Feedly hat mir RSS verdorben

Um fair zu bleiben, ich habe mir nach dem lange angekündigten Tod von Googles Reader wohl selber die Laune verdorben. Genauer, meine Knauserigkeit hat dazu beigetragen, dass meine Wahl auf Feedly fiel. Feedly war kostenlos, Google hatte sich ja redlich bemüht, mir und allen anderen Nutzerinnen und Nutzern von RSS für den täglichen Informationsbedarf abzutrainieren. Da wollte ich erst einmal nicht wieder für etwas zahlen, das ich als gegeben hinnahm wie Luft.

Spätestens seit einigen Wochen fällt mir aber immer wieder auf, dass Feedly eine denkbar schlechte Wahl war. Als Alternative für den Google Reader wurde der Dienst immer besser, die anfänglichen Kinderkrankheiten waren schnell überwunden. Da kamen aber alle schon daher, wie denn Feedly sich mit seinem Kostenlos-Modell langfristig würde halten können. Feedly antwortete auf die Skepsis mit einem Premium-Angebot.

Dieses kann ich aber nicht nutzen, denn wie bei angrynerds schön ausgeführt wurde, wählte Feedly einen Anreiz für Premium, der nicht nur unsympathisch ist, sondern auch völlig in die falsche Richtung geht. Ich kann mich, denke ich immerhin, mit einiger Kraft wieder daran gewöhnen, für einen zuverlässige RSS-Reader zu zahlen. Aber ich kann dies nicht bei Feedly, wenn dort absichtlich die Aktualisierungsfrequenz gedrosselt wird, die gegen Bezahlung erhöht werden kann. In der kostenlosen Variante waren kleinere Seiten und Blogs oft deutlich verspätetet erst in meinem Strom der Nachrichten. Doch gerade die kleinen, gerne auch abseitigen Themen und Seiten sind es, die ich besonders lesenswert finde. Diese auszubremsen und erst gegen Geld wieder in eine halbwegs aktuelle Zeitleiste einzugliedern, ist eine aus meiner Sicht nicht zu tolerierende Diskriminierung.

Da ich also Feedly nicht unterstützen will, aber auch noch keine Zeit für eine Suche nach anderen Diensten aufbringen konnte, liegen derzeit alle Feeds bei mir brach. Das kann es eigentlich auch nicht sein.

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Als empirischen Begriff halte ich rape culture für überladen und irritierend, ich sehe meine rein theoretischen Widerstände mit jedem Tag bröckeln. Der Geschlechterkrieg wird klammheimlich mit den Mitteln der Systemadministration geführt. Die Remote-Anwendungen haben ihre Daseinsberechtigung, wie sie allerdings zur heimlichen Überwachung, Nötigung und Erpressung von Frauen eingesetzt werden ist bezeichnend. Nicht Männer werden hier in ihrem Alltag überwacht, sondern Frauen. Von Spannern.

Und auf emotionaler Ebene kann ich schon lange keine Einwände mehr vorbringen. In dieser Woche hat die Verzweiflung aber einen neuen Namen erhalten. Der Abgrund heißt nun Steubenville. Eine junge Frau, die bis zur Reglosigkeit betrunken ist, wird von High-School-Footballern von Party zu Party gefahren. Aber sie wird von den Vorzeigesportlern und -schülern nicht nur vorgeführt und vergewaltigt, via Social Media prahlen sie auch noch mit ihrem Opfer. Und was befürchtet ein Teil der Presse und der Gesellschaft, der Mainstream? Dass da die vielversprechenden Karrieren der Jungen durch den Schuldspruch ruiniert werden könnten. Was das Opfer wiederum einem Strom aus Drohungen, Beleidigungen und Erniedrigungen aussetzt. Kaum. Noch. Auszuhalten.

Da verblassen alle anderen Themen doch deutlich:

Der Reader ist tot, lang lebe der Reader

Anfang März erreichte mich die Botschaft, der Reader werde dieses Jahr eingestellt. Die Begründung dafür klang auch einleuchtend: Der Aufwand lohne sich bei der geringen Anzahl aktiver Nutzerinnen und Nutzer schlicht nicht. Bald schon solle Schluss sein, weshalb ich meine Feeds bei Bedarf sichern solle. Diese kurze Mail war für mich kein Schock, machte mich aber nachdenklich, wann ich das letzte Mal diesen Reader benutzt hatte. Es muss schon lange her sein, vor meinen Augen entstand kein Bild mehr aus der Erinnerung. Da geht wieder ein Reader dahin. Hinter dem großen Raubtier blieb in der Fressordnung kaum noch etwas für die kleineren übrig. RSS-Reader sind schon vor langer Zeit zur Monokultur verkommen, da machte ich mir nichts vor.

Aber ich konnte ganz gut damit leben, solange die Bestie Google Reader mir noch ein paar Brocken vor die Füße warf. Da kümmerte es mich nicht, von der Einstellung des Simplenews Readers zu hören, es war der Lauf der Dinge. Der kleine Konkurrent konnte untergehen, das störte mich kaum, war es doch auch der Beweis der Stärke des Riesen. Ja, Anfang März war es noch völlig unvorstellbar, dass der Reader jemals etwas anderes meinen würde als den Feed-Aggregator von Google. Bis gestern Nacht die ersten Klagen aufkamen. Heute Morgen war es endgültig Gewissheit:

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Die Begründung für diesen Schritt liest sich fast genau so wie beim sehr viel kleineren Konkurrenten: Schwindende Nutzungszahlen, Aufwand zu groß ohne Ertrag, konzentrieren uns auf wichtigere Dinge. Und da war sie wieder, diese Stimme, die unbeirrt flüstert: RSS ist tot. Aber kann das sein? Wie kann, ganz laienhaft gesprochen, ein so simples und effizientes Markup wie RSS so kläglich scheitern, dass sich die Verbreitung in der breiten Öffentlichkeit so nicht einstellen konnte? RSS-Reader machten für mich das individualisierte Nachrichtenprogramm möglich. Schund neben Kunst, Sex zusammen mit Prüderie, Nippes und Hippes, es war aber immer gerade das, was mich interessierte. All das ist nicht tot, es wird im Hintergrund noch genutzt werden, davon gehe ich aus. Die Massentauglichkeit ist für RSS aber nun endgültig zu den Akten gelegt. Aber das ahnte ich schon immer.

Fernab dieser Bedenken war der Schock für mich auch nicht verwunderlich. In der Zeitrechnung des Netzes ist Google Reader ein Dinosaurier, der viele andere Anwendungen kommen und wieder gehen sah. Mein Vertrauen in den Reader beruhte auf dieser impliziten Ewigkeitsklausel, die er ausstrahlte. Vielleicht war es nicht massentauglich, aber der Reader würde bleiben, das ließ ich mir von gegenläufigen Indizien wie der nachlassenden Pflege durch Google nicht verderben. Ich brauchte den Reader, also schuf ich eine prächtige kognitive Dissonanz, in der Google Reader ewig währte. Die Meldung vom Aus riss mich aus der verzerrten Welt, ich landete hart auf dem Boden der Tatsachen. Es tat aber nicht so weh wie die Frage, was nach dem Google Reader kommen würde.

Dann fiel mir wieder ein, warum ich mich damals bei bei Simplenews angemeldet hatte. Und bei Bloglines auch, bei Netvibes und vielen anderen. Ich hatte gefühlt alle Reader schon probiert, einige waren richtig gut, wurden aber eingestellt, weil Google Reader als kostenloser Dienst von Google kleinen Entwicklern Ketten um den Hals legte, an denen sie meist recht schnell erstickten. Ich landete immer wieder bei Google. Aber hieß das nicht auch, dass ich immer auf der Suche nach einer Alternative war? War der Google Reader nicht schon seit langer Zeit ein Dorn in meinem Auge?

Ja, der Google Reader war zu gut, um ihn zu verlassen, bereitete aber auch immer Kopfschmerzen und ein komisches Gefühl im Magen. Und genau das fiel mir im Laufe des Tages wieder ein, ich wollte immer schon weg, konnte aber aus Gewohnheit nicht. Jetzt geht es nicht mehr anders, Alternativen müssen her. Und war das nicht der Grund, warum ich überhaupt so viel Software ausprobiere? Ich finde jeden Tag haufenweise vielversprechende Anwendungen, probiere einige, kaufe manche. Der Spaß liegt im Finden von guten Tools. Ab 1. Juli werde ich spätestens wieder reichlich Grund für die Suche haben. Und bis dahin werden sicher noch neue Apps aufkommen, denn der rücksichtslose Fleischfresser ist dann nicht mehr.

newsify

Bild 1: newsify in Standardansicht

Ohne RSS-Feeds geht für mich ja gar nichts, auch wenn der größte Teil der Netzwelt anscheinend blendend ohne auskommt (Da es sich anbietet, eine feine Anleitung und Hintergründe zu RSS beim How-To-Geek.). Aus verschiedenen Gründen komme ich, zwar nur mit erheblichen Schmerzen, am Google Reader nicht vorbei. Meine Geschichte mit dem Google Reader ist zu lang, um schnell mal abgefrühstückt werden zu können, also spare ich sie mir.

Der Vorteil des Google Readers ist seine insgesamt sehr runde Oberfläche, weshalb ich auch von mobilen Geräten immer Apps verwendete, die mit dem Reader synchronisierten. Bislang waren dies die kostenlose Version von MobileRSS und das schicke Flipboard. MobileRSS ist dabei erste Wahl, zwar mangelt es der App an dem Feinschliff in der Optik, doch insgesamt war sie zuverlässig und schnell. Genau da liegt meiner Meinung nach bei Flipboard der Hund begraben. Es ist das genaue Gegenstück zu MobileRSS schick, aber in der Benutzung sehr viel zeitraubender. In Bruchteilen der Zeit, die ich bei Flipboard für dieselbe Zahl von Artikeln brauche, kann ich mit MobileRSS die Neuigkeiten und Nachrichten durchforsten.

Bild 2: Dieselben Artikel in Kachelansicht

Jetzt aber kommt mit newsify eine App daher, die das beste beider Welten miteinander gut in Einklang bringt. Optisch ist newsify dem spartanischen MobileRSS weit voraus, verzichtet aber auf den 3D-Blättereffekt, der Flipboards Markenzeichen ist. Meine ersten Gehversuche mit newsify zeigten, dass die Lesegeschwindigkeit darunter allerdings kaum leidet. Ich bin sehr schnell durch die ungelesenen Artikel, ohne die mühselige Kleinteiligkeit Flipboards. Auch in Sachen Einstellungen wartet newsify mit einer Vielfalt auf, die mit der von MobileRSSvergleichbar ist. Für mich ist es ungemein wichtig, das Laden von Fotos nur in Drahtlosnetzwerken zu erlauben und ähnliche vermeintliche Kleinigkeiten. Schön ist auch, die Darstellung der Artikel in einer Stapelansicht oder mit moderner wirkenden Kacheln (Bild 2)anordnen zu können.

Einzig umständlich ist, die Artikel nur in ihrer jeweiligen Detailansicht markieren oder weiterleiten zu können. Da hätte sich die UI die clevere Wischgeste von MobileRSS, mit der weitere Optionen für einzelne Artikel schnell zur Hand sind, abschauen können. Doch ist dies eine Marginalie, newsify hat eindeutig Potenzial, MobileRSS den Rang abzulaufen. Derzeit ist die außerordentlich praktische App noch kostenlos zu haben, denn zumindest nach App-Beschreibung im Store, behält sich der Entwickler vor, zu einem späteren Zeitpunkt Geld dafür zu verlangen.

Rock on mit Yahoo Pipes

Nachdem Yahoo Pipes nun allgemein vorgestellt wurde, will ich es ein wenig plastischer machen. Da ich die Musik auf Kultprok etwas vernachlässigt habe, bin ich in mich gegangen. Dabei fiel mir auf, dass ich eigentlich viele Neuveröffentlichungen nicht mehr im Blick habe. Dann, dachte ich mir, baue ich doch mal eine Pipe, in der ich einige Quellen für Neuveröffentlichungen bündele. Gesagt, getan. Ich präsentiere im Folgenden meine Pipe für neue Alben aus Rock, Pop und Metal. Nichts Weltbewegendes darf hiervon erwartet werden. Es dürfte aber doch einen genaueren Eindruck vermitteln, was mit Pipes möglich ist. Weiterlesen

Yahoo Pipes: Informationsautonomie

Es ist unfassbar, aber RSS scheint nicht mehr richtig abheben zu können. Warum, dafür habe ich eigentlich keine geeignete Erklärung. Der Nutzen ist doch eigentlich viel zu groß, wenn man nur bedenkt, wie einfach es ist, die Nachrichten unzähliger Seiten mittels eines Aggregators übersichtlich darstellen zu können. Da RSS schon wenig bekannt und durchgesetzt ist es auch kaum verwunderlich, dass eines der nützlichsten Tools zur weiteren Bearbeitung und Manipulation von RSS-Feeds in Deutschland anscheinend kaum bis gar nicht bekannt ist. Als Beweis für die Anklage bitte ich das hohe Gericht Beweisstück A zur Kenntnis zu nehmen. Das hohe Gericht versuche fürderhin bitte, einen deutschsprachigen Artikel zu finden. Die Anklage schließt ihre Beweisführung ab. RSS gibt es praktisch seit 1999, Yahoo Pipes immerhin schon seit 2007. Da sollte doch immerhin mehr Bekanntheit für RSS und Yahoo Pipes hervorgebracht haben1. Finde ich. Also hier mein Beitrag dazu. Weiterlesen

Organisation mit Web-Apps: So sieht es aus

Der erste Teil war ja mehr eine Ankündigung. Mittlerweile konnte ich die häufigsten und wichtigsten Tools mal zusammenstellen. Es ist das erste Mal, dass ich mir dessen bewusst werde, was ich da womit mache. Für mich war das schon sehr erhellend. Weiterlesen

Organisation mit Web-Apps: Die Cloud, dein Freund

Wie organisiere ich mich eigentlich? Mir ist es bisher nicht bewusst aufgefallen, doch ist klar, dass ich täglich eine Menge an Daten für unterschiedliche Zwecke jongliere: Bloggen, Studium, Arbeit und das Bloggen. Es ist eigentlich verwunderlich, wie das überhaupt zu bewerkstelligen ist. Um mir selbst einmal bewusst zu machen, wie viel ich tatsächlich bearbeite, will ich das hier einmal – halbwegs ordentlich – darstellen.

Ohne moderne Technik wäre es schlicht nicht möglich, diese Menge zu verarbeiten, ohne mich gehetzt oder gestresst zu fühlen. Wichtigstes Glied in der Kette ist mit Sicherheit das Internet – auf allen verfügbaren Geräten. Nahezu alle Apps, die ich verwende, beruhen auf oder sind Netzanwendungen. Die Cloud ist also mein bester Freund, wenn es um die Organisation geht. Weiterlesen