Nutzerschaftsbeschimpfung

Ranty McRant hier, vielleicht auch die einzige Person, die gerade die Ohrfeige nicht mitbekommen hat, die der Chief Product Office von Netflix in Sachen Offline-Modus für Videos ausgeteilt haben soll:

Undoubtedly it adds considerable complexity to your life with Amazon Prime – you have to remember that you want to download this thing. It’s not going to be instant, you have to have the right storage on your device, you have to manage it, and I’m just not sure people are actually that compelled to do that, and that it’s worth providing that level of complexity.

In diesem Fall soll es Menschen, die smarte Telephone bedienen, durchaus auch Verantwortung in ihren Jobs übernehmen oder auch ansonsten in der Lage sind, sich Dinge zu überlegen und merken von der Komplexität einer einfach Option zum Download überfordert sein. Sollte die Aussage stimmen, muss erwidert werden, dass diese Annahme tatsächlich nur von einem Unternehmen kommen kann, dass seinen durchaus ordentlichen Inhalt in der unsäglichsten Anwendungsoberfläche nach der Erfindung der Ananas präsentiert. Also durchaus schlüssig, dass man Menschen lieber für dumm hält, als an die eigenen Designfähigkeiten zu glauben. Es ist aber ohnehin zu befürchten, dass dort nur ungeschickt vertragliche Rahmenbedingungen kaschiert werden sollen, die einen Offline-Modus verbieten. Aber dann muss es ja nicht gleich in Publikumsbeschimpfung ausarten.

Die Empirie der Enttäuschung

So, ich erstelle jetzt sofort einen Antrag für DFG-Forschungsmittel zu meinem neuesten Projekt. Ich meine den abolut eindeutigen Indikator gefunden zu haben, an dem man erkennt, wie schnell Freude in Enttäuschung umschlagen kann. Der Gradmesser ist dieser Artikel bei HORIZONT (via Caschy). Der Artikel besteht aus verschwipsten 222 Wörtern und es ist so einfach, festzustellen, welchen Verlauf die Gedanken dabei nehmen. Am Anfang waren fünf Wörter: „Hulu sondiert den deutschen Markt“. Weiterlesen

VoD wie bei Netflix, wo denn bitte?

Eine der Grundüberzeugungen der netzaffinen Teile der Gesellschaft ist ja die, die egalitäre Wirkungen, die dem Netz zugesprochen wird. Es gibt unzählige Beispiele dafür, dass dem nicht so ist. Da wären einerseits noch immer Sprachbarrieren, die lediglich für eine elitäre Auswahl der Netzbürger nicht besteht. Ein weiterer Umstand ist dann noch die Vorreiterstellung der USA. Was dort an experimentellen Versuchen im Umgang mit neuen Verbreitungswegen von Medieninhalten möglich ist, kommt erst mit einiger Verzögerung in anderen Ländern an.

Ein kleines Beispiel: Seit Jahren warte ich auf einen würdigen Anbieter von Video-Streaming-Flats. In den USA gibt es da schon seit gefühlt ewigen Zeiten Netflix. Netflix würde alle meine Anforderungen erfüllen, nämlich Aktualität und umfassendes Programm, vertretbarer Preis (selbst nach den in diesem Jahr heftig umstrittenen, faktischen Preiserhöhungen) und Originalsprache. Allerdings begrüßt einen Netflix noch immer wie folgt:

Sorry, Netflix is not available in your country… yet

Das „yet“ steht da schon eine Ewigkeit. Also kann man sich doch auch auf eine Alternative innerhalb Deutschlands verlassen. Was wäre da?

Videoload

Okay, größerer Anbieter videoload wirkt auf den ersten Blick nicht schlecht. Doch schon der zweite offenbart die Schwächen. Aus meiner Sicht ist das Programm nicht einmal ansatzweise tauglich, zu sehr auf Studiofilme konzentriert. Einige Perlen lassen sich dabei zwar finden, aber die Mühe, das Programm nach diesen Glanzlichtern zu durchwühlen, ist es bislang nicht wert. Außerdem sind auch nicht alle Filme oder Serien in Originalsprache erhältlich. Da kriegt man in der Videothek letztlich (noch) mehr geboten  – für manches Mal sehr viel weniger Geld, als das, was videoload nimmt. Zudem ist das größte Manko: Keine Flat. Also nicht mit Netflix zu vergleichen.

Nächster?

Maxdome

Maxdome ist ähnlich ausgerichteter Anbieter wie videoload, hat aber einen klaren Vorteil. Dort bekommt man schon eine Flat-Option. Es lassen sich also einige Bereiche abonnieren. Das hört sich auch ganz gut an. Hat aber noch immer einen Haken. Eigentlich zwei. Der erste ist, dass es noch immer ein wenig teuer ist für das, was da geboten wird (zumal aktuellere Blockbuster, ich habe nicht gesagt, keine sehen zu wollen, noch einmal mehr kosten); zweitens die Originalsprache ist nicht überall verfügbar und auch die Erscheinungstermine sind nach meiner Wahrnehmung, wiederum aus meiner Sicht, ohne Not an deutsche Veröffentlichungsmechanismen und -termine gekoppelt. Letztlich ist auch das aus meiner Sicht derzeit nicht reif für eine ernsthafte Erwägung als Netflix-Alternative.

Was haben wir noch? Ah, ja…

Bitbop

Da war meine Freude groß, als ich anfangs auf bitbop stieß. Doch auch dieser Dienst kann nicht gänzlich überzeugen. Um genau zu sein, das Angebot bei bitbop wirkt doch sehr ‚antiquiert‘. Es scheint doch eher Inhalte in Zweit- und Drittverwertung für Ahnungslose zu geben. Auch die Originalsprache scheint dort nicht üblich zu sein. Zumindest habe ich hierfür kaum Anhaltspunkte gefunden.

Und der Rest?

Lovefilm

Mir ist jetzt noch lovefilm eingefallen, hinter denen mit Amazon immerhin ein schlagkräftiges Unternehmen steckt. Auch der Aufbau erinnert stark an Netflix, da sowohl ein offline-Verleih dahinter steckt, ebenso aber auch einige Inhalte on demand. Preise könnten auch durchaus attraktiv sein, wenn – und das habe ich noch nicht klären können, weil ich den Dienst noch nicht versucht habe – Programm, Aktualität und Sprache in zumindest erträglich wären.

Was bleibt?

Erst einmal: warten. Auch Jahre nachdem Netflix das Konzept in den USA erfolgreich etabliert hat, ist aus meiner Sicht noch keine Enstprechung in Deutschland vorhanden, die zumindest meinen Ansprüchen genügen kann. Sicherlich hat dies auch damit zu tun, dass Deutsche Online-Inhalte und -Angebote anscheinend noch immer nicht in dem Maße annehmen, wie dies besonders in den diesbezüglich wesentlich offeneren Staaten der Fall zu sein scheint. Alle hier besprochenen Anbieter haben sicherlich ihre Vorzüge, die sie für andere Netznutzer sogar unverzichtbar machen könnte. Mir aber gehen diese noch nicht weit genug. Würde doch jemand mal den Sprung wagen. Sicherlich, ich möchte nicht in den Schuhen derer stecken, die ein solches Angebot schnüren sollen – und zwar rentabel. Aber ich kann ja an dieser Stelle einfach mal meine Wünsche als (potenzieller) Kunde äußern.