Devil’s Attorney: Das Siegerkinn

Dieser Max McMann ist aus einem ganz besonderen Holz geschnitzt. An den besten Universitäten des Landes ausgebildet und entsprechend auch auf sein gutes äußeres eingebildet, ist der Mann ein Anwalt, der jeden raushaut. Gerechtigkeit, das weiß McMann selbst am besten, ist immer auf der Seite der Gewinner. Und er, das erkennt man schon an der harten Kante seines Kinns, hat den Sieg gepachtet. Wäre er sonst der Held des Spiels? Eben. Aber was schreib ich mir die Finger wund, McMann muss man einfach erlebt haben. Gut, dass unser bescheidener Held und Retter all derer, die ihn bezahlen können, schon in Devil’s Attorneys Intro entsprechend gewürdigt wird.

"He’s a devil’s attorney, a devil’s attorney…" Wie, schon wieder da? Mir geht dieses Lied nicht mehr aus dem Kopf. Und wie der Song, ist das auch das ganze Spiel ein Witz. Ein richtig guter. Aber einer auf Englisch. Wer also mit der Sprache nicht so gut auskommt, wird zwangsläufig den Reiz des Spiels kaum sehen. Entwickler 1337 Game Design hat Devil’s Attorney bis zum Rand mit gutem schlechten Geschmack gespickt.

Im bonbonbunten Szenario der Achtziger Jahre können wir Max‘ Wohnungen mit widerlichem Neoninterieur ausstattet und McMann selbst die billigste Klaviaturkrawatte anbinden, es ist prächtig. Je erfolgreicher Max vor Gericht dubiose Mandanten vertritt, umso mehr kann er sich Accessoires leisten, die sein Selbstbewusstsein und die Dekandenz steigern. Oberflächlich wie er ist, wird er dadurch nur ein besserer Rechtsverdreher, der neue Fähigkeiten erlangt wie etwa Zeugen der Lächerlichkeit preiszugeben oder Beweismittel verschwinden zu lassen.

Ohne das herausragende Design wäre Devil’s Attorney nur ein gut gemachtes Strategiespiel in einem doch recht außergewöhnlichen Szenario. Als Anwalt hat Max angesprochene Fähigkeiten, mit denen er in jedem neuen Fall die angeführten Beweise und Zeugen entkräften muss, bevor diese in den ‚Beweisführungsrunden‘ seinem Mandanten zuviel Schaden zufügen. Mitunter wird es recht knifflig, einen Fall zu gewinnen, so gut sind die Fälle austariert. Aber das Drumherum macht den Reiz erst aus.

1337 Game Design hat so viel Liebe in die Dialoge zwischen Max und den Staatsanwälte. gepackt, man freut sich fast mehr auf deren trashige Wortgefechte, bevor der eigentliche, zumeist völlig abstruse Prozess losgeht. Ganz besonders toll ist dabei Staatsanwältin Susan Maple, die dem eitlen Proll McMann und dessen selbstverliebten Charme ordentlich Paroli bietet. Aber auch alle anderen Figuren haben erstaunlich runde, zum Schreien komische Charaktere, die herrlich aufeinander prallen. Dabei ist die Sprachausgabe so pointiert, dass jeder Gag perfekt zündet. Wo immer man auch hinschaut, Devil’s Attorney ist ein fantastisch gemachtes kleines Strategiespiel. Die Beweisführung ist hiermit beendet.

Linkgebliebenes 10

Linkgebliebenes gerät mir oft sehr schlecht gelaunt, manchmal auch nur als Sammlung der schlechten Laune Anderer. Ich nehme mir bei jedem neuen Linkgebliebenes-Artikel vor, jetzt aber wirklich mal die Konfettikanone auszupacken — und scheitere kläglich. So auch diese Woche. Nehmen wir doch diesen Rant. Warum eigentlich Tutorials, wenn gutes Spieldesign organischer und stimmiger die Spielwelt vorstellt?

Da kommt mir die Galle hoch, wenn ich an all die lieblos eröffneten Spielstunden denke, Lebenszeit die mir geraubt wurde. Brechreiz kriege ich auch beim Gedanken an die stumpfe, uninspirierte Gewalt in Spielen, die als Kaufreiz dient, emotional aber so befriedigend ist wie Tütensuppe schmackhaft ist. Der Geschmack frischer Magensäure belegt meine Zunge auch immer noch, wenn ich an David Gallants Rauswurf denke, weil er ein nachdenkliches Spiel machte, das von seiner Call-Center-Arbeit erzählt. Es ist zum…, ich muss mich beherrschen, aber es kann nicht sein…was ist dieses Gefühl der Schwere?

Mund ausspülen, Hirn reinigen. Nichts soll Verdruss so leicht verjagen wie ein herzliches Lachen. Über Gewaltverharmlosung kann ich aber selten lachen, selbst wenn sie als Satire etikettiert wurde und kläglich am eigenen Anspruch scheitert. Für schlechte Witze ist mir das zu nahe am Geschehen dran, erst einmal müssen aus der Tat, die Oscar Pistorius vorgeworfen wird, die richtigen Schlüsse gezogen werden. Aber war ich nicht eigentlich bei der Satire? Das hier fand ich erstklassig — bis ich sah, dass es keine Satire sein sollte. Und fort war sie, die gute Laune.

Dann gibt es noch Leute, die sich künstlich Gründe aus den Fingern saugen, um dem rundum fantastischen Raspberry Pi versteckte Kosten unterschieben zu können. Ehrlich, ein Monitor musste angeschafft werden? Gut, dass dem Sensationalismus oder auch Wahnsinn (bitte auswählen) schon Einhalt geboten wurde.

Für Merkbefreite (Überlegen wir mal, wer damit gemeint is), die sich eventuell noch ändern wollen, gibt es zum Abschluss die umfassende Darstellung zum #aufschrei. Ha, das war’s dann auch schon. Ich wollte ja gute Laune, Festlichkeit und all das, nur ließen sie mich nicht.

Tenacious D – Rize of the Fenix

Foto: jblackburn (CC-BY)

Tschickedippeduda, ahahuha, damaduda. Nimmt der rockende Wahnsinn überhand, lässt Jack Black auf die Scats fliegen. Anschließend wendet er sich den skatologischen Texten zu. Im Hintergrund schrammeln die Gitarren. Das ist und war das Rezept von Tenacious D, der selbsternannten Übergruppe, die aus dem übergewichtigen Black und noch schwergewichtigerem Kyle Gass besteht. Zusammen machen die beiden seit über einem Jahrzehnt ordentlichen Klamauk über anständigen Rocksongs.

An der Masche hat sich auf dem neuen Album nicht viel geändert. Zusehends verliert sich der Unterhaltungswert jedoch in strammen Riffs aus den Siebzigern, zu den sich leicht die Plauze schütteln lässt und doch keine Freude aufkommt.

Auf diesem Album lässt sich der Niedergang ablesen. Die ersten beiden Stücke, der Titelsong und das fröhlich rockende Low Hangin‘ Fruit haben sowohl das übertriebene Pathos als auch, angetrieben von Dave Grohl, ein sattes Tempo. Danach setzt der Motor aus. Schon weit vor der Halfte des Albums, löst sich jede Struktur auf. Derh Starr ist nicht verkehrt, ist nur allzu vertraut. Die übrigen Titel bleiben oft bei einminütigen Fragmenten.

Nach etwas mehr als den von Skits gestreckten vierzig Minuten ist es dann auch schon wieder vorbei. „They fucked our asses“.

Interpret: Tenacious D
Titel: Rize of the Fenix
Jahr: 2012
Genre: Rock, Satire

Festivus

Schade, ich habe Festivus verpasst. Das war schon am 23. Dezember. Welch selige Momente in meiner Erinnerung schlummern, wenn ich daran denke, wie zwieträchtig wir uns beim gemeinsamen Festmahl Vorwürfe machten. Das ganze Jahr über staute ich alle Wut in mir an, um sie an diesem herrlichen Tage aus mir herausbrechen zu lassen. In einem grandiosen Schwall der Worte, die sich über meine Familie vergossen. Ach, gute Erinnerungen.

Dieses Jahr habe ich es vergessen. Ein Zeichen der hektischen Zeit? Ja! Diese vermaledeite Hektik der materiellen Welt, all diese unnützen Grabenkriege, die man führen muss. Um nichts und wieder nichts; immer ist es derselbe Trott. Frustration verkrustet im Kopf, betäubt das Glücksgefühl. Ich will, ich brauche doch die Auseinandersetzung. Keine Höflichkeit, keine Zurückhaltung. Keine ach so hochgelobte Zivilisation. Festivus hat doch alles in sich vereint, was der gestresste Mensch begehrt. Die Katharsis, die herrliche, die sich einstellt, wenn man mit dem pater familias ringt. Dieses Jahr fiel sie meiner Unachtsamkeit zum Opfer.