Abdanke, Pontifex

Die Geschichtsschreibung wird ihre Verklärung finden, die im deutschen Boulevard schon zu Beginn des Pontifikats einsetzte. Der pluralisierte Papst deutscher Herkunft ist kraft seines Amtes mit Starrsinn gesegnet, aus gegebenem Anlass erinnere ich mich mit Schrecken an einen verzweifelten formalen Trick aus dem Repertoire politischer Hütchenspieler, den Spruch "Dem deutschen Volke" als Imperativ für eine Lehrstunde in Sachen verblendeter Leitkultur in Deutschland zu missbrauchen:

Da saßen sie alle, andächtig, aalglatt wie ihre Anzüge und Kostüme und feierten politischen Karneval mit dem Mann in weiß, der, als Staatsmann geladen, das Predigen nicht unterließ. Einer derer, die den Weißen, den Erbleichten einluden, musste abdanken. Sie hievten einen Pfaffen auf’s Podest. Heute verkündete der alte Weiße, Ende des Monats abdanken zu wollen. Aus gesundheitlichen Gründen. Zeit zu sagen, was nicht unter Tisch fallen darf: Danke — für nichts.

Der Wulff, der Rücktritt

Die Suche nach einer Nachfolgerin oder einem Nachfolger wird ja nun wieder zur Geduldsprobe stilisiert, sodass es ja nicht schadet, dass ich nun doch meine Ansichten zu Wulffs Rücktritt noch während des präsidialen Vakuums – manche nennen es Horst Seehofer – loswerden will. Es ist nicht mehr als ein leichtes Bedauern – nicht über den Rücktritt, sondern über die Art und Umstände dessen. Weiterlesen