Festivus

Schade, ich habe Festivus verpasst. Das war schon am 23. Dezember. Welch selige Momente in meiner Erinnerung schlummern, wenn ich daran denke, wie zwieträchtig wir uns beim gemeinsamen Festmahl Vorwürfe machten. Das ganze Jahr über staute ich alle Wut in mir an, um sie an diesem herrlichen Tage aus mir herausbrechen zu lassen. In einem grandiosen Schwall der Worte, die sich über meine Familie vergossen. Ach, gute Erinnerungen.

Dieses Jahr habe ich es vergessen. Ein Zeichen der hektischen Zeit? Ja! Diese vermaledeite Hektik der materiellen Welt, all diese unnützen Grabenkriege, die man führen muss. Um nichts und wieder nichts; immer ist es derselbe Trott. Frustration verkrustet im Kopf, betäubt das Glücksgefühl. Ich will, ich brauche doch die Auseinandersetzung. Keine Höflichkeit, keine Zurückhaltung. Keine ach so hochgelobte Zivilisation. Festivus hat doch alles in sich vereint, was der gestresste Mensch begehrt. Die Katharsis, die herrliche, die sich einstellt, wenn man mit dem pater familias ringt. Dieses Jahr fiel sie meiner Unachtsamkeit zum Opfer.