Linkgebliebenes 22

Und es wird sie geben, diese Esoteriker, die Artikel wie den folgenden als falschen Belastungszeugen gegen die ‚Schulmedizin‘ heranziehen. Dabei ist es gar nicht so schwer. Der Wissenschaftsbetrieb, oder besser: Wissenschaftsbetriebe, haben ihre systemischen und institutionellen Probleme. Gerade die implizite Währung der Reputation wird von einigen oligopolistischen Rufbanken verwaltet, die wissenschaftliche Kontrolle kann da sehr wohl unterminiert werden. Aber das heißt nicht, das jahrtausendealte Quacksalberei in derselben Liga spielt.

David S. Gallant hat nicht nur das tolle I Get This Call Every Day gemacht, für das er seinen Job verlor. Gallant hat auch einen beneidenswerten Idealismus, der mehr von Spielen, der Szene und der Industrie erwartet. Und auch ihm geht der Sexismus in der Indieszene gegen den Strich.

Es gibt anscheinend unzählige Wege für Politiker und Politikerinnen sich den akademischen Schritt oder die Brust auszustopfen. Wie bei allen Blendversuchen ist es meist nicht nötig. Bringt doch nichts.

Die Dokumentationen Paradise Lost sorgen bei mir immer für Gänsehaut. Sie zeigen die Niedertracht religiöser Eiferer, die in jeder sozialen Normabweichung buchstäblich den Leibhaftigen erblicken. Die West Memphis Three haben einen großen Teil ihrer Leben an die Eiferer, die Heuchler, die Blender und die inkompetenten Rechtsverdreher verloren.

Es stellt sich die Frage, warum die imposanten, gebildeten Fußballer anscheinend nicht das Zeug zum Star haben. Es gibt sie, diese Typen mit Charakter, aber eben nur mit wenigen Einsätzen.

Was von solch reißerischen Experimenten zu halten ist, kann ich als Laie kaum einschätzen. Etwas mehr Einordnung wäre mir lieb gewesen, denn dem Markt traue ich ja alles zu. Ob er aber solches Raubtier ist, dem die Moral zum Opfer fällt, klingt nach einer starken These, die starke Belege braucht. Also bleibe ich erst einmal bei: interessant.

In Hollywood dreht die Maschine noch zugunsten der Regisseure, ihre Kolleginnen haben damit zu kämpfen. Sage nicht ich, sondern die Chefin eines großen Studios.

Der neue Film hatte mir gefallen, doch hatte ich den offenkundigen Sexismus bislang nicht angesprochen. Andere haben das schon längst erledigt. Zudem gibt es auch zur Besetzung des Films etwas in Sachen Whitewashing zu sagen.

Die vorbereitende Sprechstunde

Irgendwas läuft in meinem Kopf nicht richtig. Ehrlich, da stimmt was nicht. Da habe ich gestern einen Termin ausgemacht, für Vorbesprechung zur Abschlussprüfung, die bald ansteht. Und was habe ich mir einen Kopf gemacht, weil der Professor auf meine Mail mit einigen Fragen antwortete, dass ich besser in seine Sprechstunde kommen sollte. In meinem Hinterkopf rumorte es. Ich war felsenfest davon überzeugt, er habe etwas an meinem Konzept auszusetzen und bittet mich jetzt, kurz vor der Prüfung, zum Rapport. Um mein Konzept einzudampfen.

In meinem Magen schlug es seit gestern Wellen, ich war unfassbar aufgeregt. Schlecht war mir, auch heute morgen noch. Ich hatte kaum geschlafen. Eigentlich wollte ich heute Morgen dann noch einmal mein Konzept durchgehen, damit ich wenigstens bestens gerüstet vor den Scharfrichter trete. Doch auch daraus wurde nichts. Die nervösen Blitze, die mir mein Scheitern verkündeten, ließen mir nur zwei Stunden Schlaf. Den auch nur in das Zeitfenster der Vorbereitung auf das Gespräch hinein. Ich war also gänzlich unvorbereitet, meine letzte Beschäftigung mit dem Prüfungsthema war vor zwei Wochen. In der Zwischenzeit hatte ich mich nur auf das zweite Prüfungsfach versteift. Weiterlesen