Der verfickte weiße Ritter

Vor dem Ausgang der Ringbahnhaltestelle stand ein stämmiger Kerl am Rande des Weges. Schon aus etwas Entfernung irritierten mich seine unvorhersehbaren Ausfallschritte, mal nach rechts, dann wieder nach links. Ich wollte meine Kopfhörer gerade aufsetzen, da hörte ich eine tiefe Männerstimme aus derselben Richtung: „Sie kommen nicht vorbei, ich rufe die Polizei! Was fällt Ihnen ein?“

Als ich ungefähr auf seiner Höhe war, konnte ich an seinen breiten Schultern und dem noch breiteren Bauch, der seine offene Jacke und das modische Hemd darunter spannte, vorbei sehen. Ich erschrak sofort. Hinter dem Mann, der im Vergleich wie ein Koloss wirkte, stand eine junge Frau. Sie war höchstens halb so alt wie der kräftige Mann im mittleren Alter. Er sprach auf sie herab, immer wieder von der Polizei. Sie sah verzweifelt aus, als ob sie schon minutenlang versuchte, dem Mann und seinen Drohungen auszuweichen. Nur ließ er sie nicht, er spiegelte jeden ihrer Ausfallschritte und verstellte ihr jeden Fluchtweg mit seinem ganzen Körper.

Sie suchte meinen Blick, ich sah ihre Angst. Instinktiv wollte ich mich raushalten, der Mann war zwei Köpfe größer als sie, immer noch einen größer als ich. Bevor ich einen Schritt an den beiden vorbei machen konnte, hörte ich mich fragen: „Was ist hier los?“

„Das geht Sie gar nichts an.“, grölte er zurück und beäugte sie dabei aufmerksam, um sie nicht entwischen zu lassen.

„Was hat sie Ihnen denn getan?“

„Da!“, seine Finger zeigten auf ein Papiertaschentuch auf dem Boden. „Das hebt sie gefälligst auf! Oder ich rufe die Polizei!“

Mit dieser Antwort hatte ich nicht gerechnet, seine Erklärung war so banal, ich musste lachen. „Das ist der Grund, warum Sie die Frau nicht gehen lassen?“

Die junge Frau bemerkte meine Fassungslosigkeit sofort. „Das ist alles.“, sagte sie. „Aber ich verpasse meinen Zug.“

„Dann heben Sie das auf. Sofort! Oder ich rufe die Polizei.“

Es reichte mir: „Lassen Sie es sein oder rufen Sie die Polizei. Das ist kein Grund, die Frau hier so anzugehen.“

„Finden Sie das auch noch richtig?“, er hatte alle Selbstgerechtigkeit in den Satz gepackt, so als könne er wirklich nicht fassen, dass ich nicht auf seiner Seite stand. Ich fasste ihn leicht am Arm, um ihn sanft davon abzuhalten, weiter im Weg zu stehen. Er parierte das mit noch lauterer Stimme: „Fassen Sie mich nicht an, ich rufe die Polizei.“

Allmählich schossen alle Botenstoffe über das Rückenmark, ein kalter Schauer durchfuhr mich. Ich ging jetzt ernsthaft von von einem handgreiflichen Ende der ganzen Auseinandersetzung aus. Wenn es denn so kommen würde, musste ich keine Rücksicht mehr kennen: „Rufen Sie die Polizei, die kommt allerhöchstens wegen Nötigung, Freiheitsberaubung oder ähnlichem. Durch Sie.“

Er lachte nur. Der Frau stieg die Verzweiflung nun auch in einem verzweifelten Lachen auf. Ich lachte auch, ungläubig. Die Frau und ich tauschten eilig Blicke aus, dann stellte ich mich mit meinem Rücken vor den Mann. Mit meiner Hand deutete ich ihr an, wo sie vorbei konnte. Dann stellte ich mich ihm in den Weg.

Ich spürte seinen runden Bauch auf meinem Rücken. In Gedanken stellte ich mich auf den hellen Blitz vor meinen Augen ein, wenn sein Schlag mich am Hinterkopf träfe. Fast konnte ich den imaginierten Griff seiner massiven Hände spüren, als ich mir seinen Griff nach meinen Nacken ausmalte. Überraschenderweise spürte ich schnell nur, dass er aufgab. Die junge Frau rief mir ein erleichtertes „Danke“ entgegen und huschte an uns vorbei in Richtung der Gleise.

Der Mann deckte mich mit lauten Sätzen ein, was ich mir denn einbildete, wie ich das nur unterstützen könnte, was für eine Schande das doch sei. Mir war es egal, denn er folgte mir, nicht aber ihr. Ich ging in die entgegengesetzte Richtung und hörte mir das alles an, bis es aus mir platzte: „Nehmen Sie doch einfach Ihre Selbstgerechtigkeit und heben sie sich für Leute auf, die das interessiert. Im Zweifel niemanden.“

Dann trennten sich unsere Wege, auch wenn ich ihn noch länger schimpfen hörte. Und jetzt sitze ich hier und bin wütend. Wütend, dass der selbsternannte weiße Ritter der Spießbürgerlichkeit natürlich nur den Mut hatte, eine viel jüngere, kleinere Frau aufzuhalten. Sobald aber auch nur ein Mann auf den Plan trat, kuschte er. Und ich ärgere mich, dass er und ich es wohl in ein paar Tagen vergessen haben, die junge Frau aber nicht. Sie wird es womöglich nie vergessen. Nur weil sie ein Taschentuch an den Wegrand warf. Nicht schön, aber kein Grund für diese Belästigung und Einschüchterung. Wahrscheinlich wird sie ihn nie vergessen. Ihn und all die anderen weißen Ritter in Rüstungen aus Selbstgerechtigkeit. Dieser eingebildete Edelmann auf dem hohen Ross der Heuchelei. Bei ihr traut er sich, bei mir nicht. Es wird nichts damit zu tun gehabt haben, dass sie kleiner war als er, schwächer und ihre Haut dunkler als meine oder seine. Dieser verfickte weiße Ritter.

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Das Video mit den Kapuzineräffchen, das entrüstet die Belohnung ablehnt, wenn ein anderes Äffchen bessere Belohnungen erhält, hatte ich schon. Das ist noch kein Beweis für Moral bei nicht-menschlichen Tieren, aber ein interessanter Hintergrund für Hypothesenbildung.

Ein trauriger Tag, wenn eine Wimbledon-Siegerin nicht als Normschönheit daherkommt und dafür attackiert wird. Ihre Reaktion ist aber ein Muster für Gleichgültigkeit. Marion Bartoli hat Wimbledon gewonnen, was haben die Trolle geleistet?

Was für ein Text darüber, was es heißt, Unterdrückung in einem patriarchalen, fundamentalistischen System zu erfahren und ihr zu entkommen.

Ein Lehrstück über Klassismus gefällig? Sag mir deinen Vornamen ubd ich sage dir, ob du mit meinem Kind Umgang haben darfst.

Zur Situation von Edward Snowdwb, Prism und Tempora ist viel geschrieben, aber kaum Schlüsse gezogen. Ansätze gibt es hier:

Verschlüsselung wird allerorten empfohlen. Eine Anleitung gibt es hier:

Andere sehen es aber als ein Zeichen des Versagens, dass noch keine endanwendertaugliche Lösung gefunden wurde.

Und Lösungen, die es gibt, haben anscheinend erhebliche Sicherheitsrisiken.

Hier mal eine Streitschrift, okay, ein Streitartikel zum Elitarismus in der Open-Source-Gemeinschaft.

Geklaute Apps im App Store gobt es nicht? Gibt es wohl.

Ich verstehe dank des folgenden Textes nun einerseits besser, warum das Cochlea-Implantat als ‚technischer Genozid‘ angesehen wird, aber auch, warum diese Wortwahl deutlich überzogen ist.

Wie kann ein Mann ein wenig mehr über den Sexismus unter Spielern und Spielerinnen erfahren? Einfach mal den Account der Freundin nehmen etwa.

Wenn sie aber

"Hey!" Es hatte kurz vor diesem Ruf dumpf gerumpelt. Die offenkundige Überraschung ließ die Stimme vibrieren, ehe sie wieder Form fand. Mit dem letzten Laut verfestigte sich der Ruf, es folgte ein Schweigen, das gefährlich wirkte. Es war eine wütende Stille. So hing die Wut in der Luft.

"Was soll das?" Die Frage war ein bedrohliches Zischen. Das Zischen und der laute Ruf stammten von derselben Person, doch viele hätten wohl ihre Zweifel daran gehabt. Zu groß schien der Bruch zwischen dem Ruf und der Frage, ganze Welten trennten ihre Tonlagen. Es folgte das fehlende Glied zwischen beiden, ein ausuferndes Grollen, jeweils auf der ersten Silbe betont: "WA-rum TRE-ten SIE MICH?"

"Ihr Bein hat da nichts zu suchen.", antwortete eine zweite Stimme. Sie gehörte dem Anschein nach einem älteren Mann. Dieser schien alle Ruhe in seine Antwort legen zu wollen, an allen Rändern schwappte sein Tonfall jedoch in zittrigen Wellen über.

"Was?" Die Antwort fachte die Wut nur an. "Das ist doch kein Grund, mich hier zu treten." Mit jeder Silbe schwoll die Stimme an.

"Wenn sie aber…"

"Was ABER? Das ist kein Grund zu treten! Fick dich. Arschloch. Was für ein Penner! Was soll das? Das ist kein Grund zu treten…" Die Schimpfwörter hörten nicht mehr auf, unterbrochen nur von heftigem Schnaufen. "Deine Mutter…fickt … Fick deine Mutter. Du hinterletztes Arschloch, ey. Mich treten … einfach treten … warum? … der … Fick …"

Die Wut ließ nicht nach. Die erste Stimme wurde mit der Zeit nur leiser, bis sie irgendwo in der Ferne verschwand. Von der zweiten Stimme kam ohnehin nichts mehr.

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Mittlerweile ist aus der Sache um Adria Richards nur noch eine Farce aus Galle und Gülle geworden. Was da mit ihr gemacht wird ist schockierend, ich hatte auch meine Bedenken bei ihrer Reaktion auf die Dongle-Scherzkekse. Das ist angesichts des Drecks, den feixende Schreibtriebtäter auf sie werfen, ist das eine vollkommene Petitesse:

http://www.forbes.com/sites/deannazandt/2013/03/22/why-asking-what-adria-richards-could-have-done-differently-is-the-wrong-question/
http://feministphilosophers.wordpress.com/2013/03/22/the-ethics-of-public-shaming/

Leider auf einer abstrakteren Ebene passend zu diesem Thema ist auch Antje Schrupps Ausführungen zu offenen und sicheren kommunikativen Orten:

http://antjeschrupp.com/2013/03/22/offene-orte-an-denen-alles-gesagt-werden-kann-gibt-es-nicht/

Zum gender gap in der amerikanischen IT-Branche kommt diese Meldung. Ich verstehe aber noch immer nicht ganz, wie sie bei der Angleichung der Zufriedenheit ausschließen, dass Frauen einfach ihre Erwartungen gedrosselt haben:

http://www.i-programmer.info/news/99-professional/5685-no-gender-gap-in-satisfaction-with-technical-salaries.html

Ich suche mir das echt nicht aus. Wie mit Katja Riemann in der Presse und Öffentlichkeit umgegangen wird, ist für mich erschreckend. Weil sie auf heuchlerische, gekünstelte oder schlicht platte Fragen entsprechend reagierte, wird sie als Zicke abgespielt. Ich empfand ihr Verhalten als ehrlich, pointiert und vor allem selbstbewusst. Gerade ihre Scham über Einspieler ist befreiend:

http://katja-riemann.de/px/sueddeutsche-artikel-20-03.pdf
http://stern.de/kultur/tv/katja-riemann-und-hinnerk-baumgarten-wenn-der-moderator-das-problem-ist-1988014.html

Einen Lachsack habe ich dann aber doch noch. Auf Verschwörungstheoretiker ist halt immer Verlass. Auch wenn ich in dieser Sache einer ganz heißen Sache auf der Spur bin. Quellen, die ich aus Gründen nicht nennen darf, berichten, die Echsenwesen sind ein Versuch der Illuminaten, von ihrem Einfluss auf die Welt abzulenken. Glaubt diesem Video also nicht, es ist die Propaganda der heimlichen Weltregierung. Die wolle. nur von sich ablenken:

http://scienceblogs.de/zoonpolitikon/2013/03/23/ausserirdischer-formwandler-im-dienst-von-prasident-obama/

Pffft!

Die Jacke schon übergestreift, machte ich mich durch die Runde, verabschiedete mich. Der Bass dröhnte noch, wir waren in meiner WG. Bier, Musik und gemütliches Miteinander. Zu laut war die Musik wohl, zu früh der Morgen. Einige Nachbarn mussten sich, ich sehe ein, an die Polizei gewandt haben.

Ich ging in den Flur, da stand mein Mitbewohner an der Tür. Durch den Spalt war eine Uniform zu sehen. Ich war doch schon auf dem Weg zu meiner Freundin, dachte ich mir. Nicht das jetzt. Da wankte mein Mitbewohner – er hatte schon einiges intus – von der Tür in sein Zimmer, ich wusste noch nicht, warum er die Beamten vor der angelehnten Tür stehen ließ.

Kaum war er mit seinem Personalausweis zurück, blieb er verdutzt stehen. Einer der Polizisten war ihm in den Flur gefolgt und stand dort mit breiter Brust vor der versammelten Menge. Er türmte sich auf.

„Wieso stehen Sie hier?“, sagte der Mitbewohner. „Bitte gehen Sie wieder vor die Tür. Wir können das alles vor der Tür erledigen.“ Trotz der Trunkenheit meines Mitbewohners war es deutlich zu verstehen.

Die Uniform spannte sich, die Brust des Polizisten blähte sich auf. Er rührte sich kein Stück in Richtung Haustür, stattdessen stemmte er die Arme in die Hüften. Er füllte nun die Breite des Flures aus. Der fragende Blick meines Mitbewohners ließ ihn kalt. Da nahm der uniformierte Pfeiler mit seiner Rechten den Personalausweis. Er notierte Namen, Anschrift und ließ die erneute Aufforderung, dies alles vor der Haustüre zu erledigen, da er nicht zum Betreten der Wohnung aufgefordert wurde, im Zigarettendunst des Flures verhallen.

Deutlich nach Worten ringend, stellte sich der Mitbewohner dem Mann in den Weg. Es war ein symbolischer Akt, der Polizist rührte sich ja nicht. Doch sollte er noch nicht weiter in die Wohnung vordringen. „Ich will“, er hatte die Worte noch nicht gefunden, „sagen Sie mir mal bitte…“.

„Namen und Dienstnummer?“, ergänzte ich ihn. „Ja.“, sagte mein Mitbewohner, sein Blick blieb dabei auf den Polizisten gerichtet. „Name und Dienstnummer. Sie dürfen nicht einfach die Wohnung betreten.“ Der Polizist schrieb gelassen weiter die Daten auf einen Pappkarton. Mich wunderte der Karton, denn darunter hielt er auch einen Notizblock in der Hand. Doch das kümmerte mich weniger, denn nun sprach der Uniformierte: „Das darf ich natürlich.“ Ich war belustigt, denn so sicher war ich mir da auch nicht. Und schließlich hätte er wegen einer Ruhestörung, die von keinem bestritten wurde und die ihm wohl auch schon aus der Ferne offenkundig gewesen war, die Wohnung nicht betreten müssen.

„Nein, das dürfen Sie nicht.“ Der Mitbewohner wollte zumindest in diesem Punkt nicht nachgeben. Und auch ich sah nicht ein, warum die Personalien unbedingt im Flur und nicht vor der Tür geklärt werden mussten. Recht hin oder her – und auch bin mir sicher, ein Polizist kann nicht mit aller Selbstverständlichkeit Wohnungen betreten. Doch selbst wenn, dem Uniformierten wäre kein Zacken aus der Krone gebrochen, hätte er sich wieder vor die Haustür gestellt.

Ich war erstaunt über die kühle, aggressive Haltung des Polizisten. „Wir können das Gespräch vor der Haustür führen“, ich wies den Weg zurück zur Tür. Kein Wort, kein Blick vom Polizisten. Da fragte auch ich nach dem Namen und der Dienstnummer. Um der Hilflosigkeit Herr zu werden, der ich mich ausgesetzt fühlte. Nachdem jede Reaktion ausblieb, fragte ich erneut. Kurz darauf wiederholte mein Mitbewohner die Frage ein weiteres Mal.

Dem Polizisten entfuhr dann ein lautes „Pffft!“. Das laute Zischen sollte wohl gebieterisch die Fronten klären; er war der Kuchen, wir die Krümel. Diese Wirkung allerdings erzielte sie nicht, so musste er doch zu Worten greifen. „Ich muss Ihnen meinen Namen nicht sagen. Und Dienstnummern haben wir nicht.“, bellte der Polizist meinen Mitbewohner an. Allerdings fügte er einen Augenblick danach herablassend hinzu: „Außerdem steht mein Name die ganze Zeit schon hier, können Sie nicht lesen?“

Es war eine berechtigte Frage, es hätte zumindest eine sein können. In der Brusttasche, ich denke, es war die Brusttasche, doch könnte es auch ein Umschnallgurt gewesen sein, war das klobige Funkgerät des Polizisten festgezurrt. Er musste es entschlossen zur Seite ziehen, um das dahinter liegende Namensschild freizulegen. Sein Name erinnerte mich sofort an den eines bekannten Fußballgottes, doch war mein leicht alkoholisierter Verstand* nicht nur mit dem Namen beschäftigt.

Ich wusste schon, als ich es mich sagen hörte, dass nun auch meine Personalien auf dem Karton landen würden. In dem Moment der schroffen Herabwürdigung durch den Kraftprotz ordnungsrechtlicher Muskeln, der ungebeten in unserem Flur stand, kam ein Satz über meine Lippen, den ich bereute. „Sie sind ja ein <;PLATZHALTER>;**.“ Zum ersten Mal hatte ich die volle Aufmerksamkeit des Mannes. Nur war es nicht die, die ich mir gewünscht hätte. Der mangelnde Respekt vor unseren Aufforderungen und Fragen schlug um in vorbildliches Pflichtbewusstsein. Das konnte er sich nicht bieten lassen.

„Nennen Sie mich noch einmal einen <;PLATZHALTER>;, dann setzt es eine Anzeige.“ Ich entschuldigte mich, ich sah meinen Fehler. Ich hatte etwas gesagt, was ein Mann wie dieser, mit diesem Fetzen Stoff auf der Haut nicht dulden konnte. Es war eine offenkundige, tiefe Beleidigung seines Amtes, seines Wesens, der Person und ihres Charakters, so viel war klar. Diesen Boden hatte ich ihm bereitetet, er betrat ihn gerne. Es konnte schließlich keine flapsige Bemerkung sein, die durch seine Frage, ob mein Mitbewohner ein verdecktes Namensschild nicht lesen könne, fast schon reflexartig ausgelöst wurde. Da sah ich nun also meinen Namen in krakeliger Handschrift unter seinem Stift entstehen. Ich schüttelte den Kopf, vielleicht auch nur in Gedanken.

Der Spuk war dann vorbei, er hatte die Party für beendet erklärt und ging endlich über die Schwelle, hinter der wir ihn nur wünschten, um ein ordentliches Gespräch führen zu können. Eine Schwelle, das gibt mir zu denken, die sein Kollege, der stumm im Hintergrund blieb, niemals übertrat.

Warum nur, frage ich mich, habe ich ein mulmiges Gefühl. Freunde sind sie nicht, das ist klar. Helfer, so befürchte ich, nur nach Belieben und Laune. Ruhestörung? Bitte, nicht im Ansatz ist es Grund genug für ein solches Gebaren. Und im Zweifel steht ihr Wort gegen das eines Bürgers, Uniform gegen Pullover, Jacke, Rock, Kleid, Hemd und Hose, wenn sie vor die Roben träten.

*Zwei Bier, ein Radler – das Radler als letztes von allem eine Stunde zuvor getrunken.

**<;PLATZHALTER>;: Es gibt wohl Urteile zu diesem Wort als Beamtenbeleidigung, wobei dieses Wort meist in Verbindung mit häufigen Wiederholungen und weiteren Äußerungen und Handlungen auftrat. Ich kann also nicht sagen, wie schwer es im Detail wog. Allerdings geht es mir darum, dass sich meine Äußerung auf die Situation bezog, dass er die Sicht auf das Namensschild erst schaffen musste, doch fragte, ob mein Mitbewohner es nicht lesen könne. Zudem ist nach meinen Wörterbüchern das verwendete Wort nicht eindeutig und in allen Fällen abwertend konnotiert, da es schlicht auch eine Person bezeichnet, die einen Scherz macht. In dieser Form war es mir geläufig, so hatte ich es verwendet.