Gravitätisch

Ich erinnere mich gut an meine kindliche Faszination für diese alten Bücher zum Ausklappen. Wurde eine Seite aufgeschlagen, faltete sich eine Szene auf mehreren Ebenen auf. Als Kind versetzte mich das ins Staunen, als spränge mich eine im Buch konservierte Welt an und falle auch wieder zusammen sobald ich die nächste Seite aufschlug. Die Faszination für Pop-up-Bücher ist mit den Jahren natürlich verflogen, die Erinnerungen an aufgefaltete Ritterburgen oder Bauernhöfe ist geblieben.

Das Kino hat mit seiner 3D-Welle seit Jahren versucht, mich zu überzeugen. Meine Nostalgie für Pop-up-Bücher half da aber wenig, mich von dieser vermeintlichen Errungenschaft zu überzeugen. Letztlich sahen die Filme allesamt aus wie aufgeblähte und über alle Maße hinaus promotete Bewegt-Pop-ups. Zwei, drei Ebenen ohne wirkliche Dreidimensionalität. Dafür erkaufte sich die Technik ihre Tiefe dann auch in den meisten Fällen mit Unschärfe, Dunkelheit und Verzerrung. Ein Ärgernis also, wenn mir der Schädel brummte von all den wirren Effekten.

Gravity ist nun aber der erste Kinofilm, bei dem 3D nicht nur für mich funktionierte, ich kann mir eigentlich auch nicht vorstellen, diesen Film anders genießen zu können, als auf einer großen Leinwand in 3D. Für das Kino dürfte das dennoch ein Feigenblatt bleiben, denn Gravity kann aufgrund seines Szenarios alle Schwächen des 3D in Stärken verwandeln: Im All ist es ohnehin düster, da fällt kaum noch ins Gewicht, dass die Brille auf meiner Nase eine Verdunklung herbeiführt. Die Dimensionen sind ebenso verschoben, wenn selbst die größte menschengemachte Raumstation vor der Erde wie ein Staubkorn wirkt. Wenn dann Menschen wie Fremdkörper vor unserem im Hintergrund verschwommenen Planeten wie Fremdkörper schweben, ist das ein ehrfurchtseinflößender Effekt.

Noch deutlicher spielen die 3D-Schwächen dem Film nur bei der Verfremdung unserer Sehgewohnheiten in die Karten. Im Weltraum ist das Konzept der Himmelsrichtungen reichlich sinnlos, ein Oben oder Unten ist schlichtweg nicht aufrechtzuerhalten. Also schwebt die Kamera bewusst haltlos durch den Raum, desorientiert Sehgewohnheiten damit arglistig. Zusätzlich nutzt der Film die aus der 3D-Technik entstehende Verzerrung zur Verstärkung dieser Haltlosigkeit. Das Auge des Betrachters wird und soll eben nur schwer Halt finden.

Für mich ist der Film damit eine Ausnahmeerscheinung. Er spielt nicht nur die Stärken des Kinos aus, uns in fremde Welten zu versetzen, er münzt auch noch technische Unzulänglichkeiten heutiger Vorführungen auf hervorragende Weise um. Gravity ist ein selten gewordenes, beeindruckendes Erlebnis, das wohl nur so im Kino zu haben ist. Und auch das ist eine Kindheitserinnerung, die ich verloren glaubte: Die Begeisterung für das rauschhafte Erlebnis im Kinosaal.

Linkgebliebenes 23

Fangen wir doch mal mit dem intuitiven Argument gegen den Verzehr von Tieren an. Es ist ganz einfach.

Dann habe ich noch zwei Texte, die zusammen noch einmal viel schrecklicher wirken, als alleine schon. Vertrauen in die Staatsgewalt entsteht so nicht.

    Die Befreiung vom Verlagswesen kommt.nicht ohne Kosten.

      Gut, dass Verlage ihren mittelnden Job als Kuratoren wahrnehmen. Dan Brown schreibt Höhenkamm.

        Finnland, wo Neugeborene in Kartons aufwachsen. Und gerade deshalb mehr Chancen haben.

          Mal wieder Gamer-Sexismus und Trollverhalten in Spielen:

            Ja, ich glaube an eine heuchlerische Verbrüderung von Christen als Parteikadern, die von Trennung von Staat und Religion nichts verstehen. So schlimm ist es aber schon?

              Einiges zur Technikkritik und populärer Wissenschaftstheorie.

                Der Abgrund starrt zurück.

                  Ich lese immer wieder gerne, wie leicht es ist, Wörterbuchattacken zu fahren.

                    Oft gesagt, wird aber nicht alt. Germany’s Next Top Model ist bestialisch.

                      Ich behalte Adblock trotzdem.

                        The Red Wedding. Schockierendes Fernsehen, aber drum hervorragend.

                          Netzzensur: Fehlercode 451

                          Ray Bradburys dystopischer Roman stand Pate für die Bezeichnung eines kürzlich vorgeschlagenen neuen Fehlercodes im Hypertext Transfer Protocol. Unter HTTP dürfte dies eher bekannt sein. Genau, dieses komische Zeichengewirr, das uns bspw. am Anfang einer URL begegnete, würden die meisten Browser es mittlerweile nicht einfach unter den Tisch fallen lassen. Zur Vereinfachung, dieses Protokoll ist einer der kommunikativen Pfeiler des World Wide Web. Ohne es, wären Hypertexte nur Text. Und wir alle lieben es hyper. Ohne auf die Details eingehen zu wollen, dafür gibt es bessere Quelle als kulturproktologie, muss doch einmal auf Tim Brays Vorschlag hingewiesen werden, HTTP um eine Fehlermeldung zu erweitern, die auf Zensur verweist. Es mag wie ein humorvoller Vorschlag klingen, ein letzter Gruß an den vor Kurzem verstorbenen Bradbury, doch steckt noch etwas mehr dahinter. Weiterlesen