Wimp: Who Stole My Pants?

Ich will es so sagen, in seiner Handlung umgeht Wimp die Wiederholung aufgesetzter Heldenmythen, die andere Spiele so bieten. Keine Prinzessin braucht den Helden in strahlender Rüstung, Planeten stehen nicht vor der Zerstörung und auch die größte Entdeckung aller Zeiten muss in diesem kurzweiligen Plattformer nicht gemacht werden. Ganz so trivial wie der Untertitel in Wimp es schon sagt, muss es aber auch nicht sein. Gut, dann spiele ich eben einen grünschimmeligen Tofuball in einer gallertartigen Sphäre, die sich durch ungemütliche Kanalisation zwängt, um seine Hose zurückzugewinnen. Warum braucht ein solches Ding eine Hose? Egal.

Irgendjemand beim weißrussischen Entwickler Flexile Studios muss in den Zaubertrank gefallen sein. Heraus kam der hanebüchene Vorwand für die Story um den kleinen Klecks – und ein Design quietschvergnügter Farben. Die Präsentation von Wimp ist schon ein ordentliches Plus. Grelle Farben überall. Toxische Flüssigkeiten, glühende Lava, die Weißrussen haben hier eindeutig aus dem Vollen geschöpft, die Level erstrahlen zu lassen. Ebenso hat die musikalische Gestaltung hohes Niveau, aber auch hier ist der Zaubertrank zu hören. Das halluzinierte Säuseln aus der zweiten der bislang drei spielbaren Welten ist nicht lange zu ertragen, ohne den Verstand zu verlieren (Im Video ist es etwa ab Minute 1:35 zu hören.).

Das Leveldesign ist aber tadellos, vielleicht sogar der beste Grund, Wimp zu spielen. Flexile Studios haben die Grenzen ihres Spiels perfekt herausgehoben. Wimp ist eigentlich ein Plattformer, aber mit großen Anteilen physikbasierter Rätsel. In jedem Level zählen Timing, Balance, Geschicklichkeit und Denken, der grüne Klops würde sonst nicht überstehen. Allerdings gewinnt er im Laufe der Zeit aber auch viele Fertigkeiten, die über seine anfängliche Sprungqualitäten hinausgehen. Gerade wenn Wimp als Feuerball zu fliegen lernt oder später sogar Teleportation beherrscht, nimmt der Spielwitz in der Lösung der Rätsel ernsthaft Konturen an.

Das heißt aber auch, er wird oft sterben. Er kann und wird auf viele verschiedene Arten sterben, aber schnell genug auch wieder an eine Stelle kurz vor dem fatalen Manöver versetzt. In der Regel stirbt Wimp, weil wir etwas falsch gemacht haben, das Spiel ist gerade in den höheren Leveln ordentlich schwer. Öfter als mir lieb ist, liegt es aber auch an der unnachgiebigen Disziplin, die das Spiel verlangt. Eine falsche Bewegung, Wimp stürzt in Säure, verpassen wir den Absprungzeitpunkt von einer Wand um Haaresbreite, geht der Kleine auch drauf. Ein gutes Beispiel für die Kreativität, die in Wimps Leveldesign steckt, ist der dreizehnte Level in der zweiten Welt. Dort sorgt ein gigantischer Ball für echten Zeitdruck, da er den kleinen Klecks vor sich hertreibt. Leider ist dieser Level aber auch ein Opfer der sensiblen Touchsteuerung, die keinen Ausrutscher verzeiht. Ich bin mit dem Kleinen allein in diesem Level schon buchstäblich tausend Tode gestorben.

Wären also nicht die Beschränkungen der Steuerung, die auf Touchgeräten leider zu vertraut sind, Wimp hätte eine uneingeschränkte Empfehlung sein können. So aber ist es ein solider Zeitvertreib, der bei entspanntem Spielen gut drei oder vier Stunden hält. Setzt man sich in den Kopf, alle Level perfekt abzuschließen, wird es zwar einerseits noch fordernder, aber auch um Längen frustrierender. Denn dann fressen unzählige Levelwiederholungen die Zeit, zumal auch gerade der Wiederbelebungsmechanismus gerne errungene Boni wieder rückgängig macht.

Titel: Wimp: Who Stole My Pants?
Hersteller: Flexile Studio
Jahr: 2012
Genre: Plattformer, Geschicklichkeit, Puzzle
Plattform: iOS
Version: 1.0.3

Letterpress

Letterpress ist ein kompetitives Wortpuzzle. Davon gibt es im App Store reichlich, die Übersicht habe ich schon lange verloren. Eigentlich auch die Lust darauf. Und trotzdem habe ich es ausprobiert, wahrscheinlich weil mir die auf’s Nötigste reduzierte Optik gefiel. Den Köder der schlichten Ästhetik schluckte ich sofort. Wenige Sekunden nach der Installation schlug ich mich via Game Center mit anderen um die Buchstaben.

Die Regeln bohren sich sofort ins Hirn. Es gibt eine 5×5-Matrix von Buchstaben. Der Reihe nach bilden die Spieler daraus Wörter, die verwendeten Buchstaben werden dem Spieler zugeschlagen, der sie zuletzt verwendet hat. Hat ein Spieler sogar Felder komplett mit eigenen Buchstabenflächen umringt, kann der Gegner dieses Feld nicht mehr so leicht übernehmen. Damit kommt eine ordentliche Portion Taktik ins Spiel. Nicht nur die Wörter selbst zählen, auch wie und wann mit ihnen dem Gegner Felder abgeluchst werden. Gewonnen hat, wer am Ende mehr Flächen und damit Punkte hat.

Letterpress nutzt die Möglichkeiten des Game Centers zum asynchronen Onlinespiel. Das Risiko ist damit da, auf Spielzüge der Gegner warten zu müssen, doch bislang ist das kein Problem. Meist ist ein Spiel nach einer Viertelstunde beendet. Einschränkend dürfte es für einige dennoch sein, dass Letterpress lediglich auf ein englisches Vokabular zurückgreift. Einen grundlegenden Wortschatz des Englischen setzt es also voraus. Mehr aber auch nicht, denn es kommt nicht auf die Komplexität oder Besonderheit der Wörter an. Auch mit simplen Wörtern, die taktisch eingesetzt werden, lässt sich ein Gegner bezwingen.

Grundsätzlich ist das Spiel kostenlos. Allerdings können ohne das fair gepreiste Upgrade nur maximal zwei Partien parallel stattfinden. Für Gelegenheitspieler dürfte das schon ausreichen. Ansonsten spricht nichts gegen den Kauf des Upgrades für ein solides und kurzweiliges Rätseln gegen Online-Gegner.

Titel: Letterpress
Hersteller: atebits
Jahr: 2012
Genre: Wortpuzzle, Rätsel
Plattform: iOS
Version: 1.0

Supermagical

Ich habe es bereits gesagt, und werde es weiterhin sagen. Die Geschichte der Videospiele wiederholt sich auf mobilen Plattformen. Bewährte Konzepte aus den Urzeiten und frühen Phasen der Spieleentwicklung werden wieder ausgegraben, die von Coregamern im Laufe der Zeit verlassen wurden. Zu Arcadezeiten waren es meist simple Konzepte, wie etwa das von Puzzle Bobble. Jeder Level verfügt über eine spezifische Anordnung von farblich unterschiedlicher Kugeln, Blasen oder was auch immer. Dieses Spielfeld ist zu räumen, indem weitere Blasen auf die vorhandenen geschossen werden. Die Blasen platzen, wenn eine Gruppe von mindestens drei Blasen geschaffen wurde.

An diesem Spielprinzip hat sich bei Supermagical nicht viel geändert, doch wurden einige Elemente draufgesetzt. Das unwesentlichste ist eine Rahmenhandlung um die kleine, aber tapsige Hexe Nina. Nina muss die Tore der Hölle schließen, auf dem Weg dahin ihre bösen Schwestern und auch die Minix bannen. Minix sind kleine bunte Höllentiere, die weniger furchteinflüßend wirken, als ihre Herkunft dies verheißt, und sie sind in diesem Fall die Blasen.

Nina kann im Laufe des Spiels verbündete Zauberer befreien, die ihr mit besonderen Fähigkeiten zur Seite stehen. Ebenso können Zutaten für mächtige Zauber und wirksame Gegenstände gefunden oder erkauft werden. Damit wird das von Puzzle Bobble bekannte Spiel nicht auf den Kopf gestellt, gewinnt aber durch diese milde Entwicklungsmechanik ein sanften Rollenspieleinschlag. Damit gewinnt der sehr simple Spielansatz eine ergänzende strategische Flexibilität.

Mit dem Supermagical ist sicher kein Innovationspreis zu gewinnen, auch wenn die Ergänzungen frischen Wind in das angestaubte, aber noch immer motivierende Konzept des Blasenshooters bringen. Eine gerüttelt Maß an Frustrationsresistenz ist in Supermagical dennoch vonnöten. Die Entwicklung der Zauberfertigkeiten wird im späteren Spielverlauf durchaus aufwändig. Nina stapft über die bunte Oberwelt zwischen den Leveln umher, wird aber nicht immer ausreichend mit Materialien versorgt, um kontinuierlich stärker zu werden. Damit wird Backtracking zu einer Bürde, die schwer wiegt.

Titel: Supermagical
Hersteller: Super Awesome Hyper Dimensional Mega Team
Jahr: 2012
Genre: Geschicklichkeit, Puzzle
Plattform: iOS
Version: 1.0.5

Angry Birds Space

Den Antagonisten der verhaltensgestörten Kamikaze-Vögel hat Rovio vor ein paar Tagen ein eigenes Spiel gegönnt – da spiele ich gerade mal den letzten Teil, in dem es die Vögel ins All verschlug. Die physikbasierten Puzzle sind ja der kleinste gemeinsame Nenner der mobilen Spielewelt, als solcher haben sie mich dann auch nie völlig überzeugt. Nicht einen davon habe ich durchgespielt. Besonders Seasons hat mich abgeschreckt.

Space machte mir gegen alle geminderten Erwartungen doch wieder Spaß. Zwar stört mich immer noch, dass es in kaum einem der Level durch Planung und Voraussicht möglich ist, diesen zu lösen, ist in Space immerhin für Abwechslung gesorgt. Dann gibt es halt Trial-and-Error im Weltall, wo immerhin die physikalischen Grundlagen oft genug abgewandelt werden, dass es wieder befriedigend ist, wenn dann doch einmal mit dem ersten Streich alle Schweine fallen, platzen, zerbersten und was ihnen sonst noch widerfahren kann.

Titel: Angry Birds Space
Hersteller: Rovio
Jahr: 2012
Genre: Physikpuzzle
Plattform: iOS (und andere)
Version: 1.3.0

The Wiki Game

20120827-141841.jpgHinter dem, nennen wir es, Puzzler The Wiki Game steckt eine clevere Idee, aus dem, was millionenfach im Netz täglich gemacht wird, ein Spiel zu entwerfen. Von einem vorgegebenen Startartikel der englischen Wikipedia gilt es, einen Zielartikel zu erreichen. Mit den Links in den Artikeln.

The Wiki Game reproduziert nur die entsprechenden Artikel, spart ein wenig Navigation der ursprünglichen Artikel aus, da es sonst zu einfach würde, und die Schnitzeljagd kann losgehen. In fünf Kategorien werden Punkte vergeben. Die einfachste Variante gibt nur vor, in so wenig Klicks wie möglich am Ziel anzukommen. Andere verlangen etwas mehr. So muss das Ziel auch in exakt sechs Klicks, innerhalb eines Zeitfensters oder ohne den Zwischenweg über den Artikel der USA erreicht werden.

Erstaunlich oft, fordert das Spiel ein enormes Maß an Planung. Dabei hilft eine umfassende Allgemeinbildung, um sich durch das Labyrinth der Artikel zu graben, dabei aber nicht das Ziel aus den Augen zu verlieren. In diesen Momenten, wenn ein Plan nach reiflicher Überlegung aufgeht, ist ungemein befriedigend.

Dennoch hängt der Spaß, gerade bei einer offenen Spielweise, stark von den Rahmenbedingungen ab. An mancher Stelle ist dabei weniger Gehirnschmalz vonnöten, als der Autor des Spiels dachte. Dadurch wird zumindest einer der Spielmodi unbrauchbar, weil er deutlich mit demselben Lösungsweg binnen weniger Klicks zu erledigen ist. Fünf Klicks bis zu Jesus sind gefragt, genau fünf, um die volle Punktzahl zu erlangen. Das ist leichter als es scheinen mag. Jeder Startartikel hat in der Regel eine Nation, auf die er verweist. Dort kann unter demographischen Daten die Religionszugehörigkeit ausgewählt werden, unter denen aufgrund der Verbreitung der christlichen Weltreligion schnell der Jesus-Link zu finden ist. Im Zweifel bedarf es noch einer Zwischenrunde, um dann mit dem fünften Artikel die geforderte Punktlandung hinzulegen.

Ebenfalls abschreckend dürfte es für manche sein, dass lediglich die englischsprachige Wikipedia als Quelle dient. Der Schwierigkeitsgrad hängt damit also auch von den sprachlichen Fähigkeiten ab. Dennoch ist es eine feine Idee, die für Knobelei sorgt. Zur Not einfach mal die kostenlose Webappausprobieren.

Titel: The Wiki Game
Hersteller: Alex Clemesha
Jahr: 2011
Genre: Puzzle
Plattform: iOS (0,79€), Web
Version: 1.0

Amazing Alex

Amazing Alex ist Rovios erstes Spiel abseits der Flugbahnen verärgerter Vögel, physikbasierten Spielprinzipien bleiben sie allerdings treu. Die Innovation der Angry Birds lag auch weniger in der Spielmechanik, als in der ungemein präzisen Umsetzung und der auf Sucht getrimmten Spielbarkeit. Rovio erwischte den richtigen Zeitpunkt und holte einen enormen Marktanteil vor allem auf Smartphones heraus. Geschicktes Marketing und ein solide Umsetzung eines Casualgames sorgten für den Rest, um die Finnen von Rovio an der Spitze der Entwicklung vorangehen zu lassen, als mobile Apps und Games von der Nische zum Mainstream wurden.  Amazing Alex ist ebenfalls keine Revolution, nicht einmal eine Erweiterung eines bekannten Prinzips.

In jedem Level gilt es, mit ein wenig Hirnschmalz, von dem zunehmend mehr benötigt wird, und einer guten Portion Tüftelei physikbasierte Rätsel zu lösen. Mit vorgegebenem Spielfeld und einem begrenzten Arsenal an Items, müssen beispielsweise Bowlingkugeln in Wäschekörbe bugsiert werden. Klingt einfach, ist es auch. Das war es schon vor fast zwanzig Jahren bei The Incredible Machine. Solche Puzzlespiele hatten Anfang der Neunziger noch eine Daseinsberechtigung im Spielemarkt, verkamen mit ansteigender Leistungsfähigkeit der Hardware und einhergehender spielerischen Tiefe viele Titel zu simplen Pausenfüllern, die meist vom Grabbeltisch aus verkauft wurden.

Rovio hat bislang bewiesen, ein gutes Gespür für den noch jungen Markt der Casualgames auf Smartphones zu haben. Bei Amazing Alex hat sie die sichere Spürnase aber doch verlassen. Alex ist zweifelsohne ein für die Zielgruppe geeignetes Spiel. Kurzweilig und knifflig zugleich, dennoch fehlt es am Charme der hausinternen Konkurrenz, deren selbstmörderische Rachelust im Vergleich zum blassen Bengel Alex doch eher zu animieren wusste, und besonders an der reibungslosen Bedienung. Allzu frickelig wird es schon nach dreißig oder etwas mehr Leveln. Da müssen dann auf dem kleinen Screen Steinschleudern im richtigen Winkel justiert und angespannt werden. Hinein noch einen Tennisball, der doch recht stur reagiert, wenn er mal nicht pixelgenau in der Schleuder abgesetzt wurde. Die ganze Mühe müssen wir dann noch einmal auf uns nehmen, haben wir die Flugkurve anfangs nicht korrekt berechnet.

In der Präsentation ist mir Alex also etwas zu glatt, die Mechanik zu vertraut. Die Umsetzung oftmals zu kantig. Andersherum, wie bei den Angry Birds, war es mir lieber. Dennoch ist dies beim Niedrigpreis des Spiels noch zu verschmerzen, es ist spielbar. Rovio sind auch dafür bekannt, ihre Spiele lange Zeit noch mit Updates und neuen Leveln zu versorgen. Das macht Mut, dass eventuell noch die eine oder andere Delle im Spieldesign ausgeklopft werden wird und neue Ideen auftauchen könnten. Ebenso nutzt Rovio mit einem mitgelieferten Editor die Community, um für neue Herausforderungen zu sorgen. Schließlich können spielergenerierte Level heruntergeladen werden.

Alex ist ein guter Casualpuzzler, nur hätte ich von Rovio irgendwie mehr erwartet.

Titel: Amazing Alex
Hersteller: Rovio
Jahr: 2012
Genre: Physikbasierter Puzzler
Plattform: iOS
Version: 1.01

Woozzle – Ist das jetzt Retrogaming?

Wiederholt sich da die Entwicklung der Spieleindustrie unter leicht veränderten Vorzeichen? Ich kann nicht der erste sein, dem das auffällt, ich werde weil scheinlich – wieder einmal – sehr spät dran sein. Die Zeit, das zu recherchieren , habe ich gerade nicht. Anlässlich des Logical-Klons Woozzle fiel es mir nur mal wieder auf, dass Spiele, die vor zwei Jahrzehnten noch als große Kaufversion verkauft wurden, heute letztlich für kleines Geld als Klon zu haben sind. Woozzle ist genau das, was ich vor besagter Zeit an Logical geliebt habe. Letztlich war schon Woozzle ein entfernter Verwandter von Tetris. Auch bei Logical/Wuzzle muss meine eine Kombinationsaufgabe unter Zeitdruck lösen. Dabei ließen sich die Macher von Woozzle lediglich noch einige neue Varianten einfallen. Weiterlesen