Joe Danger Touch: Mehr Gefahr als für den zweiten Vornamen gut wäre

Dieses Spiel schuldet mir eine Menge Stunden meines Lebens. Aber die kriege ich wohl nicht zurück, ich hab sie ja gern auf den Sandpisten gelassen. Joe Danger ist kein großes Spiel, aber ein richtig ordentliches. Von vorne bis hinten es auf Spielbarkeit getrimmt, selten stieß ich an eine Schwelle, wo die Motivation nachließ.

Allen voran ist die Langzeitmotivation den ausgefeilten Mechanismen geschuldet. Wir kennen das: Trophäen, Pokale, Boni und Plaketten. Alles mögliche wollen uns Designer an die Brust heften, nur um uns in die Versuchung zu führen, die Level wieder und wieder zu spielen. Damit sie uns hoffentlich etwas mehr Zeit – und damit vermeintlichen Mehrwert – aus den Rippen geschnitten haben.

Bei Joe Danger sind die spielzeitdehnenden Maßnahmeb aber so präzise austariert, es macht gar nichts aus. Die Level spielen sich durchaus unterschiedlich. Will ich möglichst Punkte machen, muss ich Stunts vorführen. Das schließt aber oft aus, einen Level im Profimodus, also mit allen Sammelgegenständen und Aufgaben zu bestehen. Und auf Zeit ist eine ganz andere Herausforderung. Aber alle Modi machen im Grunde genauso viel Spaß wie die jeweils anderen. Also wirkt sich das ganze Brimborium, das einem mobile Spiele auch so oft verleiden kann, hier nur zum Vorteil aus.

Joe Danger nimmt Canabalts minimale Spielmechanik und bläht sie wieder etwas auf. Ein One-Touch-Spiel ist es nicht mehr wirklich. Immerhin ist es noch nah dran, bietet aber kein Endlosrennen, sondern glücklicherweise kurze Abschnitte mit diversen Herausforderungen.

Amtsflucht

Ich lebe zwischen Regen und Traufe der asozialen Marktwirtschaft, zur einen Seite der Klotz der Agentur für Arbeit, auf der anderen eine identitätsgestörte Einrichtung. Sie wirkt immerhin etwas im Unklaren über das eigene Dasein. Selbst in der kurzen Zeit, die ich hier lebe, hat sie die großen Lettern über dem Haupteingang mehrmals gewechselt. Derzeit nennt sich das Gebäude Jobcenter, ganz unabhängig von seinem eigentlichen Zweck, der wohl schon seit jeher die Schikane ist.

Zu jeder Tageszeit strömen allerlei Menschen zu den Gebäuden. Manche von ihnen tragen seltsame Jogginganzüge, für die nicht einmal die Achtziger anrufen würden, um sie zurückzuverlangen. Andere werfen sich in Schale, anscheinend wollen sie einen möglichst guten Eindruck hinterlassen. Doch betreten sie die Gebäude durch ihre gläsernen Mäuler, werden sie zu Nummern zermahlen. Gleichwohl sie Kunden genannt werden, sollen sie nur dem gesellschaftlichen Verdauungssystem zugeführt werden.

Kein Wunder also, dass sich ein Schauspiel nun häufiger bestaunen ließ, das ich nur als Zeichen interpretieren kann, wie wenig Menschen mit diesen institutionellen Verachtungsmaschinen zu tun haben wollen. Vor dem Jobcenter ist eine Bushaltestelle, die Briefkästen des Amtes sind bloß zehn, vielleicht fünfzehn Schritte entfernt. Hält ein Bus, bricht manchmal Hektik aus. Kaum haben sich die Türen geöffnet, springt ein Mensch hinaus. In den Händen einige Umschläge, sprinten sie zu den Briefkästen. Die Luke quietscht, doch bevor sie metallisch krachend ihre Arbeit wieder einstellt, hat der Mensch schon wieder den Bus erreicht. Die Bustüren schließen sich.