Castro: Alter Spalter

Diese App muss ja spalten. Als Podcatcher setzt Castro klar auf ein stromlinienförmiges Design mit spartanischer Funktionalität.

Bis jetzt gibt es keinen Podcatcher, der sich so nahtlos in iOS7 einfügt. Castro ist eine Augenweide. In der Podcastübersicht dominiert noch das schlichte Weiß, in das sich viele Apps tauchen. Doch darauf explodiert jede Seite zu den Podcast in den jeweiligen Farben der Logos, doch ohne dass Castro an Struktur verliert. im Zweifel gebe ich nicht viel auf Design, wenn es aber so schlüssig ist wie hier, bin auch ich einfach nur beeindruckt.

Aber nicht nur optisch überzeugt mich Castro, auch die komplett gestenbasierte Oberfläche könnte kaum komfortabler dein. Zumal konkurrierende Podcatcher gerne mal größere Klickstrecken sind, als die Webpräsenz einer beliebigen deutschen Lokalzeitung. Alles ist nah beieinander in Castro, denn es gibt auch gar nicht so viel, wohin man sich verirren könnte. Die Übersicht abonnierter Podcasts ist eine Liste, der Strom aktueller Episoden ist eine andere. Von dort folgen nur noch einzelne Seiten zu den Podcasts, deren Einstellungen, und den Episodenbeschreibungen. Schon der Player selbst ist in die Episodenansicht integriert und befindet sich sonst in der Fußzeile der App.

Aber es gibt ein Aber. Die gewollte Simplizität kommt auf Kosten vieler Funktionen, die zumindest die deutsche Podcasthörerschaft schmerzlich vermissen wird. Es fehlen Features über Features, die manche als essentiell betrachten werden. Es fängt schon damit an, dass die Podcastsuche wie angepriesen sehr schnell ist und sogar erlaubt Episoden zu laden, ohne den Podcast abonnieren zu müssen, aber Podcasts manuell über ihren Feed hinzuzufügen war mir bislang nicht möglich. Es fehlt auch ein Sleep-Timer, das können die meisten wohl verschmerzen. Ich für meinen Teil komme gut ohne Kapitelmarken und Social-Media-Optionen aus, das werden wiederum manche überhaupt nicht leiden können. Problematisch ist aber schon eher, dass es derzeit keinen OPML-Import und -Export gibt, was für mich schon eher ein Tabu ist.

Die Menschen sind verschieden, warum sollten Podcatcher das also nicht abbilden? Castro ist noch nicht fertig, so fühlt es sich zumindest an. Einige Features werden wie die OPML-Unterstützung mit Sicherheit noch folgen, andere werden nie folgen. Castro ist anzumerken, dass e keine Allzweckwaffe sein soll, sondern ein schlichter, reduzierter Player. Ich finde es gut, wenn eine solch minimalistische App für Podcasts sich von unten an eine gesunde Zahl von Features herantastet, um nicht überfrachtet zu werden.

Castro liefert mir Podcasts, ohne dass ich noch viel dafür tun muss. Aber noch stimmt nicht alles. So deutlich Usability und Design für mich als Nutzer da sind, so deutlich fallen die Kanten auf, die Castro noch immer hat. So begeht die App einen der Fehler, bei denen ich mir immer denke, ob wir uns alle nicht darauf einigen können, dass wir nicht mehr App-Einstellungen außerhalb der App vornehmen müssen. Es kann einfach nicht in meinem Sinne sein, in die Systemeigenschaften wechseln zu müssen, nur um einstellen zu können, wie viel Speicherplatz die Episoden etwa einnehmen dürfen. Und damit bin ich an dem Punkt, der mir noch nicht klar ist, weil Castro vielleicht sogar etwas über das Ziel hinausschießt: Castro wird mit einem intelligenten Downloadmanagement beworben, das im Hintergrund alte Episoden entfernt. Allerdings kommuniziert die App nicht, wie genau sie vorhat, das zu tun. Ich muss also darauf vertrauen, dass gehörte Episoden irgendwann gelöscht werden. Es gibt aber keine Downloadübersicht, also sehe ich nicht in einer Liste, welche Episode. noch tatsächlich auf meinem Gerät sind oder welche Downloads noch laufen oder sogar gescheitert sind. Ich habe ja überhaupt nichts gegen ein wenig Magie, aber so komplett machtlos auf sie vertrauen zu müssen, bereitet mir doch Bauchschmerzen. So ist das auch bei den Einstellungen selbst, wenn ich derzeit noch für jedes Abonnement manuell einstellen muss, dass ich nicht jede aktuelle Folge herunterladen möchte.

Ich finde es auf jeden Fall erfrischend, dass Castro sich traut, aus dem Einerlei der Podcatcher auszubrechen. Noch geht die Rechnung nicht ganz aus, verspricht aber enorm viel Gutes.

Downcast: Fang den Podcast

Warum auch immer es Podcatcher heißt, wenn eine Software Feeds mit Links auf Audiodateien enthält? Wo fange ich mir da einen Podcast? Ich habe einige dieser Anwendungen unter iOS probiert, für einige Zeit war ich mit Instacast als Podcatcher auf meinen Mobilgeräten zufrieden, doch ebbte dies mit jedem Start der App ab. Sie brauchte auf älteren Geräten einfach enorm viel Zeit zum Hochfahren, war dann aber in der UI nicht einmal responsiv und performant genug: Ständig klemmte etwas sekundenlang bei Menüwechseln, ich hatte schon manches Mal Furcht vor der Eingabe, denn der Hänger drohte. Auch sonst eckte ich an Kleinigkeiten an, die sich summierten. Den Todesstoß versetzte für mich allerdings die Update-Politik, die auf dem Höhepunkt meiner Frustration einen Neukauf verlangte.

Eine Alternative sollte her. Downcast hatte ich schon beim Kauf von Instacast auf dem Schirm, entschied mich aber für letztere. Da hätte ich mir einigen Frust erspart, wäre es andersrum gelaufen. Zwar ist es nicht so ansehnlich wie *Instacast*, hat aber dennoch ein ansprechendes, aufgeräumtes Design. Alle Podcasts werden in der Gesamtübersicht angeordnet, es können aber Playlists angelegt werden, sodass nach Belieben Ordnung gemacht werden kann. Für meinen Geschmack ist es ein Klick zu viel, um in die Liste der Episoden eines Podcast-Feeds zu gelangen, doch diese Kleinigkeit wird durch unzählige Details aufgewogen, die *Downcast* richtigmacht. Wichtig ist, *Downcasts* UI verschluckt sich zwar auch mal, ist aber um Längen responsiver, selbst wenn es unter Höchstlast läuft.

Die Aktualisierung meiner mittlerweile über sechzig Podcasts umfassenden Liste läuft in etwas über einer Minute durch. Dabei kann die Aktualisierungsreihenfolge der Podcasts festgelegt werden. Während der Aktualisierung informiert Downcast auch noch, wie weit die Aktualisierung ist, weil die App in die Menüleiste oben rechts den Akkustand überschreibt und durch eine Aktualisierungsanzeige ersetzt. Und sollte die Aktualisierung mal versehentlich ausgelöst werden, kann sie jederzeit abgebrochen werden.

Downcast ist auch bei der Wiedergabe ganz vorne dabei. Kapitelmarken werden unterstützt, zusätzliche Informationen und Begleittexte werden vollständig angezeigt. Die Wiedergabe in verschiedenen Geschwindigkeiten ist ebenso ein Vorteil wie auch zusätzliche Lautstärkeregelung in den Einstellungen. Ebenso gibt es noch einen Sleep-Timer, der der denkbar beste ist, weil er auch noch frei skalierbar ist. Und werschon eine ordentliche Podcast-Sammlung hat, kann sich über die gelungene Import-/Exportfunktion freuen.

Dennoch kommt Downcast nicht ganz ohne Schwachpunkte aus. Das Interface ist nicht auf Deutsch zu haben, ebensowenig gibt es Push-Benachrichtigungen bei neuen Episoden. Damit ist noch gut auszukommen, doch in einem anderen Fall ist es etwas schwerer: Die App erlaubt die automatische, turnusmäßige Aktualisierung und auch das selbstständige Herunterladen neuer Episoden. Doch muss dieser Komfort auf zumindest manchen Geräten mit einer Verringerung der Akkulaufzeit erworben werden. Sind diese Funktionen abgestellt, ist die Laufzeit nicht beinträchtigt, sind sie aktiv, ist der Akkuschwund spürbar. Trotzdem ist die App die für ihre Zwecke beste im Store, da sie eine hervorragende Leistung für einen angemessenen Preis bietet. Und das schon seit mehreren Jahren ohne lästige Update-Politik.