau gerade einmal ein Kilo Kaffee hervorgebracht hatte, war schon feinsäuberlich alles registriert. „Vierundzwanzigdreiundvierzig, bitte.“

Die alte Frau kramte in ihrer Jackentasche. Sie schien etwas sagen zu wollen, aber nur ein tiefes Brummen war zu hören. „Wie bitte?“, fragte die Kassiererin. Die Kassiererin las angestrengt die Mimik im Gesicht der alten Frau. Für mich waren weder das Gesicht noch das Brummen zu entziffern. Der Kassiererin ging es ähnlich, so wiederholte sie die Summe, fügte aber noch an: „Möchten sie Geld abheben?“ Die Falten auf der Stirn der alten Frau schlugen weite Bögen, sie sah mit leerem Blick zur Kassiererin.

„Wollen sie noch Geld abheben? Wie auf der Bank.“

„Bank.“ Die alte Frau sprach das Wort so mechanisch aus, als wäre es nur von ihren Lippen abgeprallt, nachdem die Kassiererin es gesagt hatte. Sie reichte der Kassiererin ihre Bankkarte.

„Genau, wie auf der Bank.“

„Ja, ja, Bank. Genug. Fünfzig Euro.“

Kaum war es gesagt, flogen die Finger der Kassiererin über die Tasten. Sie zog die Karte durch das Lesegerät und wartete bis die alte Dame ihre Eingabe gemacht hatte. Beide lächelten, als endlich Einigkeit zu herrschen schien. Die Kasse öffnete sich. Die Kassiererin zog einen Fünfzig-Euro-Schein heraus, legte die Karte der alten Frau darauf und reichte beides herüber. Die alte Frau nahm es, verharrte dann auf dem Schein. „Was?“

„Aber sie hatten doch gesagt, sie möchten fünfzig Euro abheben.“

Kleiner Tipp für gebeutelte Banken: Die Aufwandskostenkaskade

Ein einfaches Szenario

Man stelle sich vor, ein Mensch habe ein Konto. Dieses Konto ist nur noch mit einem Euro gedeckt. Zieht nun jemandper Lastschrift  Geld von diesem Konto ein, sagen wir in Höhe von 5 Euro, ist das Ergebnis natürlich einfach: Die Bank bemerkt, dass auf dem Konto nicht ausreichende Deckung besteht und macht eine Rolle rückwärts. Der Gläubiger kriegt sein Geld noch nicht, der Schuldner hat ja nicht genug. Aber die Bank hatte ja nun einen enormen Aufwand, das Geld automatisiert wieder zurück zu buchen. Natürlich wird die Bank sich ihren Aufwand, den wir mal pauschal mit 2,50 Euro beziffern, bei nächster Gelegenheit zurückholen. Sie schreibt dann dem Schuldner:

Aufgrund der fehlenden bzw. nicht ausreichenden Kontodeckung können wir die Lastschrift vom 01.01.2000 über EUR 5,00 des Zahlungsempfängers GIBHERDASGELD AG, Kontonr. 010101010 BLZ 01010101 mit dem Verwendungszweck GibHerDasGeld leider nicht einlösen. Wir haben sie daher an den Zahlungsempfänger zurückgegeben. Den Aufwand für die Unterrichtung über die Nichteinlösung stellen wir Ihnen in Rechnung und belasten Ihr Konto mit EUR 2,50. Sie können Lastschriftrückgaben vermeiden, indem Sie vor erwarteten Lastschrifteinzügen dafür Sorge tragen, dass Ihr Konto ausreichende Deckung aufweist.

Ist noch nichts Besonderes. Was aber, wenn die Bank – aus welchem Grund auch immer – auf eine witzige Idee der Geldvermehrung kommt. Ich präsentiere folgenden Geldvermehrungszauber, den ich selbstverständlich rechtlich schützen lassen werde:

aesthetikargonauts wunderbare, großartigste, macht-schnell-die-ärmste-bank-wieder-reich Aufwandskostenkaskade

Wie drücke ich es am besten aus, was die einfallsreiche Bank nun machen sollte. Ach, wir basteln uns mal Pseudo-Code.

Code: Aufwandskostenkaskade AuswahlAnzeigen

 

Dann muss man eigentlich als gute Bank nur noch warten. Und hoffen, dass es nicht zu einem Schuldenschnitt kommt.