Drafts-Rezepte XI: Sprachausgabe

Endlich wurde das Update von Pythonista durch Apples Schleusen gespült. Und wie gewohnt, kommt mit einem Update noch einmal eine Menge Qualität zu Pythonista hinzu. Unter den vielen Änderungen sind wieder so viele dabei, ich will das mal am Beispiel eines der neuen Module feiern. Die Version 1.4 von Pythonista bringt das speech-Modul, mit dem eine einfache Text-to-speech-Ausgabe unter iOS genutzt wird. Viel ist da gar nicht zu machen.

import speech
import sys

speech.say(sys.argv[1])

Die Action für Drafts ist auch nicht viel länger.

pythonista://texttospeech?action=run&argv=[[draft]]

Import-Link

Dieses kleine Skript macht natürlich nicht mehr als die Sprachausgabe – und das auch nur in der Systemsprache. Ich war zu faul, auf die Schnelle noch eine Option für die Sprache zu basteln. Ich muss ja auch noch den Rest des Updates kennenlernen.

Linkgebliebenes 24

Ach, wenn’s so weit ist, sind wir alle.schon lange nicht mehr da.

Copyright-Trolle finden sich überall. Sollte es sich bewahrheiten, das Copyright für ‚Happy Birthday‘ tatsächlich schon verfallen sein?

Die rassische Symbolik ist mittlerweile so dick aufgetragen, sie quillt zu allen Seiten raus. Game of Thrones ist fantastisch, doch der eklatante Chauvinismus ist störend.

Dies bigotten Konservativen, diese bigotten Konservativen, diese bigotten Konservativen, diese bigotten Konservativen…

Prophylaktische Strafverfolgung. Das klingt schon nach Gänsehaut. Wird auch nicht besser.

Welch Ironie. Wenn es nicht so traurig wäre. Sollte es tatsächlich so kommen, dass ein Hacker eine höhere Haftstrafe erhalten könnte, als die Vergewaltiger, die er enttarnte.

Das diese alte Schutzbehauptung noch zieht. The sexism it burns.

Und auch aus der Geek-Kultur schlechte Neuigkeiten.

‚Sprachreiniger‘ sind so leblos wie die Sprache, die sie fordern. Andere Spießbürger haben Stöcke dort, wo die ‚S9yprachreiniger‘ sich ein Kompendium zur Orthographie hingeschoben haben.

Es ist naheliegend, kann aber nicht oft genug betont werden. Alle Vorstellungen einer Meritokratie sind im besten aller Fälle ein fehlgeleiteter, unterkomplexer Begriff sozialer Auslese; meist aber doch nur eine Nebelwand, die irrationale soziale Selektion legitimieren soll. Nach innen wie außen.

Exklusionismus für die Macher, die Gott gewordenen Silikonen.

Linkgebliebenes 20

Kickstarter nimmt Stellung zur Blockbusterisierung des Crowdfundings. Mich überzeugt ihr Argument nicht. Sicherlich bringen die populären Projekte mehr Nutzerinnen und Nutzer zur Ülattform, wovon prinzipiell alle profitieren. Die Sichtbarkeit kleiner Projekte wird allerdings nicht gewährleistet.

Es häuft sich Berichterstattung über Fälle, in denen politische Devianz mit psychiatrischen und therapeutischen Mitteln kuriert werden soll. Die von Gerichten angeordneten Therapien wegen diverser "Auffälligkeiten" weichen die Klarheit und Begrenzung der Strafmaße auf.

Und so manches Mal finden sich nicht nur seltsame politische Interessen, missliebige Personen zu psychiatrieren, selbst ökonomische Gründe können in manchen Fällen dahinter stehen.

Die Administratoren des Satiremagazins The Onion haben sich entschlossen, die Phishing-Attacken zu schildern, mit denen ihre Social-Media-Accounts übernommen wurden. Neu ist nicht das vergleichsweise einfache Verfahren des Hacks, als die Offenheit, mit die Angriffe geschildert werden.

Von Bürgerschaft zu sprechen ist eine reichlich große Kanone, um auf das Problem zu schießen. Das Problem selbst ist aber auch kein handelsüblicher Spatz. Wie können Open-Source-Projekte geregelt inklusiver werden?

Nun bin ich auch unter die Androiden geraten, habe also einen wuchernden OS-Garten auf meinen Geräten, da kommt die Frage ganz recht:

Stereotypen sind vielschichtig, verworren und meist unübersichtlich. Dadurch gerade so faszinierend.

Es roch nach eitler, falscher Gewissheit, die einen anderen Menschen auf die falsche Spur führte. Bei näherer Betrachtung fällt auf, dass in der breiten Öffentlichkeit win Bild von Wahrheit besteht, das nicht tragbar ist. Das gilt gerade auch für Sprache, wie ein eigentlich banal erscheinender Vorfall bei Wer wird Millionär in der letzten Woche zeigte.

Von fermentierten Limonaden redet die PR gerne und lenkt in entnervendem Dummsprech von fermentierten Rollenbildern, die ja nicht beleidigend gemeint waren.

Piraten be gone: Eine aussagekräftige Lücke

In einer weiteren Runde der Demaskierung eines großen Teils der Piratenpartei gibt sich nun Bundesschatzmeisterin Swanhild Goetze die Blöße. Dabei offenbart Goetze die tief in großen Teilen der Partei verwurzelte mechanistische Vorstellung von Gerechtigkeit und Gleichheit. Sie übertragen dabei Konzepte der Informatik blind auf eine Makroperspektive der Gesellschaft. Gesellschaften funktionieren allerdings nicht rückstandlos in klassischer Schaltlogik. Und auch Gleichheit funktioniert nicht, indem sie wegdefiniert wird. Freiheit wird nicht durch konfliktlose Namensräume ermöglicht, wenn die Existenz dieser unterschiedlichen Namensräume Teil des verhandelten Problems ist.

Das will vielen Piraten und auch mancher Piratin nicht in den Kopf, sodass sie sich auf eine Position der Neutralität zurückziehen, die alles ist, nur nicht neutral. Ein Beispiel findet sich in der Einführung eines Textfilters im Sync-Forum der Piratenpartei. Gegen dieses Tool regte sich Widerstand, denn es filtert die Texte im Forum, ob ein Binnen-I oder ähnliche Mechanismen zur Sichtbarmachung von Geschlechtern und Lebensformen zu unterdrücken. Nun lehnte die Bundesschatzmeisterin einen Antrag ab, der die Entfernung des Plugins zum Ziel hatte. Die Begründung (via) ist dabei teilweise hanebüchen, aber bezeichnend hanebüchen für eine Partei, deren intellektuelle Konturlosigkeit und naive Gesellschaftsbilder schmerzvoll offenkundig werden.

Aber was spricht gegen das Plugin? Und warum ist die Begründung von Goetze so traurig?

Mechanistische Texteingriffe

Das Plugin beruht auf einem Add-On für Mozillas Firefox und Google Chrome mit dem schönen Titel Binnen-I be gone. Es ist eine kleine Ansammlung von regulären Ausdrücken, die sich auf das Binnen-I wie bspw. in BürgerIn bezieht. Die eingeschobene Endung -In wird schlicht im Wort ausgeschnitten. Ähnlich wird mit dem gender gap umgegangen. Aber optional können zumindest in Binnen-I be gone auch Dopplungen wie beispielsweise Bürgerinnen und Bürger auf ein schlichtes Bürger eingedampft werden. Technisch ist das äußerst simpel, damit auch stupide gelöst und kann zu völlig verwirrenden Situationen führen. Beispielsweise ergibt allein dervorangehende Satz bei aktiviertem Add-On keinen Sinn mehr. Da hilft im Zweifel auch keine Whitelist. Es ist also eine plumpe sprachreinigende Maßnahme, die aber jederzeit den Sinn eines Textes unbemerkt verschieben kann. Wenn der Sinn nicht gleich völlig kollabiert. Es wird also zugunsten eines vorgeblichen ästhetischen Empfindens der völlige Verlust jeglicher kommunikativen Funktion von Texten in Kauf genommen.

Die Unsichtbarmachung der Sichtbarmachung

Die sprachlichen Konzepte hinter dem Binnen-I und anderen sprachlichen Figuren haben vor allem eine Aufgabe. Sie sollen Menschen und Menschengruppen auch sprachlich sichtbar machen, die bislang in Sammelbegriffen wie dem generischen Maskulinum vereint waren. Verkäufer_in oder Verkäufer*In sollen auf textueller Ebene schon verdeutlichen, dass hier eigentlich ein inklusives Neutrum verwendet werden soll, das es im Deutschen so aber nicht gibt. Sie sind sprachliche Eingriffe, die bewusst die sprachliche Norm brechen. Denn diese sprachliche Norm soll hinterfragt werden. Es geht gar nicht so sehr darum, ob dieses Mittel geeignet ist, eine soziale Veränderung herbeizuführen. Es geht einzig und allein darum, dass Autorinnen und Autoren diese sprachlichen Markierungen bewusst einsetzen, die Markierungen sind Teil ihrer Aussage. Selbst wenn es ihnen inhaltlich um etwas anderes geht, bleibt für sie wichtig, sprachliche Normen zu hinterfragen. Ein Add-On wie Binnen-I be gone greift dort in die Aussage, den Sinn eines Textes ein und verändert diesen im Kern. Sie beschneiden die Meinung von anderen Menschen, die ihre Worte bewusst gewählt haben.

Und die Piraten?

Ja, was ist mit denen? Ist irgendeiner Leserin oder einem Leser aufgefallen, dass ich hier immer Piraten und Piratinnen geschrieben habe? Nein, habe ich nicht? Und was, wenn doch? Meine Rede, es schafft Unsicherheit auf allen Seiten, wenn in die inhaltliche Auseinandersetzung eingegriffen wird. Wie hat Swanhild Goetze sich aus der Affäre zu ziehen versucht?

Es kann niemand vermeiden, dass sich jemand für sich das Browser-Plugins http://binnenibegone.awardspace.com/ installiert, von dem die Option im Forum entnommen wurde. Auch in diesem Fall wird der Text für den Empfänger anders dargestellt, als es der Sender beabsichtigt hatte.

Ja, klar. Genau das sollte es auch sein, eine Entscheidung der einzelnen Personen. Nur weil Menschen sich einen Baseballschläger kaufen können, um damit auf wessen Köpfe auch immer einzuschlagen und es ihre freie Entscheidung ist, dies gegebenenfalls zu unterlassen, muss ich nicht jedem Menschen, der meine Wohnung betritt, einen solchen Holzknüppel in die Hand drücken. Oder sollte ich es als freundlicher Gastgeber doch tun, nur damit meine Gäste ihre Freiheit ausleben können? Das kann nicht Goetzes Ernst sein. Was schreibt sie noch?

Es gibt Menschen, die möchten gerne nur schnell einen Text überfliegen, um zu wissen, worum es im Großen und Ganzen geht, aber sie möchten sich nicht allzusehr inhaltlich mit dem Geschriebenen befassen. Auch diesen Menschen möchte ich es ermöglichen, sich schnell einen Überblick verschaffen zu können.

Und genau dieser Leserschaft soll es leicht gemacht werden, sich selbst vorzuenthalten, dass es der Verfasserin oder dem Verfasser wichtig ist, sprachlich die Vielfältigkeit menschlicher Daseinsformen zu verdeutlichen? Das versteht Goetze unter Neutralität? Es wird aber noch besser.

Sofern wir vor jeglicher technischer Neuerung vor Programmierung immer erst diskutieren und entscheiden müssten, würden viele Dinge niemals programmiert werden.

Schon mal was von Technikfolgenabschätzung gehört? Das heißt nicht etwa, eine Technik zu entwickeln, erst einmal einzusetzen und dann die Folgen abzugrenzen. Gerade vor und während der Entwicklung einer Technik sollen die möglichen Folgen schon abgewogen werden. Und ehrlich, bei nicht einmal 125 Zeilen Regex-Code können manche Piratin und einige Piraten nicht mehr abschätzen, worauf die Textersetzungen abzielen? Sie können nicht sehen, dass sie hier eine Infrastruktur zur selektiven Beschneidung und Verfremdung von fremden Inhalten propagieren. Alles unter dem Deckmäntelchen der Freiheitlichkeit und des Austausches von Meinungen?

Da hilft aus meiner Sicht auch nicht, dass nun im Zuge des Protests gegen das Plugin und die brüchige Verklärung als Service am Kunden eine Erweiterung eingeführt wurde. Ist das Plugin aktiv, soll nun am Ende des veränderten Textes folgender Text eingeblendet werden:

In diesem Beitrag wurden Genderformen entfernt, hier klicken, um die unveränderte Originalversion zu sehen

Das macht es nicht mehr besser. Allein der Umstand, selektive Beschneidung von Meinungen zu erlauben, lässt mich an der Glaubwürdigkeit einer Partei zweifeln, die sich Freiheitsliebe, Schutz von Meinungsäußerungen und die Ausweitung bürgerlicher Rechte auf die Fahnen geschrieben hat. Herzlichen Glückwunsch, die Piratenpartei ist im Sync-Forum jetzt auch ein Unterdrücker.

Sprache, Sexismus und Systemadministration: Global symbol „$maskulinum“ requires explicit package name

Es ist eigentlich ganz einfach, könnte immerhin so einfach sein. Dass es das nicht ist, zeigte sich offenkundig wieder daran, wie eine als totalitär – in grober Verkennung des Totalitären – empfundene Markierung diffamierender Sprache negiert, lächerlich gemacht und damit fortgesetzt wurde. Auf dem 29c3. Wo Systemkritik nur als schick zu gelten schien, wenn sie vom typischen, also männlichen Durchschnittshacker für konsensfähig erachtet und nicht durch Selbstkritik und -reflexion belastet wurde. Der Druck, der mit Privilegien verbunden ist, muss kaum zu ertragen sein für die Privilegierten selbst. Dann wird er halt weitergegeben.

Anatol Stefanowitsch hat am Rande des Geschehens allerdings einen Vortrag gehalten, der mit simplen, eindringlichen Beispielen auf den Punkt bringt, was nüchtern betrachtet Sache ist: Unsere Sprache ist kaputt.

Allerdings ist das Deutsche dann offensichtlich doch auf eine ganz seltsame Weise kaputt, wenn nicht mit diesem Defekt umgegangen wird wie mit anderen. Statt Löcher zu flicken, Schäden auszubessern oder ganz in konsumistischer Tradition das beschädigte Gut gleich wegzuwerfen, um es durch ein neues in Glitzerfolie zu ersetzen, wird dieser ganz besondere Schaden am Fundament der deutschen Sprache bewusst kleingeredet. Alles nicht so schlimm, weil immer so gewesen und bloß nicht laut werden, ja. So werden Systeme, die als sprachliche voll und ganz auch gesellschaftliche sind, administriert, nicht gehackt.

Sprechen Sie Duolingo?

Mit Duolingo hat sich ein weiteres Startup daran gemacht, über das Netz Sprachen – derzeit Deutsch, Französisch, Spanisch und Portugiesisch zu vermitteln, und nun eine App für iOS veröffentlicht. Weniger aufsehenerregend ist dabei der Ansatz als das Geschäftsmodell, mit dem mehrere Sprachen von grundauf erlernt werden können, wobei der Dienst in vollem Umfang kostenlos ist und auch bleiben soll. Das Team hinter Duolingo führt eine besondere Form des Crowdsourcings ein: Es zieht die Nutzerinnen und Nutzer zu Übersetzern heran. Erster Großer Haken, bevor weitergelesen wird: Das Interface ist auf Englisch, heißt also, in Deutschland lässt sich das Konzept nur durch die Beherschung einer weiteren Fremdsprache anwenden. Wer in Englisch noch große Lücken hat, wird von Duolingo kaum profitieren können.

Das Konzept

Vor der iOS-App gab es schon längere Zeit die Webapp, der Aufbau ist bei beiden aber im Prinzip gleich: Kleinere Lerneinheiten, sie dürften nicht mehr als fünf bis zehn Minuten dauern, sind in thematischen Modulen gebündelt. Die Module wiederum sind Teil eines verzweigten Fertigkeitenbaumes. Gamification steckt damit in jedem kleinsten Teil von Duolingo, was keine schlechte Idee ist. Häppchenweise werden die Sprachen vermittelt, wobei die einzelnen Sprachpakete im Fertigkeitenbaum immer anspruchsvoller werden und aufeinander aufsetzen.

Es fängt ganz harmlos mit einigen grundlegenden Vokabeln zu Themen des alltäglichen Lebens an, steigert sich über die Grammatik von Hauptsätzen hin zu den Feinheiten der jeweiligen Sprache. Auffallend ist, dass bei Wiederholungen abgeschlossener Aufgaben auch Vokabeln und Themen aus anderen, bereits abgeschlossenen Bereichen einfließen, selbst wenn diese im Fertigkeitenbaum als schwieriger angesehen werden. Der Lernfortschritt wirkt also auf alle vorangegangenen Einheiten zurück, womit das Lernen weniger vorhersehbar und langweilig wird. Man sammelt buchstäblich Erfahrung, die von den Mechanismen hinter Duolingo flexibel angepasst werden und das Niveau kontinuierlich anheben. Die Motivation bleibt dadurch erhalten, dass für jede Lerneinheit schon Erfahrungspunkte vergeben werden, der Lernerfolg also Schritt für Schritt belohnt wird – Stufenanstiege inklusive.

Ich habe mich an Französisch versucht, das ich bei Weitem nicht so beherrsche wie das Englische, aber ich verfüge über ausreichend Kenntnisse, um für mich selbst abschätzen zu können, wie Duolingo daran geht, eine Sprache zu vermitteln. Dabei fiel mir aber vor allem auf, wie wenig in der iOS-App die Verben und auch grammatikalische Regeln systematisch vermittelt werden. Sie werden im Vorbeigehen angewendet, aber nie ins Bewusstsein gerufen. Ich musste oft auf mein Vorwissen zurückgreifen, um mir manche Zusammenhänge zu vergegenwärtigen. Für absolute Neulinge dürfte dies eine beträchtliche Hürde sein, die auch durch eine Liste der bekannten Verben, die nur in der Webapp einzusehen ist, kaum geringer wird. Gegen gefährliche Trugschlüsse bei der Grammatik ist das Konzept so im Moment noch nicht ausreichend gesichert. Die implizite Regelvermittlung trägt das Risiko, sich selbst Regeln zu erschließen, die fatal von der Grammatik abweichen können.

Die Aufgaben fragen auf verschiedenen Ebenen Wissen ab, mal müssen gesprochene Sätze wiedergegeben werden, dann geht es um das Zusammensetzen von Wendungen aus vorgegebenen Wörtern, Multiple-Choice-Aufgaben finden sich und auch viele andere Techniken. Die allgegenwärtige Sprachausgabe ist im Französischen brauchbar, wenngleich an mancher Wortendung blechern und verwaschen. Besonders eindrucksvoll ist die flexible Textanalyse, die auch auch verschiedene korrekte Eingaben erkennt, dabei sogar offenkundige Tippfehler mit Nachsicht behandelt. Texteingabe ist gerade unter iOS noch immer nicht so zuverlässig, daher war ich dankbar für jeden Hinweis auf einen Fehler, der aber noch nicht die Gesamtbewertung beeinflusste.

Nur mit der Alltagstauglichkeit der Beispiele ist es anfangs nicht so weit her. Ist der Wortschatz noch gering, versucht Duolingo zwar Abwechslung zu schaffen, doch fallen dabei manches Mal unsinnige oder schlicht unbrauchbare Sätze durchs Raster. Die unfreiwillige Komik hat aber auch was für sich und fällt langfristig nicht weiter ins Gewicht. Da vor allem die technische Umsetzung der Methode hervorragend ist, verbringe ich sehr viel Zeit mit der iOS-App. Nur wenn ich keine mobile Datenverbindung habe ist Schluss mit dem Lernen, Duolingo setzt für die Lerneinheiten und die Eingabeprüfung eine Netzverbindung voraus. Am besten funktioniert es im schnellen WLAN, in der Bahn stottert die App bei brüchiger Netzverbindung beispielsweise erheblich.

Das Geschäftsmodell

Duolingo lebt davon, dass Nutzerinnen und Nutzer während des Lernens Übersetzungen erstellen, an denen sich das Unternehmen als Eigentum einverleibt. Das ist für meine Begriffe ein faires Geschäft, gerade wenn ich bedenke, dass die hervorragende technische Umsetzung einige Pflege voraussetzt. Allerdings heißt dies auch, dass man sich bewusst machen muss, dass die in der App erstellten Übersetzungen zur Verwertung an Duolingos Betreiber fallen. In den Nutzungsbedingungen heißt es in Abschnitt 10 zum Eigentumsrechten an generierten Daten:

As between you and Duolingo, all data and information generated from your access and use of the educational activities made available on or through the Service, including translated content generated by you (collectively, the “Activity Data”), shall be exclusively owned by Duolingo, and you shall not have any right to use such Activity Data except as expressly authorized by these Terms and Conditions. By using the Service, you hereby assign to Duolingo any and all rights, title and interest, including any intellectual property rights or proprietary rights, in the Activity Data. All rights of Duolingo or its licensors that are not expressly granted in these Terms and Conditions are reserved to Duolingo and its licensors.

Immerhin muss ich mir keine Gedanken machen, was dann mit meinen Übersetzungen geschieht. Es ist klar: Es sind nicht mehr meine. Aber es heißt ja, man ist das Produkt, wenn man nicht dafür zahlt. Duolingo macht immerhin unmissverständlich klar, wie, wann und wo wir beim Lernen zum Produkt werden. Das ist eine Offenheit, mit der man umgehen kann, um selbst zu entscheiden, ob es sich lohnt oder nicht. Für mich war die Entscheidung aber klar, denn auch wenn ich meine Zweifel habe, dass sich nur mit Duolingo allein eine Sprache erlernen lässt, reicht es vollkommen, um bestehendes Wissen wieder aufzufrischen. Und Spaß habe ich auch noch.

Tools zur kollaborativen Übersetzung von Literatur

Verdammt, mir will kein anderer Titel als dieser trockene Misthaufen von einem Satz einfallen. Einziger Vorteil: Er trifft den Nagel inhaltlich auf den Kopf. Da hatte ich mir nämlich für ein kleineres Projekt, ohnehin mal ein wenig nach Möglichkeiten geforscht, literarische und wissenschaftliche Texte übersetzen zu können. Da aber die kostenlosen maschinellen Angebote meiner Meinung nach nicht taugen, sollte es dann eher eine Plattform zur kollaborativen Bearbeitung von Texten sein. Konkret geht es darum, einige gemeinfreie Mauerblümchen der Literatur ins Deutsche zu übersetzen. Kollaborativ sollte es nur sein, um dann die Texte wiederum zur freien Verfügung zu stellen und auch die Möglichkeit zu bieten, die Übersetzungen in ihrer Qualität noch zu verbessern. Meine Suche brachte einige Optionen hervor, von denen ich die eine oder andere interessante hier einmal vorstellen will. Meine Ansprüche waren dabei vor allem die, dass es kostenlos, effizient und kollaborativ sein sollte. Weiterlesen