Yoku-Gami: Zen-Knobeln

Was hätte ich getan, wenn ich neben Super Monsters Ate My Condo nicht Yoku-Gami hätte? Der Reizüberflutung gebietet Yoku-Gami mit Zen-Garten-Atmosphäre Einhalt. Es gibt keinen Zeitdruck, keinen Stress, nur die beinahe meditative Ruhe eines mathematisch ausbalancierten Spiels, das auf einer Vorlage von Reiner Knizia beruht.

Das Prinzip ist denkbar einfach. In einer von Spielsteinen mit unterschiedlichen Werten gefüllten Matrix, müssen Spielsteine aneinander gereiht werden, sodass die Summe aller Steine exakt dem Wert des höchsten Spielsteines der Gruppe entspricht. Gelingt dies, werden die Steine aus der Matrix entfernt, wird dabei eine Spalte oder Zeile komplett frei, wird mit neuen Steinen aufgefüllt.

Prinzipiell ist Yoku-Gami im Standard-Modus ein Endlosspiel, das ein wenig an Tetris mit Zahlen erinnert. Ganz entfernt nur, direkter ist die Verwandschaft mit Bejeweled. Nur ist bei Yoku-Gami eine deutlich anspruchsvollere Knobelei enthalten, die durchaus Kopfzerbrechen bereitet.

Als Gegengift zum stechende Kopfschmerzen verursachenden Tempo-Zirkus von Super Monsters Ate My Condo ist es perfekt geeignet. Die Ruhe erdet richtig schön. Doch auch Yoku-Gami kann mich nicht langfristig binden. Vielleicht hat es damit zu tun, dass Knizias Spielmechaniken restlis durchmathematisiert sind, neben der Logik aber nur den Zufall kennen, womit sie für mich immer ein wenig beschränkt wirken. Es fehlt ihnen ein Überraschungsmoment, das die kühle Rechnerei auflockert. Das ist aber schon das Schlechteste, das über Yoku-Gami gesagt werden kann. Wer meine Bedenken zu Knizias Methode nicht teilt, kann dann nichts falsch machen.

The Wiki Game

20120827-141841.jpgHinter dem, nennen wir es, Puzzler The Wiki Game steckt eine clevere Idee, aus dem, was millionenfach im Netz täglich gemacht wird, ein Spiel zu entwerfen. Von einem vorgegebenen Startartikel der englischen Wikipedia gilt es, einen Zielartikel zu erreichen. Mit den Links in den Artikeln.

The Wiki Game reproduziert nur die entsprechenden Artikel, spart ein wenig Navigation der ursprünglichen Artikel aus, da es sonst zu einfach würde, und die Schnitzeljagd kann losgehen. In fünf Kategorien werden Punkte vergeben. Die einfachste Variante gibt nur vor, in so wenig Klicks wie möglich am Ziel anzukommen. Andere verlangen etwas mehr. So muss das Ziel auch in exakt sechs Klicks, innerhalb eines Zeitfensters oder ohne den Zwischenweg über den Artikel der USA erreicht werden.

Erstaunlich oft, fordert das Spiel ein enormes Maß an Planung. Dabei hilft eine umfassende Allgemeinbildung, um sich durch das Labyrinth der Artikel zu graben, dabei aber nicht das Ziel aus den Augen zu verlieren. In diesen Momenten, wenn ein Plan nach reiflicher Überlegung aufgeht, ist ungemein befriedigend.

Dennoch hängt der Spaß, gerade bei einer offenen Spielweise, stark von den Rahmenbedingungen ab. An mancher Stelle ist dabei weniger Gehirnschmalz vonnöten, als der Autor des Spiels dachte. Dadurch wird zumindest einer der Spielmodi unbrauchbar, weil er deutlich mit demselben Lösungsweg binnen weniger Klicks zu erledigen ist. Fünf Klicks bis zu Jesus sind gefragt, genau fünf, um die volle Punktzahl zu erlangen. Das ist leichter als es scheinen mag. Jeder Startartikel hat in der Regel eine Nation, auf die er verweist. Dort kann unter demographischen Daten die Religionszugehörigkeit ausgewählt werden, unter denen aufgrund der Verbreitung der christlichen Weltreligion schnell der Jesus-Link zu finden ist. Im Zweifel bedarf es noch einer Zwischenrunde, um dann mit dem fünften Artikel die geforderte Punktlandung hinzulegen.

Ebenfalls abschreckend dürfte es für manche sein, dass lediglich die englischsprachige Wikipedia als Quelle dient. Der Schwierigkeitsgrad hängt damit also auch von den sprachlichen Fähigkeiten ab. Dennoch ist es eine feine Idee, die für Knobelei sorgt. Zur Not einfach mal die kostenlose Webappausprobieren.

Titel: The Wiki Game
Hersteller: Alex Clemesha
Jahr: 2011
Genre: Puzzle
Plattform: iOS (0,79€), Web
Version: 1.0