Depublica: Architeuthis

Das ZDF strahlte gestern meines Wissens die Wiederholung einer Anfang des Monats auf Spartensendern versendeten Dokumentation aus, die für mich aus vielen Gründen absolut sehenswert ist. Leider wird die Depublikation wohl zuschlagen Ende der Woche zuschlagen, weshalb ich hier gar nicht erst versuche, irgendwas aus der Mediathek einzubetten. Als Appetitanreger hier Ausschnitte aus der englischen Fassung:

Die Untiefen der Rechtslage in der deutschen Medienlandschaft, die zur Depublikation zwingt, sind reine Tortur, die Tiefen der Meere weit interessanter. Ich sah die Dokumentation nun zum zweiten Mal, sie wurde deshalb aber nur spannender. Das liegt an der Tiefseeforschung selbst, die kurze Einblicke in eine Welt abstrus erscheinender Lebewesen vermittelt, die von der Science-Fiction kaum überboten werden kann. Atemlos erzählte ich im Bekanntenkreis von der spannenden Suche, die in der Dokumentation festgehalten ist, die Suche nach Bewegtbildern von Riesenkalmaren.

Die gigantischen Kopffüßer sind der Stoff, aus dem reichlich Seemannsgarn gewoben wurde, doch von den Mythen befreit, sind diese Kalmare nicht weniger beeindruckend. Die Dokumentation hat also beste Voraussetzungen für spannende, populärwissenschaftliche Momente. Sie geht aber, das machte für mich den Reiz aus, noch weiter, da sie die Suche als leidenschaftliche, aber nicht manische Forschung eines internationalen Teams beschreibt. Dabei zeigt sich, was Wissenschaft auszeichnet: Versuche, Scheitern, Experimente, Forscherdrang, Denken und gerüttelt Maß Glück, im Sinne von Eingebung, nicht aber Zufall.

Die Dokumentation zeigt mustergültig, wie Erkenntnisgewinn erlangt werden kann. Wie Fortschritt entstehen kann, als Folge unzähliger kreativer Versuche, deren Scheitern selbst auch eine Erkenntnis ist. Das Team eint die Suche nach Architeuthis, dem Riesenkalmar, doch ihre Herangehensweise ist stets unterschiedlich. Eine Forscherin spekuliert darauf, dass die Riesenkalmare ihre Beute aufgrund ihrer Lichterspiele erkennen. Sie entwickelte eine künstliche Qualle, die dem irrlichternden Beuteschema der Kalmare entspricht. Mit Pheromonen versucht ein anderer Forscher die Riesenkalmare anzulocken. Gänzlich anders, aber von bestechender Qualität ist der Ansatz, nicht die Riesenkalmare selbst zu suchen, sondern sich im Dienste der Wissenschaft als Trittbrettfahrer an die eigentlichen Jäger der Kalmare zu heften. Eine Kamera wird einem Pottwal mittels Saugnapf auf die Stirn gesetzt und filmt eine Gruppe der Wale auf der Suche nach Architeuthis.

Dass die Suche am Ende erfolgreich ist, das ist für mich weniger spektakulär als der Einblick in die kreative Arbeit von Forscherinnen und Forschern. Das war ein wirklicher Gänsehautmoment.

Singer: Tierversuche

Mein Plan ist ja nun geändert, seitdem ich weiß, dass ich Tierethik für das Studium verwenden kann. Der Fokus richtet sich ja jetzt mehr auf Singer, Regan und Carruthers. Deshalb folge ich dem Büchlein ‚Texte zur Tierethik‘ nicht mehr dem ursprunglichen Verlauf. Stattdessen springe ich die Abteilung des Büchleins, den ich mir eigentlich ersparen wollte. Der Titel des zweiten großen Abschnittes in diesem Buch heißt ‚Tiere in der Wissenschaft‘. Im Gegensatz zu dem vorangegangenen Abschnitt, in dem es mehr um theoretische Grundlagen und Diskurse zur Tierethik geht, wird hier ein Feld der praktischen Anwendung betrachtet. Für mich ist das aus dem Grund interessant, dass Singer natürlich auch zu Tierversuchen Stellung bezogen hat. Weiterlesen