Serj Tankian – Harakiri

Während ich Serj Tankians erstem Album Elect the Dead eine Chance gab, mittlerweile doch keinerlei Erinnerung daran habe, machte ich einen Bogen um sein zweites Soloalbum Imperfect Harmonies. Mit Harakiri ist seit einigen Wochen der dritte Streich Tankians draußen.

Ich wollte Harakiri wirklich Zeit geben, damit es einen anständigen Eindruck hinterlassen kann. Viel gebracht hat es nicht. Ohne seine Kollegen von System of a Down ist der quirlige Sänger zu ausrechenbar. Obwohl er sich abmüht, die Gewohnheiten der Hörerinnen und Hörer brechen zu wollen, tut er es in wiederkehrenden Mustern. Die Wirbel des Derwischs sind vorauszuahnen. Sein markantes Stimmenspiel und die grölende Theatralik und sind alle vorhanden. Aber auch allzu bekannt.

Dabei schlägt er unterm Strich deutlich ruhigere Töne als bei System of a Down an. Wie in Deafening Silence dümpeln hier jedoch ein paar nette Harmonien nur vor sich hin. In den raueren Songs Cornucopia und Uneducated Democracy geht es immerhin belebter zur Sache, doch auch dort fehlt ein Spannungsbogen. Tankian zwängt seine Songs in ein enges strukturelles Korsett, aus dem kein Entrinnen möglich ist. Eine Dramaturgie entsteht so nicht. Es sind Gerippe guter Ideen, die nicht weiter ausformuliert wurden, zerfetzt von bräsigen Texten. Die sozialpolitischen Platitüden Tankians sind reiner Drogenrausch und Wahn. Sie können den Songs ebenfalls nicht helfen.

Harakiri wird wohl keinen langfristigen Eindruck hinterlassen. Formelhafter, gut gemachter Rock ist doch noch zu haben. Auf Kosten der Originalität und Überraschungsmomente. Seiner Künstlerattitüde wird Tankian damit aber niemals gerecht. Weder seine Texte noch seine Musik sind auf Harakiri ein kohärentes Gebilde.