Die, deren Namen ich hier für eine Weile nicht mehr nennen will, allein schon, um ihren Eintrag in der Tagcloud nicht weiter aufzublasen, scheiterte schon an geringen Hürden der erkenntnistheoretischen Grundlagenarbeit. Der Flurschaden, den sie anrichtete, ist enorm. Die von ihr gerissenen Schneisen müssen schleunigst wieder mit begrünt werden. Und wer könnte besser geeignet sein als Karl Popper, die objektivistische Verwüstung mit klarer, nüchterner Argumentation einzudämmen und für die Zukunft zu entkräften?
Popper macht nicht viel Aufhebens um seine Erkenntnistheorie, im ersten Aufsatz des Sammelbandes Alles Leben ist Problemlösen geht es um die innere Logik der wissenschaftlichen Beweisführung:
Meine Hauptthese ist also, daß das Neue, das die Wissenschaft und die wissenschaftliche Methode von der Vorwissenschaft und der vorwissenschaftlichen Einstellung unterscheidet, die bewußt kritische Einstellung zu den Lösungsversuchen ist; es ist also die aktive Teilnahme an der Elimination, die aktiven Eliminationsversuche, die Versuche, zu kritisieren, das heißt, zu falsifizieren.
Mit dieser schlichten, aber folgenreichen Argumentation bildet Popper die Antithese zur objektivistischen Empörungshaltung. Auffällig ist, wie viel Wert Popper der Objektivität beimisst. Einer Objektivität allerdings, die für Forscher – aber im allgemeinen alle Menschen – nur schwer zu erreichen ist. Da Objektivität in der Erkenntnis notwendig ist, müssten sich die Methode des Erkenntnisgewinns anpassen. Popper sieht keinen anderen Weg, als den, die eigenen Hypothesen ständig zu falsifizieren. Was bislang nicht falsifiziert werden, in sich aber einen stimmigen Erklärgehalt hat, muss bis zur Falsifizierung Geltung beanspruchen können.
Wahrheit ist für Popper ein fernes Ziel, deshalb aber umso wichtiger. Und eben darum müssen die eigenen Methoden, die den Weg zur Wahrheit ebnen sollen, dauernd hinterfragt, geprüft und gegebenenfalls korrigiert werden. Die eigenen Erkenntnisse unter ständiger Beobachtung zu halten. Diese Erkenntnistheorie nutzt Objektivität gänzlich anders als der lauthals schreiende Objektivismus. Bei Popper ist Objektivität ein Ziel, im Objektivismus ist eine zur Objektivität erhobene subjektive Wahrnehmung Ausgangspunkt einer zur Wahrheit stilisierten Individualposition.
