Summoner Wars: Söldnerspiel (Playdek-Serie Teil 4)

Bei Lichte betrachtet disqualifiziere ich mich selbst, denn zu Summoner Wars habe ich allenfalls eine Meinung, die auch noch aus der Magengrube kommt. Es heißt oft ‚Test‘, ‚Review‘, ‚Besprechung‘, ‚Check‘ oder ‚Angespielt‘, alles Etiketten, auf die ich nicht zurückgreifen kann. Summoner Wars ist, ich sage mal so, klassisches Playdek-Terrain. Danach hat es sich mit der vorgespielten Objektivität auch schon.

Eine Adaption eines mir vorher wieder mal nicht bekannten Kartenspiels. Playdek behält den Kurs bei, verlässt aber etwas die Pfade des gewohnten Deck-Builders, denn Summoner Wars ist zu gleichen Teilen ein Kartenspiel wie es auch ein Strategiespiel ist. Diese Strategiekomponente fließt über die Existenz eines Spielfeldes ein, auf dem die Karten nu angeordnet werden. Typischerweise spielt die Anordnung der Karten keine Rolle, hier allerdings schon. Auf dem Schlachtfeld müssen die Karten eben nicht bloß ihre Wirkung entfalten, das Arrangement der eigenen Streitkräfte und der Verteidigungslinien entscheidet über Sieg oder Niederlage.

Das klingt doch gut, dachte ich mir, das verspricht vielschichtig zu werden, denn auf der technischen Seite wird es, wie von Playdek zu erwarten war, keinen Grund zur Klage geben. Und so ist es auch, Summoner Wars ist qualitativ hochwertig umgesetzt, Playdek hat die Erfahrung, Spielmechaniken kongenial zu übertragen. Woran liegt es also, dass ich nie mehr als eine Partie auf mal spielte? Der Grund hat einen Namen, er ist eigentlich ein Geschäftsmodell: Freemium.

Immer wenn ich das Wort nur höre, wenn es als seligmachende Rettung darbender Franchises von PR-Lumpen exklamatorisch in die Welt gegrinst wird, höre ich nur: "Komm her — bring Geld mit." Freemium ist die digitale Variante des Fleischschreiers auf der Reeperbahn, der mir rüde eintrichtert, wie trostlos mein Leben wäre, wenn ich auf die quasi-gynäkologische Veranstaltung verzichtete, die sie Show nennen. "Kost ja nix. Na ja, kaum was. Was ist schon Geld? Komm rein."

Von klein auf wurde ich ans Spielen dieser immer komplexeren virtuellen Spielkonstrukte gewöhnt, sie waren ein Abenteuer. Ich, so suggerierten die Spiele, erlebe ein Abenteuer, das durch mein persönliches Erleben singulär wird. Mein Spiel. Meine Erfahrung. Zunehmend erkannte die Industrie aber den Reiz der Abhängigkeit, die gesteuert werden kann. Die addiktive Wirkung verdrängte zusehends das Abenteuer selbst. Der Rausch wurde zum Spiel, die Spiele zu Pushern von Hormonausschüttungen im Sekundentakt.

Mit dem Freemium-Modell wurde endgültig der Sprung in die Dealerei genommen. Kauf dir dein High, Dosis um Dosis. Playdeks Summoner Wars, um allmählich die Kurve zu kriegen, verkauft auch die Decks, die Verbesserungen bringen sollen. Vieles wird nicht einmal dauerhaft freigeschaltet, sondern ist konsumierbares Gut. Ich kenne mich gut genug, um mich vor der Sucht fürchten zu müssen. Deswegen kann ich nicht viel mehr zu Summoner Wars schreiben. Es wirkt gut, ich will mir den Rausch aber nicht in einzelnen Dosen erkaufen. Macht es für Playdek Sinn? Waren ihre Spiele, die meist für einen für iOS-Verhältnisse gehobeneren Preis zu haben waren, bislang hinter den finanziellen Erwartungen zurückgeblieben? Ich habe darauf keine Antwort. Sollen sie es meinetwegen machen, aber ohne mich. Den Rausch des Spielens gerne, siehe Super Hexagon, aber nicht die den Rausch als Spielen.

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