Der Horror: trakt.tv und Android

Ich wollte ja nur eine App, die mir erlaubt, Serien auf trakt.tv auch unter Android zu verwalten. Letzte Woche schrieb ich über 60Hz, das auf iOS läuft, aber leider derzeit auf der Performance-Seite etwas zu wünschen übrig lässt. Das war aber nichts gegen meine Versuche unter Android, wie sich jetzt rückblickend herausstellte. Dabei halte ich meine Ansprüche gar nicht für allzu hoch. Im Grunde möchte ich doch nur meinen Account bei trakt.tv nutzen, dort neue Serien oder Filme verwalten und diese gegebenenfalls als gesehen zu markieren und bewerten.

In der ersten Runde fielen dann gleich schon so Apps wie Damnent, moviis, anpMovies, Movie Trakt und TV Trakt  raus. Ich verstehe zwar, warum sie eine Unterscheidung zwischen Film und Serien machen wollen, für mich ist das allerdings nicht sinnvoll, selbst wenn ich überwiegend Serien schaue. Ebenso vielversprechend wirkte auch Twee, doch auch das blendete Filme einfach aus. Die Liste der möglichen Kandidaten ließ also schon an der ersten Hürde eine Menge Apps aus dem Rennen fallen. Dann geht es eben mit den verbliebenen Kandidaten weiter.

Ich kann aber gleich auch noch bei Twee bleiben, denn diese eigentlich ganz ordentlich gemachte App wäre auch an der zweiten Aufgabe gescheitert. Beim besten Willen will mir nicht in den Kopf, warum eine App einen dritten Webdienst für die Daten und Synchronisierung nutzt, der recht gut verbreitet ist, und erlaubt dann nicht, einen bestehenden Account zu nutzen. Ich weiß nicht, was Twee da macht, ob sie irgendwie anhand der Gerätenummern einfach neue Accounts bei trakt.tv anlegen. Wie auch immer. Was nutzt es, dass ich mir bei trakt.tv eine Bibliothek aufgebaut habe, die ich nun nicht nutzen kann? Und Twee ist nicht allein damit, auch das anscheinend sehr beliebte SeriesGuide Probleme, meine Anmeldung durchzuziehen. Ich gebe meine Anmeldedaten von trakt.tv ein, es scheitert jedes Mal. Diese Krankheit scheint TV Shows Favs nicht zu haben. Ich war mal großzügig und ließ es die erste Runde überstehen, obwohl es nur Serien verwaltet. Es brauchte dann aber eine Weile, bis ich merkte, dass die Anmeldung irgendwie meine Daten nicht akzeptierte, sondern eigene Accounts verlangte. Die größte Enttäuschung zu diesem Zeitpunkt war Cliffhanger. Zwar musste ich mich da auch nur mit Serien begnügen, aber in vielen anderen Punkten sah es toll aus. Doch auch hier ist die Anmeldung bei trakt.tv zwar versprochen, aber noch lange nicht umgesetzt. So schlossen McTrakt, das derzeit noch eine Beta ist, und Chakt, das sogar alpha ist, die zweite Runde ab. Deren Entwicklungsstatus hilft mir eben auch nicht, wenn meine Accountdaten ständig nicht verifiziert wurden.

Mehr als die Hälfte der Kandidaten war nun schon nicht mehr dabei. Nur mit einiger Großzügigkeit blieben zu diesem Zeitpunkt noch Apps, die eventuell früher hätten ausscheiden müssen. Aber ich war gnädig, ich konnte ja nicht gleich alle scheitern lassen. TraktApp war schnell und gut, zickte auch nicht bei meinem Account herum. Was für eine Erleichterung. Lediglich das Bewerten von Serien ist nicht möglich, wie ich es gerne hätte, und sehr ansehnlich ist die App wirklich nicht. Aber es hat ja einen Grund, warum ich die Optik nicht zu einem Kriterium gemacht habe, wir reden hier schließlich von Android-Apps. Bei Traktoid bluteten meine Augen nicht mehr, die Synchronisierung der Daten lief eigentlich recht ordentlich, aber es verwaltet nur Serien. Wenn ich also hart bliebe, müsste die App auch aus dem Rennen sein, genauso wie Traktato, das ich schon von iOS kenne. Traktato hat es aber geschafft, weil es die Serien in meinem trakt.tv-Account immerhin in einer vergleichsweise schicken Oberfläche verwaltet und dabei nur die Bewertungsmöglichkeit vermissen lässt. Ansonsten läuft schnell und zuverlässig. Als letzte in der langen Reihe blieb dann noch Voodoo TVDB. Die App ist sehr ansehnlich, lässt aber schon im Namen erkennen, eigentlich für nur für Serien gedacht zu sein. Die App wirkte so gut, ich hätte beinahe übersehen, dass eine Accountanmeldung bei trakt.tv auch erst in Zukunft möglich sein sollte. Dann auch noch nur im gewünschten Umfang in der PRO-Version.

Das war es. Das war alles an Apps. Es machte sich bei mir mehr als nur Ernüchterung breit. Denn damit hatte ich nicht gerechnet. Es war sogar eine recht herbe Enttäuschung, denn es gibt einige Apps, die viel versprechen, aber unterm Strich nicht alles halten. Nach dem jetzigen Stand nutze ich, allerdings auch nur recht widerwillig, Traktato. Aber eigentlich ist es ein karges Ergebnis, dass von mir als Grundfunktionen empfundene Optionen nicht verfügbar sind. Im Grunde besteht aber keine der Apps gegen die trakt.tv-Seite im Browser. Das ist zwar auch eine Qual, bietet aber alles, was ich will.

 

60Hz: Serienabsturz

Die Sucht nach Serien führt zu dem #firstworldproblem, die Übersicht zu behalten. Welche Serie will ich noch sehen, welche Folgen stehen noch aus? 60Hz will Abhilfe schaffen.

60Hz ist kein Fiasko, eine wirkliche Hilfe ist die App noch nicht. Es fängt damit an, dass die App nicht universal ist. Es gibt also eine App für das iPhone und eine für das iPad, wobei ich dann mit ersterer Vorlieb nehmen musste. Das ist allerdings umso ärgerlicher, denn 60Hz setzt auf dem sozialen Netzwerk für Film und Serien trakt.tv auf. Alle Daten werden also regelmäßig mit den Servern von trakt.tv abgeglichen. Wenn ich aber dann schon einmal prinzipell über iOS-Geräte hinweg synchronisieren könnte, aber doch zwischen zwei Klassen unterschieden wird, ärgert das. Außerdem erscheint mir der Abgleich mit den Servern sehr langsam zu sein*. Ich habe selbst ein wenig mit der API von trakt.tv rumgespielt, hatte subjektiv den Eindruck, dass es recht schnell lief. Deshalb kann ich mir nicht erklären, warum 60Hz gerne mal für eine Minute Aktivität anzeigt.

Von der hübschen Oberfläche wollte ich mich dann auch nicht blenden lassen. Denn zumindest in meinem Fall gehören regelmäßige Abstürze leider dazu. Will ich eine neue Serie eingeben und als gesehen markieren, stürzt die App ab. Immerhin das zuverlässig. Schön ist sie, praktisch aber noch nicht. An vielen Stellen sind mir das ein oder zwei Klicks zuviel. Die Klicks, um die App nach einem Absturz wieder zu starten, nicht eingerechnet. Da nützt also das modische Flachdesign mir nicht, wenn der Nutzen der App in vielen Punkten von der Optik torpediert wird und die App zudem auch noch gefühlt langsamer ist, als sie sein könnte.

Ich kann 60Hz im jetzigen Zustand nur bedingt empfehlen. Da die Konkurrenz derzeit auch nicht besser ist, entsteht kein größerer Schaden. Doch von einer simplen App, die einfach macht, was sie verspricht, ist 60Hz auch noch weit entfernt. Zwar gibt es sie immer wieder, die Apps, die anfangs nur Potenzial hatten, dieses dann im Laufe der Zeit dann auch ausschöpften, aber eine Garantie dafür gibt es nicht.

* UPDATE 23.08.2013: Mit der neuen Version 2.3 ist die App tatsächlich sehr viel schneller im Austausch mit trakt.tv geworden. Damit ist 60Hz sehr wohl eine wesentlich bessere App, die nun einen spürbaren Vorsprung hat.

Who dafuq?

Kein Zweifel, die BBC-Serie Doctor Who ist ein Phänomen. In Sachen Langlebigkeit macht der Serie kaum eine andere etwas vor. Nicht zuletzt wegen der so plumpen wie grandiosen Fähigkeit dieses Außerirdischen mit einer beinahe krankhaften Faszination für die Menschheit: Der Timelord kann den eigenen Tod in neuen Reinkarnationen überwinden. Auch eine nicht ganz unpraktische Fähigkeit für eine Serie, die sich nach einigen Staffeln einfach wieder nicht nur in neuem Gewand wiederfindet. Sie erfindet sich mit jedem neuen Gesicht ihres Protagonisten ein wenig fort. Mal sind es Nuancen, mal deutlichere Einschnitte, nie aber war es ein neue Welt.

Nicht einmal eine neue Hautfarbe. Oder ein neues Geschlecht. Der Doctor bleibt sich erstaunlich treu. Das nun auch, wo die Reinkarnationen das Dutzend vollmachen. Wilde Spekulationen befeuern eine Marketingmaschine, die zusehends den Zauber des Doctors verramscht. So ist auch die eitle Sondersendung zu verstehen, die nun erstmals mit viel Aufwand den zwölften Doctor vorstellen sollte, lange bevor dieser im nächsten Jahr aktiv wird. Zum fünfzigsten Geburtstag der Serie beschenkt sie sich mit erbarmungsloser Ausrechenbarkeit.

Nachdem Matt Smith den elften Doctor drastisch verjüngte, damit auch den Sprung über den großen Teich schaffte, ist die einzig erwähnenswerte Neuerung, dass der Nachfolger ergraut ist. Nicht leblos, nein, ein gestandener britischer Schauspieler, der einiges vorzuweisen hat. Doch nach all den Spekulationen, die eine Revolution versprachen, ist der Peter Capaldi eine herbe Enttäuschung. Denn der Beliebigkeit des Doctors, ebenfalls eine Errungenschaft der Smithschen Ära, wird damit kaum eine reizvolle Figur entgegengesetzt. Mehr vom Alten, wenig Wagnis, allgemeine Mutlosigkeit. Das bleibt nach dem inszenierten Feuerwerk.

So traurig es ist, Doctor Who hat tief im Inneren einen Mechanismus in sich, sich selbst und die Mechanismen des Fernsehens auf den Kopf zu stellen. Die Reinkarnation des Protagonisten könnte das Formatfernsehen kräftig durchschütteln, doch selbst in seinem Jubiläumsjahr, oder gerade in diesem, trauen sich Sender und Verantwortliche noch immer nicht, das Rad einmal richtig zu drehen. Eine grandios vergebene Chance – zum wiederholten Male.

Serien-Bildungslücken: Buffy

Ich werde nicht mehr um die Serie herumkommen. Auch wenn ich mich erfolgreich widersetzt habe, Buffy ist dann doch zu groß, um die Serie nur in Ausschnitten gesehen zu haben. Allerdings kann ich nach zwei Folgen schon sagen, dass ich zumindest in der ersten Staffel für mein langes Warten bestraft wurde.

Die erste Strafe für mich ist die ganz und gar altbackene Inszenierung der Serie. 1997 ist gar nicht so lange her, doch die Serie wirkt optisch auf mich nach einer größeren Zeitreise, die mehr als etwas über fünfzehn Jahre in die Vergangenheit geht. Ich will nicht voreilig sein, denn ich habe bislang nur die einleitende Doppelfolge aktuell gesehen und einige Erinnerungen an einige spätere Folgen. Buffy hat aber eindeutig ein sehr langsames Erzähltempo, das mich sehr hart getroffen hat. Auch knirscht es an allen Ecken und Enden hölzern, die Regie hat bei Fernsehserien in den letzten Jahren eine Qualität gewonnen, die nicht mit den Neunzigern zu vergleichen ist. Um es mit Buffy zu sagen:

Buffy

Deal with that outfit for a moment.

Giles

It’s dated?

Buffy

It’s carbon-dated.

Dieses Zitat zeigt eine große Qualität, die so leicht nicht veraltet: Die Dialoge sprühen vor Witz. Das lässt mich allen Staub, der auf der Serie liegt, locker vergessen. Ich will endlich mitreden können, also gebe ich mir die volle Ladung Buffy.

Sherlock: Geskriptete Gottesbeweise

Wunder geschehen immer wieder. Im Fernsehen wie in Filmen treten sie in einer Häufigkeit auf, die daran zweifeln lässt, etwas Besonderes in ihnen sehen zu müssen. Wunder gibt es dabei gerade in Medien so oft, weil sie eben keine Ereignisse sind, die in der Wirklichkeit gebunden sind; das Wunder an sich ist eine Erzählung. Jedes Wunder wird mittels des Erzählens erst zu dem, was es ist. Jedes Wunder zerbricht bei näherer Betrachtung an der Realität. Warum funktionieren Gottesbeweise etwa in religiösen Schriften so prächtig? Warum nehmen wir die göttliche Rettung in Filmen als gegeben an? Weil sie fiktive Stoffe sind, sie sind zu zerbrechlich für die harte Welt da draußen. Also werden sie in die luftige Welt der Geschichten gebettet.

Hinter das fingierte Zustandekommen wundersamer Ereignisse in narrativen Medien blicken die meisten Menschen kraft ihrer Vertrautheit damit mittlerweile recht ordentlich durch die einfachsten dieser Tricks. Andere, nicht weniger wundersame Erzähltechniken werden dennoch hingenommen. So etwa der des Genius. Das meisterliche Genie, das alle anderen Menschen um sich herum in den Schatten stellt. Doch wie bei aller Magie des Storytellings ist auch das erzählte Genie gebunden an den sehr weltlichen – und in der Regel begrenzten – Verstand derer, die das Genie erdenken. Das Genie wird meist mit einem einfachen wie verachtenswerten narrativen Taschenspielertrick in gottgleichen Status versetzt: Drehbuchautorinnen und -autoren schaffen nicht geniale Figuren, sondern solche, denen ein unsichtbares Kraftfeld mitgegeben wird, das sie in die Lage versetzt, die Intelligenz aller umgebenden Menschen drastisch zu senken. Das relative Genie, nicht wirkliche Denker, das schaffen die meisten Geschichten nur. Ähnlich ist es bei der BBC-Serie Sherlock.

Die messerscharfe deduktive Methode, der klare Verstand und die ganze Apotheose des Kriminalisten. Alles Fassade. Nicht einmal sehr geschickt versteckt sich hinter hanebüchen konstruierten Fällen in Sherlock eine schwülstige Arroganz, die Zuschauerinnen und Zuschauer zu simplen Konsumäffchen degradiert. Zu oft bricht hervor, dass Steven Moffat den ganzen fatalen Zirkelschluss beschreitet: Er ergötzt sich daran, Sherlock geschrieben zu haben, der offenkundig ein Genie ist. Ergo muss Moffat selbst ein Genie sein. Bewaffnet mit dieser Erkenntnis rennt Moffat dann zusammen mit den anderen am Drehbuch beteiligten Kollegen in jene Selbstgefälligkeit, die gerade einen Sherlock Holmes ihrer Einfalt wegen aufbrausen lassen würde. Sie scheren sich schlicht nicht um Kongruenz, Plausibilität oder Logik.

Über Logik lässt sich, das macht jedes erzählende Medium so unaufrichtig, hinwegschreiben. So auch hier. Jedes Argument, das dem Meister nicht gefällt, fort damit. Meist ist nicht einmal der Erwähnung wert, warum. Ist denn nicht so offensichtlich, wie falsch alle sind, wenn sie Holmes widersprechen? Hat eine Serie dann noch zwei so hervorragende Darsteller wie Benedict Cumberbatch und Martin Freeman ist der Räson kaum noch zu helfen. Ein Cumberbatch redet sich in Rage und nicht zufällig in solch einem Stakkato über die dem Genie zugeflogene deduktive Leistung hinweg, dass bei so selbstbewusst vorgetragener Knobelei kein Widerspruch mehr erlaubt ist. Mit großen Augen gibt Freeman die Bewunderung für den Meister vor. Schon ist wieder ein kritischer Punkt im Flickenteppich der Logik gestopft.

Das Ärgerliche an einer Serie wie Sherlock ist, wie sehr sie sich die Herablassungen des vermeintlichen Genies gegenüber dem Publikum zu eigen macht. Dabei unterstellt sie dem Protagonisten eine erkenntnistheoretische Unfehlbarkeit, die einem wahrhaft gebildeten Menschen zuwider sein müsste. Genau das vergällt zumindest mir den Spaß an einer ansonsten beneidenswerten Inszenierung, deren Modernität deutsche Kriminalgeschichten besonders leicht in Grund und Boden stampft. Es sind manipulative, dennoch unterhaltsame Dialoge und Vorgänge, die da abgefeuert werden. Sherlock bleibt im Geiste aber ein voraufgeklärtes Kriminalstück, das intellektuell nur leidlich besser ist als jedes CSI.

Serienebbe

Läuft denn gerade nichts mehr, was sich zu sehen lohnt? Habe alle Lieblingsserien mehrfach durch, kriege Entzugserscheinungen. Kann nichts sehen, muss Apparat zerstören.

Macht’s auch nicht besser. Ich muss irgendwoher noch Nachschub finden, zum ersten Mal seit Jahren sitze ich auf dem Serientrockenen. War der Herbst wirklich so schwach letztes Jahr, dass es nicht durch’s ganze Jahr reicht?

Zombieland: Hilfe, meine Zombies spinnen

In den USA fordern neue Medienunternehmen die eingesessenen Produktionsfirmen und Fernsehsender mit eigenproduzierten Inhalten heraus. Netflix hat seinen Beitrag zum Niedergang des Videoverleihs über Ladengeschäfte geleistet, zunächst wurde auf Videoverleih im Versand, nun aber vermehrt im Streaming gesetzt. Allein, es reicht wohl nicht, vom Content anderer Unternehmen und deren Lizenzierungsdschungel abhängigzu sein. In der letzten Zeit schob der Dienst einige beachtliche Serien an. Kein Wunder, dass die Netzbestie Amazon ebenfalls versucht, Serien selbst zu schaffen. Über hauseigene Portale lanciert der nicht gerade sympathische Gigant einige Piloten. Das Publikum soll entscheiden, welche in Serie gehen sollen. Zombieland ist unter den Testballons derjenige mit eingebauter Aufmerksamkeit wegen der recht gelungenen Filmvorlage. Und Zombies gehen ja immer.

Der amüsante Film lebte von der hervorragenden Besetzung, sie hoben selbst platte Kalauer noch über die Schmerzgrenze. Zwar sind die USA voller talentierter, namenloser Schauspielerinnen und Schauspieler, aber die fade halbstündige Horror-Komödie kann auch von der passablen Zweitbesetzung nicht mehr erträglich gespielt werden. Diesem Zombieland steht die Leichenblässe mieser Produktionsbedingungen im Gesicht.

Zombies sind Zugpferde mit günstigen Haltungskosten, denn es braucht ja kaum mehr als leer gefegte Straßen, etwas Gekröse und Kunstblut, schon können unbeleckte Darstellerriegen durch die Zombiekalypse gescheucht werden, sofern sie glaubwürdig eine Waffe halten und Dialoge auswendig können. Für Amazon mag die Rechnung sogar aufgehen, erzählerisch ist Zombieland ein mauer Abklatsch seines filmischen Vorfahren. Es ist kein wandelnder Toter im Sinne etwa der Frühneunziger, als RTL, den unsäglichen Anlauf unternahm, die Drehbücher von Married with Children einzudeutschen und mit Ruhrpottbarock zu verramschen. Zombieland riecht nicht ganz so streng, RTL hat den kreativen Tod schon seit Jahrzehnten hinter sich, doch erinnert mich Zombieland in grottenschlechten Momenten an den Dilettantismus eines europäischen Medienunternehmens.

Person of Interest: Der Wert des Gewissens

Hielt ich Person of Interest für eine sehr gute Serie, nimmt sie zunehmend grandiose Züge an. Die Fronten waren klar, das Gute offenkundig. In der ersten Staffel stand das Vertrauen im Zentrum, das manchmal auch erst nach Zwang und Erpressung entstand. Keine der Figuren war moralisch unbelastet, das war immer klar. Doch wie einige der Figuren, so interessierte dies nicht, solange klar war, auf welcher und wessen Seite sie standen.

Nun aber entpuppt sich Person of Interest als vielschichtiger als das moralische Korsett, das modernes Fernsehen sich gibt, wenn es wie etwa ein Dexter gewagt sein will. Die Vergangenheit der Figuren holt in Person of Interest die Gegenwart ein, aus dem Dilemma entlässt die Serie erfreulicherweise niemanden mit Bauernspielertricks des Storytellings. Weder die Figuren noch die Zuschauerinnen und Zuschauer.

Die Serie nimmt sich das Recht heraus nicht rückstandslos integer zu sein. Sie nutzte die stoischen Mienen der Schauspieler, die unterkühlte Atmosphäre und subtile zwischenmenschliche Verwicklungen, um wie aus dem Nichts eine Grauzone zu schaffen. Dabei riskiert die Serie, Menschen vor den Kopf zu stoßen.

Revolution: Der Dystopie geht der Saft aus

Im Jahre 2012 fiel in den USA der Strom aus. Nicht bloß für einen kurzen Moment, auch nicht wenige Tage, der Strom kam nicht mehr wieder. Alle elektrischen Geräte waren nutzlos geworden. Besonders hart traf es Drehbuchautoren von Revolution, die nun keinen Zugriff mehr auf ihre kostbaren Handbücher für kreatives Schreiben hatten. Sie hätten sie nicht in der Cloud sichern sollen. Also taten sie, was getan werden musste, sie griffen auf einen veralteten Teilausdruck von tvtropes zurück, den ein Praktikant mal machen musste, weil dies als lehrreiche Erfahrung verkauft wurde, die ein unbezahlter Praktikant halt machen muss. Und sie haben wirklich alles aus tvtropes herausgeholt, was die Seiten so zu Dystopien hergaben.

Die Welt, die Revolution zusammenbrechen lässt, ist ein wahrgewordener Alptraum der Tea-Party-Bewegung. Die USA rühmen sich, eine hochzivilisierte Gesellschaft zu sein. Revolution traut dieser Gesellschaft aber zu, nur einen totalen Stromausfall zu brauchen, um völlig zusammenzubrechen. Nach nur fünfzehn Jahren ohne Strom sind die Staaten gar nicht mehr so einträchtig oder geeint. Sie sind in autoritäre Systeme zerfallen, die von Rechtsauslegern wie Glenn Beck immer als sozialer Teufel an die Wand gemalt werden. Allerdings bleibt die Serie auch auf diesem Niveau. Da dient dann das in einer der Republiken durchgesetzte Waffenverbot als Kennzeichen der oppressiven Obrigkeiten, eine Angst von Rechtsaußen also.

Durch alle Facetten der Serie zieht sich eine Ideenlosigkeit, die nach einigen Folgen kaum noch zu ertragen ist. Revolution ist eindimensional. Ihre ganze Ausrichtung ist schon problematisch, denn die Protagonistin auf eine Rettungsmission zu schicken, um ihren entführten Bruder zurückzugewinnen, erweist sich als Belastung. Durch den so erzeugten Zeitdruck soll Spannung aufgebaut werden, den Figuren schnürt die Serie damit die Luft ab. Also wird bei der Charakterisierung der Figuren Scherenschnitte eingesetzt. Tatsächlich dürfen sich Rebellinnen gegenüber Kinder ironiefrei mit "I’m one of the good ones." ausweisen. An anderer Stelle zieht die Serie einen allzu verdächtigen mit den Aufständischen in Syrien. Hier die Guten, da die Bösen. Expositorische Dialoge sind ein Markenzeichen von Revolution; ebenso die völlig dramaturgische Überladung der einzelnen Episoden. Fast panisch flieht die Serie vor jeder ruhigen Minute, die inhaltliche Leere könnte auffallen. Einen Fluchtversuch des Entführten noch in einen Gewittersturm zu versetzen zieht die Spannung nur ins Lächerliche.

An Revolution ist allein die platte Erzählung ein Rückfall in archaische Zeiten. Und Elizabeth Mitchell taugt mittlerweile, so bedauerlich das ist, nur noch als Warnung vor Serien, an denen sie beteiligt ist.