Looper

Rian Johnsons stilsichere Inszenierung war schon 2005 in Brick beeindruckend. Versatzstücke des Noir verlegte Johnson schon damals passend in die Parallelgesellschaft amerikanischer High-Schools. Brick hat viele Gemeinsamkeiten mit Looper, Johnsons aktuellem Film aus dem letzten Jahr. Joseph Gordon-Levitt ist die aufgälligste, die größte ist aber Johnsons Gabe, stimmungsvolle Filme zu schaffen, die nicht stimmig sein müssen. Johnson schafft Filmwelten von großer Glaubhaftigkeit, auch wenn sie nicht vollends rational durchblickt werden können.

Wenn ich ehrlich bin, meine Welt, in der ich lebe, ist in ihren seltensten Momenten, die meist auch nicht die besten sind, in sich schlüssig. Johnson schein es ähnlich zu gehen, sodass es nur ein unsichtbares Band zwischen Figuren und Zuschauern braucht, die Wirrungen beider Welten, der des Films und unserer, als gegeben hinzunehmen. Looper ist gerade deshalb ein brillanter Film, weil er trotz all der formalen Kapriolen Johnsons, immer übet seine Protagonisten zugänglich bleibt.

Und formal bricht Johnson mit den Gewohnheiten, Looper hätte gut auch zwei Filme sein könne, komplementäre Filme zwar, aber nur lose verbunden von einer Prämisse. Oder hat Johnson eine Exposition, die gut die Hälfte des Films einnimmt, bevor er seinen Kern preisgibt? Fakt ist, Johnson braucht eine lange Zeit, die Mechanik dieses Sci-Fi-Thrillers zu erklären. Kurz ausgedrückt, in einer nicht allzu fernen Zukunft gibt lässt die Mafia Menschen nicht mehr um die Ecke bringen, sondern durch die Zeit. Johnson hält sich nicht mit den Details auf, nur so viel, die Opfer landen an einem vereinbarten Ort in der Vergangenheit. Ihr Mörder erwartet sie, erledigt seinen Auftrag und kassiert. Diese Killer dürfen nach ihrer Mafia-Karriere noch dreißig Jahre in die Zukunft leben, bevor der Kreis sich schließt und sie selbst in die Vergangenheit verfrachtet werden, wo ihr junges Ich sie mit der Waffe im Anschlag erwartet.

Fragen über die ominöse Technik stellen sich glücklicherweise nie, Johnson übergeht sie, denn ihm geht es in dieser hypothetischen Welt nicht um die Modalitäten der Zeitreise. Für ihn sind die Wirkungen auf Menschen wichtiger. So baut er ein Dilemma zwischen dem jungen Ich eines Killers (Gordon-Levitt) und seinem alten (Bruce Willis) auf. Der Alte hat eine Vergangenheit gelebt, die für den Jungen noch Zukunft ist. Diese will der Alte allerdings nicht missen. Er flieht vor Ermordung durch sein junges Ich.

An dieser Stelle ist der Boden für den zweiten Teil bereitet, dieser ist es, der den Film besonders macht. Er ist nur durch die Geschehnisse im ersten Teil nötig, legt den Einsatz zwischen den Figuren fest. Aber die Science-Fiction weicht einer unerwarteten Charakterstudie. Dass es in Zeitreise-Geschichten um Prädestination geht, das ist neu. Doch Johnson spitzt die Konstellation zu, wenn Vergangenheit und Zukunft in einer gegenwärtigen Situation aufeinander fallen, sodass ihr Ringen um die Deutungshoheit des einen Geistes in zwei unterschiedlichen Körpern zum Bersten spannend wird.

All das ließe sich auch noch kürzer ausdrücken: Wenn Emily Blunt in Erscheinung tritt, wird aus einem eleganten Thriller ein hervorragender Film.