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Artikel mit dem Tag ‘moral’

Schwarze Weißweste

05 Jan

Rand hat keine Figuren in ihrem Roman, es sind lediglich Lautsprecher. Metallisch krächzen sie die wenig auf Stichhaltigkeit geprüfte Perspektive der Autorin hinaus. Francisco d’Anconia ist so einer, der bedeutungsschwanger immer wieder die wahre Philosophie und die ehrliche Moral – die Wahrheit – andeuten darf. Sie wird kommen, hörst Du es nicht. Eine Schwangerschaft, die schon so lange währt, dass das Fruchtwasser säuerte, die Geburt aber noch immer hinausgezögert wird. mehr »

 

Probleme der In-Game-Moral

02 Dez

Es ist aufgrund der zunehmenden Komplexität von Computerspielen nicht verwunderlich, dass einige Genres auch versuchen, die Handlungen von Spielern in der Spielwelt selbst als nicht losgelöste Entscheidungen darzustellen. Oftmals wird sogar versucht, direkte Aussagen in Form von Ruhm, Verruf und Ansehen zu erfassen, um die dargestellte Welt lebendiger sowie die Spieler nicht von ihr getrennt abzubilden. Allerdings hat die Umsetzung bisher ein gewaltiges Problem, dass mir im Fall einer Quest bei Fallout: New Vegas aufgefallen ist, der aber auch auf die meisten vergleichbaren Situationen in der überwiegenden Mehrheit der Spiele übertragen kann. Das Problem besteht besonders darin, dass Spiele aus naheliegenden Gründen Möglichkeiten bieten, den Spielstand sichern und wieder laden zu können. Diese Wahlmöglichkeit degradiert potenziell moralische Fragen in der Spielwelt auf reine Abwägungsprozesse, die eher den homo oeconomicus ansprechen, als dass Entscheidungen und ihre Wirkungen als moralisch problematisch erkannt werden (können). mehr »

 
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Feste druff – Das Zitat des Tages

12 Nov

Das Zitat, das mir heute ein Lächeln auf’s Gesicht zauberte, stammt von Tom Regan. Wie soll es auch anders sein? Ich habe mich diese Woche ja fast ausschließlich mit dessen Texten befasst. Das Zitat hat dabei nicht wirklich viel mit den in ‘Defending Animal Rights’ behandelten Themen zu tun. Es taucht auf an der Stelle, wo Regan sich mit den möglichen Rechtfertigungen von Laborexperimenten an Tieren befasst. Sein Augenmerk ist klar darauf gerichtet, zu widerlegen, dass mögliche überragende Vorteile, die aus solchen Experimenten entstehen könnten, als (alleinige) Rechtfertigung der Tests herhalten könnten. Regan macht auch keinen Hehl aus der Tatsache, dass es sich um einen Einschub handelt, der nicht nötig wäre. Anscheinend konnte er sich die folgende Spitze nicht verkneifen. mehr »

 
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Veröffentlicht in Tierethik

 

Regan: Defending Animal Rights

10 Nov
Tom Regan

Tom Regan

Für die Zugfahrt zur Arbeit hatte ich mir ordentlich was vorgenommen. Regans ‘Defending Animal Rights‘ ist eigentlich nur eine Essay-Sammlung, die aber nach den ersten sechzig Seiten dankenswerterweise doch gut aufeinander abgestimmt sind. Ich will gar nicht in die Details gehen. Aber es wird doch spannend, da Regan eine klare Stellung einnimmt.

Er unterscheidet drei Positionen, wie man zum Tierrecht stehen kann: Abolitionisten, Reformer und Befürworter des status quo. Er rechnet sich zu den Abolitionisten, einem Terminus, der im Deutschen nicht ganz so geläufig ist. In den USA hingegen ist er von Bedeutung, da die Sklavenbefreiung unter diesem Begriff eingefordert wurde. Die Konnotation in Regans Ansatz zu den Tierrechten ist alles andere als zufällig. mehr »

 

Dies ist eine Drohung

08 Nov

Den halben Tag habe ich mit der Literaturrecherche verbracht. Denn tatsächlich kann ich die Tierethik in der Uni einbringen, weswegen ich mich nun darauf stürzen musste. Daher werde ich im egomanischen Lesezirkel noch egomanischer, indem ich dann doch etwas tiefer in die Materie einsteige.

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Peter Carruthers: Kontraktualismus und Tiere – Teil 3

03 Nov

Nachdem er seine Auffassung zum konraktualistischen Einwand gegen Tierrechte dargestellt hat, kommt Carruthers auf einige Aspekte der angesprochenen Common-Sense-Einstellung zu Tieren, die seine Auffassung nicht abdecken kann. mehr »

 

Peter Carruthers: Kontraktualismus und Tiere – Teil 2

27 Okt

Es musste ja mal geschehen, dass ich das kleine Büchlein vergesse. Deshalb sitze ich auf dem Trockenen und muss von dem Leben, was ich schon exzerpiert habe. Carruthers kommt dann in den Genuss einer dreiteiligen Zusammenfassung. Im ersten Teil hatte ich ja an der Stelle aufgehört, an der Carruthers Kritik an Regan übt und sich dann mit möglichen Formen kontraktualistischer Erfassung von Pflichten gegenüber Tieren befassen will. mehr »

 

Peter Carruthers: Kontraktualismus und Tiere – Teil 1

25 Okt

Auf geht die fröhliche Reise in den Kontraktualismus. Ehrlich, die Vertragstheorie ist nicht gerade meine starke Seite, aber genau dafür mache ich das hier ja auch. Was hat nun der Kontraktualismus für Tiere zu bieten? mehr »

 

Steve Sapontzis: Die Anwendung des Begriffs der Rechte auf Tiere

20 Okt

Puh, da habe ich Glück gehabt. Ich hatte nämlich eigentlich gar keine Muse mehr, mich auch noch einmal mit den Tierrechten zu befassen. Doch mein Kalender mahnte an, dies zu tun. Jetzt ist das Problem aber gar nicht so groß. Der Artikel von Sapontzis ist nicht schlecht, aber er gibt nach dem bisherigen Stand, so wie ich ihn hier nachgezeichnet habe, nicht viel her, was neu ist.

Letztlich fasst Sapontzis nur noch einmal zusammen, dass die Kritik an der Forderung nach Rechten für Tiere zwar durchaus mit Recht formal kritisiert werden könne. Dies sei aber nur Wortklauberei, da Tierrechtler nicht Menschenrechte für Tiere forderten, sondern lediglich ein rechtlich anerkanntes Institut, welches Tieren einen stabilen Rang gewährt. Dies können man nach Sapontzis genauso gut auch als Recht bezeichnen und sollte sich nicht an der bisherigen Definition dieses Begriffs aufhängen. Tierrechtler wollten Tiere nicht mit Menschen gleichsetzen, aber mit Mitteln, die schon für beispielsweise Säuglinge in Betracht kamen, auch Tieren und ihren Interessen Anerkennung zu verleihen. Er schreibt treffend (S. 76f.):

Ein Recht ist ein anerkannter oder ein begründeter Anspruch, der dazu bestimmt ist, die Interessen des Rechtsträgers zu schützen oder zu befördern; ein moralisches Recht ist eines, das sich auf ‘die Prinzipien eines aufgeklärten Gewissens’ gründet, um Joel Feinbergs Formulierung zu borgen; moralische Rechte sind so verschiedenartig, dass Wesen wie Kinder und Tiere, die nicht fähig sind, sie alle zu genießen, zumindest einige von ihnen genießen können.

Knapp. Einfach. Griffig. Und in meinen Augen einfach gut. Nur war ich persönlich schon nach Lektüre der vorangegangenen Ausführungen an dem Punkt angelangt, den Sapontzis hier deutlich macht.

Literatur:

  • Sapontzis, Steve F.: Die Anwendung des Begriffs der Rechte auf Tiere, in: Texte zur Tierethik hrsg. von Ursula Wolf, Stuttgart 2008, S. 73-77.

 

 

Gotthart M. Teutsch: Die ‘Würde der Kreatur’

13 Okt

Okay, also doch noch zu einem theologischen Ansatz. Ich hatte gerade Lust darauf. Dann lege ich halt einfach mal los.

Die Würde der Kreatur beruht auf ihrem Eigenwert, [...]. In theologischer Perspektive gründet dieser Eigenwert darin, daß jedes Lebewesen und letztlich alles in der Natur Geschöpf Gottes ist und seiner Liebe teilhaftig wird. (S.56)

Teutsch schildert zunächst, dass der Würdebegriff unter Philosophen selten herangezogen wird, wenn es um Tiere geht. ‘Würde’ war demnach stets exklusiv menschliche Eigenschaft. ‘Würde’ dann synonymer Begriff zur ‘Menschenwürde’. Die Menschenwürde sei dort mit der Vernunftbegabung des Menschen begründet.

Teutsch weist auf eine Zweischneidigkeit des Würdebegriffs hin: Der Mensch ist sicherlich auch moralisches Subjekt, damit dann auch moralischer Akteur, zugleich ist der Mensch in der Gemeinschaft eben auch moralisches Objekt. Als moralisches Subjekt mag der Mensch unter den Lebewesen einzigartig sein, moralisches Objekt muss er nicht alleine sein. Und ist er nach Teutschs Ansicht auch nicht.

Auf der gleichen Basis des Wertempfindens läßt sich auch für die Anerkennung einer kreatürlichen Würde plädieren, die den außermenschlichen Bereich mit einschließt. Auch hier haben wir es mit Lebewesen  zu tun, die mit uns eine Gemeinschaft bilden, z. B. eine Nutzungsgemeinschaft (wie in der Landwirtschaft) oder gar eine Lebensgemeinschaft (wie in der Heimtierhaltung). (S. 58)

Dies ist dann eigentlich schon die argumentative Leitlinie Teutschs. Er gibt lediglich noch zwei weitere Erkenntnisse zu bedenken: Erstens die Tatsache des menschlichen Rückgriffs auf natürliche Vorleistungen und zweitens den Umstand der menschlichen Abstammung aus der Natur. Beide könnten ergänzend begründen, warum der Mensch gegenüber der Natur und besonders den anderen Lebewesen Rücksicht walten lassen sollte.

 

Ich tue mich ja immer schwer mit theologischen Begründungen. Es liegt noch nicht einmal daran, dass sie von Beginn an unlogisch auf mich wirken. Vielmehr ist es wohl das Gefühl, dass sie eine Sicherheit vorgeben, die dann doch nicht besteht – die Probleme sind nur in einen anderen Bereich verschoben.

Bei Teutsch ist das prinzipiell ähnlich. Wenn man seine Voraussetzung einer göttlich erschaffenen Welt akzeptiert, bleiben kaum noch große Lücken offen, um den Tieren, so wie Teutsch es hier macht, einen Eigenwert zuzugestehen, der es erschwert oder gar verhindert, diesen Leid zuzufügen. Klar, man könnte schon ansetzen, dass religiöse Schöpfungsgeschichten und deren Auslegung auch stets wieder in sich widersprüchlich sein können. Beispielsweise, ich bin kein Bibelkenner, war da doch was mit dem Untertan machen der Welt. Das könnte man ins Spiel bringen. Und siehe da, schon ist die herrliche Simplizität potenziell flöten.

Aber darum geht es mir nicht, also nicht um kleinliche Einwände und Nachweise von Inkonsistenzen. Die gibt es überall. Was mich an theologischen Ansätzen oftmals abschreckt ist, wie oben angedeutet, dass sie ihr Konfliktpotenzial nur auslagern. Das heißt dann Apologetik und ist genau das, was oben in dem Wörtchen ‘wenn’ enthalten ist. Ja, wenn man die Schöpfung so annimmt, dann ist es einfach. Warum man diese aber annehmen sollte, das ist wieder eine ganz andere Sache. Für mich sind theologische Ansätze damit nur scheinbar simpel. Mich stört auch nicht, dass beide Seiten, also in diesem Fall theologische wie nicht-theologische Ansätze, eine Sprengkraft – ein inhaltliches Problem oder sogar moralisches Dilemma – beinhalten.

Aber: Während die eine Partei, aus meiner Sicht die nicht-theologische, sich müht, alles zu tun, um diese Sprengkraft darzustellen und sie zu entschärfen, weist die andere auf die vermeintlich risikolose Einfachheit bei ihr hin. Schließlich sei bei dieser, der theologischen Seite, gar keine Gefahr zu erkennen – bis ich auf die Mine laufe oder merken muss, dass irgendwo im Dickicht um mich herum jemand mit einem Fernzünder auf mich wartet. Sprengstoff entschärft man oder gibt zumindest zu erkennen, dass man mit ihm arbeitet und hofft, ihn irgendwann entschärfen zu können, während man bis dahin Warnschilder aufstellt und sonstige Vorkehrungen trifft. Nicht aber indem man tut, als gäbe es keinerlei Gefahr. Das ist es, was mich an theologischen Ansätzen prinzipiell und auch in diesem Fall stört. Er ist so einfach, dass er mir suspekt sein muss.

 

Literatur:

  • Teutsch, Gotthart M.: Die ‘Würde der Kreatur’, in: Texte zur Tierethik hrsg. von Ursula Wolf, Stuttgart 2008, S. 56-60.