Straßenzeitungen: Soziale Welt

Nur kurz noch, da ich gerade darüber gestolpert bin, einige Worte zur Straßenzeitung Soziale Welt. Die wird zwar vom Verein Frankfurter Armutsaktie herausgegeben, also quasi direkt um die Ecke von mir. Aufgefallen ist sie mir bis vor wenigen Tagen noch nicht, was auch an ihrer unscheinbaren Präsentation liegen kann. Weiterlesen

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So schön kann ich hier mit Gedanken spielen, sie abwägen, in ihnen von der einen zur anderen Seite rollen, aus allen Lagen betrachten. Da will ich doch glatt wieder ein solches Drehen und Wenden im freien Gedankenraum spielen. Die Vorlage liefert David Bauer (via BILDblog) mit einer simplen Forderung: Lernt von YouTube und lasst eure Inhalte von anderen einfach und bequem einbetten. Er meint damit besonders professionelle Textprodukte, die ja nicht nur Texte sind, aber das führt zu weit. Dies beruht auf einer Frage, die auf den ersten Blick verlockend reizvoll wirkt. Warum lassen sich im Web alle möglichen medialen Inhalten einbetten, die Textprodukte aber nicht? Videos, Audiodateien und auch Bücher werden in schöner Routine von den Produzenten freigegeben und ebenso selbstverständlich von anderen eingebunden und weiterverwertet. Nur Texte nicht. Seltsam. Oder? Weiterlesen

Street News Service

Da meine Unbedarftheit mich dazu führte, möglicherweise einigen wenig vorbildlichen Straßenzeitungen aufgesessen zu sein, ist mir wichtig, mal die Spreu vom Weizen zu trennen. Schon nach kurzer Zeit, zu meiner großen Überraschung, stieß ich auf eine große Hilfe. Der Street News Service erscheint mir eine zuverlässige Quelle für anspruchsvolle journalistische Artikel der Mitgliedszeitungen aus aller Welt zu sein. Für Deutschland kommt dabei schon eine übersichtliche Liste zusammen, denen ich in Zukunft mehr Vertrauen schenken werde. Die mir bekannten strassen|feger und BISS sind dabei, was mich nicht überrascht. Aber was ist der Street News Service und warum ist es eine sinnvolle Einrichtung? Weiterlesen

Couchfunk für ebensolche Kartoffeln

Ein vergleichsweise neues deutsches Startup – mal nicht aus Berlin. Jetzt habe ich im Titel schon einiges angedeutet, obwohl die Konnotation nicht wirklich eine gute ist. Was soll ich sagen, mir fällt kein besserer Titel ein. Und andererseits weiß ich auch noch nicht so recht, was ich damit anfangen soll. Ich will Couchfunk nichts Böses, ganz im Gegenteilt. Damit es aber zu einer dauerhaften Freundschaft zwischen uns kommt, muss sich noch einiges tun. Weiterlesen

Straßenzeitungen: Seven-six-two millimeter. Full metal jacket.

Ich sehe fiktive tote Menschen, ich lache. Ich spiele Spiele, in denen reichlich Blut fließt – virtuelles Blut. Es sind nur blutrot getünchte Pixel. Dem Pixel schadet es nicht, auch nicht dem Pixelbündel, das etwas repräsentiert, das im wahren Leben eine andere Reaktion zeitigen würde. Ich habe meinen Spaß dabei, dass dieses Leid sogar von den Pixeln imitiert, dass es in Zeitlupen zelebriert und dass es dramaturgisch inszeniert wird. Habe ich einen schlechten Tag, es muss nicht einmal ein ganz mieser sein, schere ich mich nicht um das Leid in der Welt. Lass sie weinen, jaulen, sinnlos krepieren, sie sind nur im Fernsehen. Es geht hier rein, da raus.

Ich bin ein moderner Mensch, Zynismus ist mein Name. Ich trage ihn nicht mit Stolz, nur mit derselben Gleichgültigkeit, mit der ich das Leid hinnehme. In Full Metal Jacket stehen einige Soldaten des Platoons im Kreis über den reglosen, steifen Überresten eines Kameraden. Jeder einzelne Soldat nimmt Anteil am Tod dieses menschlichen Restes, alle auf ihre Weise. „Lieber du als ich.“, sagt der letzte von ihnen. Einsichtig lache ich jedes Mal, nicht verlegen, nur bestätigend. Es ist zu wahr, um traurig zu sein. Zynismus eben, so ist es. Außerdem standen sie bis dahin nicht so über den vietnamesischen Leichen. Warum auch? Weiterlesen

Straßenzeitungen: strassen|feger

Beim letzten Leserinnen- und Lesertreffen erhielt ich doch aus Berlin die meines Wissens größte dortige Straßenzeitung: strassen|feger. Herausgegebn wird der strassen|feger von Verein mob e.V., der sich sichtlich bemüht, eine eindrucksvolle und journalistischen Ansprüchen genügende Zeitung unter die Leute zu bringen. Das fällt sofort auf. Weiterlesen

Zwischen Skylla und Hybris

Es ist gar nicht so lang her, da hat Kim Schmitz aka The-Man-With-The-AKAs sich noch sicher gefühlt und zu sagenhaft aufgeblasenen Aktionen die Fanfaren erklingen lassen, sobald er nur vor die virtuelle Haustür getreten ist. Das sieht jetzt, da sein Imperium gescheitert ist, selbstverständlich etwas anders aus. Die Folgen des Takedowns von Megaupload sind noch lange nicht absehbar. Das FBI hat in einem furiosen Schlag die Masse der Filehoster-Dienste in Bewegung gebracht. Megaupload reißt eine enorme Schneise, zieht dabei andere mit ins Ungewisse. Weiterlesen

GoodReads

Mir gehen noch lange nicht die Ideen aus, was ich alles lesen könnte. Dennoch nutze ich in letzter Zeit immer öfter auch mal Aggregatoren, um mich leiten zu lassen. Zu den besten in diesem Bereich zählt goodreads. Die einzige Einschränkung ist dabei vorneweg, der englischsprachige Fokus. Mich hält das nicht ab, nur ein Hinweis.

Für diesen Sprachraum deckt es aber die ganze Palette ab. Es gibt dort keine Überraschungen, was den Service angeht. Es werden weite Teile der Literatur erfasst, die Nutzerinnen und Nutzer notieren, bewerten und besprechen können. Es wird ganz auf die Community gesetzt, um den Datenbestand für die Suche zu bestücken. Bei der Suche kann goodreads helfen, anhand simpler quantitativer Metrik, neue Bücher zu entdecken: Dir gefällt das, dann eventuell auch das.

Goodreads steht und fällt mit der Community. Die ist dort sehr breit vorhanden. Der offensichtliche Vorteil ist, dass sich mit Leichtigkeit Nutzerinnen und Nutzer finden lassen, die einen ähnlichen Geschmack haben. Auf der Jagd nach neuem Stoff sind schnell Weggefährten gefunden. Doch der Nachteil ist ebenso schon zu erkennen. Goodreads ist nicht überrannt, hat aber eine Masse erreicht, die an den Amazon-Store erinnert. Die Verlässlichkeit ist also nicht mehr sofort gegeben, da mittlerweile auch dort schon Interessen bestehen, Meinungen und Urteile zu manipulieren. Ebenso ist es nicht wirklich möglich, nach Exoten und Mauerblümchen zu suchen. Die Zentripetalkraft der Blockbuster zieht auch hier. Ich habe keine Zahlen, doch der Eindruck drängt sich auf, dass sich eine Mehrzahl dort mit den immer gleichen Büchern beschäftigt. Goodreads hat noch keinen Weg gefunden, gezielt die Peripherie des Geschmacks in der Form zugänglich zu machen, dass man sie leicht findet.

Es gibt eine schön integrierte App (iOS, Android) mit integriertem Reader, der auf Wunsch auch gleich den aktuellen Lesestand im Profil erfasst.

Hohe tief Luft

Himmel von tiegeltuf (CC-BY-SA)Letzten Donnerstag hatte ich mir das neue philosophie Magazin (philomag) vorgenommen; eines von zwei in diesem Monat gestarteten Magazin, die sich das nicht zwangsläufig falsche Ziel gesetzt haben, auf ‚populärwissenschaftliche‘ Weise mit der Philosophie zu befassen. Für das philomag hatte ich ja am Ende zwar prinzipielle Sympathien übrig, doch wandelten sich diese in deutliche Enttäuschung ob des doch reichlich flachen zeit- und schöngeistigen Ansatzes, der sich als Philosophie tarnte. Positiver gewendet, sah ich aufgrund der Camouflage der ersten Ausgabe des philomags Luft nach oben. Dort wähnt sich, dem Titel nach, die Konkurrenz ja schon.

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