Philosophy Bites

Nehmen wir doch mal das gelungene Interview mit Gary L. Francione zum Anlass, den feinen Podcast Philosophy Bites über den grünen Klee zu loben. Francione vertritt die oftmals als fanatisch, fundamentalistisch oder lauthals hetzerische empfundene Position des animal abolitionism.

Wie der Name schon sagt, geht es im Podcast nicht um die Details. Kurze Häppchen zu bedeutenden philosophischen Themen werden in einem kurzen Gespräch mit einer Philosophin oder einem Philosophen angesprochen. In etwa einer Viertelstunden wird jeweils der Kern und die Problematik des Themas vorgestellt.

Wie im Falle Franciones stellt sich dabei heraus, dass die Positionen immer gut vertreten werden können. Egal, wie abseitig sie wirken können. Francione argumentiert leidenschaftlich, aber nicht herablassend. Podcaster und Philosoph Nigel Warburton wirft gezielt seine Position fordernde Fragen auf. Für mich sind die Häppchen so keine vollwertige Mahlzeit – aber oftmals ein hervorragender Appetitanreger.

This is Ayn Rand preaching (2/2)

Just wenn Rand sich auf dem philosophischen Gipfel angekommen wähnt, der Objektivismus ein für alle Mal in seine wesentlichen Argumenten nachvollziehbar begründet sei, bricht sich großes Pathos im finalen Satz des Kapitels (siehe Anmerkungen unter Zitate) Bahn:

[59] I swear – by my life and my love for it – that I will never live for the sake of another man, nor ask another man to live for mine.

In den Ohren ihrer Verfechter klingt dieser Satz noch nach, wie auch in denen ihrer Widersacher und Kritiker. Der Satz ist die einfachste Formel der Rand’schen Ontologie, im selben Atemzug ihr epistemologisches Vermächtnis und obendrein von ihrer Schöpferin als ultimative und einzige moralische Formel angesehen, die Gerechtigkeit unter den Menschen zu schaffen vermag. Ein Schwur mit eingewobener apodiktischer Wirkung. Ihm zu widersprechen, führe zum Niedergang der menschlichen Zivilisation wie des Selbst. Doch schon die Unterlassung des Schwures führe letztlich zum selben Ergebnis.

Verlockend wie es ist, dieser Satz allein kann nicht hinreichend angegriffen werden, um Rands Hypothesen zu entkräften, er ist Stellvertreter eines theoretischen Modells, nicht dessen vollumfassender Schluss. Aber wie genau kommt Rand dazu?

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Linkgebliebenes Folge 1

Wie es so ist, fehlt mir dann doch hin und wieder die Zeit, mich mit interessanten Meldungen zu befassen. Andernfalls auch die Muße. Selten beides. Damit sie aber nicht völlig unter den Tisch fallen, gebe ich die gesammelten Passagen samt meiner Gedankenfragmente hier in bester Beamtenmentalität zu meiner Entlastung weiter. Heute unter anderem mit dem jähen Ende eines künfitgen Weltstars, der Philosophie in Computerspielen, Social Media als Content-Lieferant für Straßenzeitungen und zur Sicherheit von Passphrases. Weiterlesen

Ich seh die Kunst, ich seh sie nicht

Videospiele haben eine vergleichsweise kurze Lebenszeit als Kulturgut hinter sich. In gerade einmal etwas mehr als drei Jahrzehten (die ersten Anfänge waren schon früher, aber ich bleibe bei der groben Verortung) haben sie einen Sprung von der Subkultur in den Mainstream geschafft. Und ebenso wie alle anderen kulturellen Neuerungen haben sie sich gegen allerlei Vorwürfe und Anschuldigungen zu rechtfertigen. Dabei geht es im Kern noch nicht einmal darum, dass sie kulturverderbend oder sogar gesellschaftsgefährend weil verrohend sein sollen. In der Regel geht es darum, dass sie angeblich nicht als Kunst anerkannt werden können. Weiterlesen

Hohe tief Luft

Himmel von tiegeltuf (CC-BY-SA)Letzten Donnerstag hatte ich mir das neue philosophie Magazin (philomag) vorgenommen; eines von zwei in diesem Monat gestarteten Magazin, die sich das nicht zwangsläufig falsche Ziel gesetzt haben, auf ‚populärwissenschaftliche‘ Weise mit der Philosophie zu befassen. Für das philomag hatte ich ja am Ende zwar prinzipielle Sympathien übrig, doch wandelten sich diese in deutliche Enttäuschung ob des doch reichlich flachen zeit- und schöngeistigen Ansatzes, der sich als Philosophie tarnte. Positiver gewendet, sah ich aufgrund der Camouflage der ersten Ausgabe des philomags Luft nach oben. Dort wähnt sich, dem Titel nach, die Konkurrenz ja schon.

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Inkommensurable Philosophie – Philosophie Magazin

Diesen Monat gingen zwei Magazine an den Start, Leserinnen und Lesern mit Philosophie nahezukommen. Das ganze Unterfangen nimmt derzeit schon sofort als Überlebenskampf zwischen den beiden Magazinen aus, dessen Ende noch nicht feststeht. Fakt ist, seit letzter Woche gibt es das philosopie Magazin und Hohe Luft (Hier mal eine schöne betriebswirtschaftliche Präsentation zum Magazin). Hohe Luft wird erst einmal als Testballon in Form einer Sonderausgabe der emotion gestartet . Heute schaue ich mir eines dieser beiden Magazine mal an. Die Entscheidung für das philosophie Magazin fiel mir heute leicht, da ich noch 6 € hatte, aber die zwei weiteren für Hohe Luft fehlten. Das kommt dann aber nächste Woche dran. Weiterlesen

Meine große Klappe und *trommelwirbel* … Tierethik. Wer hätte das gedacht?

1) Da wollte ich nur schnell in der Bibliothek einige Literatur für meine mündliche Abschlussprüfung holen, da stolpere ich doch gerade über alte Bekannte aus meinen Fachschaftszeiten. Aus der nach Plan nur kurzen Visite wurde dann ein dreistündiger Aufenthalt. Die genauen Umstände, wie es dazu kam, sind nicht so wichtig. Allerdings hatte ich mich mit einer beiläufigen Herablassung Adornos den Stein ins Rollen gebracht – und mir gleich, wie hätte es anders sein können, einen schlechten Stand verschafft.

„Adorno ist in meinen Augen nicht mehr als ein Hirnficker.“ Das waren meine Worte. Weise gewählt, wie man es von mir kennt. Diese verbale Einladung zur Widerrede nutzten meine alten Bekannten sogleich. Lange Rede, kurzer Sinn: Agree to disagree. Das war das Ergebnis. Allerdings, wir waren schließlich in der Philosophie-Bibliothek (Warum ich mir auch solch einen Ort für eine reflektierte Analyse der Frankfurter Schule und Kritischen Theorie aussuchen musste?), nahm ich mir auf Anraten der mich umgebenden Adorno-Verteidiger, die Soziologischen Schriften I von Adorno mit, da ich wenigstens den Anmerkungen glauben schenken wollte und auch musste, dass dort schon in einigen kurzen Aufsätzen seine Position deutlicher ist, als ich das bisher wahrgenommen hatte. Ich habe auch schon einen Blick in die Aufsätze gewagt, doch fiel mir gleich ein rein persönlicher Grund ein, warum Adorno mir Unbehagen bereitet: Adorno ist rhetorischer Militarist, mit allem was dazugehört. (Ich weiß, das von mir mit meinem Geschwurbel, das aber noch nicht einmal so stark ist wie Adornos. Und schon wieder so eine Falle, die ich mir selbst gestellt habe.)

2) Zur Erheiterung, weil es ja ein wesentlich einfacheres Thema ist: Hier mal eine Linkempfehlung zu telepolis, wo es einen zwar nicht sehr satten, aber doch interessanten Artikel gibt: Diskriminierung von Tieren heute ähnelt der von Frauen, Schwarzen oder Schwulen. Was mir nicht so zusagte, war der Hinweis, dass es sich um eine theologische Position zur Tierethik handelt. Nicht mein Ding. In Texte zur Tierethik ist auch ein kurzer Abschnitt Gotthard Teutsch zur ‚Würde‘ enthalten, der theologisch (wohl christlich) argumentiert. Den wollte ich im egomanischen Lesezirkel einfach auslassen, aber vielleicht findet sich doch noch ein Ansatzpunkt.

Im Artikel war dann auch gleich noch der Hinweis auf das Oxford Centre for Animal Ethics und die neue Zeitschrift Journal for Animal Ethics (JSTOR-Paywall, dammit. VPN-Verbindung zur Bib wieder einrichten, Dreck!). Aus den Zielen der Seite:

We cannot change the world for animals without changing our ideas about them. Philosophers have led the way in helping us to think differently about animals.

Academics should now lead the way in furthering ethical attitudes and contributing to informed public debate.

Our concern is to establish an unashamedly elite school of academics able to make an effective ethical case for animals.

The Centre is opposed to violence and illegality, and will not appoint Fellows who advocate violence or law breaking.

Das ist doch genau meine Sache. Feed-Aggregator wird angeschmissen, damit mein ohnehin schon stattliches Pensum noch anschwillt. Yeah!

3) Nachtrag zum Beitrag vom Mittwoch: Kauderwelsch. Dieses vermaledeite Urheberrecht macht es den Gegnern der eigenen Position zu Urheberrechtsverstößen echt einfach, Argumente für eine Änderung desselbigen zu finden.

Meine Chronistenpflicht ist hiermit für heute erfüllt.

Egomanischer Lesezirkel: Tierrechte

Nach den arbeitsreichen und hektischen Zeiten, die hinter mir liegen, will ich einen schon lange gehegten Plan umsetzen: Meinen Ein-Mann-Lesezirkel zu einem Thema meiner Wahl. So bescheiden kann ich sein. Die Zeit nehme ich mir jetzt einfach.

Für viele Menschen muss es bei solch einem Vorhaben nicht gerade der harte Stoff sein, ich für meinen Teil möchte mich aber ein wenig fordern. Deshalb führe ich mir einen ausgewählten Bereich der politischen Theorie oder der Sozialphilosophie zu Gemüte. Dabei will ich nicht bestehendes Wissen vertiefen, sondern besonders neue Ansichten in mir fremden Themenbereichen gewinnen. Horizonterweiterung im eigentlichen Sinne also. Dazu werde ich mir einige als Standardwerke empfundene Texte vornehmen und ebenso die bedeutendsten kritischen Ansätze beobachten. So weit der Plan. mehr…