Anybeat ist nicht mehr, besser, wird nicht mehr lange in der bekannten Form sein. Relativ kurzfristig wurde dies angekündigt, denn nach der Mail vom 10.05. blieben den Userinnen und Usern gerade einmal zwei Wochen, um eventuell eigene Daten und Kontakte zu sichern oder neue Netzwerke zu finden. Zu den Hintergründen bleibt anybeat vage:
It is therefore bittersweet for us to announce that Anybeat is getting purchased by another company, that will be repurposing it to address a different type of community, and will not be operating Anybeat as is.
Mich kümmert das Schicksal anybeats eigentlich reichlich wenig, dazu hatte ich keinen Nutzen gefunden für dieses soziale Netzwerk, das eine Spielwiese zwischen dem hektischen, flüchtigen Twitter und dem Leviathan Facebook sein wollte. Die Mail selbst rief mir anybeat erst wieder ins Gedächtnis. Das mag einer der Gründe für den Verkauf der Community an die unbekannten Firma sein.
Damit wären wir beim eigentlich interessanten Aspekt dieses Verkaufs, der aufgrund der Privacy Policy auch die Weitergabe aller nutzerbezogenen Daten umfasst:
Business Transfers: In some cases, we may choose to buy or sell assets. In these types of transactions, customer information is typically one of the business assets that are transferred. Moreover, if Company, or substantially all of its assets were acquired, or in the unlikely event that Company goes out of business or enters bankruptcy, customer information would be one of the assets that is transferred or acquired by a third party. You acknowledge that such transfers may occur, and that any acquirer of Company may continue to use your Personal Information as set forth in this policy.
Grundsätzlich müssen alle Nutzerinnen und Nutzer bei kostenlosen Diensten im Internet von einer indirekten Bezahlung in Form von personenbezogenen Daten ausgehen. Soweit das heute vorauszusetzende Grundverständnis der digitalen Geschäftsmodelle. Insofern handelt anybeat beim legitimen Verkauf – was auch sonst, sie sind nicht gezwungen, den Dienst bis in alle Ewigkeit mit Verlusten zu fahren – im Rahmen der eigenen Richtlinien. Dennoch wäre bei einem Dienst, der gerade auch wegen seiner Anonymität in der Community genutzt wurde, besser beraten gewesen, mehr Transparenz bei der Ankündigung an den Tag zu legen.
So bleibt dann aber nur weiter der Hinweis, dass Nutzerinnen und Nutzer immer auch im Hinterkopf behalten sollten, welche Daten und wie viel davon sie preisgeben wollen, wenn sie sich bei einem neuen Dienst anmelden. Bei großen Playern wie Twitter oder Facebook droht weniger die Gefahr des kompletten Verkaufs des Dienstes, aber doch auch dort wird die Nutzung bekanntlich bezahlt. Die Währung ist dann nur eine andere – die eigenen Informationen, Interessen, das Nutzungsverhalten und die Kontakte. Gerade diejenigen, die nicht sonderlich freigiebig mit ihren Daten umgehen oder gar eine eigene Parallelidentität für Testzwecke erschaffen, werden vor der allzu leichten Preisgabe ihrer Informationen gefeit sein. Anonymität oder nur Pseudonymität bleiben eine probates Mittel, um in der digitalen Sphäre ein wenig Kontrolle über eigene Informationen zu behalten.