Noch mehr Gamerpöbelei

Besser ich warte noch ein paar Tage damit, dachte ich mir. Es hat ja keinen Nutzen, aus dem Bauch heraus an einem doch wohlverdienten Shitstorm teilzunehmen. Dieses Blog hat sich ja vorgenommen, weniger mit den übelriechenden Fäkalien zu werfen, als damit, es einfach mal zu betrachten. Daher war  Ryan Perez ist aber immer noch damit beschäftigt, den unappetitlichen Schauer dieses Unwetters zu beseitigen, das er selbst herbeirief. Perez, bis Samstag noch ein Autor beim Videospielblog Destructoid, hatte anscheinend genug getrunken, um mal ordentlich einen rauszuhauen in Richtung der Geek-Ikone Felicia Day:

Und setzte noch einen drauf.

Der Wind nahm schnell Fahrt auf, es braute sich etwas Braunes zusammen. Perez schien merkte es, doch bevor er zwei dürftige Erklärungen auf Twitter absetzte, teilte Destructoid erst noch mit, die Zusammenarbeit mit Perez aufzugeben. Aber zurück zu dem, was Perez dazu zu sagen hat:

Eine etwas längere Unterhaltung mit Perez zu den Geschehnissen kann bei Mundane Matt angehört werden. In diesem beschreibt sich Perez selbst als nicht besonders sympathisch, er verlangt auch kein Mitleid. Ganz offensichtlich hält er sich für einen Menschen, der sich darin gefällt, ungefiltert hinauszuposaunen, was ihm durch den Kopf geht. Worüber er sich auch in diesem Interview aufregt, ist die Art der beleidigenden Kritik an ihm und den falschen misogynen Freunden, die zu seiner Rettung eilen wollten. Bei allem Chauvinismus ist Perez doch anzurechnen, dass er ohne Umschweife zu akzeptieren scheint, dass er für das Geschriebene mit Konsequenzen zu rechnen hatte. Seinen Job für Destructoid ist er los, damit scheint er leben zu können. Mit dem, was dann geschah, aber nicht. Denn Aggressionen und Beleidigungen richteten sich gegen ihn und wieder gegen Felicia Day, die seine Entschuldigung mittlerweile angenommen hat, aber immer noch aufs Übelste beleidigt wird.

Und er hat sogar in gewisser Weise Recht. Er geht davon aus, seine Tweets seien nicht sexistisch gemeint und deshalb auch nicht in diese Richtung auszulegen, sondern unabhängig vom Geschlecht gegen eine öffentliche Figur der Geekkultur gerichtet, deren Leistungen er nicht erkennen könne. Wäre diese der Fall, es wäre kein Beispiel für Sexismus in der Gamerszene. Ich teile diese Ansicht nicht völlig, da er mit dem Begriff booth babe eindeutig auf eines der offenkundigsten machistischen Rituale der Spielemessen verwies, aber gehen wir mal davon aus, es war tatsächlich nicht sexistisch motiviert. Dass es aber eben doch den Sexismus der Szene offenbarte, zeigt sich in den Wellen, die seine Kommentare schlugen. Ein wilder Mob stürzte sich auf Felicia Day, nur deshalb, weil er etwas Dummes sagte, das seinem Arbeitgeber aus nachvollziehbaren Gründen nicht gefiel, und dazu führte, dass Perez nicht mehr für Destructoid schreibt. Felicia Day hat nichts dazu beigetragen, Destructoid zu der Maßnahme zu führen. Das hat Perez mit seinem losen Mundwerk ganz allein geschafft. Er hat sie verbal angegriffen, obwohl er sie nicht kannte, und dafür die Rechnung erhalten. Doch spätestens bei den leider als typisch zu bezeichnenden Beleidigungen, die eindeutig auf Days Geschlecht zielen, steigt der brodelnde Sexismus der Szene auf.

Es bleiben zwei Sufftweets, die aggressiv und unnötig waren, eine aufgelöste Zusammenarbeit zwischen Perez und Destructoid, eine sexistische Lawine übelster Beleidigung in Richtung Days, überbordende Wut auf Perez, die in dieser Form ebenfalls nicht angemessen ist, und eine akzeptierte Entschuldigung. In dieser Auflistung ist eigentlich alles noch vergleichsweise harmlos, wenn auch nicht sehr appetitlich, in sozialen Interaktionen geschehen solche Dinge aber hin und wieder. Die besagte Lawine sexistischer Ausbrüche, die über Day preschte, die ist ein ernsthaftes Problem.

[via Skepchick, The Mary Sue]