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Artikel mit dem Tag ‘fernsehen’

Zombieland: Hilfe, meine Zombies spinnen

06 Mai

In den USA fordern neue Medienunternehmen die eingesessenen Produktionsfirmen und Fernsehsender mit eigenproduzierten Inhalten heraus. Netflix hat seinen Beitrag zum Niedergang des Videoverleihs über Ladengeschäfte geleistet, zunächst wurde auf Videoverleih im Versand, nun aber vermehrt im Streaming gesetzt. Allein, es reicht wohl nicht, vom Content anderer Unternehmen und deren Lizenzierungsdschungel abhängigzu sein. In der letzten Zeit schob der Dienst einige beachtliche Serien an. Kein Wunder, dass die Netzbestie Amazon ebenfalls versucht, Serien selbst zu schaffen. Über hauseigene Portale lanciert der nicht gerade sympathische Gigant einige Piloten. Das Publikum soll entscheiden, welche in Serie gehen sollen. Zombieland ist unter den Testballons derjenige mit eingebauter Aufmerksamkeit wegen der recht gelungenen Filmvorlage. Und Zombies gehen ja immer.

Der amüsante Film lebte von der hervorragenden Besetzung, sie hoben selbst platte Kalauer noch über die Schmerzgrenze. Zwar sind die USA voller talentierter, namenloser Schauspielerinnen und Schauspieler, aber die fade halbstündige Horror-Komödie kann auch von der passablen Zweitbesetzung nicht mehr erträglich gespielt werden. Diesem Zombieland steht die Leichenblässe mieser Produktionsbedingungen im Gesicht.

Zombies sind Zugpferde mit günstigen Haltungskosten, denn es braucht ja kaum mehr als leer gefegte Straßen, etwas Gekröse und Kunstblut, schon können unbeleckte Darstellerriegen durch die Zombiekalypse gescheucht werden, sofern sie glaubwürdig eine Waffe halten und Dialoge auswendig können. Für Amazon mag die Rechnung sogar aufgehen, erzählerisch ist Zombieland ein mauer Abklatsch seines filmischen Vorfahren. Es ist kein wandelnder Toter im Sinne etwa der Frühneunziger, als RTL, den unsäglichen Anlauf unternahm, die Drehbücher von Married with Children einzudeutschen und mit Ruhrpottbarock zu verramschen. Zombieland riecht nicht ganz so streng, RTL hat den kreativen Tod schon seit Jahrzehnten hinter sich, doch erinnert mich Zombieland in grottenschlechten Momenten an den Dilettantismus eines europäischen Medienunternehmens.

 
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Revolution: Der Dystopie geht der Saft aus

22 Apr

Im Jahre 2012 fiel in den USA der Strom aus. Nicht bloß für einen kurzen Moment, auch nicht wenige Tage, der Strom kam nicht mehr wieder. Alle elektrischen Geräte waren nutzlos geworden. Besonders hart traf es Drehbuchautoren von Revolution, die nun keinen Zugriff mehr auf ihre kostbaren Handbücher für kreatives Schreiben hatten. Sie hätten sie nicht in der Cloud sichern sollen. Also taten sie, was getan werden musste, sie griffen auf einen veralteten Teilausdruck von tvtropes zurück, den ein Praktikant mal machen musste, weil dies als lehrreiche Erfahrung verkauft wurde, die ein unbezahlter Praktikant halt machen muss. Und sie haben wirklich alles aus tvtropes herausgeholt, was die Seiten so zu Dystopien hergaben.

Die Welt, die Revolution zusammenbrechen lässt, ist ein wahrgewordener Alptraum der Tea-Party-Bewegung. Die USA rühmen sich, eine hochzivilisierte Gesellschaft zu sein. Revolution traut dieser Gesellschaft aber zu, nur einen totalen Stromausfall zu brauchen, um völlig zusammenzubrechen. Nach nur fünfzehn Jahren ohne Strom sind die Staaten gar nicht mehr so einträchtig oder geeint. Sie sind in autoritäre Systeme zerfallen, die von Rechtsauslegern wie Glenn Beck immer als sozialer Teufel an die Wand gemalt werden. Allerdings bleibt die Serie auch auf diesem Niveau. Da dient dann das in einer der Republiken durchgesetzte Waffenverbot als Kennzeichen der oppressiven Obrigkeiten, eine Angst von Rechtsaußen also.

Durch alle Facetten der Serie zieht sich eine Ideenlosigkeit, die nach einigen Folgen kaum noch zu ertragen ist. Revolution ist eindimensional. Ihre ganze Ausrichtung ist schon problematisch, denn die Protagonistin auf eine Rettungsmission zu schicken, um ihren entführten Bruder zurückzugewinnen, erweist sich als Belastung. Durch den so erzeugten Zeitdruck soll Spannung aufgebaut werden, den Figuren schnürt die Serie damit die Luft ab. Also wird bei der Charakterisierung der Figuren Scherenschnitte eingesetzt. Tatsächlich dürfen sich Rebellinnen gegenüber Kinder ironiefrei mit "I’m one of the good ones." ausweisen. An anderer Stelle zieht die Serie einen allzu verdächtigen mit den Aufständischen in Syrien. Hier die Guten, da die Bösen. Expositorische Dialoge sind ein Markenzeichen von Revolution; ebenso die völlig dramaturgische Überladung der einzelnen Episoden. Fast panisch flieht die Serie vor jeder ruhigen Minute, die inhaltliche Leere könnte auffallen. Einen Fluchtversuch des Entführten noch in einen Gewittersturm zu versetzen zieht die Spannung nur ins Lächerliche.

An Revolution ist allein die platte Erzählung ein Rückfall in archaische Zeiten. Und Elizabeth Mitchell taugt mittlerweile, so bedauerlich das ist, nur noch als Warnung vor Serien, an denen sie beteiligt ist.

 
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Let’s Dance: Flauschtango

15 Apr

Kaum ein Tag vergeht, an dem ich nicht über das beliebteste Medium der Deutschen lästere. Auch ich zähle zu dem Kreis der selbsterklärten Avantgarde, die kein gutes Haar am Fernsehen lässt, also am deutschen Fernsehen. Ich habe meine Gründe, sehr viele sogar. Doch bügele ich die Fernsehlandschaft manchmal auch zu glatt. Es gibt es noch, das Fernsehen, das ist, was es zu sein verspricht.

Letzten Freitag fiel bei mir erst der Groschen, das selbst das niederträchtige RTL ein großes Feigenblatt in seinem Programm hat. Erst meine Freundin brachte mich darauf. "Wir gucken das nicht meinetwegen", sagte sie. Und sie hatte Recht. Sie sieht Let’s Dance gerne mit, doch bin ich die treibende Kraft dahinter, dass keine Sekunde der Show verpasst wird. Nicht erst seit diesem Jahr. Mir fiel auf, ich hatte bis heute keine Staffel verpasst. Warum war mir das nicht aufgefallen? Warum war mir sogar ein wenig peinlich, es einzugestehen? Dann fiel mir ein Grund ein, warum ich die Sendung so mag. Und noch einer, dann noch einer. Hier also nur einige davon.

Die meisten, wenn nicht sogar alle Casting-Shows und Promi-Reality-Shows kommen nicht ohne künstlich erhöhte Superlative aus. Unter der Suche nach einem Superstar, der besten Stimme, einer Königin oder König oder so ähnlich macht es keine Sendung. Sie kleben sich das schmierige Banner der Wichtigkeit an die Brust. Doch keine Show kann dieses Versprechen nur annähernd einhalten, sofern die Vorstellung von Superlativen nicht mit erschreckend niedriger Halbwertzeit und auch sonst reduzierten Ansprüchen umdefiniert wird. Let’s Dance legt die Messlatte deutlich realistischer an. Es ist ein Tanzwettbewerb, also suchen sie das beste Tanzpaar. Bei allem Pomp und Glitzer, der dem Tanzen anhaftet, nimmt sich die Show bescheiden in diesem Punkt aus. Ebenso befreiend ist die allgemeine Neigung aller Beteiligten, sich nicht über billige Rührgeschichten und Human-Interest-Stories abseits des Tanzens zu profilieren. Hier und da blitzt diese Fernsehkrankheit zwar auch bei Let’s Dance auf, schnell pendelt sie sich aber wieder ein.

Das liegt auch daran, dass in den Trainings und Proben genug Geschichte zu erzählen ist, selbst wenn nur die Kamera draufgehalten wird. Auf bleiern inszenierte Dramatik verzichtet die Show glücklicherweise und zeigt die schweißtreibende Arbeit hinter den Tänzen. Hier rackern sich unbekanntere und bekanntere Gesichter der Medienlandschaft unter der Anleitung ihrer professionellen Tanzpartnerinnen und Tanzpartner ab, um ihren Körpern einen halbwegs vorzeigbaren Tanz abzuringen.

Im Gegensatz zu anderen Shows erzählt Let’s Dance kleinere, aber umso menschlichere Geschichten. Viel zu oft erweist sich deutsches Unterhaltungsfernsehen als Inkubator der öffentlichen Erniedrigung. Nicht so bei Let’s Dance, das nuancierter erzählt und nebenbei spürbar immer das Beste aus seinen Teilnehmerinnen und Teilnehmern herausholen und zeigen will. Wo sonst gelingt etwa das Kunststück, einen zynischen Jürgen Milski in einem guten Licht darzustellen, wenn er seinen Körper anschreit, seinem Willen zu folgen? Let’s Dance macht es leicht, sich in die Haut der tänzerischen Laien zu versetzen. Kaum eine Teilnehmerin oder ein Teilnehmer entwickelten nicht doch von Woche zu Woche einen enormen Ehrgeiz. Es geht um kaum etwas und doch kämpfen sie mit allem, was sie haben. Da fällt es schwer, nicht mitzufühlen.

Und ja, die Show ist emotional befriedigender als nahezu alle übrigen Unterhaltungssendungen. Das ist wohl der unvermeidlichen Intimität geschuldet, die zwischen zwei Menschen entsteht, wenn sie eng aneinander tanzen, auf den Takt und die Präzision des Anderen vertrauen müssen. Es gibt für mich keine andere Sendung, in der so glaubwürdig Zuneigung ausgedrückt wird. Nach schwerem harten Kampf drücken sie sich satte, schmatzende Küsse auf Wange oder Stirn, sie herzen sich vor Freude, streicheln zart Frustration oder Schmerzen aus den Gesichtern ihrer Partnerinnen und Partner. Diese zarten Momente kann die Regie in der Live-Show nicht mit musikalischem Zuckerguss verderben oder unzählige Male wiederholen, was diese Augenblicke nur umso wertvoller macht.

Auch die Moderation ist erfrischend, weil sich Sylvie van der Vaart und Daniel Hartwich gar nicht groß um künstliche Neutralität bemühen. Sie ergreifen lieber sofort Partei für alle Kandidatinnen und Kandidaten. Dabei ist besonders van der Vaart herrlich unbekümmert. Selbst wenn ihr anscheinend aus falschen Gründen untersagt wurde, das Publikum zu duzen, passt ihre kindliche Naivität wunderbar in diese kleine, süße Enklave der Wohlfühlunterhaltung im deutschen Fernsehen. Dann isst sie eben Popcorn und giggelt, wenn sie eigentlich moderieren sollte. Wollten wir Großen nicht alle mal wieder ins Bällebad im Småland hüpfen? Van der Vaart hat ihres gefunden, dort ist sie unter Freunden. Und auch Hartwich, der den Schulhofhumor noch nicht ganz abgelegt hat, keift und kalauert zwischen jede Kritik. Und er verfügt über die erstaunliche Gabe, im Zweifel sofort das Publikum einzuspannen, um eine Kandidatin oder einen Kandidaten zu schützen.

Und wo ich schon bei der Kritik bin. Let’s Dance hat keine monolithische Figur im Zentrum, die unumstößlich Beleidigungen versprühen darf. In dieser Show, wird kaum eine Boshaftigkeit übersehen, es findet sich oft mindestens eine Person, die Anderen zur Seite steht. Und keine Kritik ist in Stein gemeißelt, denn es geschehen noch Zeichen und Wunder. Menschen machen schlechte Witze, merken es und entschuldigen sich sogar. Unerhört. Damit ist Let’s Dance seltenes, menschliches Fernsehen, das manchmal auch an der Aufgabe scheitert, aber immer bemüht ist, mit Herzlichkeit zu unterhalten. Vor allem auf RTL ist das ein aussterbendes Prädikat im Fernsehen.

 
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50 Jahre ZDF

02 Apr

 
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Linkgebliebenes 11

26 Feb

Der goldene Preis für allgemeine Großartigkeit geht an: Connie Britton.

Ein Pokal für die abstruseste Fleißarbeit an: Pornographiestudien.

Die andere Seite der Ausbeutungsgedenkmedaille gibt es in Sachen Amazon, die Dokumentation und die ganze Wahrheit.

Die Auszeichnung mit der bleiernen Budgetschere geht an die Sendungen mit originellsten Produktionsbedingungen für Kandidatinnen und Kandidaten.

Die goldenen Pferdehufe für das reinste Gewissen gehen an alle fleischverzehrenden Menschen der Republik.

Für die traurigste Nachricht geht die gläserne Träne an 1UP, die nicht immer die beste Gamingseite waren, aber zu den ambitioniertesten gehörten, und nun nach zähem Ringen nicht mehr sind.

Daher und weil es allmählich wirklich überfällig war, wird Deutschland endgültig zur Expertokratie, wenn wir uns alle selbst unseren Doktorgrad verleihen.

 

Linkgebliebenes 9

07 Feb

Dann lacht mich eben aus, ich halte Super Hexagon für eines der besten Spiele aller Zeiten, und ich finde nicht, eine Inflation der Superlative zu betreiben. Terry Cavanagh hat einen Arcade-Titel in Perfektion gemacht, Super Hexagon ist frustrierend und beruhigend in einem perfekten Gabzen, am Ende ringt es mir, der mit beiden Füßen auf dem Boden der Tatsachen geblieben ist, die Vokabel ‘meditativ’ ab:

Außerdem hatte ich es zwar angesprochen, nur nicht deutlich genug: chipzel hat kongeniale Chipmusik für Super Hexagon gemacht und noch mehr davon. Eigentlich überhaupt nicht mein Metier, das Elektronische. Wenn’s halt gut ist.

Verschwendete Zeit? Nicht wirklich, versucht es mal in monotonster Schreibtischarbeit. Ein “Spiel”, geschrieben zu Ehren von David S. Gallant, dessen I Get This Call Every Day wirklich eine fantastisch effektive Erzählung und Frustbewältigung ist. Was Gallant seit Erscheinen des Spiels widerfahren ist, wurde hier in schön übersichtlicher Form kompiliert. Wie sieht’s aus? Lust selber mal Spiele zu machen? So schwer ist das auch nicht.

Und überhaupt, das ist bislang eine ziemlich gut gelaunte Linkscheuder heute. Die Befindlichkeit wird auch immer besser, wozu auch dieser Animationskurzfilm Paperman beitragen dürfte. Mit der Zeit nimmt es mit der Zauberhaftigkeit ein wenig Überhand, verliert aber nie ganz den Charme.

Und da ist sie doch noch, die Spaßbremse, es riecht beißend nach verbranntem Gummi, so schmeckt das Wort ‘karzinogen’ auf der Zunge: Bin schon allein mit diesem Artikel der Abmahnung zwei Schritte näher, was bette ich auch mir nichts, dir nichts Videos über Youtube ein? Dann doch gleich lieber die Furcht vor den Advokaten im Flimmern und Rauschen der deutschen Medienlandschaft ertränken.

Wenn die Stimmung doch schon mal abgekühlt ist, können wir gleich auch noch mal den Finger in die Wunde legen. Schließlich hat sich das Land, das sich selbst das Etikett angeheftet hat, Heimat der Dichter und Denker zu sein, dabei verschweigt, dass der Großteil des gestriegelten Höhenkamms schon lange unter der Erde liegt, nun, dieses Land musste ja einige Tiefschläge in der kulturellen Landschaftspflege hinnehmen. Das ist auch über dem großen Teich aufgefallen. Da wäre einerseits der sagenhafte Einsatz eines gewissen Denis Scheck, der im Namen der Kunst, der Freiheit und überhaupt einen Sprung in die pechschwarze Schuhwichse wagte, und doch nur als mit Alltagsrassismus begossener Literaturwart wieder rauskam.
Und auch das größte Vehikel der deutschen Populärkultur fand Erwähnung, auch wenn nichts wirklich Bahnbrechendes in dem Artikel steht. Aber man wird doch wohl auch in der deutschen Fernsehlandschaft davon träumen dürfen, dass bessere Zeiten anbrechen mögen, selbst wenn dies hieße, nur mit der Zeit Schritt zu halten. Wann lernt Deutschland, dass kein Blick so verklärt ist, wie der in die Vergangenheit.

 

Linkgebliebenes 5

18 Dez

Der Wortvogel hat sich Gedanken zur Restrukturierung in der deutschen Fernsehlandschaft gemacht: Fernsehen of the Future

Es gibt auch immer wieder gern die bipolare Darstellung der Tierrechtsproblematik in der Grundlagenforschung, die zugleich mit plumper emotionaler Erpressung arbeitet, sich diese von der Gegenseite aber verbittet: Urteil zu Tierversuchen an Affen in Bremen

Was passiert eigentlich, wenn man ein Blog auf einem Raspberry Pi hostet und dann um Traffic bittet? Ein Feldversuch: PiPress

Mir gehen zwar die Haare aus, noch bevor sie Gelegenheit haben, in Würde zu ergrauen, aber natürlich trifft es auch auf mich zu, was hier geschrieben wurde – es geht nicht um Speicherstände: Games Don’t Need Saving

Wie kleine Kinder gegen Geschlechterrollen vorgehen sollten: Gender-Hausaufgabe

 

Revenge

18 Sep

Die personifizierte Vergeltung in Revenge heißt Emily Thorne. Unter diesem Namen kehrt Amanda Clarke in die noblen Hamptons zurück, um im Schutze der neuen Identität Rache an den Upperclass-Einwohnern der Siedlungen an der Ostküste der USA zu nehmen. Besonders an der Matriarchin des Grayson-Clans, den Emily bzw. Amanda für die unverschuldete Inhaftierung ihres Vaters und damit den Untergang ihrer Familie verantwortlich macht. Auf ABC läuft die Serie seit letztem Herbst mit einigem Erfolg, was nicht zuletzt daran liegt, dass ihr Aufhänger so simpel und urmenschlich ist wie das Motiv der Protagonistin.

Es gibt einen klaren Unterschied zwischen Kompromiss und Konsens, Revenge ist ohne jeden Zweifel Letzteres. Gutes, geradliniges Fernsehen, das sich nicht um Tiefe bemüht und zugleich oberflächliche Schablonen scheut. Es wird ein mittlerer Weg gefunden, das Publikum an die Figuren zu binden, ohne auf schematische Konstellationen zu bauen. Emily/Amanda dringt mit ihrem Gespür für die Schwächen ihrer Mitmenschen weit in die oberen Zirkel ein, es gelingt ihr sogar, sich mit dem ältesten Sohn der Graysons zu verloben, womit sie direkten Zugriff auf die Familie hat, die sie zerstören will. Sie will unerbittlich vorgehen, das gelingt ihr aber nicht, da der Blick hinter den Schein des Familienidylls ihre Empathie weckt. Revenge erzählt nicht bloß von der Rache, auch von der Schwierigkeit, sie konsequent auszuüben.

Der angesprochene Konsens besteht also gerade darin, eine alte Idee nicht innovativ, aber packend umgesetzt zu haben. Grundsätzlich als Thriller angelegt, offenbaren sich in den Folgen Stück um Stück Hintergründe. Ein Mittel, das auch schon der Vorgänger auf dem Sendeplatz, Lost, einsetzte. In Rückblenden werden Emilys Beweggründe und ihre minutiöse Vorbereitung deutlich. Genug, um von Folge zu Folge Spannung zu schaffen. Worin aber auch das größte Risiko besteht. Mit dem kontinuierlichen Verweis auf vergangene Ereignisse, die nur in Bruchstücken aufgedeckt werden, droht mit der Zeit lästiges Retrofitting. Die Figuren, die noch sehr glaubhaft und schlüssig aufgebaut werden, könnten mit allzu großem Ballast der Vergangenheit beladen werden. Damit würde leicht neue Spannung kreiert, die psychologische Glaubwürdigkeit der Figuren allerdings geopfert. Solange aber Revenge nur diese Gefahr in sich trägt, ihr aber weiterhin gut aus dem Weg geht, ist sie im besten Sinne kurzweilige Unterhaltung.

Titel: Revenge
Jahr: 2011
Land: USA
Genre: Thriller, Soap
Produktion: Mike Kelley u.a.
Darsteller: Madeleine Stowe, Emily VanCamp u.a.
 
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True Blood Staffel 5: Blutleer

13 Aug

Ein Holzpflock, säuberlich durch das Brustbein eines Vampirs gestoßen, macht Dreck. Von den irrtümlicherweise als unsterblich charakterisierten Blassen bleibt nicht viel. Unappetitliches Gekröse und sämiges Kunstblut. Das war’s. So scheiden die Blutsauger in True Blood mittlerweile in der fünften Staffel dahin. Vielen Unkenrufen zum Trotz, blieb ich der Serie treu. Unterhalten hat sich mich immer, so abstrus es auch wurde. Nach drei Vierteln der fünften Staffel gehen mir aber auch endgültig die Gründe aus, aus der Serie noch einen Rest Amüsement zu ziehen. Sie zerbarst direkt vor meinen Augen spätestens nach drei Folgen, als wäre sie selbst untot gewesen und nun gepfählt worden.

Und was uns da alles um die Ohren fliegt. Gegen die tumultartige Vermehrung der Fabelwesen vorangegangener Staffeln, die schon zu allerlei Kritik einlud, ist das verbale Arsenal schon geleert, um die künstliche Aufblähung von Plots und Charakteren zu beschreiben. Das verschossene Pulver hätten wir uns sparen sollen. Die aktuelle Staffel ist randvoll, sie ist womöglich aufgrund ihrer Masse geplatzt. Der Konfusion Struktur zu geben, fühle ich mich nicht imstande.

Lassen wir es einfach. Oder doch nicht? Also gut, ein paar Stichworte. In loser Reihenfolge: Tara, nicht tot. Nicht lange. Sie wird von Pam, auf Bitten von Sookie und Lafayette von Pam gewandelt. Pam entdeckt ihre, in Rückblenden angedichteten, vampirischen Muttergefühle für Tara, die fortan einen Groll gegen Sookie und ihren Cousin hegt und bislang zur strippenden Staffage im Fangtasia wird. Im Fangtasia trifft auch der liebeskümmerliche Hoyt ein. Erst ist er schlecht geschminkter Fangbanger-Emo, verpuppt sich zum Mutantenrassisten, kriegt aber doch noch die Kurve. Unser Hoyt. Habe ich da Jessica gehört? Die Nummer mit Jason wird nicht übersichtlicher, was auch den Autorinnen und Autoren auffiel, die es dann nach einigen Folgen schnell unter den Tisch fallenlassen. Es gibt ja auch Wichtigeres. Sookie zum Beispiel. Die eilt Eric und Bill zur Hilfe, als sie von der Authority genötigt werden, Russell Edgington endgültig den Garaus zu machen. Alcide darf da auch noch aushelfen, bevor der Plot rüde abgegrätscht wird und sich die Wege der Protagonisten trennen. Alcide wird in einen jämmerlichen Subplot verbannt, der ihn als einsamen Wolf ohne Rudel zurücklässt. Eric und Bill nehmen eine alternative Bibelstunde und feiern derweil Orgien mit einem wildgewordenen Lilith-Kult an der Spitze der Authority. Irgendwo muss die Nacktheit ja herkommen. Und die Intrigen auch. Von Löchern in Plots brauchen wir nicht sprechen, genießen wir doch einfach die Rückkehr von Russell Edgington, der Teil des Kults ist. Ebenso der ehemalige Reverend, Steve Newlin. Einst vampirhassender Hassprediger, nun zum Vampir gewandelt, was ihn auf seltsame Weise auch homosexuell gemacht haben soll. Zurück zu Jessica und Jason. Ach, das wollte ich doch lassen. Also nur Jason. Mir geht die Luft aus, dazu noch was Gescheites zu schreiben. Und Sam? Den hatten wir noch gar nicht. Gut, es muss wohl sein. Hier ein paar Szenen mit Jason und den Mutantenhassern, gegen die Jason ermittelt. Da einige mit Sam, der von jenen angegriffen wurde. Und so weiter. Ein weiteres Abstellgleis für einstmals liebgewonnene Figuren. Hatte ich erwähnt, Sookie macht sich aus heiterem Himmel auch noch auf die Suche nach dem Mörder ihrer Eltern, der ein Vampir sein muss. Wer brachte sie darauf? Wen hatten wir noch nicht? Die Feen. Dann schwirren noch ein paar lockere Handlungsfäden mit Lafayette herum. Er ist nun also ein Medium. Wer fehlt noch? Terry Bellefleur wird von seiner Irakkriegsvergangenheit in Form eines Ifrits eingeholt. Der Feuerteufel steckt auch hier im Detail.

Was auch immer die Produzenten und Autoren zu der Annahme geführt hat, mit all diesen Geschichten kaschieren zu können, dass ihnen die Puste ausgeht? Es hat nicht gefruchtet. Selten habe ich erlebt, wie einer Serie das Interesse an ihren Figuren in einem solchen Ausmaß ausging. Im Chaos der Subplots verliert sich jeder Sinn, der zuvor errichtet wurde. Reine Effekthascherei übertüncht dabei nicht die Schwächen. Es reicht nicht, die Zuschauerinnen und Zuschauer mit allem zu bewerfen, was ihnen da durch den Kopf ging. Überfrachtet und jeder Emotionalität beraubt, hastet die Serie zwischen den auch räumlich getrennten Figuren hin und her. Im Rausch von Blut, Sex, Gewalt und debilen Twists sticht nur hervor, dass eine einstmals großartige Serie sich selbst zerfleischt hat.

 
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Serienstarts Fall Season 2012 – Must-see

31 Jul

Und da ist sie, die sehr subjektive Liste der Serien, die mich packen könnten. Dazu sei gesagt, unterm Strich haut mich die Fall Season nicht besonders vom Hocker. Wirkliche Glanzlichter zeichnen sich noch nicht ab. Aufgrund der zugegeben oberflächlichen Beurteilung der Trailer kann der Eindruck täuschen.

Red Widow

Diese Serie ist in dieser Liste ein Wackelkandidat. Es spricht in meinen Augen einiges für deren Ausrichtung. Nach der Ermordung ihres kriminellen Mannes, übernimmt Hausfrau Marta Walraven die Geschäfte ihres verstorbenen Gatten.

Es sind im Grunde simple Geschehnisse, die eine Handlung vorantreiben, in der Marta Walraven in die organisierte Kriminalität einsteigt, um ihre Familie zu schützen. So simpel ist es, dass genügend Raum für eine allmähliche Steigerung der Einsätze bleibt. Sofern der Serie also die Zeit gegeben wird, die Handlung durch ihre Figuren reifen zu lassen, könnte sich Red Widow zu einem spannenden Thriller entwickeln.

Argwöhnisch macht mich lediglich die theatralische Inszenierung von Leid und Trauer im Trailer. Doch auch hier gilt, es ist nur ein Trailer, der nach mir unbekannten Regeln erschaffen wird, um selbst die einfältigsten Zuschauerinnen und Zuschauer zu locken. Und wenn ihnen dafür emotional über den Schädel geschlagen werden muss, dann wird dies halt umgesetzt.

Revolution

Hinter den von J.J. Abrams produzierten Serien stecken immerhin ordentlich Budgets. Wer wundert sich da also über einen ordentlich polierten Trailer für die im September startende Revolution. Dabei dachte ich zunächst an Alan Weismans Sachbuch The World Without Us, doch anscheinend dockt diese dystopische Serie an der Emberverse-Buchreihe an. Sagt mir nichts, aber der Trailer gibt das hier her.

An sich gibt es nach dem Trailer nichts an der von Eric Kripke verantworteten Serie zu beanstanden. Dessen Supernatural ließ mich seiner Oberflächlichkeit wegen kalt, hat aber doch ein ordentliches Gefolge gehabt. Und Abrams steht immerhin dafür ein, dem seriellen Erzählen eine Spannung einzuimpfen. Wie auch immer gelungen die Serien waren, sie hatten ein ordentliches Tempo und ausreichend Mysterium, um immerhin zu unterhalten.

Nach übernatürlichen Verschwörungen in Alias und Fringe, zunehmender Zeitwirrungen in Lost und eigenwilliger Wiederkehrprämisse im letztlich glücklosen Alcatraz werden wir also in eine nach globalem Blackout zur Dystopie verkommene Welt geworfen. Neben einer hervorragenden Optik, jeder Menge Schwertkämpfen und der obligatorischen konspirativen Handlung ist noch nicht viel zu sehen. Dennoch kann ich nicht anders, denn schließlich war auch Person of Interest nicht mit einem Trailer gesegnet, der dessen Stärke betonte. Es ist zwar eigentlich nicht der Ort für ein Loblied auf dieses Meisterwerk der letzten Saison, aber es muss gesagt werden. Person of Interest war so wenig aufgeregt, dass es beinahe ermüdend wirkte. Durch die Hintertür schlich sie sich aber wieder heran. In ihrem Zentrum steht etwas, das ein Trailer niemals wird vermitteln können. Aus dem Geflecht der unterschiedlichen Interessen der Figuren dieser ebenfalls dystopischen Welt, die allerdings weniger augenscheinlich ist, entwickelt sie einen reizvollen Sog. Es geht ihr um Vertrauen abseits der moralischen Pfade, um das Verblassen der Konturen von Gut und Böse im Dämmerlicht der Dystopie.

Allein wegen dieser Unvorhersehbarkeit, die in vielen Abrams-Projekten steckt, wird Revolution von mir die Chance erhalten, die sie verdient.

Vegas

CBS geht all in. Vor der Kamera Dennis Quaid, Michael Chiklis und Carrie-Ann Moss, dahinter Koautor Nicholas Pileggi und Regisseur James Mangold.

Natürlich hat CBS den Markt sondiert. Mad Men ist stark wie eh und je, Boardwalk Empire ist thematisch verwandt. Beide sind auf ihre Weise herausragende Serien, die auch ihr Publikum fanden. Letztes Jahr missglückte zwar schon bei ABC der Versuch, mit den Zutaten des Retro-Chics beim Publikum zu punkten. CBS geht aber, wie gesagt auf’s Ganze.

Mangold hat vor allem mit Walk the Line Erfolg gehabt, aber für diesen modernen Western um den von Quaid gespielten Sheriff im aufstrebenden Las Vegas der 1969er qualifiziert ihn sein 3:10 To Yuma. Pileggi ist ohnehin erzählerisch auf Vegas eingeschossen, dürfte also eine ordentliche Portion Erfahrung mitbringen, um für spannende Storys zu sorgen. Ansonsten bleibt nicht viel zu sagen, denn es bleibt auch bei diesem teuer aussehenden Trailer ein Glücksspiel, ob das Versprechen gehalten werden kann. Die Voraussetzungen für einen kantigen Serienklotz sind aber gegeben, auch wenn natürlich die Zügel in der Serie nicht so angezogen werden können, da es ja nun nicht auf einem der Kabelsender ausgestrahlt werden wird, die mehr Freiheiten haben.

 
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