Melissinos/O’Rourke: The Art of Video Games

Gesagt, getan. Die Ankündigung der Ausstellung machte mich neugierig. Der Begleitband flatterte nun ins Haus. Von Ausstellungsbänden ist ja nicht viel zu erwarten, das Buch ist aber selbst bei geringen Erwartungen eine absolute Enttäuschung. Schon das Konzept des Bildbandes, das trifft es eher, ist fragwürdig. Aber sollte es tatsächlich reichen, eine – wohl im Internet abgestimmte – Liste der wichtigsten Videospiele aus mehr als drei Dekaden Spielegeschichte zusammenzustellen? Über die Auswahl ließe sich im Detail streiten. Gamer kennen das, wenn sie unter sich sind, doch insgesamt trifft es den Höhenkamm doch recht gut. Obwohl es durchaus schon einige geben wird, die sich an der paritätischen Behandlung der Plattformen stoßen werden.

Ist es dann auch genug, diese Spiele am Fließband abzuarbeiten? Jedem davon werden im Schnitt vier querformatige Seiten gewidmet. Eigentlich genug Platz. Der Schwerpunkt liegt aber auf in der Regel wenig repräsentativen Screenshots. In Hochglanz, als ob das was ändern würde. Die vier, fünf Absätze zum Spiel sind nichtssagend. Jedes vorgestellte Spiel hat noch heute eine große, mindestens aber hartnäckige Anhängerschaft, die entweder in Wikipedia oder eigenen Wikis mehr zustandebrachte als Melissinos und O’Rourke. Lieblos fanatisch wäre meine Bezeichnung für das Buch. Die Autoren sind keine Ahnungslosen, wenn es um die Spiele geht. Diese Sachkenntnis und Leidenschaft aber in das Buch einfließen zu lassen, ist ihnen nicht gelungen.

Hier und da gibt es Interviews mit Designern, deren Namen und Spiele die Geschichte prägten. Doch auch hier hat das Buch Schlagseite, denn es konzentriert sich nahezu ausnahmslos auf englischsprachige Spieldesigner. Immerhin die Japaner hätten zu Wort kommen können, ihre Spiele sind ja umfassend vertreten. Obendrein transportieren die O-Töne Banalitäten, die man auf einem Klassentreffen zueinander sagt. Man schwelgt in Erinnerung, gibt einige Anekdoten zum Besten und verdrückt sich dann ans Buffet.

Wie soll denn die Leidenschaft für Spiele aufkommen, wenn aseptische Erfahrungsberichte neben nüchternen Textbausteinen stehen, die Kontext zum Spiel geben sollen? Und ehrlich, einigen der Klassiker aus 8-Bit-Ära oder davor steht es gar nicht gut zu Gesicht, ihre Grafiken auf Querformat aufgeblasen zu sehen. Da bleibt dann immerhin die Sache, dass man sich sagen kann, in einer Dreiviertelstunde ein zweihundertseitiges Buch gelesen zu haben. Dass müsste doch irgendwie ein Achievement geben? Oder hätte ich mich vorher irgendwo anmelden müssen?

Chris Melissinos/Patrick O’Rourke: The Art of Video Games. From Pac-Man to Mass Effect, New York 2012.