Evolutionstag

Warum?

Die Evolution1 ist in meinen Augen aus den verschiedensten Gründen wert, gefeiert zu werden. Sie ist begrifflich-deskriptiv auf einen Naturprozess bezogen. Zugleich ist sie wissenschaftlich betrachtet, eine Theorie von höchster Eleganz, da sie mit vergleichsweise geringen Voraussetzungen und Annahmen eine gewaltige Komplexität abdeckt. Als solche ist sie prinzipiell unviversal, dauerhaft und auch frei. Universal und dauerhaft ist sie, weil es keinen Grund gibt, anzunehmen, dass sie sich im Kern im Laufe der Zeit gewandelt habe oder an unterschiedlichen Orten verschieden angeordnete Mechanismus habe. Das heißt nicht, dass sie überall zu gleichen Ergebnissen führt. Ganz im Gegenteil: Teil ihrer Eleganz ist, dass mit demselben Werkzeugkasten diverse Unterschiedlichkeiten nachvollzogen und erklärt werden können. Frei ist sie, weil sie einen Naturprozess beschreibt, der auch ohne ihre Beschreibung existieren würde. Es bleibt dem Menschen überlassen, dem Prozess einen Namen zu geben, zu nutzen und Gewicht beizumessen.

Aber ist sie auch säkular? Ich bin fest davon überzeugt. Als Naturprozess ist sie hochgradig amoralisch. Es gibt kein Gut und kein Schlecht in der Evolution; es gibt kein Richtig und Falsch als Ergebnis der Evolution (sicherlich aber richtige und falsche Beschreibungen von Evolutionsvorgängen). Damit hat sie erst einmal einen großen Raum der Kollision mit religiösen oder spirituellen Ansätzen gemieden. Was ist aber, wenn die Evolution mit den Schöpfungsmythen der Religionen nicht in Einklang zu bringen ist. Ganz ehrlich, das ist das Problem der Religionen, sich darauf einen Reim zu machen. Die Evolution ist als solche vielleicht in ihrer jetzigen Form nicht unumstößlich wahr. Sie ist aber durch sichere wissenschaftliche Dokumentation und Forschung als evident anzusehen, sie ist in diesem Sinn der Wahrheit um Längen näher als alle bekannten Schöpfungsmythen. Säkular ist es, glaube ich, weil sie sich nicht mit einigen Mythen beißt oder einen Mythos allen anderen vorzieht. Wenn sie überhaupt mit Mythen kollidiert, dann mit allen, die sich auf die Schöpfung durch einen übernatürlichen Eingriff beziehen.

Wie?

Das ist simpel. Durch die Auseinandersetzung mit Literatur und Forschung zur Evolution. Auch wenn landauf, landab gerne auf Wissenschaftskommunikation und -forschung eingeschlagen wird, im Falle der Evolution kann man keinen Vorwurf erheben, dass es nicht genügend Gelegenheit gäbe, sich über die Grundlagen der Inhalte von Evolutionstheorien und dem aktuellen Stand befassen zu können. Wem das zu nüchtern ist, denen bleibt die folgende Regel, die meines Erachtens immer für Feiertage gelten sollte: Jeder und jede feiert mit allen, die feiern wollen. Kein Zwang, keine Not.

Wann?

24. November. Es handelt sich dabei um den Jahrestag des Erscheinens von Darwins On the Origin of Species by Means of Natural Selection, or the Preservation of Favoured Races in the Struggle for Life, welches ursprünglich im Jahre 1859 erschien und erst später einen weniger wuchtigen Titel erhielt. Dieser Termin erscheint mir sinnvoll, weil es sich bei diesem Werk um ein wissenschaftsgeschichtliches Schwergewicht handelt, das heute inhaltlich in weiten Teilen bis hin zur Veralterung erweitert und ergänzt ist. Dennoch ist es Ursprung eines naturwissenschaftlichen Triumphzuges.

 

1 Ich verwende diesen Begriff hier als Platzhalter für eine Sammlung von Evolutionstheorie, die geschichtlich entstanden sind. Vor allem meine ich damit aber das heute übliche erweitere synthetische Evolutionstheorie.