Linkgebliebenes 24

Ach, wenn’s so weit ist, sind wir alle.schon lange nicht mehr da.

Copyright-Trolle finden sich überall. Sollte es sich bewahrheiten, das Copyright für ‚Happy Birthday‘ tatsächlich schon verfallen sein?

Die rassische Symbolik ist mittlerweile so dick aufgetragen, sie quillt zu allen Seiten raus. Game of Thrones ist fantastisch, doch der eklatante Chauvinismus ist störend.

Dies bigotten Konservativen, diese bigotten Konservativen, diese bigotten Konservativen, diese bigotten Konservativen…

Prophylaktische Strafverfolgung. Das klingt schon nach Gänsehaut. Wird auch nicht besser.

Welch Ironie. Wenn es nicht so traurig wäre. Sollte es tatsächlich so kommen, dass ein Hacker eine höhere Haftstrafe erhalten könnte, als die Vergewaltiger, die er enttarnte.

Das diese alte Schutzbehauptung noch zieht. The sexism it burns.

Und auch aus der Geek-Kultur schlechte Neuigkeiten.

‚Sprachreiniger‘ sind so leblos wie die Sprache, die sie fordern. Andere Spießbürger haben Stöcke dort, wo die ‚S9yprachreiniger‘ sich ein Kompendium zur Orthographie hingeschoben haben.

Es ist naheliegend, kann aber nicht oft genug betont werden. Alle Vorstellungen einer Meritokratie sind im besten aller Fälle ein fehlgeleiteter, unterkomplexer Begriff sozialer Auslese; meist aber doch nur eine Nebelwand, die irrationale soziale Selektion legitimieren soll. Nach innen wie außen.

Exklusionismus für die Macher, die Gott gewordenen Silikonen.

Linkgebliebenes 23

Fangen wir doch mal mit dem intuitiven Argument gegen den Verzehr von Tieren an. Es ist ganz einfach.

Dann habe ich noch zwei Texte, die zusammen noch einmal viel schrecklicher wirken, als alleine schon. Vertrauen in die Staatsgewalt entsteht so nicht.

    Die Befreiung vom Verlagswesen kommt.nicht ohne Kosten.

      Gut, dass Verlage ihren mittelnden Job als Kuratoren wahrnehmen. Dan Brown schreibt Höhenkamm.

        Finnland, wo Neugeborene in Kartons aufwachsen. Und gerade deshalb mehr Chancen haben.

          Mal wieder Gamer-Sexismus und Trollverhalten in Spielen:

            Ja, ich glaube an eine heuchlerische Verbrüderung von Christen als Parteikadern, die von Trennung von Staat und Religion nichts verstehen. So schlimm ist es aber schon?

              Einiges zur Technikkritik und populärer Wissenschaftstheorie.

                Der Abgrund starrt zurück.

                  Ich lese immer wieder gerne, wie leicht es ist, Wörterbuchattacken zu fahren.

                    Oft gesagt, wird aber nicht alt. Germany’s Next Top Model ist bestialisch.

                      Ich behalte Adblock trotzdem.

                        The Red Wedding. Schockierendes Fernsehen, aber drum hervorragend.

                          Ein Grund wurde nicht genannt

                          An einem besonders kalten Sonntagmorgen lief ich von der Innenstadt nach Hause in die Wohnsiedlung am Rande der Stadt. Ich war leicht angetrunken und wollte so schnell wie möglich in mein Bett fallen. Die Kapuze meiner Jacke hatte ich mir weit ins Gesicht gezogen. Nur wenige Meter von der Haustür entfernt hörte ich eine stramme Männerstimme, ich verstand nur nicht, was gerufen wurde. "Polzei, stehenbleiben.", das verstand ich und drehte mich um. Ein Polizist baute sich vor mir auf, seine Kollegin blieb im Hintergrund. "Personenkontrolle. Ihre Ausweispapiere."

                          Ich gab ihm meinen Ausweis. "Was ist denn los?"

                          "Was machen sie hier?", fragte er, während er meinen Ausweis musterte.

                          "Sie haben doch eben gelesen, wo ich wohne", ich zeigte mit dem Finger auf die beleuchtete Hausnummer über der Haustür zu meiner Wohnung, "ich gehe nach Hause."

                          "Nicht frech werden.", bellte er mich an. Dabei sah er mich nicht einmal an, prüfte weiterhin nur meinen Ausweis. Es war klar, dass er erwartete, mit der Form von Respekt behandelt zu werden, die ich eher als Unterwerfungsgeste ansah. So leicht wollte ich mich aber nicht von ihm beeindrucken lassen: "Was ist daran frech, wenn ich ihre Frage beantworte?"

                          "Der Tonfall."

                          "Mein Tonfall ist einer, den ein Mensch benutzt, wenn kurz vor der Wohnungstür bei dieser Kälte und Uhrzeit eine Personenkontrolle durchgeführt wird."

                          Jetzt richtete er seinen Blick auf mich in dem Versuch, durch mich hindurch zu sehen. "Wir können das hier auch ganz anders regeln."

                          Ich lachte verzweifelt. Er pumpte seine Lunge mit der kalten Luft auf, wodurch sein Brustkorb sich mir entgegen wölbte. Mit seinen Augen bohrte er in meine. Ich wartete auf eine Reaktion von ihm, es geschah aber nichts. Er sah mich nur an. Das Funkgeräte seiner Kollegin krächzte einen Funkspruch; daraufhin tippte sie den aufgeblähten Polizisten an der Schulter an. Er gab mir nur den Ausweis zurück, sie ließen mich einfach stehen.

                          Am Montag darauf erfuhr ich aus der Zeitung von einer Reihe von Einbrüchen in meiner Straße, weshalb ich wenigstens nachvollziehen konnte, warum es zu der Kontrolle kam. Es war einer der wenigen Momente in meinem Leben, in dem ich aus meiner Sicht grundlos verdächtigt wurde, weil ich zwischen zwanzig und dreißig Jahre alt, männlich und weiß war.

                          Linkgebliebenes 18

                          Was wählt der Doctorow auch den Namen einer schlechten Serie.

                          Quotenjungs…

                          …in Herrenclubs

                          Sind Polizisten als Berufsgruppe eigentlich beleidigungsfähig? Macht euch mal schlau.

                          Ein soziopathisches Arschloch zu sein, macht noch keinen Steve Jobs. Und selbst dieser muss unerträglich gewesen sein.

                          o_O:

                          Aber emanzipiert ist sie selber. Passt alles unter einen Hut? Sollte dieser Bericht wahr sein, ist das ein Schlag ins Gesicht all derer, für die sie ihres Amtes wegen eigentlich besondere Verpflichtungen hat.

                          Wenn Sie bitte mal schauen wollen.

                          Es ist nur eine Meinung, es ist nur eine Meinung, es ist nur eine Meinung…Ich will nicht, dass es so ist oder kommt.

                          Lesebefehl für alle Startup-Evangelisten-Spacken, denen mal Sinn und Zweck der Superlative erläutert werden sollte. Eure Videos sind am doofsten. Etwas ausführlicher geht es auch noch.

                          Börsenmanipulation für Hacker 101:

                          Vor Jahren machte ein Video zum Fraudster, der Wünschelruten-"Technik" als günstige Alternative zu wirksamen Detektoren in Krisengebiete verkaufte. Wie sich herausstellte, hat er auch noch Hilfe der Wirtschaftsförderung erhalten. Weitere Kommentare würden in justiziable Beleidigungen abdriften.

                          Widerwillig, was?

                          Doch noch ein Nachspiel? Da flatterte doch gestern ein Schrieb ein, der eine Ruhestörung, so nennt es der Volksmund dann wohl, zur Last legt. Nach §117 des Ordnungswidrigkeitengesetzes wäre das unzulässiger Lärm. Mein Mitbewohner hat die Angelegenheit an der Backe. Wir bestreiten gar nicht, was dort geschildert wurde. Lediglich stößt uns das Adjektiv widerwillig auf. Unerfreut hätte den Umstand besser getroffen, schließlich war die Musik innerhalb weniger Sekunden aus. Vielleicht hat der Beamte schlicht die Ereignisse verwechselt, widerwillig waren wir in Bezug auf das Betreten der Wohnung.

                          Uns beiden war nicht klar, inwieweit dieses Adjektiv Einfluss auf die Höhe des Bußgeldes nehmen würde. Mein Mitbewohner wollte nichts unternehmen, doch rief ich einfach mal beim Ordnungsamt an, um mich allgemein zu erkundigen. Die sehr freundliche Frau konnte mir auch schnell helfen, ohne Aktenkenntnis konnte sie selbstverständlich keine genauen Angaben machen. Doch schien sie sich am von uns bestrittenen Widerwillen nicht zu stören. Andere Fragen sind wichtiger. Wann wurde der Lärm gemacht? Wie viele Personen haben diesen verursacht? Musste die Polizei häufiger kommen?

                          In unserem Falle müssten wir mit einem höheren zweistelligen bis niedrigen dreistelligen Betrag rechnen, vermutete sie. Das ist dann noch bewältigbar, wenn auch ärgerlich. Wenn aber alle, wie die meisten schon angekündigt haben, zusammenwerfen, wird es gehen. Damit hat es sich dann.

                          Ein flaues Gefühl hinterließ aber auch das Telefonat, denn ich kam kurz auf das Verhalten des Polizisten zu sprechen. Ihre Reaktion war: „Warum sollte ein Polizist in seinem Bericht nicht neutral schreiben? Und warum soll er nicht die Wohnung betreten, da ist doch in der Regel nichts dabei?“ Nichts gegen die Frau vom Ordnungsamt, doch wenn diese Einstellung zur Regel gehört, muss noch einige Aufklärungsarbeit zu Grundrechten in Behörden geleistet werden.

                          Nicht Frieden, aber Seelenwaffenstillstand

                          Loslassen konnte ich die Gedanken in den letzten Tagen nur selten. Am Samstag war es von Hilflosigkeit und Erniedrigung genährte Wut, Sonntag wich sie einer kalten Frustration. Es musste doch möglich sein, mir einen Reim auf das Geschehene machen zu können; ein sicheres Empfinden geltendes (Grund-)Recht wiederherzustellen? Abgeschüttelt habe ich die lähmenden Gedanken noch nicht vollends, immerhin kann ich aber mit ihnen arbeiten. Schon im meinem Freundes- und Bekanntenkreis erfuhr ich Zuspruch, sodass ich mich  nicht in der Minderheit wähnen musste, was das Gefühl angeht, es wäre nicht einwandfrei gelaufen. Ich wusste nicht, wohin mit alledem.

                          Ein kleiner Hinweis – vielen Dank dafür – erinnerte mich daran, ja einen Polizisten hier in Hessen persönlich zu kennen. Es war genau das, was ich brauchte. Einen persönlichen Einblick in die möglichen Motive und Gründe, die den Beamten geleitet haben könnten. Die persönliche Erfahrung aus der Binnenperspektive des Gegenübers. Hastig griff ich zum Telefon, die Aussicht auf innere Ruhe war zu groß. Niemand hob ab, also schrieb ich eine ausladende Mail.

                          Wir waren gerade mit der wöchentlichen medizinischen Untersuchung der kleinen Nager beschäftigt, da klingelte mein Telefon. War es die Antwort auf meine Mail, es war doch erst etwas weniger als eine Stunde vergangen? Zum Leidwesen meiner Freundin, überließ ich ihr die Arbeit und eilte ins Wohnzimmer. Ich musste Klarheit haben.

                          Tatsächlich war es der erhoffte Anruf – vielen Dank auch hier. „Du hattest also eine – wie hattest du es geschrieben?“, seine Stimme malte Anführungszeichen, „unangenehme Begegnung mit einem Kollegen?“* Mir gefiel das zurückhaltende Lächeln in seiner Stimme sofort. Nicht trivialisierend, stellte es eine gute Grundlage her, nicht zu verkniffen, doch offen über die Situation zu sprechen. Es klang nach dem, was ich brauchte.

                          Er kam auch gleich zur Sache. Ohne Umschweife kam er darauf zu sprechen, dass ich mich in der Theorie aus seiner Sicht in diesem Fall im Recht befand. Er bemühte sich vor allem aber auch, insgesamt erfolgreich, mir die Perspektive aus Sicht eines Polizeibeamten zu erläutern. Auf der rechtlichen Seite stimmte er mir zu, im Wesentlichen korrekt die geltende Rechtslage erfasst zu haben. Neben den von mir angeführten Rechtspassagen verwies er mich auch noch auf die Paragraphen 102, 103 und 105 der Strafprozeßordnung, die aber nach meiner Meinung auch in diesem Fall in meine Richtung ausschlagen dürften.

                          Doch die rechtliche Seite ist ja nur Teil des Ganzen, die reale Situation und das Verhalten des Beamten sind die andere. Deshalb wollte er, auch weil er die Situation nur aus meiner Darstellung kannte, verständlicherweise eine mögliche Erklärung geben, die das Verhalten seines Kollegen weniger als die von mir aufgefasste Aggression erklären könnte. „Ehrlich, ich mache das ja jetzt auch schon eine Weile“, er musste lachen, „aber ich hatte noch nie jemanden, nicht einen, der die Tür öffnete und mir aber beim Betreten der Wohnung sinngemäß Artikel 13 aus dem Grundgesetz nennt, um mir den Zutritt zu untersagen.“ Da musste ich auch lachen, daran hatte ich nicht gedacht. Ich ging tatsächlich davon aus, dies müsse häufiger vorkommen. Da habe ich wohl zu schnell von mir auf die Mehrheit der Gesellschaft geschlossen. Mir wurde vor allem klar, wie sehr Polizisten gerade bei anscheinend banalen Situationen eine grundlegende Spannung an den Tag legen. Denn auch diese Situationen könnten, die Erfahrung zeige das, sehr leicht eskalieren. Das Interesse der Beamten ist also stets die Eigensicherung.

                          Wir unterhielten uns noch eine lange Zeit, wir waren aber schon schnell an dem wesentlichen Punkt angelangt. Die auch für mich schnell als plausibelste Erklärung verbliebene Interpretation der Lage war die, dass es eine unglückliche Verkettung ungünstiger Umstände war. Meine Annahme war, dass Polizisten mit solchen Situationen umzugehen gelernt haben dürften. Doch anscheinend hatte der Beamte am Freitag tatsächlich keine routinierte Reaktion auf unsere beharrlichen Hinweise auf die Rechtslage parat, da diese alles andere als üblich ist. Aus seiner Sicht wäre er meinem Mitbewohner aus Gründen der Eigensicherung hinterher gegangen und dann von unserer Vehemenz überrollt worden. Für mich erklärt es vieles, was mir nicht gefallen hat.

                          In diesem Zuge erklärte er mir zum Abschied noch, dass er sich um transparente Erklärungen seines Handelns bemüht, um seinen Teil dazu beizutragen, solche Situationen zu vermeiden. Denn auch das war, was mich daran gestört hat. Es war unser, und nur unser Recht, das Betreten der Wohnung zu regeln. Hätte der Polizist uns seine Absichten nachvollziehbar erklärt, hätten wir wohl auch unseren Standpunkt beibehalten, aber eine Ausnahme gemacht. Schusswaffen in meiner Wohnung sind für mich ein Tabu, in der Situation ist es leider so verlaufen, dass mich das berechtigte Interesse des Beamten am eigenen Wohlergehen dazu brachte, eine Leichtfertigkeit im Umgang mit Grundrechten anzunehmen. Und da werde ich dann sehr aufgewühlt, wenn der Anschein der Leichfertigkeit von einem Bewaffneten ausgeht.

                          Und damit bin ich letztlich bei einer diffizilen Abwägung angekommen: Wie ist das berechtigte Interesse am eigenen Wohlergehen des Polizeibeamten mit dem ebenso legitimen Schutz meiner eigenen vier Wände zu vereinbaren? Eine wirklich schwierige Frage, es sind beides grundrechtlich geschützte Interessen, auf die mir gerade keine Antwort einfällt. In der Praxis ist durch die Forderung nach absolut transparenter Kommunikation – von beiden Seiten – schon viel gewonnen. Aber es bleiben erhebliche Gefahren offen.

                          So ist dann ein grundsätzliches Vertrauen – aber kein Vertrauensvorschuss – durchaus wieder gegeben. Ein gewisses Maß an Skepsis bleibt aber zurück. Denn, so sehr ich auch Verständnis für Polizisten aufbringen kann, ich kann auch nicht eine Einschränkung von essentiellen Sicherheits- und Schutzbedürfnissen meinerseits hinnehmen. Einige der Probleme, die ich mit der Handhabung solcher Vorgänge habe, sind mehr als zwischenmenschliche oder persönliche. Die Zurückhaltung und auch manches Mal Sorge um die Befugnisse der Polizei ist nichts, was ich mit Polizisten vor Ort klären sollte. Der Gesetzgeber hat diese zu regeln.

                           

                          *Das dargestellte Gespräch ist eine von mir in Bezug auf die in diesem Blog dargestellten Ereignisse fiktionalisierte Dramaturgisierung.

                          Aus gegebenem Anlass: Gedankliche Ruhestörung

                          Die ganze Sache mit der lauten Musik, den Uniformen, den Worten und dem Flur lässt mich noch immer nicht los. Wende ich es hin, ist es mir peinlich, etwas gesagt zu haben, was einem Kind wohl nicht von den Eltern abgewöhnt würde, aber in diesem Fall als Beleidigung aufgefasst wurde; wende ich es her, bleibt ein Dorn in meinem Sicherheitsgefühl.

                          Der stechende Schmerz pulsiert von meinem Stolz aus durch alle Winkel des Verstandes. Besser wird es nicht. Ich bin mir noch nicht sicher, was ich davon halten soll, dass in der Praxis Abwehrrechte zu „Nachwehrklagen“ verkommen, die aufgrund vieler Gründe von Natur aus geringe Aussichten auf Erfolg haben.

                          Je mehr ich als juristischer Laie recherchiere, desto mehr schlägt die Waage in Richtung meiner Auslegung einschlägiger Rechtsnormen aus. Das Grundgesetz mit seinem Artikel 13 war mir immerhin bekannt, dieses hier nicht: Hessisches Gesetz über die öffentliche Sicherheit (HSOG).

                          Richten wir den Blick doch auf den in diesem Fall interessanten Paragraphen 38: Nach Absatz 1 ist unzweifelhaft unsere Wohnung eine vom Gesetz beschriebene gewesen. Der Paragraph lässt selbst bei nur mäßig gezügelter Phantasie wenig Spielraum, um nach den Nummern 1 und 2 eine Gefahrenabwehr zu rechtfertigen. Lautstärke sollte mir mal entweder als eine sicherzustellende Sache beschrieben werden oder als Voraussetzung für eine Abwehr einer Gefahr für Leib, Leben oder Freiheit einer Person oder für bedeutend wertvolle Sachen. Es war laut, wir machten die Musik aus. Diese Einsicht war schon allein durch einen Satz an der Haustür zu klären. Sparen wir uns strapaziöse Wege durch das Dickicht des Paragraphen, nichts steht dort, was das Verhalten des Polizisten – nur desjenigen, der unsere Türschwelle ohne unsere Einwilligung übertrat und auf mehrmalige Aufforderung nicht einmal reagierte – rechtfertigen könnte. Vieles in diesem Paragraphen spricht aus meiner Wahrnehmung für ein eklatantes Fehlverhalten dieses Beamten, der für meine Begriffe einen erheblichen Flurschaden angerichtet hat – nicht in unserem Flur, sondern in dem des Grundgesetzes und anderer Normen.

                          Sollte ich davon lassen? Ja? Weil man dagegen doch nichts ausrichten kann?

                          Das kann mich nicht zufriedenstellen. Für mich hat sich in unserer Wohnung etwas zugetragen, das von unserer Seite aus im Nachhinein nachvollziehbar eine Belästigung der Nachbarschaft gewesen sein müsste. Keine Diskussion darüber. Meine spätere Reaktion war allerdings ein erheblich frustrierter Ausruf über barsches, zynisches Verhalten eines Polizeibeamten im Zuge eines in meiner Wahrnehmung schwerwiegenden Fehlverhaltens seitens des Beamten. Es sollte nicht den Beamten treffen, obwohl die Zielgenauigkeit meiner Worte wohl völlig davon abwich, sondern die in sich surreal-aggressive Äußerung des Beamten.

                          Es mag paradox klingen, doch geht es mir in puncto Grundrechten so, dass gerade die alltäglich wirkenden, banalisierten Grundgesetzübertretungen eine Schwere eigener Art schaffen. Sie erschüttern, davon bin ich fest überzeugt, die Grundlagen der Rechtsordnungen mit selber Wucht wie die für alle Seiten ersichtlichen. Die brüske Negation jeglicher Rechtfertigungspflicht durch den Beamten wirkt sich für mich verheerend aus. Dies ist für mich Anlass zur überaus kritischen Reflexion der Legitimität von Staatsgewalt als solcher, sie wird mich nicht dazu bringen, sie angreifen oder abschaffen zu wollen. Doch ist die realiter unausgewogene Rechtekonstellation in Situationen dieser Grundrechtsbrüche, die zu einer nur ex post und bei reiflich überlegtem Einsatz der eigenen Ressourcen – finanziell wie mental – ein, ich nenne es mal so, auf widerlichste Weise unerträglicher, weil ungewisser Zustand.

                          Wer dieses Pathos für übertrieben und unangebracht hält, hat nicht einen Hauch von einem Schimmer von den Spurenelementen demokratischer Ordnung. Die moderne Demokratie mit ihren Schutzrechten kam, ich drücke es mal allgemeinverständlich aus, um auf historisch nachgewiesene obrigkeitlich-herrschaftlich geschaffene Realitäten zu scheißen. Und was sollen die erst sagen, die anders als ich nicht einmal im Ansatz auf der sonst sonnigen Seite des gesellschaftlichen Lebens stehen?

                          Pffft!

                          Die Jacke schon übergestreift, machte ich mich durch die Runde, verabschiedete mich. Der Bass dröhnte noch, wir waren in meiner WG. Bier, Musik und gemütliches Miteinander. Zu laut war die Musik wohl, zu früh der Morgen. Einige Nachbarn mussten sich, ich sehe ein, an die Polizei gewandt haben.

                          Ich ging in den Flur, da stand mein Mitbewohner an der Tür. Durch den Spalt war eine Uniform zu sehen. Ich war doch schon auf dem Weg zu meiner Freundin, dachte ich mir. Nicht das jetzt. Da wankte mein Mitbewohner – er hatte schon einiges intus – von der Tür in sein Zimmer, ich wusste noch nicht, warum er die Beamten vor der angelehnten Tür stehen ließ.

                          Kaum war er mit seinem Personalausweis zurück, blieb er verdutzt stehen. Einer der Polizisten war ihm in den Flur gefolgt und stand dort mit breiter Brust vor der versammelten Menge. Er türmte sich auf.

                          „Wieso stehen Sie hier?“, sagte der Mitbewohner. „Bitte gehen Sie wieder vor die Tür. Wir können das alles vor der Tür erledigen.“ Trotz der Trunkenheit meines Mitbewohners war es deutlich zu verstehen.

                          Die Uniform spannte sich, die Brust des Polizisten blähte sich auf. Er rührte sich kein Stück in Richtung Haustür, stattdessen stemmte er die Arme in die Hüften. Er füllte nun die Breite des Flures aus. Der fragende Blick meines Mitbewohners ließ ihn kalt. Da nahm der uniformierte Pfeiler mit seiner Rechten den Personalausweis. Er notierte Namen, Anschrift und ließ die erneute Aufforderung, dies alles vor der Haustüre zu erledigen, da er nicht zum Betreten der Wohnung aufgefordert wurde, im Zigarettendunst des Flures verhallen.

                          Deutlich nach Worten ringend, stellte sich der Mitbewohner dem Mann in den Weg. Es war ein symbolischer Akt, der Polizist rührte sich ja nicht. Doch sollte er noch nicht weiter in die Wohnung vordringen. „Ich will“, er hatte die Worte noch nicht gefunden, „sagen Sie mir mal bitte…“.

                          „Namen und Dienstnummer?“, ergänzte ich ihn. „Ja.“, sagte mein Mitbewohner, sein Blick blieb dabei auf den Polizisten gerichtet. „Name und Dienstnummer. Sie dürfen nicht einfach die Wohnung betreten.“ Der Polizist schrieb gelassen weiter die Daten auf einen Pappkarton. Mich wunderte der Karton, denn darunter hielt er auch einen Notizblock in der Hand. Doch das kümmerte mich weniger, denn nun sprach der Uniformierte: „Das darf ich natürlich.“ Ich war belustigt, denn so sicher war ich mir da auch nicht. Und schließlich hätte er wegen einer Ruhestörung, die von keinem bestritten wurde und die ihm wohl auch schon aus der Ferne offenkundig gewesen war, die Wohnung nicht betreten müssen.

                          „Nein, das dürfen Sie nicht.“ Der Mitbewohner wollte zumindest in diesem Punkt nicht nachgeben. Und auch ich sah nicht ein, warum die Personalien unbedingt im Flur und nicht vor der Tür geklärt werden mussten. Recht hin oder her – und auch bin mir sicher, ein Polizist kann nicht mit aller Selbstverständlichkeit Wohnungen betreten. Doch selbst wenn, dem Uniformierten wäre kein Zacken aus der Krone gebrochen, hätte er sich wieder vor die Haustür gestellt.

                          Ich war erstaunt über die kühle, aggressive Haltung des Polizisten. „Wir können das Gespräch vor der Haustür führen“, ich wies den Weg zurück zur Tür. Kein Wort, kein Blick vom Polizisten. Da fragte auch ich nach dem Namen und der Dienstnummer. Um der Hilflosigkeit Herr zu werden, der ich mich ausgesetzt fühlte. Nachdem jede Reaktion ausblieb, fragte ich erneut. Kurz darauf wiederholte mein Mitbewohner die Frage ein weiteres Mal.

                          Dem Polizisten entfuhr dann ein lautes „Pffft!“. Das laute Zischen sollte wohl gebieterisch die Fronten klären; er war der Kuchen, wir die Krümel. Diese Wirkung allerdings erzielte sie nicht, so musste er doch zu Worten greifen. „Ich muss Ihnen meinen Namen nicht sagen. Und Dienstnummern haben wir nicht.“, bellte der Polizist meinen Mitbewohner an. Allerdings fügte er einen Augenblick danach herablassend hinzu: „Außerdem steht mein Name die ganze Zeit schon hier, können Sie nicht lesen?“

                          Es war eine berechtigte Frage, es hätte zumindest eine sein können. In der Brusttasche, ich denke, es war die Brusttasche, doch könnte es auch ein Umschnallgurt gewesen sein, war das klobige Funkgerät des Polizisten festgezurrt. Er musste es entschlossen zur Seite ziehen, um das dahinter liegende Namensschild freizulegen. Sein Name erinnerte mich sofort an den eines bekannten Fußballgottes, doch war mein leicht alkoholisierter Verstand* nicht nur mit dem Namen beschäftigt.

                          Ich wusste schon, als ich es mich sagen hörte, dass nun auch meine Personalien auf dem Karton landen würden. In dem Moment der schroffen Herabwürdigung durch den Kraftprotz ordnungsrechtlicher Muskeln, der ungebeten in unserem Flur stand, kam ein Satz über meine Lippen, den ich bereute. „Sie sind ja ein <;PLATZHALTER>;**.“ Zum ersten Mal hatte ich die volle Aufmerksamkeit des Mannes. Nur war es nicht die, die ich mir gewünscht hätte. Der mangelnde Respekt vor unseren Aufforderungen und Fragen schlug um in vorbildliches Pflichtbewusstsein. Das konnte er sich nicht bieten lassen.

                          „Nennen Sie mich noch einmal einen <;PLATZHALTER>;, dann setzt es eine Anzeige.“ Ich entschuldigte mich, ich sah meinen Fehler. Ich hatte etwas gesagt, was ein Mann wie dieser, mit diesem Fetzen Stoff auf der Haut nicht dulden konnte. Es war eine offenkundige, tiefe Beleidigung seines Amtes, seines Wesens, der Person und ihres Charakters, so viel war klar. Diesen Boden hatte ich ihm bereitetet, er betrat ihn gerne. Es konnte schließlich keine flapsige Bemerkung sein, die durch seine Frage, ob mein Mitbewohner ein verdecktes Namensschild nicht lesen könne, fast schon reflexartig ausgelöst wurde. Da sah ich nun also meinen Namen in krakeliger Handschrift unter seinem Stift entstehen. Ich schüttelte den Kopf, vielleicht auch nur in Gedanken.

                          Der Spuk war dann vorbei, er hatte die Party für beendet erklärt und ging endlich über die Schwelle, hinter der wir ihn nur wünschten, um ein ordentliches Gespräch führen zu können. Eine Schwelle, das gibt mir zu denken, die sein Kollege, der stumm im Hintergrund blieb, niemals übertrat.

                          Warum nur, frage ich mich, habe ich ein mulmiges Gefühl. Freunde sind sie nicht, das ist klar. Helfer, so befürchte ich, nur nach Belieben und Laune. Ruhestörung? Bitte, nicht im Ansatz ist es Grund genug für ein solches Gebaren. Und im Zweifel steht ihr Wort gegen das eines Bürgers, Uniform gegen Pullover, Jacke, Rock, Kleid, Hemd und Hose, wenn sie vor die Roben träten.

                          *Zwei Bier, ein Radler – das Radler als letztes von allem eine Stunde zuvor getrunken.

                          **<;PLATZHALTER>;: Es gibt wohl Urteile zu diesem Wort als Beamtenbeleidigung, wobei dieses Wort meist in Verbindung mit häufigen Wiederholungen und weiteren Äußerungen und Handlungen auftrat. Ich kann also nicht sagen, wie schwer es im Detail wog. Allerdings geht es mir darum, dass sich meine Äußerung auf die Situation bezog, dass er die Sicht auf das Namensschild erst schaffen musste, doch fragte, ob mein Mitbewohner es nicht lesen könne. Zudem ist nach meinen Wörterbüchern das verwendete Wort nicht eindeutig und in allen Fällen abwertend konnotiert, da es schlicht auch eine Person bezeichnet, die einen Scherz macht. In dieser Form war es mir geläufig, so hatte ich es verwendet.