Wohin mit der Streikwut?

Wenn natürlich die Wut schon schön politisch kanalisiert wird, sodass ein Grundrecht auf Streik als Last empfunden wird, ist die Grundlage für gesellschaftlichen Zusammenhalt und Solidarität ja schon vorbildlich vernichtet.

Über die Unannehmlichkeiten und Störungen auf einer persönlichen Ebene verärgert zu sein, das ist nicht das Problem. Mir ist es lästig, vielen anderen Menschen ist es lästig. Darüber Unmut zu äußern ist menschlich und auch nachvollziehbar. Es ist aber weniger wichtig, als es die Dringlichkeit des Streikrechts ist.

Von daher können die Menschen in Deutschland ab morgen ruhig ächzen und schnaufen. Sollten sie wütend werden, wünsche ich mir, sie würden reflektieren, wem sie mit ihrer Wut und dem Unmut helfen. Und würden sie erkennen, wem es hilft, würden sie auch erkennen, warum es im Sinne aller ist, sich mit anderen solidarisch zu zeigen.

Leider befürchte ich, es wird morgen die falschen treffen. Vor allem diejenigen, die morgen noch öffentliche Verkehrsmittel steuern, weil sie einen arbeitsrechtlich anderen Status haben oder einem nicht bestreikten Verbund angehören, sollten morgen nicht die geballte Wut abbekommen. Sie fahren doch. Und die anderen streiken. Womit? Mit Recht.

Être de raison, il cherche le vrai ; être de conscience, il cherche le bien.

Zur Feier des Tages hier nur einmal eine kurze Darstellung dessen, was mich jetzt schon seit Monaten beschäftigt. Es ist eine Übersicht zum Vergleich der Solidaritätskonzepte bei Émile Durkheim, der sicherlich doch den meisten soziologisch Interessierten ein Begriff sein sollte. Bourgeois und Pesch sind eher Exoten, aber im Rahmen der Arbeit doch sehr naheliegend (Klicken, um zur großen Fassung zu gelangen).

Das geht alles noch sehr viel ausführlicher, soll es dann auch sein. Hier ist aber doch schon eine gute Übersicht gegeben. Es fasst mein Ergebnis doch ganz gut zusammen.