Queens of the Stone Age – …Like Clockwork

Die einzige Konstante der Queens of the Stone Age ist Josh Homme. Irgendwo zwischen Sessionband und Herrenclub gehen nur die Joints noch häufiger rum, als die Namen und Gesichter der jeweiligen Besetzungen der Alben. Wer Namedropping liebt, kann sich an der Ahnengalerie der Band ergötzen. Jeder Song fluktuiert mit den Musikern. Mehr noch als die jeweiligen Musiker prägt jedoch die Variante des gerauchten Krauts. Jahre ist Era Vulgaris, das letzte Album.schon her. Da zwinkert der umtriebige Homme nun mit …Like Clockwork herüber, die Augen blutrot, seine Lider hängen tief. Ein zaghaftes Grinsen.

Dieses Album kommt aus vergangenen Zeiten, als der Rock noch harte Arbeit unter sengender Sonne war. Eingängig will Homme gar nicht sein, so rumpelt sich Keep Your Eyes Peeled selbstbewusst monoton ins Album. Damit wären alle Leichtsinnigen vertrieben, die unvorbereitet ans Album kamen. Rockmusik ist Arbeit, Gefälligkeit kann gefälligst draußen bleiben. Sind die Popper vertrieben, da lässt I Sat By The Ocean doch die entspannte Seite raus. Homme sitzt grinsend am Strand, winkt den Poppern hinterher. Der Schelm.

Und so ist …Like Clockwork wieder das, was Homme immer macht. Nicht ganz ernstgemeinte Seriosität im tanzenden Rockzirkus. Dabei lässt er aber auch schon Muster erkennen. Smooth Sailing ist hier die obligatorische Schrulle, die sich Homme bisher auf jedem Album auch gönnte. Ein nervtötendes Stück atonaler Entrümpelung, fachmännisch plump, gerade deswegen so überflüssig. Ansonsten trieb der Rausch Homme dieses Mal aber nicht die Einsamkeit aus, die inmitten der Sessions unter Freunden doch tief zu sitzen schien. The Vampyre of Time and Memory ist ebenso wie I Appear Missing ein Bruch in der hypermaskulinen Attitüde des ewigen Lausbuben. Gerade die Tatsache, dass Homme so offenkundig Menschen, um sich zu scharen vermag, lässt seine Vereinsamung in Fairweather Friends schmerzlich durchbrechen: “Is there anyone out there?/Or am I walking alone?/Well, I turned around and found that you’d gone before the first rain could fall.“ Dann klagen Gitarren über emotionale Gewitter.

Clutch: Earth Rocker

Wenn eine Band wie Clutch über Jahrzehnte hinweg die eigene Bekanntheit steigert, ist diese Langlebigkeit wohl einem besonderen Starrsinn geschuldet. Wo andere an der Industrie und auch sich selbst ausgebrannt sind, glühen die mittlerweile ergrauten Herren aus Germantown in Maryland immer noch vor. Seit Anfang der Neunziger pflegen sie einen speziellen retro-futuristischen Sound. Auch ihr neues Album Earth Rocker klingt nach einem Artefakt vergangener Zeiten, in denen Rock harte Arbeit an schweren Akkorden war. Wenn es denn so einfach wäre bei Clutch. Die Band ist vor allem eine Chimäre, ein grotesker Hybrid.

Wohlgemerkt ist der stumpfe Rock bei Clutch vielschichtiger als es sich zunächst anhört. Stramm stampfende Songs spulen vermeintlich überholte Klischees herunter, darüber Neil Fallons tiefer Sprechgesang. Mehr scheint nicht dahinter zu stecken. Ein trügerischer Schein, denn Clutch brechen die simplen Strukturen geschickt auf. Der maskuline Stoner Rock ist eine Fassade für eine Band, der ihre Leidenschaft für das Jammen anzuhören ist.

Blues schwingt mit, derber Metal der Siebziger auch und die Anleihen bei vielen anderen Genres sind auf Dauer nicht zu überhören. Wie auf allen ihrer Alben, bändigen Clutch ihren Spieltrieb nicht, so verleiben sie sich alles ein, was ihnen in den Sinn kommt. Da fällt erst gar nicht auf, dass der Kopf nicht in den üblichen Takten des Proll-Rocks nickt, gerade Dan Maines und Jean Paul Gaster an Bass und Schlagzeug schmuggeln reichlich Abwechslung in Songs wie Mr. Freedom und Book, Saddle, & Go.

Auch Fallons Texte lösen die Vorstellung von einer stumpfen Band auf, die thematisch so beschränkt ist wie ihre Musik. Clutch verschieben gerne Takte und drehen sich in Rhythmen hinein, Fallon nimmt dann auch noch Anlauf und taucht tief in griechische Mythologie ein, bohrt in der Menschheitsgeschichte rum und kramt religiöse Bilder und Sagen hervor. Schnell wird es vor Mythen, Fantasy und Science-Fiction unübersichtlich. Da geht es schnell so zu wie Crucial Velocity, das eine ganz typische Fallon-Mär erzählt:

Nach einigen ruhigeren Alben, binden Clutch auf Earth Rocker nun wieder Backsteine ans Gaspedal. Es fängt mit dem robusten Titelsong an, der sich unermüdlich ins Ohr beißt und endet nach wilder Fahrt in einem großartig kratzbürstigem Werwolf von einem Song. The Wolf Man Kindly Requests… zeigt deutlich, dass hier eine Band hervorragender Techniker wieder einmal mit Einfalt kokettiert, um allen, die nicht rechtzeitig aus dem Weg kamen, das Kunsthandwerk des Südstaaten-Rocks um die Ohren zu hauen. Clutch sind auf Earth Rocker nach mehr als zwanzig Jahren Bandgeschichte glücklicherweise immer noch das hochbegabte, trotzige Kind, das sie schon immer waren.