Sprechen Sie Duolingo?

Mit Duolingo hat sich ein weiteres Startup daran gemacht, über das Netz Sprachen – derzeit Deutsch, Französisch, Spanisch und Portugiesisch zu vermitteln, und nun eine App für iOS veröffentlicht. Weniger aufsehenerregend ist dabei der Ansatz als das Geschäftsmodell, mit dem mehrere Sprachen von grundauf erlernt werden können, wobei der Dienst in vollem Umfang kostenlos ist und auch bleiben soll. Das Team hinter Duolingo führt eine besondere Form des Crowdsourcings ein: Es zieht die Nutzerinnen und Nutzer zu Übersetzern heran. Erster Großer Haken, bevor weitergelesen wird: Das Interface ist auf Englisch, heißt also, in Deutschland lässt sich das Konzept nur durch die Beherschung einer weiteren Fremdsprache anwenden. Wer in Englisch noch große Lücken hat, wird von Duolingo kaum profitieren können.

Das Konzept

Vor der iOS-App gab es schon längere Zeit die Webapp, der Aufbau ist bei beiden aber im Prinzip gleich: Kleinere Lerneinheiten, sie dürften nicht mehr als fünf bis zehn Minuten dauern, sind in thematischen Modulen gebündelt. Die Module wiederum sind Teil eines verzweigten Fertigkeitenbaumes. Gamification steckt damit in jedem kleinsten Teil von Duolingo, was keine schlechte Idee ist. Häppchenweise werden die Sprachen vermittelt, wobei die einzelnen Sprachpakete im Fertigkeitenbaum immer anspruchsvoller werden und aufeinander aufsetzen.

Es fängt ganz harmlos mit einigen grundlegenden Vokabeln zu Themen des alltäglichen Lebens an, steigert sich über die Grammatik von Hauptsätzen hin zu den Feinheiten der jeweiligen Sprache. Auffallend ist, dass bei Wiederholungen abgeschlossener Aufgaben auch Vokabeln und Themen aus anderen, bereits abgeschlossenen Bereichen einfließen, selbst wenn diese im Fertigkeitenbaum als schwieriger angesehen werden. Der Lernfortschritt wirkt also auf alle vorangegangenen Einheiten zurück, womit das Lernen weniger vorhersehbar und langweilig wird. Man sammelt buchstäblich Erfahrung, die von den Mechanismen hinter Duolingo flexibel angepasst werden und das Niveau kontinuierlich anheben. Die Motivation bleibt dadurch erhalten, dass für jede Lerneinheit schon Erfahrungspunkte vergeben werden, der Lernerfolg also Schritt für Schritt belohnt wird – Stufenanstiege inklusive.

Ich habe mich an Französisch versucht, das ich bei Weitem nicht so beherrsche wie das Englische, aber ich verfüge über ausreichend Kenntnisse, um für mich selbst abschätzen zu können, wie Duolingo daran geht, eine Sprache zu vermitteln. Dabei fiel mir aber vor allem auf, wie wenig in der iOS-App die Verben und auch grammatikalische Regeln systematisch vermittelt werden. Sie werden im Vorbeigehen angewendet, aber nie ins Bewusstsein gerufen. Ich musste oft auf mein Vorwissen zurückgreifen, um mir manche Zusammenhänge zu vergegenwärtigen. Für absolute Neulinge dürfte dies eine beträchtliche Hürde sein, die auch durch eine Liste der bekannten Verben, die nur in der Webapp einzusehen ist, kaum geringer wird. Gegen gefährliche Trugschlüsse bei der Grammatik ist das Konzept so im Moment noch nicht ausreichend gesichert. Die implizite Regelvermittlung trägt das Risiko, sich selbst Regeln zu erschließen, die fatal von der Grammatik abweichen können.

Die Aufgaben fragen auf verschiedenen Ebenen Wissen ab, mal müssen gesprochene Sätze wiedergegeben werden, dann geht es um das Zusammensetzen von Wendungen aus vorgegebenen Wörtern, Multiple-Choice-Aufgaben finden sich und auch viele andere Techniken. Die allgegenwärtige Sprachausgabe ist im Französischen brauchbar, wenngleich an mancher Wortendung blechern und verwaschen. Besonders eindrucksvoll ist die flexible Textanalyse, die auch auch verschiedene korrekte Eingaben erkennt, dabei sogar offenkundige Tippfehler mit Nachsicht behandelt. Texteingabe ist gerade unter iOS noch immer nicht so zuverlässig, daher war ich dankbar für jeden Hinweis auf einen Fehler, der aber noch nicht die Gesamtbewertung beeinflusste.

Nur mit der Alltagstauglichkeit der Beispiele ist es anfangs nicht so weit her. Ist der Wortschatz noch gering, versucht Duolingo zwar Abwechslung zu schaffen, doch fallen dabei manches Mal unsinnige oder schlicht unbrauchbare Sätze durchs Raster. Die unfreiwillige Komik hat aber auch was für sich und fällt langfristig nicht weiter ins Gewicht. Da vor allem die technische Umsetzung der Methode hervorragend ist, verbringe ich sehr viel Zeit mit der iOS-App. Nur wenn ich keine mobile Datenverbindung habe ist Schluss mit dem Lernen, Duolingo setzt für die Lerneinheiten und die Eingabeprüfung eine Netzverbindung voraus. Am besten funktioniert es im schnellen WLAN, in der Bahn stottert die App bei brüchiger Netzverbindung beispielsweise erheblich.

Das Geschäftsmodell

Duolingo lebt davon, dass Nutzerinnen und Nutzer während des Lernens Übersetzungen erstellen, an denen sich das Unternehmen als Eigentum einverleibt. Das ist für meine Begriffe ein faires Geschäft, gerade wenn ich bedenke, dass die hervorragende technische Umsetzung einige Pflege voraussetzt. Allerdings heißt dies auch, dass man sich bewusst machen muss, dass die in der App erstellten Übersetzungen zur Verwertung an Duolingos Betreiber fallen. In den Nutzungsbedingungen heißt es in Abschnitt 10 zum Eigentumsrechten an generierten Daten:

As between you and Duolingo, all data and information generated from your access and use of the educational activities made available on or through the Service, including translated content generated by you (collectively, the “Activity Data”), shall be exclusively owned by Duolingo, and you shall not have any right to use such Activity Data except as expressly authorized by these Terms and Conditions. By using the Service, you hereby assign to Duolingo any and all rights, title and interest, including any intellectual property rights or proprietary rights, in the Activity Data. All rights of Duolingo or its licensors that are not expressly granted in these Terms and Conditions are reserved to Duolingo and its licensors.

Immerhin muss ich mir keine Gedanken machen, was dann mit meinen Übersetzungen geschieht. Es ist klar: Es sind nicht mehr meine. Aber es heißt ja, man ist das Produkt, wenn man nicht dafür zahlt. Duolingo macht immerhin unmissverständlich klar, wie, wann und wo wir beim Lernen zum Produkt werden. Das ist eine Offenheit, mit der man umgehen kann, um selbst zu entscheiden, ob es sich lohnt oder nicht. Für mich war die Entscheidung aber klar, denn auch wenn ich meine Zweifel habe, dass sich nur mit Duolingo allein eine Sprache erlernen lässt, reicht es vollkommen, um bestehendes Wissen wieder aufzufrischen. Und Spaß habe ich auch noch.

Dunkle Seite der Worte: Letterpress

Okay, ich wollte es nicht in mein Review aufnehmen, muss es aber sagen. Das Spiel ist gut, bietet aber anscheinend jede Menge Gelegenheit zum Trollen und Cheaten. Auch wenn ich es nicht gerne zugebe, getreu dem Motto Gelegenheit macht Diebe bringen gerade Wortpuzzle eine schattige Seite in mir hoch. Warum gerade diese Spiele, keine Ahnung? Der Spaß an Letterpress kann schon ordentlich verdorben werden, wenn Gegner in die Trickkiste greifen.

Impliziter Chat

In Letterpress werden Worte gebildet. Zwar gibt es in dem Spiel keine direkte Form der Kommunikation zwischen Kontrahenten. Einfallsreiche Spieler und besonders Trolle können die Spielmechanik selbst für einige Übergriffe nutzen. Die Matrix der Buchstaben gibt oft was her, um dem Gegenüber einen vor den Kopf zu knallen.

Keine drei Partien hatte ich hinter mir, da lief es auf einen deutlichen Sieg hinaus. Es war absehbar, dass mein Gegner nicht mehr Land – oder Buchstabenflächen – gewinnen würde, also verstieg er sich auf einen rüden Abschied. Im vorletzten seiner Züge bildete er aus den Buchstaben FUCKING. Ich hatte noch nicht Lunte gerochen, bereitete das Spielende mit einem weitern Wort vor und fing mir dann einYOU von ihm.

Ich musste lachen. Nicht schlecht. Letztlich ist auch ungewiss, was genau damit gesagt werden sollte. Wer längere Zeit im Netz – besonders in Spielen – verbringt, nimmt so etwas hin. Man trägt es manchmal sogar als Auszeichnung. Andererseits dürfte es anderen nicht gefallen, wenn es ausarten sollte. In diesem Fall bleibt nur, Spielernamen notieren und zukünftig alle zufällig zugelosten Partien beenden.

Simpler Cheat

Der Spaß kann auch durch eine andere Methode gebrochen werden. Bei Worträtseln lässt sich leicht schummeln. Jeder dürfte schnell ein Wörterbuch zur Hand haben oder Suchmaschinen hinreichend bedienen können. So hagelt es dann schon gerne mal reichlich abstrus erscheinende Wörter. Aber ehrlich, es geht noch schlimmer.

Vorher noch eine Warnung: Wer wie in der Folge beschrieben cheatet, versaut nicht nur anderen den Spaß, sondern langfristig auch sich selbst.

Um inLetterpress in kürzester Zeit das Feld abzudecken, braucht es nicht viel:

  1. Als erstes brauchen wir eine Liste mit einem ordentlichen englischen Wortschatz. Nicht schlecht ist beispielsweise das Official 12Dicts Package. 12Dicts ist nicht schlecht, da es das 2of12inf-Wörterbuch enthält. Inklusive Flexionen verfügt es über 81536 Wörter des Englischen. Das reicht für eine ordentliche Rechtschreibkontrolle – wofür es eigentlich gedacht ist – und wird auch für einen Cheat langen.
  2. Wie machen wir den Abgleich zwischen den uns gegebenen Buchstaben aus Letterpress mit dem Wörterbuch? Reguläre Ausdrücke. Die regulären Ausrücke bieten sich eigentlich für jede Art etwas aufwändigerer Textsuche an, die aber keine linguistische Auswertung liefern soll. Die regulären Ausdrücke sind nicht leicht zugänglich, aber einfach genug. Jeder heutige Texteditor sollte eigentlich eine Regex-Suche unterstützen. Damit kann das Wörterbuch auf diejenigen Wörter reduziert werden, die möglich sind.
  3. Mit ein wenig Scripting geht sogar noch mehr. Ich habe noch nicht die Zeit gehabt, aber sollte nicht so schwer sein, ein Script zu schreiben, in das die aktuelle Matrix des Spiels und der Spielstand angegeben wird, um dann nach einem Wörterbuchabgleich das Wort zu spielen, das möglichst viele Punkte bringt. Weitere Aufgaben und Optimierungen sind hiervon auch nicht weit entfernt.

Mal sehen, ich denke nicht, dass ich mein Script einsetzen werden, sofern ich es beendet habe. Es hat mich nur in den Fingern gejuckt, ein praktisches Projekt zu haben, das selbst ich mit meinen geringen Scripting-Mitteln kurzfristig lösen kann. Den Spaß will ich mir und anderen aber nicht wirklich verderben.