Straßenzeitungen: Hinz & Kunzt

So manche Straßenzeitung steht noch auf meiner Wunschliste, die Hamburger Hinz  & Kunzt stand weit oben. Nur Gutes hatte ich gehört, die Messlatte lag hoch. Schon bald stand fest, Hinz & Kunzt hat noch viel Abstand zu meiner Erwartungshaltung gelassen, als sie die Hürde nahm.

Da gab es unter den guten Straßenzeitungen schon die eher wochenaktuellen Stadtmagazine, schön und informativ gemacht; oder die zeit- und sozialkritischen Magazine. Hinz & Kunzt reiht sich als eine weitere gelungene Mischung zwischen diesen Polen ein. Sie ist im allerbesten Sinne eine Illustrierte. Eine, die sich dies nicht nur in großen Lettern auf die ramschige Oberfläche schreibt, an der nichts golden  ist oder mit Himmelskörpern am Hut hat – außer eben den Namen.

Die H&K belässt es nicht nur bei eindrucksvollen, großflächigen Bilderlandschaften, die ein Alibi von einem Artikel kaschieren sollen. Eingerahmt von stimmungsvollen, nur dezent stilisierten Bildern, findet sie gerade in den Texten zu einer spannenden Sprache des Alltags über diesen selbst. Einfühlsam nähert sie sich mit offenen Augen den abseitigen, gerne auch mal kleinen, betulichen Geschichten. Trauer, Armut, Leid und Sorgen gehören dazu, nehmen aber nicht mehr Platz ein, als es unbedingt nötig ist. Illustrativ, nur so kann es gehen.

Horsts Comeback ist so nah dran an dem Straßenzeitungsverkäufer, man wird mitgerissen von der kumpelhaften Sprache, mit der Horst zu seiner Leistung gratuliert wird, sich nach jahrzehntelangem Alkoholismus eine respektable Stabilität abseits der Flasche erarbeitet zu haben:

Wer dich damals schon kannte, sagt, du warst zwar schon immer ein guter Kumpel, nur reden konnte man mit dir nicht. Dich hat ja nichts interessiert und zu erzählen hattest du auch nichts. Wer dich heute trifft, wird das kaum glauben können. Denn du redest immerzu.

In allen anderen Artikeln wird immer eine gute Balance gehalten zwischen emotionaler Nähe und journalistischer Distanz. In „Ich wollte mein eigener Herr sein“ schaffen Bilder und Texte es, den Eindruck zu vermitteln, in der holzgetäfelten Drogerie zwischen all den Tuben und Döschen bei der hinreißend gelassenen Drogistin zu sitzen, während diese rückblickend Abschied von ihrem eigenen Geschäft nimmt. Ohne Wehmut, mit einer ordentlichen Portion bodenständigem Kämpferherz. Dass hier ja keine Tränen aufkommen, gut war’s und damit ist gut.

Und da schafft die H&K etwas ganz Besonderes, sie lässt die kritische Haltung nicht außen vor, verbannt sie aber in den Hintergrund. Sie soll sich nicht tränenrührig oder agitativ aufdrängen. Erst der Mensch, der frei Schnauze redet und erzählt, die soziale Realität kommt da schon durch. Es mag auch daran liegen, dass ich als altes Nordlicht, der aber vom Hessischen assimiliert wurde, noch eine Heimatverbundenheit erhalten habe. Doch die süffisante, selbstironische Coolness Hamburgs liegt mir, da können andere von Unterkühlung reden wie sie wollen. H&K, das ist die große Leistung, ist ein bescheidener Vermittler zwischen Betrachtern und Betrachteten, erzählt die Geschichten von Menschen durch sie selbst, diktiert nicht, was davon zu halten ist.

Serielles Lesen: torrent

Nischen mögen als halbdunkle, abseitige Flecken verrufen sein, doch wer sich in sie traut, macht einige Entdeckungen. Das Format der anspruchsvollen Fernsehserie ist eine solche Nische. Sicherlich fanden einige von ihnen in Deutschland Erwähnung und Beachtung, aber nicht alle und schon gar nicht systematisch. Mit torrent wagt nun ein Magazin für serielles Erzählen einige Schritte in die Gassen, die von der massenmedialen Hauptstraße abzweigen. Weiterlesen

Straßenzeitungen: BISS

Das Entsetzen über den esoterischen und weltverschwörerischen Wahn in der Straßenzeitung, die ich mir letzte Woche kaufte, ist abgeebbt. Nun wollte ich nicht wahrhaben, dass alle Magazine und Straßenzeitungen derart wüsten Inhalt verbreiten. Glücklicherweise gibt es große Beispiele, wie man dies inhaltlich (erst einmal nur auf den Magazininhalt, nicht auf das soziale Engagement als Inhalt) anders gestalten kann. Das Münchner Straßenmagazin BISS ist ein ganz anderes Kaliber. Weiterlesen

Hohe tief Luft

Himmel von tiegeltuf (CC-BY-SA)Letzten Donnerstag hatte ich mir das neue philosophie Magazin (philomag) vorgenommen; eines von zwei in diesem Monat gestarteten Magazin, die sich das nicht zwangsläufig falsche Ziel gesetzt haben, auf ‚populärwissenschaftliche‘ Weise mit der Philosophie zu befassen. Für das philomag hatte ich ja am Ende zwar prinzipielle Sympathien übrig, doch wandelten sich diese in deutliche Enttäuschung ob des doch reichlich flachen zeit- und schöngeistigen Ansatzes, der sich als Philosophie tarnte. Positiver gewendet, sah ich aufgrund der Camouflage der ersten Ausgabe des philomags Luft nach oben. Dort wähnt sich, dem Titel nach, die Konkurrenz ja schon.

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Inkommensurable Philosophie – Philosophie Magazin

Diesen Monat gingen zwei Magazine an den Start, Leserinnen und Lesern mit Philosophie nahezukommen. Das ganze Unterfangen nimmt derzeit schon sofort als Überlebenskampf zwischen den beiden Magazinen aus, dessen Ende noch nicht feststeht. Fakt ist, seit letzter Woche gibt es das philosopie Magazin und Hohe Luft (Hier mal eine schöne betriebswirtschaftliche Präsentation zum Magazin). Hohe Luft wird erst einmal als Testballon in Form einer Sonderausgabe der emotion gestartet . Heute schaue ich mir eines dieser beiden Magazine mal an. Die Entscheidung für das philosophie Magazin fiel mir heute leicht, da ich noch 6 € hatte, aber die zwei weiteren für Hohe Luft fehlten. Das kommt dann aber nächste Woche dran. Weiterlesen