Linkgebliebenes 6

Der erste Link stammt noch aus der vorweihnachtlichen Zeit,  es ist die Fortsetzung eines journalistischen Versuchs, sich an die Armut von unten heranzutasten. Ist nur ein anekdotisches Verfahren, aber hübsch zu lesen.

Thomas Thielemann hat die Keule ausgepackt und anlässlich des Zeitungssterbens einmal der neoliberalen Attitüde der Medienlandschaft eine übergezogen. Da klingt vielleicht doch eine soziale Kälte und Mitleidlosigkeit gegenüber nun geschassten Redakteuren und Redakteurinnen mit, doch liegt sein Argument nicht so fern, dass sie nun unter den Geistern der Marktfreiheit zu leiden hätten, die sie selbst beschworen haben.

Kommen wir zu Seichterem. Nein, doch nicht. Auch im Gaming-Sektor sieht es noch immer düster aus, wenn es um die Gleichstellung und -behandlung der Geschlechter geht. Katherine Cross blickt zurück auf ein Jahr, in dem die sexistischen Muster in der Spieleszene deutlich und in aller Hässlichkeit ans Tageslicht kamen. Einerseits schon ein Vorteil, da nun immerhin Problembewusstsein entstehen kann. Eine Lösung ist allerdings noch fern.

Ich brauche eine Ablenkung. Wäre es nicht eine herrliche Gedankenspielerei, sich populäre Spiele der Gegenwart als Textadventure vorzustellen? Christopher Livingston hat’s mit Dishonored gemacht.

Es ist trotzdem nicht genug Ablenkung. Warum? Weil man bei Rochus Wolff nachlesen kann, wie es um die Lernfähigkeit mancher (meist männlicher) Mitmenschen steht. Das Argument, dass der Feminismus, die gewandelten Rollenbilder und Frauen ganz allgemein schuld seien an den negativen Auswüchsen, geht nicht unter. Obwohl es so dämlich und auch einfach ist, dieses Argument als den haltlosen Unfug nachzuweisen, der er ist. Wolff nimmt die Begründung noch einmal auf sich. Ob’s bei der Gegenseite ankommt?

Gut, dann eben zur Kinderliteratur. Da kann mir nichts passieren, oder? Da war doch was? Anatol Stefanowitsch wird von mir diese Woche eigentlich komplett verlinkt, hier noch ein Artikel von ihm, der sich mit Kristina Schröders vom Feuilleton geschmähter Wortwahl für das Geschlecht übernatürlicher Wesen auseinandersetzt und zugleich noch darauf eingeht, warum selbstverständlich manche Kulturprodukte sich im Sinne des kulturellen Wandels auch verändern müssten, ohne dass dies wieder als politische Korrektheit niedergeschrien wird.

Ich muss hier raus. Wo lande ich? Beim Sarrazin. Thilo Sarrazin machte sich auch weiterhin um die Integration von Andersdenkenden, Andersglaubenden und Andersaussehenden verdient. Emina Benalia hat da eine Geschichte auf Lager, die mich einfach nur zu absoluter Bewunderung verleitet. Nicht für Sarrazins Inhalte wohlgemerkt, aber wegen seiner Selbstsicherheit, mit der dieser feine Herr plumpe Meinungen als Fakten verkauft. Ich könnte ebenso große Taten vollbringen wie Sarrazin, ebenso groß wie die Entdeckung der selektiven Menschenrechte.

Mich macht das jetzt allerdings nur müde. Sehr müde.

Linkgebliebenes 5

Der Wortvogel hat sich Gedanken zur Restrukturierung in der deutschen Fernsehlandschaft gemacht: Fernsehen of the Future

Es gibt auch immer wieder gern die bipolare Darstellung der Tierrechtsproblematik in der Grundlagenforschung, die zugleich mit plumper emotionaler Erpressung arbeitet, sich diese von der Gegenseite aber verbittet: Urteil zu Tierversuchen an Affen in Bremen

Was passiert eigentlich, wenn man ein Blog auf einem Raspberry Pi hostet und dann um Traffic bittet? Ein Feldversuch: PiPress

Mir gehen zwar die Haare aus, noch bevor sie Gelegenheit haben, in Würde zu ergrauen, aber natürlich trifft es auch auf mich zu, was hier geschrieben wurde – es geht nicht um Speicherstände: Games Don’t Need Saving

Wie kleine Kinder gegen Geschlechterrollen vorgehen sollten: Gender-Hausaufgabe

Tiger Woods PGA Tour 12

Golf ist so ungefähr die seltsamste Sportart, die ich vorstellen kann. Nichts, aber auch gar nichts fällt mir dazu ein. Das letzte simulierte Golfsspiel, das ich gespielt habe, fällt in die Zeit, in der ich alles gespielt habe, was mir zwischen die Finger kam. Das müsste Links und damit Anfang der 1990er gewesen sein. Mehr als zwanzig Jahre später hat sich dann wieder mal ein Ableger des mittlerweile größten Golf-Franchises, das dem alten Recken den Rang abgelaufen hat, bei mir eingefunden.

Viel hat sich in der Zwischenzeit an den Voraussetzungen der Umsetzung des Sports nicht getan. Es muss noch immer ein Schläger geschwungen werden, wobei Faktoren wie Untergrund und Windbedingungen berücksichtigt werden. Über die Jahre haben sich aber deutlich die Mechanismen der Umsetzung verfeinert. Da mir der Vergleich über die Jahre fehlt, kann ich nicht sagen, wie viel Innovation in diesem speziellen Titel liegt. Für sich genommen funktioniert besonders das Schlagen in PGA Tour 12 geschmeidig. Über ein simples Interface wird auf Touchdisplays gestrichen, die Stärke richtet sich nach der Weite des Streichens, wobei auch überzogen werden kann. Dem Ball kann dabei auch schon eine Drehung mitgegeben werden, was noch verfeinert wird, indem nach dem Schlag der Realismus ein wenig verlassen wird. Ist der Ball in der Luft, geht es darum, den Drall zu bestimmen, mit dem er nach dem Aufprallen noch Wendungen macht oder weiter ausrollt. Es entsteht das Gefühl umfassender Kontrolle über den Schlag, die dennoch immer geschickt dosiert werden muss.

Tiger Woods PGA Tour 12 bringt eine ordentliche Auswahl verschiedener Kurse mit, bei denen einige hanebüchene Schwierigkeiten darstellen. Alles wird noch abgerundete von einem fair tarierten Skillsystem und zusätzlichen Herausforderungen. Insgesamt hat dieses Spiel mir als Golfsimulation als erstes Golfspiel genau die richtige Mischung zwischen Spielhalle und Simulation geboten, die mich auch langfristig motivieren kann. Nie hätte ich erwartet, Golf könnte genug Spannung und Herausforderung bieten, um daraus ein Spiel zu machen, das mir kurzweilige Unterhaltung bietet.

Nebenbei, Links ist in seinen verschiedenen Formen eine ganz schön langlebige Serie gewesen, die anscheinend zumindest über Jahre ordentlich eine Nische fernab des Gamer-Mainstreams füllte. Und sie hat schon 1990 die Plage eingeführt, die erst später für die breite Masse erst zur Plage und dann als unvermeidliche Last akzeptiert wurde: Zusätzlicher Inhalt. Ich war überrascht, wie früh die Entwickler von Links schon das Geschäftsmodell erkannten, den vermutlich deutlich besser situierten Golfern mit neuen Kursen Geld aus der Tasche zu ziehen. An einen Aufschrei kann ich mich nicht erinnern, dafür bediente Links schon einen andern Markt. Es wurde ja auch von Microsoft übernommen, die ohnehin mit ihrem Spielesortiment in einem anderen Teich fischten. Kinderkram war da ja nicht.

Titel: Tiger Woods PGA Tour 12
Hersteller: EA Swiss Sarl
Jahr: 2011
Genre: Sport
Plattform: iOS
Version: 1.17.87