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Battle of the Markdown-Editors for Android

Seit Kurzem nenne ich ein kleines Tablet mein eigen, das auf Android läuft. In dieser Umgebung kenne ich mich nicht wirklich aus. Alles ist neu, ich forste mich also durch eine Masse von Apps. Zu den wichtigsten Apps, die ich auf jedem Gerät brauche, gehört ein anständiger Markdown-Editor mit gescheiter Dropbox-Synchronisation, um schnell mal Texte runterschreiben zu können. So sieht es nun bei mir aus.

LightPaper Pro

Mit LightPaper Pro hatte ich mir ein gehöriges Ei ins Nest gelegt. Geschlüpft ist hier ein hässlicher Vogel. Diese App repräsentiert alles, woran Android noch krankt. Da wäre erst einmal, dass ein glorifiziertes Kommandozeilenprogramm mit Behelfsoberfläche noch lange keine App macht. Funktionstüchtigkeit ist auch nicht mit User Experience gleichzusetzen, aber das ist ein blinder Fleck in weiten Teilen der Linux-Welt. So kommt LightPaper Pro so aufgeräumt daher wie meine Wohnung zum Besuch meiner Mutter. Sieht auf den ersten Blick sauber aus, wenn die Sonne richtig steht und niemand an die Schränke geht.

In LightPaper Pro ist schon alles da, irgendwo. Ich muss mir nur merken, wo genau die Entwickler es hineingestopft haben. Aufgeräumt und handlich geht aber anders. Dafür kommt LightPaper Pro aber mit WordPress- und Tumblr-Integration. Und mit der Dropbox synchronisiert Lightpaper Pro auch grundsätzlich. Ich stieß aber immer an irgendeine Ecke. Und hatte ich weiter oben nicht von Funktionalität gesprochen? Die war auch eher eingeschränkt, wenn ich in der App schrieb. Denn die eigentlich nützliche Zusatz Tastatur, mit der ich durch den Text navigieren konnte oder auch eine weitere Zusatzleiste für Markdown-Syntax einblendete, verstotterte sich ständig. Da scheint die UI Probleme zu haben mit den Absätzen im Fließtext.

Vergebene Liebesmüh, so will ich es mal bezeichnen, wenn ich LightPaper Pro wohlwollend einschätze. Viele Funktionen werden versprochen, werden auch eigentlich geliefert. Die Schwachstellen summieren sich dann aber in einer solchen Zahl, dass die Funktionalität kaum gewährleistet ist. Vor einem Kauf sollte die kostenlose Version getestet werden.

Draft

Draft ist von ganz anderer Qualität als der frickelige Konkurrent. Schon optisch macht Draft vor meinen iOS-verwöhnten Augen etwas mehr her. Und auch sonst ist die App bestechend designt und durchdacht. Ecken und Kanten gibt es auch hier, doch sind sie vernachlässigbar. Draft macht das Verfassen von schnellen Notizen sowie längeren Texten schmerzlos. Die Ordnerverwaltung ist praktisch, die Synchronisation mit meiner Dropbox schnurrt und hört über mehrere Einstellungen auf Kommando.

Eine zusätzliche Tastaturleiste für gängige Markdown-Syntax hat auch Draft. Mich überzeugt aber besonders die konsequente Vorschau des gerenderten Markdowns innerhalb der App. Überschüssiges Fett hat Draft nicht, alles ist auf die Kernkompetenz eines schicken Markdown-Editors zugeschnitten. Da bleibt kaum Raum für Makel, so schön kann eben Design auch unter Android sein. Draft ist aim jetzigen Zustand ein überlegener Gegner, der einige Ligen oberhalb von LightPaper Pro spielt.

Kostenlose Alternativen: MarkDrop, Notal, Denote

Viel Zeit habe ich mit MarkDrop nicht verbracht und ein Schmuckstück ist es sicher nicht. Tut aber seinen Dienst mit der Dropbox ordentlich. Eine tiefer gehender Dateiverwaltung gibt es nicht, da die App wohl eher für Notizen gemacht scheint. Kostenlos ist das beste Argument. Überraschend gut ist Notal, ist aber für meine Zwecke wegen der fehlenden Synchronisation mit Dropbox kaum geeignet. Das ist mir zu viel Arbeit, Dateien manuell zu verschieben. Ansonsten sah Notal sehr gelungen aus. Also die Funktionen. Optisch ist die App nun eher Geschmackssache. Sogar die Werbung kann aber abgestellt werden, dabei bittet die App nur um eine Spende. Geht aber auch ohne. Bei Denote kann ich mich kurz fassen: Stürzte bei mir immer ab.

TL;DR: Dieser Artikel wurde mit viel Freude und keiner Spur von Ärgernissen mit Draft geschrieben.

Daedalus Touch: Alles so schön schwarz hier

Im Gegensatz zu Nostromo hat Daedalus bessere Überlebenschancen im Revier meiner zahlreichen Apps zur Textverarbeitung. Daedalus Touch schließt eine Lücke in meiner iOS-Schreibwerkstatt, die ich bislang nicht recht unter Kontrolle halten konnte. Bei mir hat sich ein Ablauf eingestellt, bei dem ich Notizen zu Spielen und anderem in Clear aufnehme und sortiere, daraus in iA Writer Blogartikel mache, diese wiederum hieve ich via Poster ins Blog. Fertig ist die Laube. Eigentlich.

Der Haken daran ist mein zwanghafter Drang, alle Notizen archivieren zu wollen. Clear lässt mich da im Regen stehen, denn es ist wunderbar zu navigieren und es ist ein Spaß, Listenelemente hin oder her zu schieben, je nach Wichtigkeit. Exportieren der Listen erlaubt Clear allerdings nicht. Diese Schmerzen habe ich gerne in Kauf genommen, sobald aber Daedalus bei mir landete, fiel der Groschen.

Auch wenn es als die Neuerfindung des Rads angepriesen wird, halte ich die "innovative" Dokumentenverwaltung von Daedalus für einen kleinen Trick. Selbstverständlich kommt Daedalus locker ohne Ordner und Dokumente aus, wenn es die Begriffe mal ganz einfach in Stapel beziehungsweise Blätter umbenennt, wobei dies den Vorteil hat, auf eine hierarchische Ordnerstruktur verzichten zu können. Denn was habe ich, wenn ich einen Stapel auf einen anderen lege? Einen größeren Stapel. Insofern wurde hier in wilder Marketingsprache etwas zu dick aufgetragen, um einen Mangel zu kaschieren, der keiner ist. Aber darüber lässt sich leicht hinwegsehen, Daedalus ist als Textverarbeitung für Notizen nämlich gut gelungen.

Ein paar obligatorische Worte muss ich zum Antlitz sagen, das sehr düster des Weges kommt, aber dem Auge auch nicht schadet. Besser ist da schon die gestengesteuerte Oberfläche, durch die meist recht schnell geflogen wird. Ein paar Ecken und Kanten sind noch drin, grobe Schnitzer gibt es aber nicht. Besonders angetan war ich vom Sortieren der Stapel, weil Daedalus am unteren Bildrand eine optische Zwischenablage hat, wo ein paar Blätter Platz haben, um sie in anderen Stapeln abzulegen. Der Editor verfügt außerdem noch über eine Tastaturerweiterung, deren Tasten auch noch nach eigenen Bedürfnissen belegt werden dürfen. Viele kleine Ideen, die aber schnell unersetzlich werden.

Ich nutze nun die Blätter als meine Notizen, die ich nach Belieben anordnen kann. Aber erst durch Daedalus‘ Fähigkeiten beim Export meiner Stapel und Blätter wird die App zu einer großen Hilfe. Als spektakulär ist die iCloud-Synchronisation nicht anzusehen, da chronische Unzuverlässigkeit seitens Apples für mich ein Ausschlusskriterium ist. WebDAV wird unterstützt, mangels Gelegenheit habe ich darauf aber kein Auge geworfen. Die Dropbox-Integration ist dann vorbildlich. Daedalus synchronisiert je Stapel entweder manuell oder automatisch, ein Indikator auf dem Deckblatt zeigt die Synchronizität an. So möchte ich es haben. Schnell, unkompliziert und zuverlässig. Es hört da aber noch nicht auf, denn die Stapel und Blätter können als rohe Textdatei abgelegt, aber auch in PDF- und EPUB-Formate exportiert werden. Diese Export-Dateien sehen dabei gar nicht mal so schlecht aus, Daedalus unterstützt eben einfaches Markdown. Allerdings rendert Daedalus dies nirgendwo in der Anwendung selbst, eine Vorschau der Markdown-Formatierung gibt es derzeit also nicht. Ein kleiner Makel.

Daedalus ist eine gute App für grundlegende Textarbeiten. Es gibt ein schlüssiges Konzept, das viel Arbeit abnimmt. Es fehlt manchmal noch der Feinschliff, ist für mich im Moment eine gute Ergänzung. Ich glaube nicht, dass in meinen Workflow auf iOS nun aber noch eine Textverarbeitung passt.

Bilder: iTunes

iKeePass

Es ist kein Geheimnis, ich nutze KeePass, wo es nur geht. Auch unterwegs ergeben sich Situationen, in denen ich auf meine Datenbanken zugreifen muss, weil ich nicht alle Passwörter mit einem nachvollziehbaren System erstellen kann. Hierzu gibt es auf iOS einige Apps, die Zugriff auf KeePass-Datenbanken ermöglichen. Der einfachste Weg ist, die Datenbank in einer Dropbox vorzuhalten, mit der die App dann synchronisiert. iKeePass* ist eine dieser Apps.

Bedauerlicherweise habe ich mit iKeePass mehrere Probleme. Eigentlich hat die App alles, was ich mir für einen reibungslosen Einsatz vorstelle: Dropbox-Synchronisierung, Unterstützung der Datenbankformate von KeePass 1.x und 2.x, einen Passwortgenerator und viele Funktionen mehr.

Die Probleme fangen aber schon beim UI-Design der App an. Wäge ich Zweckdienlichkeit und Optik gegeneinander ab, gewinnt im Zweifel Ersteres. Daher kann ich die angestaubte Optik, die steinzeitliche Elemente der iOS-UI nutzt, verschmerzen. Dass aber auf dem iPhone ein wesentlicher Teil des Bildschirms an eine Seitenleiste verloren wird, ist für mich auf Anhieb unangenehm. Die Usability wird dadurch eingeengt. Generell steuert sich die App durch unzählige Menüs und Untermenüs, wird je nach Aufgabe, die ich erledige, zur Klickorgie. Dabei entstehen gelegentlich störende Glitches in der Suche nach Einträgen.

Wesentlich für meine Enttäuschung ist aber die in meiner Version unzuverlässige Dropbox-Synchronisierung. Mehrere Male war die Integrität der in der Dropbox liegenden Datenbank gestört. Die Datenbank war in dieser Form unbrauchbar geworden. Damit geht mein Vertrauen in diese App völlig verloren. Auch die Hilfe gibt da wenig Anlass, das Vertrauen wiederherzustellen:

You can access and restore previous version of your database using your dropbox web interface. See dropbox faq here: https://www.dropbox.com/help/11/en

Die Sicherung der Daten soll also von einem externen Dienst gewährleistet werden. Das ist mir zu wenig. Denn im Falle der Wiederherstellung alter Backups in der Dropbox verliere ich im Zweifel auch einige Einträge. Doch die Datenbank habe ich ja gerade, um mir deren Inhalte nicht mehr merken zu müssen. Das Zutrauen zu iKeePass‘ ordentlichem Umgang mit meinen Datenbanken ist damit grundlegend gestört.

*Die von mir benutzte Version ist 2.5.3. Das Video ist für eine Testversion von 2.4. Optisch sind beide aber noch vergleichbar.

Dropbox – Die Einschläge kommen näher

Unter den Cloud-Storage-Anbietern wird Dropbox wohl noch einige Zeit der Platzhirsch bleiben. Als das Unternehmen 2007 an den Start ging, war die Konkurrenz nicht sehr groß für den praktischen Dienst, dessen denkbar einfacher Ansatz zur plattform- und rechnerübergreifenden Synchronisation von Dateien unschlagbar war. Fünf Jahre später werden die Angriffe auf Dropbox und das Geschäftsmodell schärfer. Wie lange der Clouddienst also noch seine Position halten kann, ohne Änderungen am eigenen Angebot anzubieten, bleibt offen. Weiterlesen