Bookworm: Ausgedienter Bücherwurm

Wortpuzzles haben es mir in letzter Zeit deutlich angetan, wofür besonders Letterpress verantwortlich ist. Kein Wunder, dass ich auch noch nach anderen Spielen suche, um Wörter bilden zu können. Bookworm landete eben auch noch bei mir.

Quasi seit der Frühphase des App Stores ist Bookworm dabei. Gutes Marketing würde da von einem Klassiker sprechen, es ist doch wohl eher ein nicht ganz in Würde gealtertes Spiel. An jeder Ecke fällt das Alter auf: Allein die Optik ist altbacken, es sollte ja auch auf Geräten mit deutlich geringerer Leistung noch laufen. Es spielt sich aber auch nicht wirklich rund, wenn ich es mit moderneren Puzzlern mit Worten und Buchstaben vergleiche. Es ist ein reines Solospiel, nichts ist es mit menschlichen Gegnern. Wir dürfen bloß den klassischen Modus, in dem es um möglichst lange Buchstabenketten geht, oder gegen die Zeit antreten. Mühselig klauben wir so Buchstaben zusammen, in der Hoffnung, auch einmal ein längeres Wort bilden zu können. In den meisten Fällen sind aber nur recht kurze Wörter machbar. So verliert sich die Geduld dann schnell, das Spiel hat kein Tempo und gibt selten das Gefühl, etwas erreicht zu haben. Es ist halt ein langsam kriechender Wurm, der sich da durch die Buchstaben quält.

Mir reicht das nicht, was Bookworm anbietet. Als das Spiel an den Start ging dürfte es für die Zielgruppe ein Ereignis gewesen sein, im heutigen Umfeld wurde Bookworm von der modernen Konkurrenz spürbar überholt.

Letterpress: Sirenenrufe für Cheater

Es war ja klar, es würde nicht lange dauern, bis die Solver durch den Approval-Prozess im AppStore gelangen. Webseiten tummelten sich ohnehin recht schnell mit dem kompletten Arsenal schneller Lösungen. Letterpress ist so simpel, gerade deswegen in enormem Maß reizvoll und auch langfristig motivierend, es lädt zum Cheaten ein. Es bedarf keines großen Aufwandes, um die Grundlagen für einen Solver zu schaffen: Ein ordentliches Lexikon*, schon sind die längsten Wörter gefunden, obendrauf ein wenig Kombinatorik, dann fallen schon die effizientesten Begriffe unten raus, abschließend machen einige Apps es den Denkfaulen richtig einfach, wenn mit simpler Bildanalyse mal eben aktuelle Screenshots ausgewertet werden. Das müsste sich alles sogar schon in anständigen Bibliotheken finden und gegebenenfalls nur erweitern lassen. Da habe die Cheater dann nur noch eine Aufgabe: Zwei Tasten gleichzeitig drücken.

Und nun überschwemmen die Hilfsprogramme den Store, womit atebits gefordert sein dürfte, die Balance nicht aus den Fugen geraten zu lassen. Es wird geeignete Maßnahmen geben, um die Lage in den Griff zu kriegen. Mir sind zwar noch nicht viele Spielerinnen oder Spieler – manchmal weiß man das ja auch nicht so genau – untergekommen, bei denen mich ein merkwürdiges Gefühl beschlich, auf lange Sicht können Cheater aber zum spielerischen Siechtum führen, weshalb nicht nur darauf gesetzt werden sollte, die Cheater könnten durch die fehlende Herausforderung, schließlich müssen sie nur noch redundante Fleißarbeit bei Screenshots leisten, schnell wieder abspringen. Sicher hilft hier noch immer, dass es keine Rangliste gibt, die Anreiz für anhaltendes Cheaten ist, doch eine Garantie gegen die abschreckende Wirkung von Spielverderbern ist es nicht. Es muss eine Lösung her, um die Solver in ihre Schranken zu verweisen.

* Auf den einfachsten Weg kam ich ja eben erst: Das Wörterbuch muss ja irgendwo im ipa-Container liegen. Hürde Nummer eins schrumpft in ihrer Höhe also auf ein Niveau knapp über der Grasnarbe zusammen. EDIT: Ich bin ja ein Holzkopf, das liegt da ja schön zum Parsen vorbereitet im Container. Also fällt es mal schön flach, was ich da geschrieben habe zu den Wörterbüchern. Es ist davon auszugehen, dass alle Cheater-Apps das komplette Lexikon von Letterpress kennen. Also keine Kunst.

Bessere Wortgefechte in Letterpress

Mit der stark ausgeprägten taktischen Note ist Letterpress unter den Buchstabensalatspielen das Spiel, von dem ich einfach nicht lassen kann. Was für ein ungünstiger Tausch, heilte es doch meine Lost Cities-Abhängigkeit. Trotzdem bleiben nach mehreren Wochen in der überragend schlicht gehaltenen Umgebung des Wortpuzzles noch Wünsche offen.

1. Sofern sich nicht aus den Buchstaben im Spiel selbst kleine ambivalente Botschaften stricken lassen, ist die Möglichkeit zur Kommunikation mit dem Gegenüber aus der Spielumgebung selbst abgeschnitten. In Anbetracht der grottenschlechten Gesprächskultur in Onlinespielen ist das nicht völlig verkehrt. Ich bin ja teilweise schon froh, wenn die harschen Beleidigungen in sprachlich ansprechender Form serviert werden.
Aber ich komme vom eigentlichen Weg ab. Jede wie auch immer geartete Möglichkeiten zum Gedankenaustausch im Spiel selbst würde ich mich freuen wie über den Fund eines Wortes mit zweistelliger Länge. Zur Not reichen schon einige Emoticons wie in Lost Cities, das wäre schon was. Jetzt bleibt nur, auf andere Kanäle auszuweichen. Doch mit dem Suchen und Finden der Opponenten auf Twitter ist das auch so eine Sache. Es stört aber auf jeden Fall den Spielfluss.

2. Habe ich da was von Spielfluss gehört? Jedes Spiel hat seine eigene Dynamik, das ist bei einem rundenbasierten Spiel nicht zu ändern – es macht bis zu einem gewissen Punkt sogar den Reiz aus. Dennoch fluktuieren die Partien zu stark. In manchen Runden schlagen die Worte nur über mir ein, die Gegner schütten die Lettern über mir aus. Andere entscheiden sich erst in einem quälend bedächtigen Tempo, jedes Wort, das bei mit aufschlägt, gähnt mich an.
Letterpress braucht bestimmt keine Änderung, die in das Spieltempo eingreift. Das ursprüngliche Spiel sollte bleiben wie es ist. Eine Ergänzung um eine Blitzpartie wäre hervorragend. Mir schwebt da etwa ein Zeitkontingent wie beim Schach vor, das die maximale Spieldauer begrenzt. Ein Limit für die Zugdauer wäre bei der Spielmechanik abträglich, eine Berechenbarkeit der Spieldauer eigentlich nur von Vorteil.

3. Als wortbasiertes Spiel ist Letterpress, ich hatte es schon kurz beschrieben, sehr anfällig für allerlei Trickserei. Ein Wörterbuch, ob hölzern oder in Bits, reicht aus. Es dauert halt, aber das hält nicht auf. Außerdem ist ja nichts so, als gäbe es keine Solver oder Generatoren, um Sinn aus Buchstabensalat zu machen.

Der Verdacht ist der dritte Spieler, die Fehleranfällihkeit des Verdachts aber auch enorm hoch. Langfristig bräuchte Letterpress doch ein Verfahren, auffälliges Verhalten zu erkennen. Vielleicht wäre ein Index in den beispielsweise die Wortlänge, die Worthäufigkeit und -geläufigkeit, die Reaktionszeit und andere Indikatoren im Hintergrund einfließen. Ein solcher Indikator wäre nie stichhaltig genug für Ausschlüsse, die bräuchte es ja auch nicht. Wenn auffälliges Spielverhalten zu einem hohen Index führte, könnten – sofern die Game-Center-API mitmacht – könnten Spielerinnen und Spieler mit hohem Index einander zugeteilt werden. Die Cheater werden von den ehrlichen Häuten getrennt, alle könnten aber noch den Spaß aus dem Spiel ziehen, den sie suchen.

Letterpress ist auch ohne Änderungen in die eine oder andere von mir vorgestellte Richtung ein toller Zeitvertreib. Dass es noch reichlich Luft nach oben gibt spricht umso mehr für das Spiel.

Dunkle Seite der Worte: Letterpress

Okay, ich wollte es nicht in mein Review aufnehmen, muss es aber sagen. Das Spiel ist gut, bietet aber anscheinend jede Menge Gelegenheit zum Trollen und Cheaten. Auch wenn ich es nicht gerne zugebe, getreu dem Motto Gelegenheit macht Diebe bringen gerade Wortpuzzle eine schattige Seite in mir hoch. Warum gerade diese Spiele, keine Ahnung? Der Spaß an Letterpress kann schon ordentlich verdorben werden, wenn Gegner in die Trickkiste greifen.

Impliziter Chat

In Letterpress werden Worte gebildet. Zwar gibt es in dem Spiel keine direkte Form der Kommunikation zwischen Kontrahenten. Einfallsreiche Spieler und besonders Trolle können die Spielmechanik selbst für einige Übergriffe nutzen. Die Matrix der Buchstaben gibt oft was her, um dem Gegenüber einen vor den Kopf zu knallen.

Keine drei Partien hatte ich hinter mir, da lief es auf einen deutlichen Sieg hinaus. Es war absehbar, dass mein Gegner nicht mehr Land – oder Buchstabenflächen – gewinnen würde, also verstieg er sich auf einen rüden Abschied. Im vorletzten seiner Züge bildete er aus den Buchstaben FUCKING. Ich hatte noch nicht Lunte gerochen, bereitete das Spielende mit einem weitern Wort vor und fing mir dann einYOU von ihm.

Ich musste lachen. Nicht schlecht. Letztlich ist auch ungewiss, was genau damit gesagt werden sollte. Wer längere Zeit im Netz – besonders in Spielen – verbringt, nimmt so etwas hin. Man trägt es manchmal sogar als Auszeichnung. Andererseits dürfte es anderen nicht gefallen, wenn es ausarten sollte. In diesem Fall bleibt nur, Spielernamen notieren und zukünftig alle zufällig zugelosten Partien beenden.

Simpler Cheat

Der Spaß kann auch durch eine andere Methode gebrochen werden. Bei Worträtseln lässt sich leicht schummeln. Jeder dürfte schnell ein Wörterbuch zur Hand haben oder Suchmaschinen hinreichend bedienen können. So hagelt es dann schon gerne mal reichlich abstrus erscheinende Wörter. Aber ehrlich, es geht noch schlimmer.

Vorher noch eine Warnung: Wer wie in der Folge beschrieben cheatet, versaut nicht nur anderen den Spaß, sondern langfristig auch sich selbst.

Um inLetterpress in kürzester Zeit das Feld abzudecken, braucht es nicht viel:

  1. Als erstes brauchen wir eine Liste mit einem ordentlichen englischen Wortschatz. Nicht schlecht ist beispielsweise das Official 12Dicts Package. 12Dicts ist nicht schlecht, da es das 2of12inf-Wörterbuch enthält. Inklusive Flexionen verfügt es über 81536 Wörter des Englischen. Das reicht für eine ordentliche Rechtschreibkontrolle – wofür es eigentlich gedacht ist – und wird auch für einen Cheat langen.
  2. Wie machen wir den Abgleich zwischen den uns gegebenen Buchstaben aus Letterpress mit dem Wörterbuch? Reguläre Ausdrücke. Die regulären Ausrücke bieten sich eigentlich für jede Art etwas aufwändigerer Textsuche an, die aber keine linguistische Auswertung liefern soll. Die regulären Ausdrücke sind nicht leicht zugänglich, aber einfach genug. Jeder heutige Texteditor sollte eigentlich eine Regex-Suche unterstützen. Damit kann das Wörterbuch auf diejenigen Wörter reduziert werden, die möglich sind.
  3. Mit ein wenig Scripting geht sogar noch mehr. Ich habe noch nicht die Zeit gehabt, aber sollte nicht so schwer sein, ein Script zu schreiben, in das die aktuelle Matrix des Spiels und der Spielstand angegeben wird, um dann nach einem Wörterbuchabgleich das Wort zu spielen, das möglichst viele Punkte bringt. Weitere Aufgaben und Optimierungen sind hiervon auch nicht weit entfernt.

Mal sehen, ich denke nicht, dass ich mein Script einsetzen werden, sofern ich es beendet habe. Es hat mich nur in den Fingern gejuckt, ein praktisches Projekt zu haben, das selbst ich mit meinen geringen Scripting-Mitteln kurzfristig lösen kann. Den Spaß will ich mir und anderen aber nicht wirklich verderben.

Letterpress

Letterpress ist ein kompetitives Wortpuzzle. Davon gibt es im App Store reichlich, die Übersicht habe ich schon lange verloren. Eigentlich auch die Lust darauf. Und trotzdem habe ich es ausprobiert, wahrscheinlich weil mir die auf’s Nötigste reduzierte Optik gefiel. Den Köder der schlichten Ästhetik schluckte ich sofort. Wenige Sekunden nach der Installation schlug ich mich via Game Center mit anderen um die Buchstaben.

Die Regeln bohren sich sofort ins Hirn. Es gibt eine 5×5-Matrix von Buchstaben. Der Reihe nach bilden die Spieler daraus Wörter, die verwendeten Buchstaben werden dem Spieler zugeschlagen, der sie zuletzt verwendet hat. Hat ein Spieler sogar Felder komplett mit eigenen Buchstabenflächen umringt, kann der Gegner dieses Feld nicht mehr so leicht übernehmen. Damit kommt eine ordentliche Portion Taktik ins Spiel. Nicht nur die Wörter selbst zählen, auch wie und wann mit ihnen dem Gegner Felder abgeluchst werden. Gewonnen hat, wer am Ende mehr Flächen und damit Punkte hat.

Letterpress nutzt die Möglichkeiten des Game Centers zum asynchronen Onlinespiel. Das Risiko ist damit da, auf Spielzüge der Gegner warten zu müssen, doch bislang ist das kein Problem. Meist ist ein Spiel nach einer Viertelstunde beendet. Einschränkend dürfte es für einige dennoch sein, dass Letterpress lediglich auf ein englisches Vokabular zurückgreift. Einen grundlegenden Wortschatz des Englischen setzt es also voraus. Mehr aber auch nicht, denn es kommt nicht auf die Komplexität oder Besonderheit der Wörter an. Auch mit simplen Wörtern, die taktisch eingesetzt werden, lässt sich ein Gegner bezwingen.

Grundsätzlich ist das Spiel kostenlos. Allerdings können ohne das fair gepreiste Upgrade nur maximal zwei Partien parallel stattfinden. Für Gelegenheitspieler dürfte das schon ausreichen. Ansonsten spricht nichts gegen den Kauf des Upgrades für ein solides und kurzweiliges Rätseln gegen Online-Gegner.

Titel: Letterpress
Hersteller: atebits
Jahr: 2012
Genre: Wortpuzzle, Rätsel
Plattform: iOS
Version: 1.0