Homeland: Disbelief of Suspense

Howard Gordon und Alex Gansa waren maßgeblich an der Blaupause modernen nationalen Exzeptionalismus in Serienformat beteiligt. Sie trugen beide zum hochfrequenzgesteuerten Rumpelfernsehen bei, das mit 24 in seinen acht Staffeln den Agenten Jack Bauer rücksichtslos über alles und jeden hinwegfegen ließ. Bauer hatte eine eingebaute Etikettiermaschine, mit der er willkürlich allem Aufkleber mit der Aufschrift ‚Terrorist‘ anheftete. Die von Bauer Stigmatisierten verloren augenblicklich jede Würde und alle Rechte.

So trugen auch Gordon und Gansa dazu bei, die Inversion von Kants Maxime, der Mensch sei ein Zweck an sich, niemals ein Mittel zum Zweck, zu propagieren, die so typisch für die US-Regierung unter George W. Bush ist: Kill ‚em all, let God sort ‚em out. (If they are not Americans.)

Gordon und Gansa dürfte der Wind, der ihnen für den ideologischen Simplizismus entgegenschlug, nicht gefallen haben. Von ihrer neuen Serie Homeland heißt es oft, sie diene auch dazu, den von 24 in Misskredit gebrachten Politthriller sowie Gordon und Gansa zu rehabilitieren. Schon letze Woche hatte ich angedeutet, wie wenig dies in meinen Augen gelungen ist.

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Homeland – Gegen alle Klischees

Was kümmert die Vergabe von Preisen, warum ficht es mich an, wenn Homeland eben mal bei den Emmys abräumt? Es müsste mir am Allerwertesten vorbeigehen, was die Nomenklatura des schönen Scheins und der roten Teppiche für preiswürdig erachtet. Doch bei Homeland komme ich nicht drumherum. Es schüttelt mich, wenn ich daran denke, wie leicht es anscheinend ist, auf eine Serie wie diese hereinzufallen. Um nicht nur aus dem Bauch zu ranten, wird es nächste Woche an dieser Stelle meine Begründung dafür geben, warum ich Homeland für das schlechteste beste Fernsehen halte, das im vergangenen Jahr für Aufsehen sorgte.

Dennoch kann ich es mir nicht so einfach machen, auf alles und alle in der Serie einzudreschen. Homeland als bestes Drama zu küren, ist das Ergebnis naiver Augenwischerei. Claire Danes und Damian Lewis sind in diesem effekthascherischen Thrillers um einen aus der Kriegsgefangenschaft zurückgekehrten US-Soldaten, der von einer einzelnen Sicherheitsbeamtin verdächtigt wird, ein Schläfer zu sein, herausragend. Sie verdienen das Lob, nur aus anderen Gründen.

Gerade Lewis werden in der ersten Staffel unmenschliche Abgründe und Twists aufgebürdet. Es ist seiner Leistung geschuldet, aus der unglaubwürdigen Figur eine erträgliche zu machen. Der von Lewis verkörperte Nicholas Brody ist ein fragiles Konstrukt eitelster Autorenschaft, gegen die der Schauspieler mit enormer Inbrunst zu Felde zieht. Die Drehbücher sind wuselige, hektische Fluchttiere, sie rennen aus Furcht vor Monotonie in jede Richtung, die Spannung verspricht. Auf Kosten von Verstand, Logik und Sinn. Lewis, und in geringerem Umgang auch Danes, spielen dagegen an.

Und meistens gelingt es ihnen, in den überbordenden Klischees Raum für Nuancen zu finden. Bei allem Ärger über die Auszeichnung als gutes Fernsehen darf nicht untergehen, welche Leistung sie Danes, Lewis und Kolleginnen wie Kollegen hier vollbringen. Warum Homeland dennoch eine Farce ist, werde ich also in der nächsten Woche in einem hochgradig verspoilerten Artikel niederschreiben.