Ein Gauck, wer Böses denkt

Blankes Entsetzen, pulsierende Wut, so fühlt er sich an, dieser Tugendfuror, den ein zum Bundespräsidenten erhobener Seelenhirte regelmäßig auslöst. Und welche Seelen der Mann zu schützen gedenkt, offenbart er in einfachen Worten, denn der Verrat an sich, das Whistleblowing, brauche eine höhere Rechtfertigung. So bleiben kümmerliche Einsichten eines Mannes, dessen Blindheit vor Tyrannei sich offenbart:

Gauck forderte Informationen dazu, welchen Rechtsbruch Snowden denn aufgedeckt habe. "Dann wächst mein Verständnis für solche einzelne Personen."

Dies ist das herablassende Verhalten eines Mannes, dessen Ego ihn zum Richter über Anstand, Sitte und Moral erhebt. Nicht der demokratische Diskurs macht frei, sondern konformes Verhalten nach dem Gusto eines Mannes, dessen Gebaren aristokratische Züge nicht verbergen kann. Eines Bundespräsidenten ist die wohlgefällige Bücklingshaltung gegenüber allem, was den Stallgeruch abgehangener Freiheitsbegriffe verströmt, nicht würdig. Da werden in seliger Gefühligkeit Tränen geweint, die zeigen, wie persönlich es ist, wie wenig Würde er dem Amt zu geben bereit ist.

Mit dem ‚Verrat‘ hält der Begriff Einzug, der Snowdens Verhalten per se inkriminiert, dessen Offenlegungen von oberster Stelle diskreditiert. Es ist die subtile Meinungsmache, die den Totalitarismus kaschieren kann. Denn Freiheit endet nicht, wenn Ketten gelegt werden, sondern auch wenn Amtsträger ihr Amt verabsolutieren. Wenn ihr Amt Rechtfertigung fordert, statt, wie es sein müsste, sich durch Taten zu legitimieren. Joachim Gauck ist von allen Bundespräsidenten, das zeigt sich deutlich, derjenige, dessen absolutistische Geisteshaltung mit dem Amt unvereinbar ist. Das Bundespräsidialamt ist keine Kanzel, es ist keine Verwirklichung eines konformistischen Egos. Und Freiheit endet nicht dort, wo die Vorstellungskraft eines alten Tausendsassas der Anbiederung an den Kapitalismus endet. Gauck hat das ohnehin fragwürdige Amt in unvorstellbarer Weise beschädigt, wieder einmal.

Der Wulff, der Rücktritt

Die Suche nach einer Nachfolgerin oder einem Nachfolger wird ja nun wieder zur Geduldsprobe stilisiert, sodass es ja nicht schadet, dass ich nun doch meine Ansichten zu Wulffs Rücktritt noch während des präsidialen Vakuums – manche nennen es Horst Seehofer – loswerden will. Es ist nicht mehr als ein leichtes Bedauern – nicht über den Rücktritt, sondern über die Art und Umstände dessen. Weiterlesen

Präsidenten-Würde

© Raimond Spekking / CC-BY-SA-3.

Da sitzt er nun, der Christian Wulff, der Bundespräsident, der Mann, der einst Ministerpräsident war. Und nun muss er Buße tun. Für das Verhalten gegenüber – ausgerechnet – Kai Dieckmann. Das allein ist schon eine Leistung, sich bei Dieckmann persönlich entschuldigen zu müssen, aber auch bei der Presse allgemein und der Öffentlichkeit. Ich will gar nicht vorweg alles in Grund und Boden schreiben, was Wulff im Interview mit den Öffentlich-Rechtlichen von sich gegeben hat. Ich habe noch keine ordentliche Mitschrift. Ein Satz aber, der hat es mir angetan: Weiterlesen