Ted (2012)

Mit abschweifenden Humor, der oft nur aus kruden Unterbrechungen der Handlung mit popkulturellen Verweisen besteht, steckt Seth MacFarlane einige Häme und Spott ein. Doch für ein wachsendes Cartoon-Imperium hat es allemal gereicht. Family Guy, American Dad! und The Cleveland Show sind seit Jahren eine sichere Bank für MacFarlane. In Ted zieht es MacFarlane auf die Kinoleinwand, sowohl als Koautor des Drehbuchs, Regisseur und Sprecher des titelgebenden Stofftieres.

Ted hat erstaunliche Gemeinsamkeiten mit dem letzten Muppets-Film. Hier wie dort wird wie selbstverständlich die magische emotionale Bindung eines Jungen an eine Puppe beschworen. Ein kluger Kunstgriff, die voraussetzungsreiche Ausgangsposition einfach zu überspielen, indem nicht die Belebung von Stoff, Garn und Filz für wundersam erklärt wird, sondern die innige Freundschaft zwischen Mensch und Stofftier. Auch nach dem Sprung von der frühen Freundschaft in die nüchterne Gegenwart der zu Mittdreißigern herangewachsenen Flauschfreunde wandeln beide Filme auf ähnlichen Pfaden.

John Bennett (Mark Wahlberg) steckt in einem trostlosen Job und einer liebevollen Langzeitbeziehung zu Lori (Mila Kunis). Es hilft nicht, dass er und sein einziger Jugendfreund Ted, der nach kurzlebigem Ruhm als niedlicher Teddy mit lockerem, verdorbenem Mundwerk wieder in Vergessenheit geriet, die berufliche Sackgasse bevorzugt mit Drogenkonsum auf der heimischen Couch vergessen machen wollen. Aus den Fugen gerät das vorbildliche Slackertum nur daduch, dass Lori zusehends eine Perspektive erwartet.

So kurz, so vorhersehbar. MacFarlane verzichtet zwar überwiegend auf seine zum Markenzeichen gewordenen Gagüberfälle, weiß aber anscheinend den weiten zeitlichen Raum eines solchen Films nicht recht zu füllen. Zwischen den Rahmen des märchenonkelhaften Off-Sprechers hätte viel mehr gepasst, als an einer Hand abzählbare Lacher und die Wirrungen einer aufgebauschten Handlung, die sich anscheinend an der eigenen Simplizität noch verschluckt.

Dabei ist es vor allem Mark Wahlberg und Mila Kunis zu verdanken, dass es nicht zu einem Fiasko kommt. Kunis‘ grundsympathische Lori ist nicht darauf aus, einen Keil zwischen John und Ted zu treiben. Wahlberg nimmt die eigentlich lächerliche Aufgabe an und verleiht John eine glaubwürdige Orientierungslosigkeit und Freundschaft zu Ted. In den besten Moment lebt der Film davon, dass Wahlberg sich voll in jede noch so absurde Situationskomik reinhängt. Die Jahrzehnte zwischen ihm und Ted sind spürbar. Das sind dann aber nur etwa zwanzig Minuten bester Unterhaltung – von hundert Minuten Spielzeit.

Hope Springs – Wie beim ersten Mal

Ein Film wie Hope Springs kling nach kühler Berechnung: Machen wir doch einen Kontrast zu den juvenilen Sommerblockbustern, um das gesetztere Publikum mit einem betulichen Film abzuholen. Nora Ephron nutzte die filmische Nische im Sommer aus betriebswirtschaftlicher Sicht hervorragend, lediglich die Ergebnisse waren zunehmend dürftig. Hope Springs erscheint eben nur genau das zu sein, das Ergebnis geschickter Programmierung gegen die nach Effekten gierenden Zuschauerströme. Angefangen bei der Besetzung von Meryl Streep, dem eigentlichen Gesicht der Alternativprogrammierung gegen den Jugendwahn, und Tommy Lee Jones bis hin zum Thema des alternden Paares in Therapie klingt die Berechnung durch.

Diese arithmetische Herangehensweise eines kommerziellen Films führt, wie Hope Springs großartig zeigt, dann zu einem außerordentlich amüsanten Ergebnis, wenn sie mit kompetenter Ausführung daherkommt. Streep und Jones spielen das biedere, alte Paar nicht routiniert runter; sie geben ihnen in vielen subtilen Gesten genau jene Substanz, die es braucht.

Gerade in den von allerlei Plattheiten gefährdeten Darstellung der Therapiesitzungen geben das Drehbuch von Vanessa Taylor und Regisseur David Frankel den Akteuren den Raum vor, den sie prächtig ausfüllen. Therapiesituationen driften in Filmen nur allzu oft in simplifzierten Voyeurismus ab, der die Figuren der Lächerlichkeit preisgibt. Hier allerdings gibt der überraschend dezente Steve Carell einen von jedem Zynismus befreiten Therapeuten, der ohne auch den Hauch der Scharlatanerie zu verbreiten, mit sparsamen Eingriffen die Kommunikation und dann das Verhältnis des Paares kuriert. Carell spiegelt die analytische Haltung seiner Rolle hervorragend in das Verhältnis zu Streep und Jones. Bescheiden gibt er den Beiden lediglich einige Stichworte vor, um dann zu sehen, was die Meister daraus machen.

Kein Zweifel, Hope Springs wird nicht ewig in Erinnerung bleiben. Doch die unaufdringliche Erzählung, das aufrichtige Interesse an den Figuren und eine hervorragende Besetzung werden die gute Erinnerung an diesen Film nur langsam verblassen lassen. Ein guter Film ist immer noch der beste Effekt.