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Fangen wir mit einem lange Zeit unbemerkt gebliebenen Zivilisationsfortschritt an. Sich auf Stühle zu setzen wird nie mehr sein, was es mal war.

Manchmal dringt die Spielewelt in die Realität ein. Wenn eine linux-gesteuerte Waffe auf den Markt kommt, die das Zielen (teil-)automatisiert, kriege ich ein wenig Angst. Die Verzahnung von Waffenindustrie und Videospielen geht auch andersherum, wenn beispielsweise Spielerinnen und Spieler über Linzenzgebühren für In-Game-Waffen die Rüstungsindustrie bezahlen können.

Journalismus wird nach Schnittmustern erzählt. Gegen den Formatjournalismus wäre prinzipiell nichts zu sage, wäre er nicht gewillt, die Wirklichkeit der Form unterzuordnen. Meist ist es verhängnisvoll, andere Male nur lächerlich. So in diesem Fall.

Ich mag ADN, aber längst nicht alles ist rosig, ich wünschte mir beispielsweise auch eine etwas offenere API.

Ja, die benevolente Diktatur ist als postdemokratisches Modell en vogue, auch bei Menschen, denen etwas mehr zugetraut werden könnte, als krypto-totalitäres Gewäsch.

Für manche ist es vielleicht etwas zu technisch, hier wird aber eine perfide Methode geschildert, Nutzervertrauen zu torpedieren. Findige Webentwickler, nennen wir sie Arschlöcher, haben keine Bedenken die Historie eines Tabs im Browser zu manipulieren, um beim Klicken auf den "Zurück"-Button auf Werbung umzuleiten.

Was ist schon ein Allheilmittel? Selfpublishing auf keinen Fall.

Wie sieht er eigentlich aus, der Sexismus in der Spieleszene? Dreißig Tage in Summe schon reichlich hässlich.

Lernplattformen sprießen in Hülle und Fülle, die meisten Angebote kommen mir didaktisch noch nicht sehr ausgereift daher. Aber auch gesellschaftlich befeuern sie, so die Kritik eine zentrifugale Kraft in der Bildungslandschaft. Homogenisierte Milch ist nützlich, homogenisierte Bildung eher nicht.

Der Datenschutz bestimmt weite Teile der hiesigen Auseinandersetzung um Googles neues Gadget für überwiegend weiße Männer. Die Benutzerfreundlichkeit fand wenig Beachtung, aber auch da gibt es wohl noch große Baustellen.

Ich habe ein gespaltenes Verhält is zu Kickstarter, aber auch Crowdfunding allgemein. Der eigentliche Zweck alternativer Finanzierung für unabhängige Kreative geht verloren, wenn sie von der Industrie als günstige Produktionshilfe kooptiert werden, sodass sie auch noch alle Gewinne einstecken können. Aber es gibt sie halt auch, diese Projekte, die wohl kaum genug Geld hätten sammeln können. Wie etwa eine Dokumentation über Frauen in der Spielebranche.

Einige Beispiele dafür, wie sich Sexismus strukturell gerade auch über die alltäglichen Ausgrenzungen fortsetzt, gerade weil diese Sexismen auf den ersten Blick zu klein und nichtig wirken.

Linkgebliebenes 17

Doktortitel werden erschlichen, Zeugnisse gefälscht, alles für die Karriere übernommen. Deutschland ist ein Schein-Land, in dem Expertise auf einer Urkunde stehen muss, um zu zählen. Ein exemplarischer Fall zu den Abgründen dieser "Leistungsgesellschaft".

Was soll ich dazu schreiben? Es fallen mir Worte ein wie journalistische Eitelkeit, Armutspornographie, aber auch Leid und Tod. Das beste Wort ist aber – traurig:

Dann kann ich Mendeley jetzt ja auch zu den Akten legen. Nun, da der Leviathan der Wissenschaftsverlage sich das Startup einverleibte, ist es mit einem Schlag unglaubwürdig und unsympathisch:

Es gibt eine Grenze des Anstands, sicherlich. Dennoch ist gerade beim Tod von Politikerinnen und Politikern falsch verstandene Pietät überhaupt nicht angemessen:

So schnell ist der Weg von einem biertrunkenen Post in die Psychiatrie?

Spricht für sich selbst:

Es vergeht keine Woche ohne Berichte über Sexismus in der Games-Szene. Aber es gibt auch Gründe, dort zu arbeiten. Als Frau:

Meta, meta, meta, alles meta. Auch ich schaue ab und zu auf diese Rankings und frage mich, was die Zahlen mir sagen sollen?

Es gibt sie diese schönen Geschichten über gestohlene Laptops und die Rache der Bestohlenen. Realistischer und komplexer ist es dann aber in der Regel wohl doch:

Die brachiale Rhetorik vieler Atheisten geht mir gegen den Strich, sie ecken bewusst an. Da fangen sie sich – mal mit Recht, mal ohne – unschöne Vorwürfe ein:

Einfach eine sympathische Idee. Webseiten werden von Menschen gemacht:

Die Frage der externen Kosten des digitalen Lebens ist ohnehin spannend. Wie sieht es mit dem Goldrausch um Bitcoins aus?

Reichtumsschere der Welt mal visualisiert. Aber keine Sorge, alles bestens:

In der Piratenpartei gab es hässliche Auswüchse der Sprachpflege und auch sonst das allgemeine rüpelhafte Verhalten einiger Schreihälse und Maskulisten. Das hatte bedauerliche Folgen:

Tjaha, Excel ist halt aus verschiedenen Gründen eine Plage:

Linkgebliebenes 12: Mehr #LSR wagen

Oberste Bürgerpflicht ist die Gesetzestreue, im buchstäblichen Sinne. Auch kultprok wäre nicht kultprok, bliebe ich hier nicht der bundesrepublikanischen Gesetzeslage treu ergeben. Bürgerwehr kultprok meldet vorauseilend-gehorsamst Gewehr bei Fuß zum Schutze der vierten Säule der Demokratie, auch wenn diese Säule in letzter Zeit kaum tragend wirkt. Aber für republikanische Statik ist die Bürgerwehr kultprok nicht zuständig, wundert sich also nicht weiter, dass diese vierte Säule neben dem Pantheon der Demokratie steht und nur hübsch aussieht. Eigentlich nicht mal das, aber auch da will sich kultprok nicht aus dem Fenster lehnen. Zur weiteren Pflicht der ordnungsgemäßen Link-Umschau.

Unter dem Titel Xxx xxxxx xxxxxxxxxx ist bei xxxx.de ein spannender Artikel zur Verhaltensforschung an Primaten und den Folgen von unsachgemäßer Anthropomorphisierung einerseits wie auch des Verifikiationsstudiensdrucks im Wissenschaftsbetrieb.

Ebenfalls auf xxxx.de ein anrührender Artikel über Leben, Leiden, Wirken und Tod einer Kriegsreporterin. Mit Sicherheit ist Xxx Xxxx, xxx xxxxx xxxxxx die Schilderung eines waghalsigen Jobs zwischen Berufung, Aufklärung und Rücksichtslosigkeit, der das Feigenblatt der Existenzberechtigung ist, für den sich sportbegeisterte Boulevardisten einen Presseausweis besorgen und schwitzenden Menschen Mikros unter die Nase halten.

Nun aber zu den eigentlich seichteren Themen, denn auch hier tun sich Abgründe auf, wie etwa schon wieder xxxx.de mit Xxxxxxx, xxx xxx Xxxxxxx xxxxxxxx zu berichten hat: Die Casting-Flut im deutschen Fernsehen produziert nicht nur Unterhaltung mit kurzem Haltbarkeitsdatum, sondern monetarisiert die Kandidatinnen und Kandidaten brutalst, lässt sie aber auf Kosten und Image alleine sitzen.

Auf der Produktionsseite sieht das nicht anders aus, da werden dann prekär beschäftigte Menschen in ihrer Arbeitslosigkeit immerhin noch mit güldenen Statuetten gewürdigt. Da regt sich wegen Xxx Xxxxxxxxxxxx-Xxxxx xxxx "Xxxx xx Xx" Protest, berichtet xxxxxxxxxxxx.de.

Gut, dass wir darüber gesprochen haben. Das fühlt sich schon sehr organisch an, wie hier die Informationen ausgetauscht werden können. Freie Medienlandschaften machen frei, der Beweis ist endgültig erbracht.

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So schön kann ich hier mit Gedanken spielen, sie abwägen, in ihnen von der einen zur anderen Seite rollen, aus allen Lagen betrachten. Da will ich doch glatt wieder ein solches Drehen und Wenden im freien Gedankenraum spielen. Die Vorlage liefert David Bauer (via BILDblog) mit einer simplen Forderung: Lernt von YouTube und lasst eure Inhalte von anderen einfach und bequem einbetten. Er meint damit besonders professionelle Textprodukte, die ja nicht nur Texte sind, aber das führt zu weit. Dies beruht auf einer Frage, die auf den ersten Blick verlockend reizvoll wirkt. Warum lassen sich im Web alle möglichen medialen Inhalten einbetten, die Textprodukte aber nicht? Videos, Audiodateien und auch Bücher werden in schöner Routine von den Produzenten freigegeben und ebenso selbstverständlich von anderen eingebunden und weiterverwertet. Nur Texte nicht. Seltsam. Oder? Weiterlesen

Straßenzeitungen: BISS

Das Entsetzen über den esoterischen und weltverschwörerischen Wahn in der Straßenzeitung, die ich mir letzte Woche kaufte, ist abgeebbt. Nun wollte ich nicht wahrhaben, dass alle Magazine und Straßenzeitungen derart wüsten Inhalt verbreiten. Glücklicherweise gibt es große Beispiele, wie man dies inhaltlich (erst einmal nur auf den Magazininhalt, nicht auf das soziale Engagement als Inhalt) anders gestalten kann. Das Münchner Straßenmagazin BISS ist ein ganz anderes Kaliber. Weiterlesen

Kopimismus – Die Kopie, die Kirche und das Internet

Ja holla, heute gibt es aus gegebenem Anlass die feierliche Einweihung einer lockeren Reihe hier auf kultprok: Kultprok investigativ! Yeah, holy shit. Das geht so ab, man glaubt es nicht. Null Leserschaft, hundert Prozent das, was eigentlich nur eine Mail, ein Tweet und ein paar Chats sind. Aber als Journalismus etikettiert klingt es gleich geil hoch drei. Und ab dafür. Weiterlesen