Coheed & Cambria: The Afterman – Descension

Eigentlich muss ich nur…kann ich nicht einfach? Warte mal, wenn ich das hier ändere und an der anderen Stelle da hinten was abschneide, dann… Ja, das klappt. Gibt mir mal jemand den Kleber? Das tut dann nämlich auch so, muss ich gar nicht viel mehr zu schreiben. Reicht vollkommen, hier gerade die Songtitel auszutauschen. Das weg, und das weg, dann können Number City und Key Entity Extraction V: Sentry the Defiant rein. Jetzt muss ich nur noch warten, bis der Kleber getrocknet ist. Eins Mississippi, zwei Mississippi. Und? Hält! Mit dem Finger drüber fahren, fühlt sich okay an, ich spüre zwar, dass das aufgeklebt ist, aber auch nur weil ich es weiß. Andere merken das gar nicht, da gehe ich jede Wette ein. Also mache ich das noch ein paar Mal, dann ist das feine Selbstplagiat fertig. Oder ich spare mir auch die Arbeit und verweise schnell auf meinen Artikel zum ersten Teil des The Afterman -Doppelalbums, der ist, von den genannten Songs abgesehen, noch voll gültig.

Der zweite Teil verhält sich absolut wie der erste Teil, sie sind aus einem Guss. Das bringt die positiven wie negativen Aspekte des ersten Teils mit sich. Aber i h kann nicht von Coheed & Cambria lassen, denn sie sind nur an ihren eigenen Glanztaten gemessen schwach geworden, schreiben aber ansonsten immer noch progressiven Rock, der von weit oben zum Mittelmaß hinab schaut. Außerdem gibt es für mich gerade an heutigem Datum für mich einen ganz persönlichen Grund, Coheed zu hören, der mich nostalgisch an die Band bindet.

Coheed and Cambria – The Afterman: Ascension

Wie soll ich mir die Peinlichkeit ersparen, wenn sie so naheliegend ist? Coheed and Cambria haben sich in einem musikalischen Konzeptkosmos eingerichtet, der so wirr und wild wuchert wie Claudio Sanchez‘ Haupthaar. Sanchez durchsetzt den Progrock der aus dem US-Bundesstaat New York stammenden Band noch immer mit der Handlung der Amory Wars. Einer drallen Weltraumsage, in der vor lauter Pathos kaum noch Luft zum Atmen bleibt. Die Band selbst ist Teil des Konzepts, ist sie doch nach einigen Protagonisten benannt. Wohin das alles führt, das war für die Musik der Band lange Zeit nicht relevant. Sanchez schrieb vertrackte Songs mit assoziativen Texten, die sich sowohl in gesamte Bild des Puppenspielers Sanchez fügten, aber auch eine lebendige Eigenständigkeit hatten.

Nach dem in jeder Hinsicht überragenden In Keeping Secrets of Silent Earth: 3 hat Sanchez – damit auch die Band – den Faden verloren. Die Arrangements litten spürbar unter der Hybris, mit der Sanchez die Story aufblähte, medial streute und essenziell verwässerte. Die Geschichte wurde größer, ihre einzelnen Teile unbedeutender. Die eigenen Verkünstelung vernichtete die auf In Keeping Secrets perfekt austarierte Mixtur poppiger Melodien in morbidem Rockbombast.

Auf The Afterman: Ascension ist es nicht anders. Die Handlung interessiert kaum noch, das Konzept ist reiner Tand. Wieso sollte es mich noch kümmern, dass auch hier natürlich ein Konzept hinter dem Album steht. So groß ist es, es bedarf einer Zweiteilung. Der originellerweise Descension betitelte zweite Teil wird Anfang des nächsten Jahres erscheinen. Die erzählerische Inflation vereinheitlichte das Tempo der Songs. Die Songstrukturen wurden der Narrative einer unübersichtlichen Rahmenhandlung unterworfen.

Auch auf Afterman gibt es noch jene Stücke, die Songs sein dürfen. Wie etwa Key Entity Extraction I: Domino the Destitute. Eine eigenwillige Konstruktion, aber nachvollziehbar. Auch das feine Titelstück selbst ist entspannt und wird reduziert aufgebaut. Doch für jeden dieser Songs gibt es ein Gegenstück, theatralisch und verworren. Goodnight, Fair Lady fängt an, so wie jeder Midtempo-Song von Coheed beginnt. Etwas abseitigeres Timing, tuckernder Bass und die gekonnten, zugleich allzu bekannten Breaks.

Auf den unerträglichen Rumpelrock von Key Entity Extraction II: Holly Wood the Cracked muss ich nicht weiter eingehen, er ist weniger symptomatisch, als es manche denken könnten. Technisch sind Coheed noch immer eine beeindruckende Band, musikalisch wären sie es auch, wenn sie eine Unbeschwertheit und vor allem die Refrains wiederfinden könnten, die frühere Alben hatten. Eins noch: Das ganze Brimborium dilettantischer Sci-Fi-Mystik in den Zwischenstücken hätte sich die Band nun auch mittlerweile sparen können. Bedeutungsschwanger gehauchte Satzhülsen machen keinen Tiefgang.

Of The I – Balance Instars (2008)

Ich bin tief im anscheinend besonders im spanisch- und französischsprachigen Raum beliebten Jamendo versunken. Auf meinem Schirm ist die Seite schon seit langer Zeit, es blieb bislang aber bei gelegentlichen Touren durch das wachsende Archiv gemafreier, CC-lizenzierter Musik. Für die Zukunft habe ich mir eine tiefere Auseinandersetzung vorgenommen. Erstes Ergebnis ist das schon etwas betagte Album Balance Instars der Londoner Of The I. Weiterlesen