Ein Ende und ein Finale

Es ist schon eine Weile her, seit zwei erfolgreiche Serien beendet wurden. Beide Enden wirken noch nach, denn die Serien hätten beide ein furioses Finale verdient. Doch von Dexter und Breaking Bad fand eine ein brutales Ende, die andere hatte ein würdiges Finale. Die Spanne könnte nicht weiter sein.

Dexter wollten die Autorinnen und Autoren wohl mit einem lautem Knall beenden, es wurde dann aber doch nur ein dumpfer Schlag in die Magengrube der Fans. Mit der achten Staffel wurde Dexter in einen Strudel billiger Symbolik geworfen. Überfrachtet ist noch eine harmlose Bezeichnung für eine orientierungslose letzte Staffel. Aber ordentliche erzählte Erzählstränge waren noch nie die Stärke der Serie. Niemand hätte aber mit einem so tosenden, nicht nur symbolischen Sturm in der finalen Folge rechnen können. Auf der Suche mach Größe verlor die Serie gänzlich den Faden. Drama, Drama, Drama, schreit jedes Frame. Dabei wurde vergessen, dass es neben einer emotionalen Klaviatur auch das Können braucht, auf dieser zu spielen. So wirkt das Ende der Serie wie die kakophone Klimperei eines Zweijährigen auf dem Familienpiano. Alle Figuren sollen gleichermaßen gewürdigt und verabschiedet werden, dabei musste die Übersichtlichkeit leiden. Dass aber auch eine der interessantesten Protagonistinnen dem Zwang zur Dramatik geopfert wird, um Dexter zu einem trotzdem noch arg Ausstieg aus seinem bisherigen Leben zu motivieren, das vernichtet sogar den Rückblick auf die ganze Serie.

In Breaking Bad herrschte dagegen die quälende Ruhe vor, mit der die Serie sich ins Gewissen der Zuschauerinnen und Zuschauer fraß. In aller Seelenruhe drehte Breaking Bad weder das Tempo auf, noch wurde die bekannte Dramaturgie geändert. Was alleine schon für Spannung sorgte, war die Gewissheit, alles würde ein Ende finden.

So verabschiedete sich Breaking Bad mit jeder Folge immer weiter. Dabei nahm sie schon entscheidende Momente vorweg. So hatte sie mehr Zeit für das Wesentliche. Folge um Folge warf sie Ballast ab, der in der finalen Episode nur verwirrt hätte. Die Serie verhärtete sich so auf ein Ende hin, das relativ simpel, aber umso effektiver auserzählt werden konnte. Damit hat Breaking Bad eine Vorlage geschaffen, wie Serien beendet werden sollten. In Ruhe und mit Respekt vor der Erzählung. Das Leid wurde über die Folgen hinweg geteilt, so dann auch mit aller Macht über die Zuschauerinnen und Zuschauer geherrscht.

Die Wrintheit: Fragen-Buffer-Overflow

Da geht sie hin, diese chaotische, manchmal ärgerliche, aber immer unterhaltsame Antworten-Revue auf Fragen aus der immer ferner liegenden Vergangenheit. Nicolas, der feine Herr Semak, begründet das wie folgt:

[…] doch letztlich erreichten uns auch Fragen zu Themen, über die man lieber erstmal nachdenkt, bevor man seine Meinung hierzu öffentlich verbreitet. Es fällt mir schwer im Moment einer spontanen Aufnahme immer zu wissen, dass alles was ich zu einem Thema sage, theoretisch für jeden hörbar archiviert im Internet bereit steht.

Keine Kapitulation vor den Fragen, nur vor den Umständen der Beantwortung. Nachvollziehbar, und doch wurde genau dafür der meines Wissens rechtlich völlig unzweifelhafte Terminus der Wrintheit entwickelt, die eigene Position von Beginn an als spontane Reaktion – bestenfalls in Abwesenheit von Sach- und Fachkenntnis – zu kennzeichnen. Es hätte so schön bleiben können, dann war es eben schön. Schade trotzdem. Heißt aber auch, dass diese Format wieder zu haben ist, oder?