Sexaine – Eres Adicto?

Bei solch einem Cover, das alle Klischees bedient, sollten keine Zweifel mehr aufkommen, woher bei Sexaine der Wind weht. Oder die Gitarren klingen. Die Geschlechterrollen sind klar verteilt, die harten Kerle – und alle, die sich dafür – stehen auf der Bühne, machen Lärm. Die Damen gehören schmachtend davor, sie dürfen auch gerne tief blicken lassen.

Kein Zweifel, Sexaine kümmern sich nicht allzu sehr um Innovation, weder gesellschaftliche noch musikalische. Die fünf Herren aus Cádiz gehen ohne Umschweife nach vorne. Stampfende Beats treiben die Gitarren voran, sobald sie sich mal ein wenig Ruhe geben. Zwo, drei, vier – ab dafür. Die Songs müssen auch noch bei ordentlichem Promillepegel mitziehen, komplexe Strukturen bleiben außen vor. Keine Spirenzchen, außer bei den Soli. Die dürfen natürlich nicht fehlen, sind gar nicht so schlecht gemacht und doch hätte man durchaus auch einmal auf die Bremse treten können. Auf Historia de una noche nimmt es schon Überhand, dass ein Saitengenudel dem anderen folgt. Wenn das mal nicht eine Kompensationshandlung ist.

Und dennoch. Sexaine haben bei aller Infantilität und Machismo ein ordentliches Gespür für Refrains. Die Songs gehen zwar hier rein und da wieder raus. Doch nickt der Kopf noch lange im Takt, wenn der Song schon längst wieder verflogen ist. Nicht die schlechteste Eigenart für eine Band, die anscheinend nichts anderes will, als mit rohen Stampfern Bewegung in die Sache zu bringen.  Das machen sie außerordentlich gut – wenn man über den allzu plumpen Sexismus mal hinwegsehen kann. Derzeit kann ich das und gröhle bei Dinero mit und kann mich bei Oriente nicht zurückhalten. Kleines Album, großer Lärm. Bin noch nicht abhängig, spüre aber eine angenehmen Rausch.

Of The I – Balance Instars (2008)

Ich bin tief im anscheinend besonders im spanisch- und französischsprachigen Raum beliebten Jamendo versunken. Auf meinem Schirm ist die Seite schon seit langer Zeit, es blieb bislang aber bei gelegentlichen Touren durch das wachsende Archiv gemafreier, CC-lizenzierter Musik. Für die Zukunft habe ich mir eine tiefere Auseinandersetzung vorgenommen. Erstes Ergebnis ist das schon etwas betagte Album Balance Instars der Londoner Of The I. Weiterlesen

Pearl Jam Twenty

Vor einigen Jahren wäre es mir nicht entgangen, dass es ein neues Album von Pearl Jam gibt. Nie im Traum hätte ich mir vorstellen können, dass eine Band, die einen solch enormen Einfluss auf mein Leben hatte, schlicht und einfach in den Hintergrund meiner Wahrnehmung tritt. Der jüngere aesthetikargonaut hätte den gegenwärtigen mit Unverständnis und dann Verachtung angesehen. Der ältere aesthetikargonaut ist Pearl Jam aber noch weit genug verbunden, um milde anzustimmen: „Hearts and thoughts they fade|fade away“. Hoffentlich versteht der jüngere, wie sehr die Erinnerung auch noch nachhallt, selbst wenn sie allmählich ausklingt. Immerhin trauere ich, was Pearl Jam angeht, nicht den verpassten Gelegenheiten hinterher. Weiterlesen