I Get This Call Every Day: Kein Spiel, ein Kommentar

Was ich an Indie-Games liebe? Sie versuchen erst gar nicht mit den großen Maschinen mitzuhalten, sie suchen sich ihre Nische, sei sie noch so klein. I Get This Call Every Day ist im eigentlichen Sinne kein Spiel. Es ist kurz, frustriert und hat kaum Interaktionsmöglichkeiten. Was es besonders macht? Es ist kurz, hat kaum Interaktionsmöglichkeiten, frustriert und ist nahezu unerträglich. Es simuliert den fiktiven Alltag eines Call-Center-Mitarbeiters – *Spoilers* -, den ein Anruf unweigerlich ins Verderben führt. Der Weg dahin führt durch verschiedene Höllen.

Es ist kein Spiel, aber ein sozialer Kommentar, schlägt damit ungefähr in dieselbe Kerbe wie etwa Tamatipico. Ich war auch da, auf der einen wie der anderen Seite. Vielleicht habe ich mich deshalb in der letzten Stunde verzweifelt durch den Dialog geklickt. Wieder und wieder, in der Hoffnung, es könnte doch irgendwo ein Ausweg versteckt sein. Deutlicher könnte dieser Kommentar auch nicht ausfallen, denn so wenig es ein Spiel ist, es hat etwas zu erzählen. Mit Konsequenzen für den Entwickler.

Der Kanadier David S. Gallant war bis vor kurzem im Telefondienst beschäftigt, es wundert kaum, dass er diesen Job nicht sonderlich mochte. Wer Telefonarbeit in der heutigen Zeit liebt, im In- wie Outbound, kann kaum bei Sinnen sein. Wohin mit all der Frustration und der angestauten Wut? Bei dem wenigen Geld, das immer nur gerade reicht, aber für nichts entschädigt? Gallant aber hat anscheinend den falschen Weg gewählt, denn es kam die (durchaus einkalkulierte) Aufmerksamkeit, mit ihr die Wahrnehmung. Und, unsereins ahnt es schon, es kam allem Anschein nach die Kündigung.

Damit hatte das Spiel für Gallant immerhin einen Endgegner, gleichwohl im realen Leben, gegen den er verloren hat. Vielleicht wollte er sogar? Wie gesagt, ich kenne die Gleichgültigkeit, die entsteht, wenn man solche Arbeit macht. Er hat aber auch erreicht, dass ich ihm ein wenig Geld für eine Stunde ‚Spielspaß‘ rübergeworfen habe. I Get This Call Every Day macht mürbe, damit nachdenklich und das ist großartig.

Dungeon Defenders

Mit dem Schwert in der Hand rennt mein ungelenker Knappe durch die Gewölbe. Wo die Not am größten ist, muss selbst Hand angelegt werden. Die Gegnerscharen kommen von allen Seiten. Dort, wo der Held in schillernder Rüstung gerade nicht ist, bleibt nur zu hoffen, dass die Verteidungsapparaturen gut platziert wurden, um den anstürmenden Horden standzuhalten.

Das ist Dungeon Defenders. Eine knallbunte Mixtur aus einem Action-Rollenspiel und Tower-Defense. Anders ausgedrückt, es ist die Folge einer ziemlich leidenschaftlichen Affäre zwischen Diablo und Pflanzen gegen ZombiesSo ähnlich wird es angepriesen, was origineller klingt, als es tatsächlich ist. Aber dazu später mehr.

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