Feedly hat mir RSS verdorben

Um fair zu bleiben, ich habe mir nach dem lange angekündigten Tod von Googles Reader wohl selber die Laune verdorben. Genauer, meine Knauserigkeit hat dazu beigetragen, dass meine Wahl auf Feedly fiel. Feedly war kostenlos, Google hatte sich ja redlich bemüht, mir und allen anderen Nutzerinnen und Nutzern von RSS für den täglichen Informationsbedarf abzutrainieren. Da wollte ich erst einmal nicht wieder für etwas zahlen, das ich als gegeben hinnahm wie Luft.

Spätestens seit einigen Wochen fällt mir aber immer wieder auf, dass Feedly eine denkbar schlechte Wahl war. Als Alternative für den Google Reader wurde der Dienst immer besser, die anfänglichen Kinderkrankheiten waren schnell überwunden. Da kamen aber alle schon daher, wie denn Feedly sich mit seinem Kostenlos-Modell langfristig würde halten können. Feedly antwortete auf die Skepsis mit einem Premium-Angebot.

Dieses kann ich aber nicht nutzen, denn wie bei angrynerds schön ausgeführt wurde, wählte Feedly einen Anreiz für Premium, der nicht nur unsympathisch ist, sondern auch völlig in die falsche Richtung geht. Ich kann mich, denke ich immerhin, mit einiger Kraft wieder daran gewöhnen, für einen zuverlässige RSS-Reader zu zahlen. Aber ich kann dies nicht bei Feedly, wenn dort absichtlich die Aktualisierungsfrequenz gedrosselt wird, die gegen Bezahlung erhöht werden kann. In der kostenlosen Variante waren kleinere Seiten und Blogs oft deutlich verspätetet erst in meinem Strom der Nachrichten. Doch gerade die kleinen, gerne auch abseitigen Themen und Seiten sind es, die ich besonders lesenswert finde. Diese auszubremsen und erst gegen Geld wieder in eine halbwegs aktuelle Zeitleiste einzugliedern, ist eine aus meiner Sicht nicht zu tolerierende Diskriminierung.

Da ich also Feedly nicht unterstützen will, aber auch noch keine Zeit für eine Suche nach anderen Diensten aufbringen konnte, liegen derzeit alle Feeds bei mir brach. Das kann es eigentlich auch nicht sein.

Der Reader ist tot, lang lebe der Reader

Anfang März erreichte mich die Botschaft, der Reader werde dieses Jahr eingestellt. Die Begründung dafür klang auch einleuchtend: Der Aufwand lohne sich bei der geringen Anzahl aktiver Nutzerinnen und Nutzer schlicht nicht. Bald schon solle Schluss sein, weshalb ich meine Feeds bei Bedarf sichern solle. Diese kurze Mail war für mich kein Schock, machte mich aber nachdenklich, wann ich das letzte Mal diesen Reader benutzt hatte. Es muss schon lange her sein, vor meinen Augen entstand kein Bild mehr aus der Erinnerung. Da geht wieder ein Reader dahin. Hinter dem großen Raubtier blieb in der Fressordnung kaum noch etwas für die kleineren übrig. RSS-Reader sind schon vor langer Zeit zur Monokultur verkommen, da machte ich mir nichts vor.

Aber ich konnte ganz gut damit leben, solange die Bestie Google Reader mir noch ein paar Brocken vor die Füße warf. Da kümmerte es mich nicht, von der Einstellung des Simplenews Readers zu hören, es war der Lauf der Dinge. Der kleine Konkurrent konnte untergehen, das störte mich kaum, war es doch auch der Beweis der Stärke des Riesen. Ja, Anfang März war es noch völlig unvorstellbar, dass der Reader jemals etwas anderes meinen würde als den Feed-Aggregator von Google. Bis gestern Nacht die ersten Klagen aufkamen. Heute Morgen war es endgültig Gewissheit:

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Die Begründung für diesen Schritt liest sich fast genau so wie beim sehr viel kleineren Konkurrenten: Schwindende Nutzungszahlen, Aufwand zu groß ohne Ertrag, konzentrieren uns auf wichtigere Dinge. Und da war sie wieder, diese Stimme, die unbeirrt flüstert: RSS ist tot. Aber kann das sein? Wie kann, ganz laienhaft gesprochen, ein so simples und effizientes Markup wie RSS so kläglich scheitern, dass sich die Verbreitung in der breiten Öffentlichkeit so nicht einstellen konnte? RSS-Reader machten für mich das individualisierte Nachrichtenprogramm möglich. Schund neben Kunst, Sex zusammen mit Prüderie, Nippes und Hippes, es war aber immer gerade das, was mich interessierte. All das ist nicht tot, es wird im Hintergrund noch genutzt werden, davon gehe ich aus. Die Massentauglichkeit ist für RSS aber nun endgültig zu den Akten gelegt. Aber das ahnte ich schon immer.

Fernab dieser Bedenken war der Schock für mich auch nicht verwunderlich. In der Zeitrechnung des Netzes ist Google Reader ein Dinosaurier, der viele andere Anwendungen kommen und wieder gehen sah. Mein Vertrauen in den Reader beruhte auf dieser impliziten Ewigkeitsklausel, die er ausstrahlte. Vielleicht war es nicht massentauglich, aber der Reader würde bleiben, das ließ ich mir von gegenläufigen Indizien wie der nachlassenden Pflege durch Google nicht verderben. Ich brauchte den Reader, also schuf ich eine prächtige kognitive Dissonanz, in der Google Reader ewig währte. Die Meldung vom Aus riss mich aus der verzerrten Welt, ich landete hart auf dem Boden der Tatsachen. Es tat aber nicht so weh wie die Frage, was nach dem Google Reader kommen würde.

Dann fiel mir wieder ein, warum ich mich damals bei bei Simplenews angemeldet hatte. Und bei Bloglines auch, bei Netvibes und vielen anderen. Ich hatte gefühlt alle Reader schon probiert, einige waren richtig gut, wurden aber eingestellt, weil Google Reader als kostenloser Dienst von Google kleinen Entwicklern Ketten um den Hals legte, an denen sie meist recht schnell erstickten. Ich landete immer wieder bei Google. Aber hieß das nicht auch, dass ich immer auf der Suche nach einer Alternative war? War der Google Reader nicht schon seit langer Zeit ein Dorn in meinem Auge?

Ja, der Google Reader war zu gut, um ihn zu verlassen, bereitete aber auch immer Kopfschmerzen und ein komisches Gefühl im Magen. Und genau das fiel mir im Laufe des Tages wieder ein, ich wollte immer schon weg, konnte aber aus Gewohnheit nicht. Jetzt geht es nicht mehr anders, Alternativen müssen her. Und war das nicht der Grund, warum ich überhaupt so viel Software ausprobiere? Ich finde jeden Tag haufenweise vielversprechende Anwendungen, probiere einige, kaufe manche. Der Spaß liegt im Finden von guten Tools. Ab 1. Juli werde ich spätestens wieder reichlich Grund für die Suche haben. Und bis dahin werden sicher noch neue Apps aufkommen, denn der rücksichtslose Fleischfresser ist dann nicht mehr.

Randnotiz: Newsify mit ordentlichem Update

Mein gegenwärtig bevorzugter Newsreader für iOS wurde mit dem heutigen Update deutlich besser. Newsify war damals noch kostenlos, doch heute sind die 79 Cent für die schicke und zuverlässige App auch kein Beinbruch. Besonders weil dem Reader ein Nachtlesemodus spendiert wurde. Schick, aber noch kein Muss.

Seit heute ist Newsify komfortabler in der täglichen Anwendung. In den Einstellungen unter Advanced ist es zwar ein wenig versteckt, aber ich hatte es lange vermisst, dass Newsify nicht während des Lesens der neuesten Artikel im Hintergrund im Flug als gelesen markiert. Bislang war dazu ein Handgriff nach dem Button notwendig. Damit nimmt mir Newsify nun manuelle Arbeit ab. Und auch ein Umweg über die Artikelansicht, um diesen für späteres Lesen zu markieren, ist nun nicht mehr notwendig. In der Artikelliste reicht ein Halten der Überschrift, dann wird er markiert. Für mich sind gerade diese vermeintlich kleinen Verbesserungen ein Erleichterung.